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Rechte Propaganda erkennen

IG Metall Jugend hat Lexikon gegen Rechts veröffentlicht Die IG Metall Jugend hat Ende 2010 das kleine Lexikon „Gegen Rechts von A bis Z“ veröffentlicht. Damit sollen alle Aktiven in ihrer Arbeit gegen Rechts unterstützt werden. Wichtige Begriffe werden kurz und bündig erläutert, historische Ereignisse, Vorurteilsmuster und Ideologien erklärt. Das reicht von A wie Antisemitismus über F wie Faschismus bis Z wie Zivilcourage.

Das kleine Lexikon „Gegen Rechts von A bis Z“ hilft dabei, sich das Wissen anzueignen, das für Diskussionen wichtig ist, um rechtspopulistische Demagogen entlarven zu können.

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  • Gegen Rechts von A-Z
    Das kleine Lexikon
    IG-Metall, 2010
    Wichtige Begriffe werden kurz und bündig erläutert, historische Ereignisse, Vorurteilsmuster und Ideologien erklärt. Das reicht von A wie Antisemitismus über F wie Faschismus bis Z wie Zivilcourage

    Hier als Download PDFicon.gif (1 MB), Broschüre, 27 Seiten, auch unter IG-Metall. Der gesamte Text SmallPaper.png auf unserer Seite.

Weitere Informationen

BuchLogo.gif Alle Broschüren und Bücher finden Sie auf der Downloadseite.


Inhaltsverzeichnis

Antisemitismus   Autoritarismus   Behindertenfeindlichkeit   Chauvinismus   Diktatur   Diskriminierung   Emanzipation   Empowerment   Faschismus   Fundamentalismus   Geschichtsrevisionismus   Homophobie   Kapitalismus   Migration   Nationalismus   Nationalsozialismus   Rassismus   Rechtsextremismus   Sexismus   Shoah   Solidarität   Sozialdarwinismus   Standortkonkurrenz   Zivilcourage


Gegen Rechts - von A bis Z.

Rassistische Sprüche, antisemitische Hetze oder rechte Parolen - diskriminierende Einstellungen und Handlungen sind leider immer noch weit verbreitet. Unter Jugendlichen ebenso wie unter Erwachsenen. Sie machen auch nicht vor Betriebstoren und Berufsschultüren Halt. Doch Ausgrenzung und Diskriminierung sind keine Kavaliersdelikte. Und wir als IG Metall Jugend sind nicht bereit, Rassismus oder Rechtsextremismus stillschweigend hinzunehmen.

Als Gewerkschaftsjugend stehen wir für das Prinzip der Solidarität. Gemeinsam machen wir uns stark für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung - unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion, Geschlecht und ökonomischem Hintergrund. Als Jugend- und Auszubildendenvertreter/-innen sind wir aktiv im Betrieb. Und setzen uns ein für Integration und Toleranz. Mit den entsprechenden Rechten im Rücken haben wir viele Möglichkeiten, gegen Diskriminierung vorzugehen und rassistische Ausgrenzung zu unterbinden.

Dieses kleine Lexikon soll alle Aktiven bei ihrer Arbeit unterstützen. Kurz und bündig werden wichtige Begriffe erläutert - historische Ereignisse, Vorurteilsmuster und Ideologien. So hast du immer eine ganze Packung Wissen in der Tasche, ob in der Jugend- und Auszubildendenversammlung, bei Diskussionen in der Pause oder auf Seminaren.


Antisemitismus

Antisemitismus bezeichnet die Feindschaft gegenüber Juden - weil sie Juden sind oder weil sie als solche wahrgenommen werden. Antisemitismus kann also auch Nicht- Juden treffen bzw. sich gegen diese richten. Antisemitismus richtet sich gegen ein Bild „vom Juden“, gegen eine Konstruktion. Er basiert nicht auf realen Eigenschaften, Ereignissen oder Tatsachen. Antisemitische Denkweisen sind geprägt von logischen Widersprüchen - die ihrer Aktualität und Verbreitung allerdings keinen Abbruch tun.

