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Seitenübersicht
Die extreme Rechte in Essen

Aktivitäten und Entwicklungen in 2008

Ein Dossier der Antifa Essen Z

Die Broschüre

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Siehe dazu auch die Dossiers der nachfolgenden Jahre:

Siehe dazu auch das Vorjahr:

BuchLogo.gif Alle Broschüren und Bücher finden Sie auf der Downloadseite.


Inhaltsverzeichnis


Vorwort

Die extreme Rechte stellt für Migranten, Linke, Juden, Homosexuelle und viele andere Gruppen noch immer eine ernst zu nehmende Gefahr dar.

Eine Beschäftigung mit ihren Strukturen und Organisationen ist daher ebenso wichtig wie die Auseinandersetzung mit ihrer Ideologie. Diese Broschüre soll deshalb über die Aktivitäten und Entwicklungen der extremen Rechten in Essen informieren. Wir hoffen, ein solches Dossier in Zukunft regelmäßig veröffentlichen und den Umfang unserer Dokumentation stetig erweitern zu können. Dazu sind wir natürlich auf Anregungen und konkrete Hinweise angewiesen, die gerne an unsere unten angegebene E-Mailadresse gesendet werden können.

Wir hoffen auf reges Interesse.

Antifa Essen Z (Januar 2009)



V.i.S.d.P.

Tessa Kuijer
Kaiser-Wilhelm-Str. 29
45276 Essen
Eigendruck im Selbstverlag
http://antifaessen.blogsport.de
antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png



Die Republikaner (REP)

Die 1983 als Rechtsabspaltung der CSU gegründeten Republikaner hatten ihre größten Wahlerfolge Ende der 80er Jahre im Zusammenhang mit der über weite Teile von rassistischen und rechtspopulistischen Positionen geprägten Debatte um Zuwanderung und „Asylmissbrauch“. Nach der sog. Wiedervereinigung Deutschlands trug die Partei maßgeblich dazu bei, klassische Positionen der extremen Rechten in die Mitte der Deutschen Politiklandschaft zu tragen. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu punktueller Zusammenarbeit zwischen NPD und REP.

Seit 1999 sind die Republikaner im Rat der Stadt Essen vertreten. Bei den letzten Kommunalwahlen im Jahr 2004 konnten sie mit über 5000 Wählerstimmen erneut zwei Mandate erringen. Zudem sind die Republikaner mit jeweils einem Abgeordneten in den Bezirksvertretungen V (Altenessen, Karnap, Vogelheim) und VI (Katernberg, Schonnebeck, Stoppenberg) vertreten.(1)

Die Essener Republikaner betreiben eine Website, auf der sie regelmäßig über ihre kommunalpolitischen Aktivitäten und Forderungen berichten. Im Zeitraum zwischen Januar und Dezember 2008 sind keine öffentlichen Aktivitäten des Essener Kreisverbandes der Republikaner bekannt geworden.

Mediale Aufmerksamkeit erlangte die Partei im vergangenen Jahr lediglich durch die gerichtliche Verurteilung eines ihrer Mandatsträger: Volkmar B., seit 2001 Abgeordneter der Republikaner im Rat der Stadt Essen, wurde im Mai wegen Nötigung rechtskräftig zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Gericht befand ihn für schuldig, eine Auszubildende in seiner Rechtsanwaltskanzlei sexuell belästigt zu haben.(2) B. trat kurze Zeit später von seinem Amt als Ratsherr zurück. An seine Stelle rückte Peter S., der bei den Kommunalwahlen 2004 auf Platz drei der Republikaner-Liste kandidiert hatte.(3)


Trotz dieser aus republikanischer Sicht unvorteilhaften Entwicklung, der Inaktivität des Essener Kreisverbandes und der Konkurrenz durch NPD und erstmals auch PRO-NRW, will die Partei nach eigenen Angaben zu den Kommunalwahlen im kommenden Jahr erneut antreten.

1^  http://www.essen.de/Deutsch/Rathaus/Aemter/Ordner_12/Wahlen/KW/Kommunalwahlergebnisse.asp

2^  http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/essen/2008/5/30/news-51197251/detail.html

3^  http://www.republikaner-essen.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=36&Itemid=67



Bürgerbewegung pro Nordrheinwestfalen (pro NRW)

Im Februar 2007 wurde von mehreren lokalen Ablegern der rechten „Bürgerbewegung pro Köln“, die bereits seit 2002 unter Beobachtung des nordrheinwestfälischen Verfassungsschutzes steht(4), die „Bürgerbewegung pro NRW“ gegründet. Ihren lokalen Schwerpunkt hat pro NRW aber weiterhin in Köln. Hier sollte im September 2008 auch ein europaweiter „Anti- Islamisierungskongress“ stattfinden, der jedoch durch Polizei und Gegendemonstranten weitestgehend verhindert wurde. Dennoch brachte die Diskussion um den Kongress und die in vielen Städten von ihr initiierte Debatte um den Bau neuer Moscheen der rechten „Bürgerbewegung“ ein hohes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit ein. Pro NRW wird nach eigenen Angaben sowohl zu den Kommunalwahlen im Sommer 2009 als auch zu den nordrheinwestfälischen Landtagswahlen 2010 flächendeckend antreten.(5)

