| 47 Stolpersteine
In der Form von 10 x 10cm großen Messingplatten sind in den Jahren 2005 und 2006 in Bürgersteige von Borbeck verlegt worden.
Sie sind beschriftet mit "hier wohnte" und dem Namen des Mitbürgers, der hier lebte und in der nationalsozialistischen Zeit umgebracht wurde.
Die Gedenktafeln sollen daran erinnern, was in unserer unmittelbaren Nachbarschaft passierte.
Idee und Ausführung sind vom Kölner Künstler Gunter Demnig.
Gestiftet wurden sie von Essener Bürgern.
Kultur-Historischer Verein Borbeck e.V.
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Marktstr. 10
| Adolf Loewenstein
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| Geb. 6.1.1869, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Adolf Loewenstein war ein Neffe von Jacob Loewenstein.
Sein Vater Philipp hatte in der Altenessener Straße ein Geschäft.
Adolf besaß in der Marktstraße 10 ein Herrenkonfektionsgeschäft.
Er wohnte mit seiner Familie in der Rechtstraße 19.
Im Anschluss an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Adolf
Loewenstein ins KZ Dachau verschleppt und kam erst im Januar 1939 wieder frei.
(Ernst Schmidt: Die Loewensteins aus der Rechtstraße, in: Borbecker Nachrichten vom
16. August 1990.)
Der Stein wurde am 15.11.2005 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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| Johanna Loewenstein, geb. Hohenstein
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| Geb. 25.5.1891, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Weitere Informationen siehe Adolf Loewenstein
Der Stein wurde am 15.11.2005 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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| Martin Loewenstein
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| Geb. 6.12.1929, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Weitere Informationen siehe Adolf Loewenstein
Der Stein wurde am 15.11.2005 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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Wüstenhöferstraße 221
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| Arthur Salzmann
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| Geb. 14.3.1880, am 27.10.1941 nach Lodz. (Jude)
Die Salzmanns wohnten seit 1910 in Borbeck. Arthur Salzmann leitete dort die
Möbelabteilung im Geschäft der Geschwister Loewenstein und gründete,
als die Loewensteins die Möbelabteilung aufgaben, ein eigenes
Möbelgeschäft in der Gerichtsstraße 42 (heute: Beerdigungsinstitut Voss).
Die Kinder Werner, Ursel und Ruth wurden in Borbeck geboren und gingen hier
zur Schule.
Im Februar 1938 war sein Geschäft "arisiert" worden.
Nach der Pogromnacht wurde Arthur Salzmann am 10. November 1938 verhaftet
und am
23. November wieder entlassen.
Am 3. Januar 1941 zog er zur Hammacherstraße 4 in der Stadtmitte.
Von hier aus wurde er am 27. Oktober 1941 nach Lodz in den Tod verschleppt.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 2, S. 244-267: "Verfolgt, vertrieben,
vernichtet. Das Schicksal der jüdischen Familie Salz-mann." und "Aus dem
Leben
jüdischer Familien in Borbeck" in: Borbecker Nachrichten vom 10. Juni 1988)
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Industriegewerkschaft Metall Essen.)
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Marktstr. 15
(früher: Borbecker Str. 140)
| Hugo Hirsch
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| Geb. 7.6.1867, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Hugo und Jenny Hirsch besaßen in der Marktstraße 15 ein
Damenmodegeschäft.
1939 mussten sie in ein sogenanntes "Judenhaus" in der Richard-Wagner-Straße 62
umziehen, wo viele ausgeraubte Juden vorübergehend zusammen lebten.
Am 22. April 1942 wurden sie nach Izbica, einem Zwangslager im Osten Polens,
deportiert und sind dort umgekommen.
(Hermann Schröter: Geschichte und Schicksal der Essener Juden,
S. 387 und 584.)
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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| Jenny Hirsch, geb. Frank
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| Geb. 7.12.1885, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
weitere Informationen: siehe Hugo Hirsch
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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Borbecker Platz 5
(früher: Borbecker Str. 136)
| Elli Loewenstein, geb. Herzstein
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| Geb. 6.9.1888, am 10.11.1941 nach Minsk.