Antisemitismus ist kein Phänomen der extremen Rechten. Bilder, Vorurteile und Stereotype von „den Juden“ reichen weit in die Mitte der Gesellschaft. Das liegt daran, dass Antisemitismus das Potenzial hat, als vermeintliche Welterklärung zu dienen. Was den modernen Antisemitismus von anderen Formen diskriminierenden Denkens und Handelns unterscheidet, ist gleichzeitig sein zentralstes Moment. Er gründet auf einem Nicht-Verständnis der modernen Gesellschaft. Dieses Nicht-Verständnis drückt sich darin aus, komplexe gesellschaftliche Verhältnisse stark zu vereinfachen - beispielsweise einzelne Personen oder Personengruppen für gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich zu machen, Verschwörungstheorien zu basteln oder die Finanzsphäre als völlig losgelöst von der Produktionssphäre zu betrachten und zu verdammen.

Antisemitische Stereotype schreiben „den Juden“ viel Macht, Einfluss und Reichtum zu. Hierin liegt auch der wichtigste Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus. Während im Rassismus abgewertet wird, wird im Antisemitismus ein Übermaß an allem zugeschrieben.

Der Begriff „Antisemitismus“ wurde Ende des 19. Jahrhunderts von deutschen Antisemiten als Selbstbezeichnung geprägt. Sie begründeten ihre Feindschaft gegenüber Juden pseudo-wissenschaftlich und rassistisch, in Abgrenzung zu dem bis dahin verbreiteten religiös motivierten Antijudaismus.


„Wir haben hier in England in den letzten zwölf Monaten drei Streiks jüdischer Arbeiter gehabt, und da sollen wir Antisemitismus treiben als Kampf gegen das Kapital?“
Friedrich Engels, dt. Ökonom und Philosoph


Autoritarismus

Autoritär ist ein Fachausdruck aus der Sozialpsychologie. Er beschreibt Persönlichkeitsstrukturen, die sich durch einen persönlichen Macht- oder Überwertigkeitsanspruch gegenüber anderen charakterisieren und für Identifikationen mit Autoritäten anfällig ist.

Zentrale Elemente des Autoritarismus sind:

  • die autoritäre Unterordnung („tun was verlangt wird“)
  • die autoritäre Aggression („nach unten treten“)
  • der Konventionalismus (starres Festhalten an bürgerlichen Normen, Werten und Verhaltensregeln und Moralvorstellungen)

Autoritäre Menschen verlangen Sicherheit und Ordnung. Pflichterfüllung und Gehorsam stehen an oberster Stelle der Werteskala. Diese Werte gelten als selbstverständlich und dürfen nicht hinterfragt werden. Im Zentrum des autoritären Verhaltens stehen die Unterwerfungsbereitschaft, ein negatives Menschenbild sowie die Aufteilung der Welt in Oben und Unten, Starke und Schwache. Autoritäre Persönlichkeiten suchen und unterwerfen sich Autoritäten und zeigen Mächtigen gegenüber unbedingten Gehorsam. Sie verachten alles Schwache als minderwertig, bestimmen die „Schwachen“ an deren Unterlegenheit und zeigen sich gegenüber Unterlegenen und „Kriminellen“ als besonders aggressiv und gnadenlos.


„Niemand hat das Recht zu gehorchen.“
Hannah Arendt, dt.-amerik. Politologin


Behindertenfeindlichkeit

Behindertenfeindlichkeit bezeichnet die Ablehnung und die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Eine zentrale Ursache für Behindertenfeindlichkeit ist der Glaube an einen „perfekten“ Körper als Schlüssel für Wohlstand und Glück. Es wird eine Norm konstruiert und jede körperliche oder geistige Abweichung von dieser Norm als „Mangel“ verstanden. Zudem steigt in einer Gesellschaft, die sich lediglich an Gewinn und Kosten- Nutzen-Maximierung orientiert, die Gefahr, geistig oder körperlich behinderte Menschen in erster Linie als Kostenfaktoren wahrzunehmen.

So verhindert das Denken in ökonomischen Kategorien oft die Beseitigung von behindernden Barrieren im öffentlichen Leben, denn behindertengerechte Lösungen sind relativ teuer. Nicht selten jedoch ist die Existenz behindertenfeindlicher Strukturen - fehlende Aufzüge und Rampen, zu schmale Türen, keine Blindenleitsysteme - auch ein Ausdruck von Gleichgültigkeit: Es wird einfach vergessen, dass es Menschen gibt, die darauf angewiesen sind.

