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Die extreme Rechte in Essen

Aktivitäten und Entwicklungen in 2009

Ein Dossier der Antifa Essen Z

Die Broschüre

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Siehe auch die Dossiers der nachfolgenden Jahre:

Siehe auch die Dossiers der Vorjahre:

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Inhaltsverzeichnis


Vorwort

für die Parteien der extremen Rechten waren im Jahr 2009 die Europa-, Kommunal- und Bundestagswahlen. Darüber hinaus berichten wir in dieser Broschüre über die Eröffnung eines rechten Bekleidungsgeschäftes in der Essener Innenstadt und ein verhindertes Konzert der RechtsRock-Band „Kategorie C“. Außerdem beschäftigen wir uns mit der Entwicklung der Essener Kameradschaftsszene.

Nach wie vor freuen wir uns über Anregungen, Lob und Kritik ebenso wie über konkrete Hinweise auf rechte Aktivitäten, Treffpunkte und Strukturen.

Antifa Essen Z
(Januar 2010)



V.i.S.d.P.

Tessa Kuijer
Kaiser-Wilhelm-Str. 29
45276 Essen

1. Auflage
Eigendruck im Selbstverlag


http://antifaessen.blogsport.de
antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png



Auftritt der RechtsRock-Band „Kategorie C“ verhindert

Die Gruppe „Kategorie C“, auch bekannt unter dem Namen „Hungrige Wölfe“, gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Bands aus dem Spektrum der rechten Hooliganszene. Obwohl sich die Band in mehreren Stellungnahmen von der rechten Szene distanziert und als „unpolitisch“ bezeichnet, wurden ihr in der Vergangenheit immer wieder Kontakte zu unterschiedlichen Gruppierungen aus dem rechten Spektrum nachgewiesen. So beteiligte sich „Kategorie C“ 2006 an einem von der NPD organisierten Solidaritätskonzert für den inhaftierten Sänger der Neonazi -Band „Landser“. Auch darüber hinaus ist es in der Geschichte der Band immer wieder zu gemeinsamen Auftritten und Veröffentlichungen mit anderen Rechts- Rock-Gruppen gekommen. Die Konzerte von „Kategorie C“ erfreuen sich in der rechten Szene dementsprechend großer Beliebtheit und werden neben rechten und unpolitischen Hooligans auch von organisierten Neonazis frequentiert.(1)

Nachdem im Jahr 2008 bereits drei Konzerte der Bremer Band im niederrheinischen Moers stattgefunden hatten, kündigte „Kategorie C“ für den 6. März 2009 einen Auftritt in Essen an. Der Veranstaltungsort wurde nicht öffentlich bekannt gemacht, um das Stattfinden des Konzertes nicht zu gefährden. Dennoch gelang es antifaschistischen Gruppen, eine Diskothek in der Essener Innenstadt als Veranstaltungsort zu ermitteln und den Betreiber zur Kündigung des Nutzungsvertrages zu bewegen.

Die daraufhin einsetzende Suche nach einer Ersatzlokalität im Essener Stadtgebiet verlief offenbar erfolglos, sodass die Band ihre aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Fans noch am Abend des 6. März per Kurzmitteilung in eine Diskothek im dreißig Kilometer entfernten Haltern am See dirigieren musste. Jedoch zog auch der Halterner Diskothekenbetreiber seine Zusage zurück, nachdem er über den politischen Hintergrund der Band informiert worden war. Das angekündigte Konzert konnte daher nicht stattfinden, die zahlreichen angereisten Fans traten unter polizeilicher Beobachtung die Heimreise an. In der Essener Innenstadt hielten sich noch bis in die späten Abendstunden größere Gruppen rechter „Kategorie C“-Fans auf, unter ihnen auch Angehörige der Essener Neonazi- Szene.

Ein Ersatzkonzert, das für den Raum Ruhrgebiet angekündigt war, fand Mitte Mai in Belgien statt.

1^  http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/kategorie-c



Rechtes Bekleidungsgeschäft „Oseberg“ eröffnet in Essen

Am 3. April 2009 eröffnete in der Essener Innenstadt das Bekleidungsgeschäft „Oseberg“. Es handelt sich dabei um die erste nordrheinwestfälische Filiale der brandenburgischen MediaTex GmbH, die seit 2003 für die Herstellung und den Vertrieb der rechten Szenemarke Thor Steinar verantwortlich ist.