Elli Loewenstein war die Frau von Max Loewenstein und die Schwiegertochter
von Jacob
Loewenstein, der mit seiner Schwester Sophie seit 1885 das Geschäft
Gebr.Loewenstein
in Borbeck-Mitte besaß.
(Ernst Schmidt: Lichter in der Finsternis 1, S. 194-213: "Gertrud und Edith
Loewenstein.
Das Schicksal einer jüdischen Familie und der Widerstand ihrer Töchter.")
Der Stein wurde am 15.11.2005 verlegt.
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Weidkamp 9
| Johanna Berghausen
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| Geb. 27.3.1869, am 29.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21. 7. nach Theresienstadt, 12.3.1943 + (Jude)
Johanna Berghausen besaß in dem Haus Weidkamp 9 eine Pension und einen
Mittagstisch.
Ihre Schwester Ida hatte das bekannte Borbecker Fotoatelier.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Kiberli Lewis, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.)
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| Ernst Löwenberg
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| Geb. 13.1.1878, am 27.10.1941 nach Lodz. (Jude)
Ernst Löwenberg kam 1903 als Handlungsgehilfe (Kommis) nach Borbeck zur
Firma
Gebrüder Loewenstein. Er wohnte lange im Haus Dionysiuskirchplatz 9, im Haus
der
Loewensteins. Er leitete die Buchhaltung.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Kiberli Lewis, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.)
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Weidkamp 8
| Franz Schieren
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| Geb. 24.1.1911, ab 12.1.1939 nach Belgien, von dort deportiert. (Jude)
Franz Schieren besuchte von 1920 bis 1929 das Gymnasium Borbeck.
"Nach der Pogromnacht vom 9. bis zum 10. November 1938 hat man den Vater bis zum
19. November 1938 inhaftiert.
Franz Schieren emigrierte am 12. Januar 1938 nach Antwerpen.
Hier war er Studienrat und als Sprachlehrer tätig.
Offenbar ist er nach dem deutschen Überfall auf Belgien von hier aus in den Tod
deportiert worden, denn in einer Liste der ermordeten Essener Juden steht auch sein
Name." (Ernst Schmidt: Es läuft da eine gewisse Aktion. Die jüdischen Schüler, in: Klaus
Lindemann: "Dies Haus, ein Denkmal wahrer Bürgertugend." Das Gymnasium seit der
Kaiserzeit, S. 310-330.)
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt.
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| Helene Schieren geb. Kaufmann
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| Geb. 18.9.1872, am 28.4. zum Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude)
1900 gründeten zwei Brüder Kaufmann aus Hüls bei Krefeld an der Ecke Hülsmannstraße
/ Dionysiuskirchplatz das Modegeschäft "Gebrüder Kaufmann".
Später wurde es von der Schwester Helene und ihrem Mann Lazarus Schieren
weiterbetrieben.
1930 machte es Konkurs.
Später wurde ein neues Geschäft in der Borbecker Straße 159 eröffnet.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Bastelkreis der Matthäuskirche in Borbeck.)
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| Lazarus Schieren
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| Geb. 12.8.1875, am 28.4.1942 zum Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude)
weitere Informationen: siehe Helene Schieren
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt.
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Marktstr. 26
(früher: Borbecker Str. 135)
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| Berta Stern
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| Geb. 18.10.1867, am 21.7.1942 nach Theresienstadt, + 6.1.1943. (Jude)
Gegenüber dem alten Borbecker Marktplatz hatten Benedikt Stern und seine Frau
Berta
ein Textilgeschäft.
Sie hatten zusammen einen Sohn Richard, der von 1910 bis 1918 das Gymnasium
Borbeck besuchte.
1939 konnte Richard Stern mit seiner Frau Liselotte nach England emigrieren.