Ein Essener Kreisverband der „Bürgerbewegung“ wurde im Sommer 2008 gegründet(6). Zum Vorsitzenden des Kreisverbandes wählte die konstituierende Mitgliederversammlung im Juni den Essener Bautenschutzunternehmer Bernd W. Mit Hendryk D. wurde zudem ein Vorstandsmitglied der Landespartei und Mitglied des Ruhrgebietsvorstands in den Vorstand des Essener Kreisverbandes gewählt(6) (7). Neben seiner Tätigkeit als Apotheker engagiert D. sich gegen Impfungen(8) und betreibt im Stadtteil Frohnhausen ein esoterisch geprägtes „Evolutionscafé“.

Zu erwarten ist, dass pro NRW in Essen, ähnlich wie in anderen Städten, in erster Linie mit den Themengebieten „Überfremdung“ und „Islamisierung“ an die Öffentlichkeit treten wird. Der Kreisvorsitzende Bernd W. ließ in einer Pressemitteilung bereits verlautbaren, eine „groß angelegte öffentlichkeitswirksame Kampagne gegen den in Essen geplanten Bau einer protzigen islamistischen Großmoschee“ initiieren zu wollen(6).

Auf den Internetseiten der „Bürgerbewegung pro NRW“ kündigt der Kreisverband zudem den flächendeckenden Antritt zu den kommenden Kommunalwahlen sowie einen „harten und engagierten Wahlkampf“ an. Öffentliche Aktivitäten von pro NRW sind in Essen bislang nicht bekannt geworden.

4^  http://www.im.nrw.de/sch/780.htm

5^  http://www.pro-nrw.org/content/view/2/2/

6^ab  http://www.pro-nrw.org/content/view/482/238/

7^  http://www.pro-nrw.org/content/view/77/24/

8^  http://www.impfkritiker.de



Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge Nationaldemokraten (JN)

Die 1964 gegründete NPD ist heute nicht nur die älteste, sondern auch die einflussreichste neofaschistische Partei in der Bundesrepublik. Der aktuelle Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrheinwestfalen attestiert der NPD eine „gegen die Prinzipien der freiheitlich demokratischen Grundordnung gerichtete [...] Agitation“ sowie eine „dem Nationalsozialismus entnommene Weltanschauung“. (9)

In den Jahren 2000 und 2001 führte die NPD in Essen Aufmärsche mit jeweils rund 250 Teilnehmern durch, die bundesweit das Interesse der Medien auf sich zogen. Zudem fand bis 2002 alle zwei Jahre der Landesparteitag der „Nationaldemokraten“ in Essen statt.

Die folgenden Jahre waren durch weitgehende Inaktivität des Essener Kreisverbandes gekennzeichnet. Bei den Kommunalwahlen 2004 trat die NPD lediglich in den Bezirken VI (Katernberg, Schonnebeck, Stoppenberg) und VII (Steele, Kray) an. Den Einzug in die Bezirksvertretungen verpasste sie in beiden Fällen(1a). Lediglich

im Vorfeld der Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen 2004 und 2005 organisierte die NPD einige Wahlkampfstände, die jedoch zum Teil von auswärtigen Wahlkampfhelfern durchgeführt wurden. Der überalterte Essener Kreisverband um den Vorsitzenden Bernd K. entwickelte keine eigenständigen Aktivitäten.

In den Jahren 2007 und 2008 zeigte sich die NPD in Essen wieder sehr viel aktiver. Dies scheint sich auf eine deutliche Verjüngung des Kreisverbandes und insbesondere auf die Neugründung eines Essener JN-Stützpunktes zurückführen zu lassen.

Der NPD-Jugendorganisation ist es in den letzten zwei Jahren offenbar gelungen, eine große Zahl junger Neonazis in die Aktivitäten der Partei einzubinden. Diese Entwicklung wirkt sich deutlich auf die Aktivität des Essener Kreisverbandes aus. So fand im Herbst vergangenen Jahres ein Aufmarsch der Partei in Bochum unter großer Beteiligung Essener NPD-Sympathisanten und Mitglieder statt. Auch auf lokaler Ebene nahmen die Aktivitäten der neofaschistischen Partei spürbar zu. So wurde seit Sommer des vergangenen Jahres eine Vielzahl an Informations- und Wahlkampfständen (unter Anderem in Rüttenscheid, Kettwig, Werden und Kray) von der NPD durchgeführt. Stets unter reger Beteiligung ihrer Nachwuchsorganisation JN.