Unterstützt wird diese Ignoranz durch die Tatsache, dass behinderte Menschen häufig im gesellschaftlichen Leben unsichtbar sind. Weil sie in speziellen Einrichtungen leben und gesonderte Lern-, Arbeits- und Werkstätten nutzen (müssen).


„Im Grunde sind alle Menschen behindert, der Vorzug von uns Behinderten allerdings ist, dass wir es wissen.“
Wolfgang Schäuble, dt. Politiker


Chauvinismus

Chauvinisten sind davon überzeugt, die eigene Gruppe sei die überlegene. Anhand welcher Merkmale sich diese eigene Gruppe konstituiert, ist dabei nicht festgelegt. Im ursprünglichen Sinne bezeichnete Chauvinismus einen exzessiven und aggressiven Nationalismus. Angehörige einer Nation fühlen sich nur aufgrund ihrer Nationalität Menschen anderer Nationen gegenüber höherwertiger und überlegen. Sie werten alle Nationen außer der eigenen ab.

In den 1970er Jahren bekam der Begriff „Chauvinismus“ noch eine zweite Bedeutung. Die Frauenbewegung bezeichnete patriarchalisch geprägte bzw. sich patriarchalisch verhaltende Männer als Chauvinisten. Ähnlich wie beim aggressiven Nationalismus wird hier aufgrund der Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht ein Überlegenheitsanspruch gegenüber Frauen hergeleitet.


Diktatur

Eine Diktatur ist eine Herrschaftsform, bei der die demokratischen Rechte abgeschafft sind und die Macht über Volk und Staat von einer Einzelperson oder einer Gruppe uneingeschränkt ausgeübt wird.

In der Diktatur wird die Gewaltenteilung aufgehoben und damit auch der Schutz der Grund- und Menschenrechte. Der oder die Machthaber in einer Diktatur erlassen, verändern oder nivellieren Gesetze und Verordnungen nach eigenem Gutdünken. Gleiches gilt für die praktische Anwendung der Gesetze: Die Justiz kann nicht unabhängig urteilen, sondern folgt diktatorischer Gesetzgebung oder direkten Weisungen. Diktatoren kontrollieren und befehligen darüber hinaus auch alle ausführenden Organe des Staates, also Militär, Justiz, Polizei und staatliche Behörden.

Um das eigene Verhalten zu rechtfertigen, berufen sich Diktatoren oder diktatorische Regime oft auf innere oder äußere Feinde, die kurz davor stünden, den Staat zu zerstören und zu deren Abwehr und Zerschlagung diese und jene Maßnahmen notwendig seien.

Oft werden in einer Diktatur nach und nach immer mehr gesellschaftliche Bereiche der absoluten Kontrolle unterworfen - das Bildungs- und Erziehungswesen, die Presse- und Medienlandschaft, der Nachrichten- und Datenverkehr.

Die totalitäre Diktatur ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Wurden bis dahin den Einzelnen noch private Freiräume gelassen, wie zum Beispiel die Religionsausübung oder die Gestaltung der (äußerst geringen) Freizeit, greift die totalitäre Diktatur absolut in alle Bereiche des menschlichen Lebens und Zusammenlebens ein. Permanente Überwachung, Drill, politische Indoktrination, Pflicht zur Einbindung in alle möglichen Organisationsstrukturen - Ziel ist es, das Individuum zu brechen. Das historisch wohl einprägsamste Beispiel für eine totalitäre Diktatur ist der Nationalsozialismus.


„Diktaturen sind entstanden und werden geduldet, weil das Gefühl für die Würde und das Recht der Persönlichkeit nicht mehr genügend lebendig ist.“
Albert Einstein, dt. Physiker


Diskriminierung

Diskriminierung ist die Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Einzelpersonen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher Merkmale. Diskriminierung betrifft unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Sie kann offensichtlich auftreten oder versteckt, strukturell angelegt sein oder punktuell zum Vorschein kommen.