Thor Steinar

Die MediaTex GmbH und das Bekleidungslabel Thor Steinar wurden 2002/2003 von den Jungunternehmern Axel K. und Uwe M. aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen ins Leben gerufen. Mehreren Verantwortlichen der Firma konnten in der Vergangenheit Verbindungen zur rechten Szene nachgewiesen werden.(2)

Große Teile der Kollektion der Marke Thor Steinar nehmen durch Schriftzüge und Symbolik Bezug auf Hooligankultur, Wehrmacht und Nationalsozialismus, deutsche Kolonialgeschichte oder neoheidnischen Germanenkult. Die Marke erfreut sich daher unter Neonazis und rechten Hooligans großer Beliebtheit.(2)

Von den Verantwortlichen des Modelabels wurde eine explizite politische Positionierung stets vermieden. Dennoch wird die Kleidung der Marke Thor Steinar von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen wie auch vom brandenburgischen Landesamt für Verfassungsschutz als Kennzeichen der rechten Szene gewertet. Das Tragen von Thor Steinar- Bekleidung ist daher mittlerweile in mehreren Fußballstadien (unter anderem auch dem des Vereins Rot-Weiß Essen) sowie im Deutschen Bundestag verboten. Wegen des Verdachts auf Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurden 2004 zahlreiche Artikel mit dem Aufdruck des Thor Steinar-Labels beschlagnahmt. In einzelnen Fällen kam es zu gerichtlichen Verurteilungen wegen des öffentlichen Zeigens des Labels. Die Firma MediaTex gestaltete daraufhin ein neues Symbol, das von den Gerichten als unbedenklich eingestuft wurde.(2)

Anfang 2009 wurde die MediaTex GmbH mitsamt der Marke Thor Steinar an einen Investor aus Dubai verkauft. Diese Entwicklung führte in der rechten Szene vereinzelt zu kontroversen Diskussionen und Kritik an dem Unternehmen. Die Marke Thor Steinar wird jedoch unverändert auf Naziaufmärschen und RechtsRock-Konzerten getragen und über neonazistische Szeneläden und Internetversände vertrieben.(3)

 

 

Oseberg

Bei dem im März eröffneten „Oseberg“ handelt es sich um eine von zurzeit insgesamt neun Verkaufsfilialen der MediaTex GmbH. Zum Zeitpunkt der Eröffnung konnte das Geschäft offenbar nicht auf regionale Strukturen zurückgreifen. Das Sortiment wurde von einem Kleintransporter direkt aus Brandenburg geliefert, zudem musste auf auswärtiges Verkaufspersonal zurückgegriffen werden.

Unmittelbar nach der Eröffnung kam es zu ersten Protesten gegen das Geschäft. So demonstrierten am 6. April rund 200 Menschen gegen den „Oseberg“ in der Essener Innenstadt. Es folgten weitere Demonstrationen mit 200 und 500 Teilnehmern am 18.04. und am 06.06.2009. Am Rande dieser Veranstaltungen kam es jedes Mal zu Provokationen von Mitarbeitern und Sympathisanten des rechten Bekleidungsgeschäftes, die beispielsweise versuchten, Demonstrationsteilnehmer zu fotografieren.

Neben Demonstrationen und Kundgebungen kam es seit der Eröffnung zu zahlreichen Sachbeschädigungen gegen das Geschäft. Unbekannte schlugen mehrfach die Scheiben des „Oseberg“ ein, weshalb die Schaufenster mittlerweile mit schwarzen Holzlatten verkleidet wurden. Im November letzten Jahres wurden Teile der Inneneinrichtung und des Sortiments durch einen Farbanschlag unbrauchbar gemacht.