Im November 1938 wurde auch Berta Sterns Geschäft von SS-Männern
zertrümmert.
Eine Borbeckerin, die ihr den Haushalt führte, erinnerte sich:
"Die alte Frau Stern lebte noch kurze Zeit in ihrer Wohnung.
Das Geschäft musste sie aufgeben und das Haus ging in den Besitz von Zigarren-
Reuter
über.
Sie selbst wurde später gezwungen, in das ‚Judenhaus′ Hindenburgstraße 22 zu
ziehen.
Dort habe ich sie einmal besucht und brachte der guten Frau etwas zu essen.
Auf engstem Raum lebten hier viele Menschen.
Bald darauf hat man sie mit anderen in den Tod geschickt."
(Ernst Schmidt: ‚Reichskristallnacht′ 1938 in Borbeck. "Mädchen mach dich auf alles
gefasst. Bei Stern sieht es furchtbar aus..." in: Borbecker Nachrichten vom 4.
November
1983)
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim.)
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Rechtstr. 8
| Ludwig Gutzmann
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| Geb. 12.1.1902, am 15.1.1935 im KZ Sachsenhausen umgebracht. (KPD)
Ludwig Gutzmann war als Mitglied der KPD auch nach dem Verbot der Partei im
Jahre 1933 aktiv.
Er wurde deshalb wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu sieben Jahren Zuchthaus
verurteilt.
Als er 1941 entlassen werden sollte, ordnete der Chef der Gestapo Reinhard Heydrich die
Überführung ins KZ Sachsenhausen an.
Er hinterließ eine Frau mit drei Kindern.
(Ernst Schmidt: "Menschen, die man nicht vergessen darf", in: Borbecker Nachrichten
vom 30. Juli 1998)
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt.
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Otto-Brenner-Str. 47
(früher: Prinzenstr. 7)
| Ida Lazarus, geb. Berghausen
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| Geb. 28.10.1872, am 28.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude)
Ida Lazarus geborene Berghausen besaß in dem Haus Borbecker Straße 136
(heute Borbecker Platz 5) ein Fotoatelier.
Viele Borbecker Familien ließen sich bei Berghausen fotografieren.
Ihr folgte als arischer Fotograf L. Menke
Der Stein wurde am 13.4.2006 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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| Gustav Lazarus
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| Geb. 18.4.1869, am 22. 4.1942 nach Holbecks Hof, am 21.7.1942 nach Theresienstadt. (Jude)
weitere Informationen: siehe Ida Lazarus
Der Stein wurde am 13.4.2006 verlegt. (Pate: Mitarbeiter der Sutter-Gruppe.)
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Marktstraße 56
(früher: Borbecker Str. 111)
| Clementine Grünebaum, geb. Plaut
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| Geb. 13.12.1871, am 27.4.1942 nach Holbecks Hof, am 21. 7. 1942 nach Theresienstadt. (Jude)
Über Clementine Grünebaum, geborene Plaut, ist nichts Näheres bekannt.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt. (Pate: Frau Jeusfeld, Mitarbeiterin der Sutter-Gruppe.)
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| Adele Seelmann
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| Geb. 1.2.1879, am 22.4.1942 nach Izbica. (Jude)
Adele Seelmann war eine Tochter von Albert Seelmann, der schon 1868 als Metzger und
später auch als Wirt in Borbeck lebte. Ihr Bruder Benedikt hatte in Dellwig eine Metzgerei
eröffnet. Sie führte die Gastwirtschaft ihres Vaters weiter.
Heute ist dort die Gastwirtschaft Rolef gegenüber der Post.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt.
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Schmale Straße
| Wilhelm Wienert
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| Geb. 26.6.1888, + 14.9.1945 an Haftfolgen. (Volksopposition)
Wilhelm Wienert war ein Borbecker Heilpraktiker, den seine kritischen
Bemerkungen zur
nationalsozialistischen Politik wiederholt ins Gefängnis brachten.
Der Stein wurde am 24.1.2006 verlegt.
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