Gemeinhin wird zwischen direkter und indirekter Diskriminierung unterschieden. Eine direkte Diskriminierung liegt dann vor, wenn Personen oder Gruppen offen benachteiligt oder ungleich behandelt werden. Indirekte Diskriminierung verläuft unauffälliger. Deshalb ist es oft auch schwerer, dagegen vorzugehen. Indirekte Diskriminierung kann in Form formaler Gleichbehandlung auftreten. Zum Beispiel: Von Frauen und Männern wird, um Karriere zu machen, ein ununterbrochener beruflicher Werdegang erwartet. In diesem Fall wird der biologische Unterschied, dass nämlich nur Frauen schwanger werden und gebären können, negiert. Die Folge: Frauen müssen sich zwischen Kind und Karriere entscheiden.

Darüber hinaus gibt es auch Formen struktureller und institutioneller Diskriminierung. Von einer institutionellen Diskriminierung spricht man, wenn durch das Handeln oder Nichhandeln gesellschaftlicher Institutionen Benachteiligungen und Ausgrenzungen entstehen oder gefestigt werden.

Strukturelle Diskriminierung dagegen entsteht aus der Gesamtgesellschaft heraus. Sie muss sich nicht notwendigerweise in Gesetzen oder institutionellen Praxen ausdrücken. In erster Linie beruht sie auf Normen, Werten, Handlungen und Einstellungen, die von der Mehrheit oder aber auch der durchsetzungsfähigsten Gruppe der Bevölkerung aufgestellt und angewandt werden und somit als gesamtgesellschaftlicher Konsens gelten.


Emanzipation

Ein politisches Verständnis von Emanzipation meint die Selbstbefreiung unterdrückter oder ausgegrenzter Gruppen aus Diskriminierung, Abhängigkeit und Chancenlosigkeit. Mit Emanzipation in diesem Sinne geht einher, dass sich die Menschen ihrer Lage bewusst werden, erkennen, dass sie nicht allein sind, den Willen entwickeln, politische, soziale, ökonomische und kulturelle Entscheidungsprozesse mitzugestalten und die Kraft erreichen, dies durchzusetzen. Das Ziel jeden emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit und Gleichheit.


„Alle Emanzipation ist Zurückführung der menschlichen Welt, der Verhältnisse, auf den Menschen selbst.“
Karl Marx, dt.-brit. Philosoph und politischer Ökonom


Empowerment

Im US-amerikanischen Sprachgebrauch hat sich für den Begriff Emanzipation die Bezeichnung empowerment (wörtl. „Ermächtigung“) durchgesetzt. Von der US-amerikanischen Bürgerrechts- und Selbsthilfebewegung geprägt, steht der Begriff für Selbst-Ermächtigung oder Selbst-Befähigung. Ziel ist es, als Person, Gruppe oder Gemeinde mehr Selbstbestimmung über das eigene Leben und die eigenen Angelegenheiten zu entwickeln und zu erhalten. Empowerment ist ein Prozess, in dem Menschen sich ihrer Interessen bewusst werden und sich selbst in die Lage versetzen, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen wie auch ihre Perspektiven zu verbessern.


„Menschen bekommen keine Chancen oder Freiheit oder Gleichheit oder Würde aus einem Akt der Nächstenliebe heraus; sie müssen dafür kämpfen, diese Dinge dem Establishment abringen.“
Saul Alinsky, US-amerik. Bürgerrechtler


Faschismus

Faschismus ist ein Sammelbegriff für politische Bewegungen und Systeme, die über ähnliche Charakteristika verfügen. Dazu gehören:

  • Führerkult
  • Nationalismus
  • Antikommunismus
  • Antipluralismus
  • Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur
  • Gewaltförmigkeit

Der Faschismus ist eine totalitäre Ideologie. Dem Führerprinzip müssen sich alle unterwerfen. Gewalt als Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen nach innen und nach außen gilt als absolut legitim. Meinungsfreiheit, demokratische Strukturen, eine funktionierende Opposition, freie Wahlen, Gewerkschaften oder andere Interessenvertretungen stehen der faschistischen Ideologie entgegen und werden verboten, unterdrückt und bekämpft.

Der Begriff Faschismus leitet sich aus dem italienschen „fascio“ bzw. lateinischen „fascis“ ab. Beides bedeutet in der deutschen Sprache so viel wie „Bund“ oder „Bündel“ und bezieht sich auf Rutenbündel, mit denen im römischen Reich Personen mit breiten Machtbefugnissen gekennzeichnet waren. Faschismus als politische Ideologie und System stammt aus Italien. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand dort unter der Führung von Benito Mussolini die Bewegung der so genannten Schwarzhemden, die sich selbst als Faschisten bezeichneten. Mit seiner aus dieser Bewegung hervor gegangenen faschistischen Partei kam Mussolini 1922 an die Macht und etablierte eine faschistische Diktatur, die bis 1943 in Italien herrschte.