Im Juni 2009 gründete sich zudem eine Anwohnerinitiative, die durch Flugblattverteilungen, Informationsstände und Unterschriftensammlungen die Schließung des „Oseberg“ erreichen möchte. Während sich Linke/DKP/AUF und Grüne deutlich gegen den Verbleib des „Oseberg“ in der Essener Innenstadt positionierten, wird die Thematik von den anderen im Stadtrat vertretenen Parteien weitgehend ignoriert. Auch das mediale Interesse an den Aktivitäten gegen das rechte Bekleidungsgeschäft nahm in den letzten Monaten spürbar ab. Das Nachrichtenportal derwesten.de berichtete im September 2009 von der bevorstehenden Schließung des Geschäftes, eine Darstellung, die sich als unrichtig erwies. Eine Richtigstellung veröffentlichte derwesten.de bis heute nicht. Der Vermieter der Räumlichkeiten in der Viehofer Straße 20 versuchte auf gerichtlichem Wege eine Aufhebung des Mietvertrages mit der MediaTex GmbH zu erwirken - bislang offenbar erfolglos.

Kontakte oder Überschneidungen zwischen dem Verkaufspersonal des „Oseberg“ und der organisierten rechten Szene konnten in Essen bisher nicht festgestellt werden. Teile der Essener Kameradschaftsszene distanzierten sich öffentlich von dem Geschäft und riefen gar zum Boykott der Marke Thor Steinar auf. Hintergrund war die Diskussion über den Verkauf der MediaTex GmbH an einen arabischen Investor.

2^bc  http://investigatethorsteinar.blogsport.de/ ... steinar_2_web.pdf

3^  http://www.morgenpost.de/ ... _Thor_Steinar.html



Rechte Hooligan-Szene

Am 4.5.2009 fand sich in der Essener Lokalzeitung NRZ eine Meldung, laut der „rund 400 Hooligans aus Bremen und Essen“(4) am vorangegangen Samstagabend für Unruhe gesorgt hätten: Die sich auf dem Weg zu einer Fan-Party befindenden Personen hatten im Gelsenkirchener Hauptbahnhof Polizisten und Fans des FC Schalke 04 attackiert.

Unter den Fans verschiedener Vereine ist es seit den 1980er Jahren immer wieder zu Freundschaftsbündnissen gekommen. Ihren Ursprung haben derlei Verbindungen in den allermeisten Fällen im Kontakt zwischen gewaltbereiten Fans der Vereine und hier bildet die „Fan-Freundschaft“ zwischen den Fans von Rot-Weiß Essen und Werder Bremen keine Ausnahme. Zu der Party hatten die Veranstalter ausdrücklich „alle Essener und Bremer Fans, Ultras und Hools“(5) eingeladen und genau die waren aus beiden Städten zahlreich vertreten. Auf der Feier waren unter anderem Mitglieder der rechten Hooligangruppen Nordsturm Brema und Standarte Bremen vertreten. Einige ihrer Protagonisten sind fest in die regionale Neonaziszene eingebunden, so zum Beispiel der Sänger der rechten Band Kategorie C Hannes O. In Folge eines Überfalls von Mitgliedern der „Standarte“ auf eine Party der antirassistischen Bremer Ultra-Gruppierung Racaille Verte im Januar 2007 verhängte der Verein für mehrere Personen aus deren Umfeld ein Stadionverbot.

Bei der Party im Mai kam es zu keinerlei Widerstand gegen die offen auftretenden rechten Hooligans. Viele Fußballfans reklamieren für sich, Fußball und Politik voneinander zu trennen und über vermeintliche oder tatsächliche politische Differenzen hinweg zu sehen. Dies führt leider immer wieder zu Toleranz gegenüber rechtsradikal auftretenden Fans. Die meisten Fangruppen, die bei RWE in Erscheinung treten, geben in der Regel keine politischen Statements irgendwelcher Art von sich.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Verstrickungen zwischen der Fanszene von Rot-Weiß und der lokalen Naziszene nicht mehr in dem Umfang existieren, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Seit der Verein vor kurzem ein Verbot einiger rechtsradikaler Kleidungsmarken wie Thor Steinar oder Consdaple im Stadion erlassen hat, ist Nazis zumindest die Möglichkeit genommen, ihre Symbolik in diesen öffentlichen Raum zu tragen. Da sich RWE seit einigen Jahren im freien sportlichen Fall befindet, haben sich die Zuschauerzahlen drastisch verringert, nur noch etwa 5.000 Zuschauer fanden sich bei den letzten Heimspielen an der Hafenstrasse ein. Umfangreiche Polizeimaßnahmen sichern bei den wenigen verbleibenden „Risikospielen“ das Stadiongelände umfangreich ab, zu Ausschreitungen kam es zuletzt nur noch selten.