Die NPD Essen betreibt zudem eine in unregelmäßigen Abständen aktualisierte Homepage.

Nach Auskunft des NRW- Landesverbands wird auch die NPD in Essen zur Kommunalwahl antreten.

Verhältnis zur Kameradschaftsszene

Anders als in vielen anderen Städten Nordrheinwestfalens bestehen in Essen gute Beziehungen zwischen NPD und der lokalen Kameradschaftsszene. Davon zeugen nicht nur die Zusammenarbeit bei lokalen Aktionen (s. „Anti- Antifa“ Aktivitäten), sondern auch die personellen Überschneidungen zwischen den beiden Spektren. So beteiligte sich Patrick F., der bereits seit 2004 regelmäßig als Anmelder von Demonstrationen und Kundgebungen der parteifreien Kameradschaftsszene in Erscheinung tritt, gemeinsam mit mehreren anderen Personen aus dem Essener Kameradschaftsspektrum an einem parteiinternen „Heldengedenken“ der NPD-Wattenscheid zum Volkstrauertag 2008. Zudem beteiligten sich Angehörige der Essener Kameradschaftsszene in den vergangenen Jahren an mehreren Demonstrationen der NPD und konnten hierbei mehrfach eigene Redebeiträge verlesen.

1a^  http://www.essen.de/Deutsch/Rathaus/Aemter/Ordner_12/Wahlen/KW/Kommunalwahlergebnisse.asp

9^  http://www.im.nrw.de/imshop/shopdocs/aktueller_Verfassungsschutzbericht.pdf S.61



Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach Außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Die Kameradschaften bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und stellen sich durch Auftritt und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP.

Die Essener Kameradschaftsszene tritt seit 2007 unter dem Namen Aktionsgruppe Essen (AG Essen) in Erscheinung. Vorgängerorganisationen dieser Gruppe waren die Kameradschaft Josef Terboven (2004-2006) und der Essener „Stützpunkt“ des Kampfbunds Deutscher Sozialisten (2003-2004). Bis zu seinem Umzug nach München Anfang 2005 trat Philipp H. als Führer der Essener Kameradschaftsszene auf. H. gilt heute als führender Kader der süddeutschen Neonaziszene. Im Dezember 2008 wurde er im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl festgenommen, kurze Zeit später jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Seit H.s Wegzug tritt der heute zwanzigjährige Julian E. als Anführer der Kameradschaft auf. Als Vertreter der AG Essen ist E. mittlerweile gern gesehener Redner auf regionalen und überregionalen Neonaziaufmärschen. Mitglieder der AG Essen beteiligten sich auch 2008 wieder an neonazistischen Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet. Auf lokaler Ebene kam es kaum zu öffentlichen Aktivitäten. Lediglich durch das Verkleben von Aufklebern und das Beschriften von Wänden und Stromkästen in bestimmten Stadtteilen erreichten die Neonazis eine gewisse öffentliche Wahrnehmbarkeit.

Die Einzige Ausnahme bildete im April des vergangenen Jahres der Versuch der Essener Neonazis, gegen eine antifaschistische Demonstration im Stadtteil Freisenbruch vorzugehen. Dies wurde jedoch durch die Polizei verhindert. Im Vorfeld hatte die neonazistische „Aktionsgruppe“ einen Text veröffentlicht, in dem sie die Bewohner des Stadtteils vor „gewaltbereiten Linksautonomen“ warnte.(10)

Seit ihrer Gründung betreibt die AG Essen mit mehreren kurzen Unterbrechungen eine Website, die in unregelmäßigen Abständen über den „nationalen Freiheitskampf“ informiert.(11)

Auf eine Anfrage des SPDLandtagsabgeordneten Thomas Kutschaty (12) schrieb die nordrheinwestfälische Landesregierung bezüglich der personellen Stärke der Aktionsgruppe Essen:

„Auf Grund des Auftretens bei Demonstrationen wird der Kern der Gruppierung auf 10-15, einschließlich des Umfeldes auf ca. 30 Personen zwischen 16 und 25 Jahren geschätzt.“

weiterhin heißt es:

„Einzelne der Gruppierung bzw. deren Umfeld zuzurechnende Personen sind in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Gewaltdelikten in Erscheinung getreten.“

10^  http://www.ag-essen.net/ ;April 2008

11^  http://logr.org/essen/2008/09/25/wir-sind-wieder-da/

12^  http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster...



Anti-Antifa-Aktivitäten

Hinter der Bezeichnung „Anti-Antifa“ verbergen sich meist neonazistische Gruppen, die sich dem Kampf gegen den politischen Gegner verschrieben haben. Konkret reicht die „Anti-Antifa“- Arbeit der Neonazis vom Sammeln persönlicher Daten von vermeintlichen Linken über das öffentliche Denunzieren politisch unliebsamer Personen bis hin zu militanten Angriffen auf Linke und Antifaschisten.