Antisemitisches, rassistisches und sozialdarwinistisches Gedankengut finden sich in allen faschistischen Bewegungen, auch in der italienischen. Allerdings entfaltete sich der Rassen-Wahn in seiner verbrecherischsten Form wie auch der auf Vernichtung angelegte Antisemitismus bislang nur im deutschen Nationalsozialismus.


„Wir Deutschen sind ja berüchtigt dafür, daß wir immer fremde Völker erziehen wollen, während in unserem eigenen Lande der Faschismus zur Herrschaft kam und wir nicht genug gegen ihn gekämpft haben, - was doch unsere Hauptaufgabe gewesen wäre.“
Ludwig Renn, dt. Schriftsteller


Fundamentalismus

Fundamentalismus bezeichnet das unbedingte Beharren auf festen politischen und vor allem religiösen Grundsätzen. Oft wird - gerade im religiösen Fundamentalismus - von der Existenz eines Wortes Gottes ausgegangen (Bibel, Koran), welches es wörtlich anzuerkennen und zu befolgen gelte.

Fundamentalistisch verstandene Religionen und daraus entspringende soziale oder politische Bewegungen betrachten ihre Überzeugungen und Vorstellungen als umfassende, absolute Lösung für alle gesellschaftlichen Probleme und Herausforderungen.

Kompromisse sind in einem fundamentalistischen Weltbild nicht möglich. In seiner extremsten Form toleriert der Fundamentalismus keine anderen Werte, Normen und Lebensregeln als die eigenen.


„Kein Fundamentalismus also ohne grundlegende Denkverbote, ohne radikales Misstrauen und Skepsis gegenüber anderen Weltbildern und Lebensentwürfen und deren Anhängern.“
Hubertus Mynarek, dt. Philosoph und Theologe


Geschichtsrevisionismus

Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein wissenschaftlich, politisch und gesellschaftlich anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, indem bestimmte Ereignisse wesentlich anders als in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft erklärt und/oder gedeutet werden.

Im Zusammenhang mit Rechtsextremismus umfasst Revisionismus die Umdeutung und Relativierung der deutschen Geschichte, vor allem hinsichtlich der Schuld am 2. Weltkrieg sowie an der Shoa. Revisionisten leugnen oder verharmlosen den Nationalsozialismus und seine Verbrechen. Eine weit verbreitete Form der Geschichtsumdeutung ist es, die Deutschen, vor allem die deutschen Zivilisten/-innen, zu Opfern zu erklären, die ebenso wie alle anderen unter dem 2. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus hätten leiden müssen. Das Verhältnis von Ursache und Wirkung wird hierbei völlig ausgeblendet. Prominenten Ausdruck findet dieser Relativismus in unmöglichen Begriffen, beispielsweise im Wort „Bombenholocaust“.


Homophobie

Homophobie ist die Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Bisexuellen eine häufige Folge. Homophobie basiert jedoch, anders als das Wort „Phobie“ (Angst) unterstellt, nicht ausschließlich auf persönlichen Unsicherheiten und Ängsten. Zwar ist eine tiefsitzende, oft unbewusste Angst vor den eigenen unterdrückten Persönlichkeitsanteilen durchaus eine Ursache für ein aggressiv-ablehnendes Verhalten gegenüber Homosexuellen. Meist handelt es sich dabei um die unbewusste Angst, die eigene Identität könnte ins Wanken geraten. Aber auch konservative Vorstellungen von Geschlechterrollen und moralischen Werten oder aber religiöse Überzeugungen können homophobe Vorurteile begründen oder stärken.


„Beim Militär verliehen sie mir einen Orden, weil ich zwei Männer getötet hatte, und entließen mich, weil ich einen geliebt hatte.“
Leonard Matlovich, US-amerik. Unteroffizier


Kapitalismus

Kapitalismus ist eine spezifische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Die kapitalistische Produktionsweise zeichnet sich dadurch aus, dass private Produzenten Waren für den Markt produzieren. Diese Produktion läuft in sich arbeitsteilig ab. Es existiert kein gesamtgesellschaftlicher Plan, nach dem Güter hergestellt werden. Die Produktionsmittel wie auch die Produktionsergebnisse sind das private Eigentum freier Rechtspersonen.