4^  NRZ vom 4.5.2009

5^  http://ehb-party.beepworld.de



Die Republikaner

Die 1983 als Rechtsabspaltung der CSU gegründeten Republikaner hatten ihre größten Wahlerfolge Ende der 80er Jahre im Zusammenhang mit der über weite Teile von rassistischen und rechtspopulistischen Positionen geprägten Debatte um Zuwanderung und „Asylmissbrauch“. Nach der so genannten Wiedervereinigung Deutschlands trug die Partei maßgeblich dazu bei, klassische Positionen der extremen Rechten in die Mitte der deutschen Politiklandschaft zu tragen. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu punktueller Zusammenarbeit zwischen NPD und Republikanern.

Seit 1999 sind die Republikaner im Rat der Stadt Essen vertreten. Bei der Wahl des Stadtrates im August 2009 erhielten die Republikaner 1,2 Prozent der abgegeben Stimmen (2.532 Stimmen) und verloren damit deutlich gegenüber der letzten Kommunalwahl im Jahr 2004, als sie noch 2,3 Prozent (5.138 Stimmen) erreichten. Die rechte Partei ist daher künftig nur noch mit einem statt wie bisher mit zwei Abgeordneten im Kommunalparlament vertreten. Das Mandat wird weiterhin von Günter W. wahrgenommen, der die Republikaner bereits seit 1999 als Ratsmitglied vertritt. Darüber hinaus verlor die Partei zwei ihrer Mandate in den Bezirksvertretungen und konnten ihren Sitz lediglich in der Bezirksvertretung VI (Katernberg, Schonnebeck, Stoppenberg) halten.

Bei der Wahl zum Europaparlament erhielten die Republikaner 1,5 Prozent (2.490 Stimmen), bei der Bundestagswahl 0,6 Prozent (1.869 Stimmen) der in Essen abgegeben Stimmen.

Während des Wahlkampfes waren die Republikaner im gesamten Essener Stadtgebiet mit vereinzelten Wahlplakaten präsent. Zudem wurden in mehreren Stadtteilen Wahlkampfzeitschriften per Hauswurfsendung verbreitet. Darüber hinaus kam es zu keinen öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten. Auch die Website der rechten Partei wurde seit Mitte des Jahres nicht mehr aktualisiert.

Für die nordrheinwestfälische Landtagswahl im Mai 2010 kündigen die Republikaner einen flächendeckenden Wahlantritt an.(6)

6^  http://www.rep-nrw.de/ ... -464dde7a6a1f



Bürgerbewegung pro Nordrheinwestfalen (pro NRW)

Im Februar 2007 wurde von mehreren lokalen Ablegern der rechten „Bürgerbewegung pro Köln“, die bereits seit 2002 unter Beobachtung des nordrheinwestfälischen Verfassungsschutzes steht(7), die „Bürgerbewegung pro NRW“ gegründet. Ihren lokalen Schwerpunkt hat pro NRW aber weiterhin in Köln.

Der Essener Kreisverband der rechten „Bürgerbewegung“ wurde im Sommer 2008 gegründet. Der damalige Kreisverbandsvorsitzende Bernd W. kündigte für die 2009 stattfindende Kommunalwahl einen flächendeckenden Antritt sowie einen „harten und engagierten Wahlkampf“ an.(8)

Anfang Januar scheiterte der Versuch, in einer Essener Gaststätte eine Mitgliederversammlung abzuhalten, an der kurzfristigen Absage des Wirtes, der durch antifaschistische Gruppen auf den rechtspopulistischen Charakter von pro NRW aufmerksam gemacht worden war. Das Treffen musste kurzerhand ins benachbarte Gelsenkirchen verlegt werden. Abgesehen von einigen Pressemitteilungen, die der Essener Kreisverband auf der Website des nordrheinwestfälischen Landesverbandes der Partei veröffentlichte, kam es danach nicht mehr zu öffentlich wahrnehmbaren Aktivitäten.

Mitte Juli gab der Landesverband der rechten „Bürgerbewegung“ dann bekannt, dass pro NRW in Essen nicht an der Kommunalwahl teilnehmen werde. In der Folge verließen zahlreiche Mitglieder den Essener Kreisverband der Partei, unter ihnen der designierte Oberbürgermeisterkandidat Uwe B.