Bereits seit mehreren Jahren versucht die neonazistische Szene in Essen - bislang weitestgehend erfolglos - Informationen über antifaschistische Strukturen zu recherchieren. Die Parole „Antifa Banden zerschlagen“ findet sich auf zahlreichen Aufklebern der AG Essen, die im gesamten Essener Stadtgebiet verklebt wurden.

Zu einem wenig erfolgreichen Versuch, diese Forderung in die Tat umzusetzen, kam es am 26. April 2008, als Essener Neonazis versuchten, eine im Stadtteil Freisenbruch stattfindende antifaschistische Demonstration zu verhindern. Zu diesem Zweck hatten sich rund 15 Rechte am S-Bahnhof Essen Eiberg getroffen, um von dort aus in die Nähe der linken Demonstranten zu gelangen. Beteiligt waren an dieser Aktion sowohl Neonazis aus dem Kameradschaftsspektrum als auch Mitglieder der NPD und ihrer Jugendorganisation JN. Zu einem weiteren Vorfall kam es am Rande der Demonstration, als ein langjähriges NPD-Mitglied versuchte, die Demonstrationsteilnehmer abzufotografieren. Vier der Bilder wurden am Folgetag auf der Internetseite der AG Essen veröffentlicht.



Vernetzung

Die Essener Kameradschaftsszene unterhält Kontakte sowohl zu verschiedenen Ortsgruppen der NPD als auch zu anderen Kameradschaftsstrukturen in der Region. Zudem tritt Julian E. als Vertreter der Aktionsgruppe Essen regelmäßig bei regionalen Neonaziaufmärschen als Redner auf. Zwar war die Essener Kameradschaft längere Zeit auch als Mitglied der Vernetzung des neonazistischen Aktionsbüros Westdeutschland aufgeführt, mittlerweile ist die AG Essen aber offiziell in keiner der bestehenden neonazistischen Regionalvernetzungen mehr vertreten.



Ausblick

Die Parteien werden ihre Aktivitäten 2009 sicherlich auf die anstehenden Kommunalwahlen, möglicherweise auch auf die Bundestags- und Europawahlen konzentrieren. In jedem Fall ist von allen drei Parteien in diesem Jahr ein verstärktes öffentliches Auftreten zu erwarten. Gerade der NPD ist es in Essen gelungen, die junge und gewaltbereite Neonaziszene fest in ihr Umfeld einzubinden. Ihr Potenzial für Wahlkampfaktivitäten steigt damit erheblich. Jedoch hat die NPD nach wie vor mit einem weit verbreiteten „NS-Tabu“ zu kämpfen. Zu offensichtlich ist der Bezug der neofaschistischen Partei auf die Ideologie und Politik des historischen Nationalsozialismus. Diese Tatsache macht die NPD auch für viele Rechte - zumindest in Westdeutschland - unwählbar. Es wird sich bei den 2009 anstehenden Wahlen zeigen, ob andere Parteien rechts von der CDU hiervon profitieren und die Stimmen rechter Wähler für sich gewinnen können.

Die Republikaner sind mittlerweile bereits seit zehn Jahren im Rat der Stadt Essen vertreten. Der durchaus denkbare erneute Einzug zeugt von der Gefahr einer „Normalisierung“ extrem rechter Parteien. Den Republikanern könnte es damit gelingen, sich zumindest auf kommunaler Ebene als wählbare „Alternative“ am rechten Rand des Parteienspektrums zu etablieren.

Es ist jedoch ebenso möglich, dass die durch pro NRW und den zu erwartenden flächendeckenden Antritt der NPD verursachte Zersplitterung am rechten Rand der Parteienlandschaft die extreme Rechte in den Parlamenten eher schwächen wird.

Die Essener Kameradschaftsszene scheiterte in ihren Bemühungen, eine ihr wohlgesonnene Öffentlichkeit zu erreichen, völlig. Dies dürfte nicht zuletzt auf ihren expliziten Bezug zum Nationalsozialismus und ihr militantes, für Außenstehende oft wenig ansprechendes Auftreten zurück zu führen sein. Nichtsdestotrotz stellen die AG Essen und ihr subkulturelles Umfeld weiterhin eine reale Gefahr dar. So geht ein Großteil der Bedrohungen und Übergriffe aus dem rechten Spektrum von der Kameradschaftsszene aus. Insbesondere in den Stadtteilen Steele, Freisenbruch und Kray, in denen zahlreiche dem Kameradschaftsspektrums zugehörige Personen leben, besteht die Gefahr, dass sich rechte Hochburgen entwickeln, in denen zumindest das Straßenbild zunehmend von offen auftretenden Neonazis bestimmt wird.



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