Untrennbar verbunden mit der Entstehung und Ausbreitung des Kapitalismus war die Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft. Freiheit und Gleichheit, die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft, sind elementare Voraussetzungen für eine entfaltete kapitalistische Produktionsweise. Freiheit in diesem Zusammenhang meint die persönliche Freiheit des Individuums von der Leibeigenschaft. Nur so können Menschen ihre Arbeitskraft zu Markte tragen und sie - wenn es gut läuft - an den Meistbietenden verkaufen.

Das Problem: Zwar sind die Beschäftigten frei zu wählen, an wen sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Sie sind aber nicht frei zu wählen, ob sie ihre Arbeitskraft verkaufen. Denn es steht ihnen nichts anderes zur Verfügung, um ihr Leben zu finanzieren.

Der oberste Zweck des Kapitalismus besteht in der stetigen Maximierung des Profits. Diesem werden auch die menschlichen Bedürfnisse untergeordnet. Die Produktion und Reproduktion von Ungleichheit und Ausgrenzung ist eine tragende Säule des Kapitalismus. Die im Kapitalismus angelegte Dynamik hat zwei Gesichter - eine permanente Fortentwicklung der Produktivkräfte und ein stetiges Krisenrisiko.


„Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“
John Maynard Keynes, brit. Ökonom


Migration

Migration im wörtlichen Sinne bedeutet so viel wie „Wanderung“. Gemeinhin wird unter Migration ein dauerhafter Wechsel des Wohn- und Lebensmittelpunktes verstanden. Binnenmigration bezeichnet in diesem Sinne Wanderungsbewegungen innerhalb eines Staatsgebiets, internationale Migration über nationale Grenzen hinaus gehende Bewegungen. Es gibt viele Gründe zu migrieren. Weit verbreitet ist die so genannte Arbeitsmigration, also Menschen, die dorthin ziehen, wo sie hoffen, Arbeit zu finden und ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Damit zusammen hängt oft auch die Familienmigration. Aber auch Flucht, Vertreibung und Krieg können zu Migrationsbewegungen führen.

In der politischen Praxis werden ökonomische Gründe für Flucht und/oder Migration sehr oft nicht anerkannt. Die Genfer Flüchtlingskonvention definiert Fluchtmigration als Bewegung einer Person, die sich „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.“

Eine sehr weit gehende Definition von Migration versteht darunter jede Bewegung, die Grenzen überschreitet. Das beinhaltet nicht nur geografische Grenzen, sondern auch ökonomische, soziale oder gesellschaftliche.


„Man muss Heimat haben, um sie nicht nötig zu haben.“
Jean Améry, österr. Schriftsteller


Nationalismus

Nationalismus bezeichnet einen übersteigerten Glauben an den Wert und die Bedeutung der eigenen Nation. Nationalismus verkennt und/oder leugnet gesellschaftliche Widersprüche, indem er die Herkunft der Menschen zum entscheidenden Kriterium erklärt und aus unterschiedlichen Personen und gesellschaftlichen Schichten eine Schicksalsgemeinschaft konstruiert, die sich nach innen und nach außen zu behaupten habe. Die Zugehörigkeit der Menschen zu bestimmten Klassen, Schichten oder Gruppen tritt in den Hintergrund. Bindend und prägend soll stattdessen die kulturelle und nationale Übereinstimmung sein. Die gemeinsame Sprache, Herkunft und Tradition wird zum entscheidenden Merkmal und zur Grundlage vermeintlich gemeinsamer Interessen.

Nationalismus kann sowohl nach innen als auch nach außen aggressiv und militant auftreten. Der aggressive Nationalismus, der die eigene Nation absolut setzt (Chauvinismus) und damit die Existenz anderer Nationen bedroht, war besonders für die Zeit der beiden Weltkriege charakteristisch. Mit dem politischen Umbruch in Mittel-, Ost- sowie Südosteuropa seit 1989 erstarkte der Nationalismus in vielen Gebieten und führte zu ethnischen Konflikten.