Anfang November 2009 initiierte der stellvertretende pro NRW-Vorsitzende Kevin H. eine neuerliche Mitgliederversammlung, um den Essener Kreisverband wiederzubeleben. Auch dieses Treffen konnte Dank antifaschistischer Intervention nicht wie geplant in Essen stattfinden und wurde abermals nach Gelsenkirchen verlegt. Dort wurde am 8. November ein neuer Kreisverbandsvorstand gewählt, dem künftig der sechsunddreißigjährige Essener Frank B. vorstehen wird.

Am 28.11. haben nach eigenen Angaben 35 Parteimitglieder rund 20.000 Flugblätter in mehreren Essener Stadtteilen verteilt.

Laut Mitteilung des pro NRW Landesverbands plant die Partei einen flächendeckenden Antritt zur im Mai stattfindenden Landtagswahl.

7^  http://www.im.nrw.de/sch/780.htm

8^  http://www.pro-nrw.org/ ... un-auch-in-essen&catid=99



Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge Nationaldemokraten (JN)

Die 1964 gegründete NPD ist heute nicht nur die älteste, sondern auch die erfolgreichste neofaschistische Partei in der Bundesrepublik. Der aktuelle Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrheinwestfalen attestiert der NPD eine „gegen die Prinzipien der freiheitlich demokratischen Grundordnung gerichtete [...] Agitation“ sowie eine „dem Nationalsozialismus entnommene Weltanschauung“.(9)

In den Jahren 2000 und 2001 führte die NPD in Essen Aufmärsche mit 550 bzw. 250 Teilnehmern durch, die bundesweit das Interesse der Medien auf sich zogen. Zudem fand bis 2002 alle zwei Jahre der Landesparteitag der „Nationaldemokraten“ in Essen statt.

Die folgenden Jahre waren durch weitgehende Inaktivität des Essener Kreisverbandes gekennzeichnet. Bei den Kommunalwahlen 2004 kandidierte die NPD erfolglos für zwei Bezirksvertretungen. Der überalterte Essener Kreisverband um den damaligen Vorsitzenden Bernd K. entwickelte keine eigenständigen Aktivitäten.

Seit 2007 zeigt sich die NPD in Essen wieder sehr viel aktiver. Durch den Wiederaufbau der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) ist es der Partei gelungen, eine große Zahl an jungen, aktionistisch ausgerichteten Neonazis an sich zu binden.

Der Essener Kreisverband betreibt eine Internetseite und ein „twitter“-Profil.

Wahlerfolg und Generationswechsel

Im April 2009 wurde der sechsundzwanzigjährige Marcel H. zum neuen Vorsitzenden des Essener Kreisverbands gewählt. Der frühere JN-Sprecher H. löst damit den fünfundsechzigjährigen Bernd K. ab, der seither nur noch als Schatzmeister des Kreisverbands fungiert.

 

 

Während des Kommunalwahlkampfs war die NPD in Essen nur mit vereinzelten Werbeplakaten präsent. Es wurden jedoch mehrere Wahlkampfstände und Flugblattverteilungen durchgeführt.

Bei den Kommunalwahlen konnte die NPD in fast allen Essener Wahlkreisen Kandidaten benennen und die erforderliche Anzahl an Unterstützerunterschriften aufbringen. Mit einem Ergebnis von 0,8 Prozentpunkten (1.675 Stimmen) zog die Partei im Oktober erstmals in den Rat der Stadt Essen ein. Der langjährige Kreisverbandsvorsitzende Bernd K. verzichtete „aus privaten Gründen“ auf die Wahrnehmung seines Mandates(10). An seine Stelle tritt der neue Kreisverbandsvorsitzende Marcel H. Der Generationswechsel innerhalb der Essener NPD ist damit abgeschlossen.

Bei der Bundestagswahl im September 2009 erhielt die NPD 1,2 Prozent (3.496 Stimmen) der in Essen abgegebenen Zweitstimmen. Auf eine Teilnahme an der Europawahl verzichtete die NPD zu Gunsten der Deutschen Volksunion (DVU).