In Deutschland kam es im Zuge des Zusammenbruchs der DDR 1989 und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 zu nationalistischen Taumeln und Ausbrüchen. Wie ausgrenzend und militant Nationalismus auftreten kann, zeigt der eklatante Anstieg nationalistisch und rassistisch motivierter Straftaten in diesem Zeitraum.


„Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, auf das er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, um stolz zu sein.“
Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph


Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus war politisches Programm, ideologische Weltanschauung und ein System totalitärer Herrschaft. Er basierte auf einem völkischen Konzept von Nation und Staat und auf sozialdarwinistischen Rassevorstellungen. Antikommunismus und Antisemitismus gehörten zu seinen zentralen Merkmalen. Der Nationalsozialismus war strikt anti-demokratisch ausgerichtet. Mittel zur Errichtung und Erhaltung des nationalsozialistischen Systems waren Unterwerfung, Überwachung, Denunziation, Folter und Vernichtung.

Der Nationalsozialismus entstand in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Adolf Hitler und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) kamen 1933 an die Macht. Systematisch wurde in Deutschland ein totalitärer „Führerstaat“ etabliert, mit Unterstützung eines nicht geringen Teils der Bevölkerung. Andere Parteien wurden verboten, die Gewerkschaften aufgelöst, Andersdenkende verfolgt, eingesperrt und umgebracht. Massenorganisationen und Propaganda sicherten den Rückhalt der Nazi-Herrschaft in der Gesellschaft. Gleichzeitig setzte die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein.

Mit dem Angriff auf Polen 1939 löste das NS-Regime den Zweiten Weltkrieg aus. Im Verlaufe des Krieges wurden durch die deutsche Wehrmacht und die so genannten Schutzstaffeln (SS) zahlreiche Kriegsverbrechen und Massenmorde verübt. Als eines der größten Menschheitsverbrechen gilt dabei die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden, die Shoah. Die Zeit des Nationalsozialismus endete mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945.

Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ entstammt der Programmatik der 1919 gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die sich 1920 in NSDAP umbenannte. Die Verwendung des Begriffs Sozialismus dabei ist reine Propaganda. Denn im Nationalsozialismus wird der Interessenswiderspruch zwischen Kapital und Arbeit negiert und im Konstrukt der Volksgemeinschaft aufgelöst. Innerhalb der Volksgemeinschaft gibt es laut Nazi-Ideologie keine Konflikte zwischen Besitzenden und Arbeitenden. Es wird halluziniert, dass das Volk eine „rassisch-ethnische“ Einheit sei, in der Jede und Jeder an seinem Platz in der Gesellschaft für das Volk entsprechende Arbeit leisten muss und kann. Die Volksgemeinschaft ist aufgrund rassistischer Kriterien definiert.

In der nationalsozialistischen Ideologie ist der größte Feind das „Zinskapital“. Gemeint sind damit jedoch keinesfalls die deutschen Banken. Gemeint ist das „internationale Finanzkapital“. Diesem wird vorgeworfen, es lasse die deutsche Wirtschaft ausbluten. Als Strippenzieher dahinter agieren den Nationalsozialisten zufolge „die Juden“. Die Nationalsozialisten prägten mit ihrem völkischen Antikapitalismus die These vom „schaffenden“ und „raffenden“ Kapital, welches sich unvereinbar gegenüberstehen würde.


„Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.“
Gerhard Bronner, österr. Musiker und Kabarettist


Rassismus

Im Rassismus wird die erbbiologische Abstammung eines Menschen zum entscheidenden Faktor hinsichtlich seines Charakters, seiner Fähigkeiten, seines Verhaltens und seiner Kultur erklärt. Aus dieser angeblich genetisch festgeschriebenen und somit unüberwindbaren Unterschiedlichkeit verschiedener Menschengruppen (so genannter „Rassen“) leiten rassistische Theorien die Rechtfertigung sozialer, ökonomischer oder juristischer Ungleichheit ab.

Anhand äußerlicher Erscheinungsmerkmale werden Menschen zu Gruppen konstruiert, die nach innen vermeintlich einheitlich und nach außen angeblich klar voneinander unterscheidbar sind. Diese Gruppen werden - wiederum auf pseudowissenschaftlicher Basis - hierarchisiert. Ihnen werden also unterschiedliche Wertigkeiten zugeschrieben. So wird Diskriminierung gerechtfertigt. In diesem Sinne ist Rassismus auch eine Form der Herrschaftssicherung.