Öffentliche Auftritte in Essen-Borbeck

Am 7. und 8. November führte die NPD Informationsstände im Ortskern des Stadtteils Borbeck durch, der seit mehreren Jahren als lokale Hochburg der Essener Neonaziszene gilt. Dort und in den angrenzenden Bezirken des Essener Nordwestens lebt ein Großteil der Aktivisten und Führungskader der neofaschistischen Partei und ihrer Jugendorganisation. Am 9. November veranstaltete die Partei auf dem Borbecker Germaniaplatz eine Kundgebung „im Gedenken an die Mauertoten“, an der sich rund 20 Neonazis mit Fahnen und brennenden Fackeln beteiligten. Die Veranstaltung war eine unmittelbare Reaktion auf eine antifaschistische Gedenkkundgebung für die Opfer der Reichspogromnacht, die zeitgleich in Borbeck stattfand.

Verhältnis zur Kameradschaftsszene Die Essener NPD verfügt nach wie vor über gute Kontakte zur parteiunabhängigen Kameradschaftsszene. Angehörige der Essener Kameradschaftsszene kandidierten bei der Kommunalwahl auf den Listen der Partei. Mitglieder und Sympathisanten der Essener NPD besuchten 2009 mehrere Aufmärsche der regionalen Kameradschaftsszene.

9^  Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2008; S. 47f

10^  http://www.npd-essen.de/PM/npd_zieht_in_stadtrat_ein.htm



Ergebnisse der rechten Kleinparteien bei den Europa-, Kommunal- und Bundestagswahlen 2009 in Essen

Wahl zum Europäischen Parlament
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Wahl zum Rat der Stadt Essen
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Wahl zum Deutschen Bundestag
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Quellen: http://essen.de http://bundeswahlleiter.de



Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach Außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Die Kameradschaften bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und stellen sich durch Auftreten und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP.

Aktionsgruppe Essen

Die Aktionsgruppe Essen (AG Essen) ging 2007 aus der Kameradschaft Josef Terboven (2004-2006) und deren Vorgängerorganisation, dem Essener „Stützpunkt“ des Kampfbunds Deutscher Sozialisten (2003-2004) hervor. Als führender Kopf der Gruppe tritt der heute einundzwanzigjährige Julian E. in Erscheinung, der zuvor bereits aktives Mitglied der Kameradschaft Josef Terboven war. E. trat in der Vergangenheit bei mehreren Demonstrationen und Kundgebungen von NPD und Kameradschaften als Redner auf.

Für mediales Interesse und Aufsehen innerhalb der rechten Szene sorgte Ende Mai eine Veröffentlichung der AG Essen, in der sie zum Boykott von Produkten der rechten Szenemarke Thor Steinar aufrief. In der auf der Website der Neonazis veröffentlichten Erklärung heißt es:

„Wir als Nationale Sozialisten lehnen ganz klar die MediaTex GmbH und ihre Marke „Thor Steinar“ ab. Wir sind der Meinung, dass man unsere komplexe Weltanschauung nicht auf ein T-Shirt drucken kann, welches 32.95€ kostet und von einem Araber produziert wird.“ (11)

Die Debatte wurde unter anderem von der Süddeutschen Zeitung und dem Radio Berlin Brandenburg aufgegriffen.

Angehörige der Aktionsgruppe Essen beteiligten sich 2009 an rechten Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet. Ende Februar verteilten Mitglieder der Gruppe in der Essener Innenstadt Flugblätter anlässlich der gerichtlichen Verurteilung des NPD-Anwalts und Holocaustleugners Horst Mahler. Im Vorfeld einer Demonstration Ende November in Recklinghausen verteilte die „Aktionsgruppe“ abermals Flugblätter im Essener Nordwesten. Darüber hinaus wurden auf lokaler Ebene keine öffentlichen Auftritte der AG Essen bekannt.

 

 

Nationaler Widerstand Borbeck

Im Herbst 2009 tauchten in mehreren Essener Stadtteilen Aufkleber mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand Borbeck“ auf. Seit Mitte Oktober existiert zudem eine Website, auf der die Gruppe seither regelmäßig über Themen der regionalen Neonaziszene berichtet. In einem hier veröffentlichten Selbstverständnis heißt es ungewollt doppeldeutig:

Die Aktivisten/innen im Großraum Essen-Borbeck haben sich nun zu einer starken Gemeinschaft zusammengeschlossen. [...] Unser Kampf gilt der Freiheit!(12)

Öffentliche Aktivitäten

Anlässlich des Todestages des Hitler- Stellvertreters Rudolf Heß riefen Neonazis im Internet für den 17. August bundesweit zu unangemeldeten Gedenkkundgebungen auf. Diesem Aufruf folgten in Essen rund 20 Rechte aus verschiedenen Ruhrgebietsstädten, die sich am frühen Abend in der Innenstadt versammelten. Unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Kundgebungsteilnehmer wurde die Versammlung durch Polizei und antifaschistische Gegendemonstranten aufgelöst.

Laut einer Meldung, die auf den Internetseiten verschiedener regionalen Kameradschaften veröffentlicht wurde, beteiligten sich im November rund dreißig Neonazis an einer Gedenkkundgebung in einem Waldstück im Stadtteil Horst. Geehrt werden sollten die Mitglieder rechtsgerichteter Freikorps aus der Zeit der Weimarer Republik. Neben Angehörigen der regionalen Kameradschaftsszene beteiligten sich auch Mitglieder der Essener NPD' an der Veranstaltung.

Zuzug Dortmunder Nazi-Kader

Mit Steffen P. und Dietrich S. zogen 2009 zwei führende Kader der Dortmunder Neonaziszene nach Essen. Bislang unternahmen sie hier jedoch keine Organisierungsversuche und entwickelten keine eigenständigen politischen Aktivitäten auf lokaler Ebene.

11^ 

http://logr.org/essen/2009/05/25/warum-...

11^  http://nw-borbeck.blogspot.com - 1. Januar 2010



Ausblick

Zu den im Mai 2010 stattfindenden nordrheinwestfälischen Landtagswahlen wollen Republikaner, pro NRW und NPD antreten. Für keine der drei Parteien besteht dabei eine realistische Möglichkeit, die Fünf- Prozent-Hürde zu überwinden und somit ins Parlament einzuziehen.

Dennoch werden die Parteien der extremen Rechten versuchen, während des Wahlkampfes präsent zu sein, um sich langfristig zumindest auf kommunaler Ebene zu etablieren. Den Republikanern scheint das nach mittlerweile zehn Jahren im Essener Stadtrat bereits gelungen zu sein, auch wenn der Einbruch ihrer Wahlergebnisse deutlich macht, wie hart die Wählerstimmen am rechten Rand des Parteienspektrums umkämpft sind. Für den Essener Kreisverband von pro NRW wird sich während des Landtagswahlkampfes die vorerst letzte Gelegenheit bieten, nicht völlig in der Passivität und Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Sowohl Republikaner als auch pro NRW haben offenbar mit einem akuten Mangel an aktiven Mitgliedern zu kämpfen. Dies wurde anhand der unerwartet geringen Wahlkampfaktivitäten im Jahr 2009 ersichtlich. Lediglich der NPD ist es gelungen, eine größere Zahl meist sehr junger Aktivisten an sich zu binden und somit im und außerhalb des Wahlkampfes mit Informationsständen und kleineren Kundgebungen präsent zu sein.

Die personelle Stärke der Kameradschaftsszene bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahrs, eigenständige öffentlichkeitswirksame Aktivitäten entwickelte sie auf lokaler Ebene nicht. Jedoch geht von ihr, gemeinsam mit NPD und unorganisierten Rechten, das weitaus größte Gewaltpotenzial aus. Dies wird vor allem in ihren lokalen Hochburgen in den Stadtteilen Steele und Borbeck deutlich.

Der neu eröffnete rechte Szeneladen „Oseberg“ hat mit einer ganzen Reihe von Widrigkeiten zu kämpfen. Anwohnerinitiativen, lokale Bündnisse und einzelne Stadtratsfraktionen fordern die Schließung des Bekleidungsgeschäftes. Seit der Eröffnung kam es immer wieder zu Protestaktionen, die bis hin zu massiven Sachbeschädigungen reichten. Auch der Vermieter der Räumlichkeiten in der Viehofer Straße bekundete seine Absicht, das Mietverhältnis sobald wie möglich zu beenden. Was das Jahr 2010 dem „Oseberg“ bringt, bleibt also abzuwarten.



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