Eine für die gewerkschaftliche Praxis gut brauchbare Definition des modernen Rassismus hat das DGB-Bildungswerk Thüringen entwickelt. Rassismus lässt sich demzufolge auf die Kurzformel Ethnisierte Gruppenkonstruktion + Abwertung + Durchsetzungsmacht bringen.

Für die Gruppenkonstruktionen werden Merkmale wie Hautfarbe, Sprache, Kultur, nationale Zugehörigkeit ausgewählt und zum relevanten Unterscheidungskriterium zwischen der Eigengruppe und den „Anderen“ erklärt. Den „Anderen“ werden nun bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Zumeist handelt es sich dabei um abwertende Attribute. Manchmal können die Zuschreibungen auch positiver Art sein („Rhythmus im Blut haben“, „ein fleißiges Volk“). Wichtig ist, dass die Eigenschaften auf Menschengruppen und nicht auf Individuen projiziert werden. Diese zugeschriebenen Eigenschaften gelten als unabänderlich und das Verhalten jedes einzelnen Gruppenmitglieds bestimmend.

Der dritte Faktor ist die Durchsetzungsmacht. Sie unterscheidet das Vorurteil vom gesellschaftlichen Verhältnis. Um von Rassismus sprechen zu können, braucht es eine Gruppe, die die politische, soziale oder ökonomische Macht hat, den Konstruktionen und Zuschreibungen Taten folgen zu lassen und so eine gesellschaftliche Ungleichbehandlung der „Anderen“ zu erzeugen. Diese Ungleichbehandlung kann auf der persönlichen, der rechtlichen, der sozialen oder der ökonomischen Ebene stattfinden. Die Bandbreite rassistischer Diskriminierung also reicht vom direkten Angriff über soziale Ausgrenzung und ökonomische Benachteiligung bis hin zur rechtlichen Schlechterstellung oder völligen Rechtlosigkeit (zum Beispiel illegalisierte Einwanderer/-innen ohne Papiere).


„Ich hasse es, wie sie uns in den Medien darstellen. Wenn eine schwarze Familie gezeigt wird, heißt es, sie plündert. Wenn man eine weiße Familie sieht, heißt es, sie ist auf der Suche nach Essen.“
Kanye West, US-amerik. Rapper


Rechtsextremismus

Rechtsextremismus basiert auf der Überzeugung, das eigene Volk oder die eigene Nation seien mehr wert als andere. Die humanistische Grundüberzeugung von der Gleichwertigkeit aller Menschen wird im Rechtsextremismus abgelehnt und durch ein autoritäres, biologistisches und menschenfeindliches Ordnungsprinzip ersetzt. Äußere Merkmale wie Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht, sexuelle Identität, kulturelle und religiöse Zugehörigkeit gelten als Maßstab zur Unterscheidung und zur Begründung für eine vermeintliche Ungleichwertigkeit der Menschen. Dem Politologen und Rechtsextremismusforscher Richard Stöss zufolge lässt sich Rechtsextremismus anhand von vier zentralen Merkmalen charakterisieren:

  • Rechtsextremismus verbindet übersteigerten Nationalismus mit imperialistischem Großmachtstreben und einer feindseligen Haltung gegenüber anderen Staaten, Nationen und Völkern. Die Beschwörung vermeintlicher äußerer Bedrohungen gilt gleichzeitig als Begründung für Gleichschaltungsabsichten nach innen.
  • Rechtsextremismus aberkennt die universellen Grundund Menschenrechte (Recht auf Leben, Recht auf Freiheit, Recht auf körperliche Unversehrtheit, Recht auf freie Meinungsäußerung, Koalitionsfreiheit etc.)
  • Rechtsextremismus strebt die Schaffung einer Diktatur an und richtet sich gegen pluralistischen Parlamentarismus und Demokratie.
  • Rechtsextremismus beruht auf dem Glauben an eine „reinrassige Volksgemeinschaft“ und an die - einer „natürlichen Ordnung“ entsprechende - Verschmelzung von Volk und Staat zum Reich.

Rechtsextremismus ist eine Sammelideologie und umfasst die Zustimmung zu verschiedenen ausgrenzenden Einstellungsmustern. Dazu gehören:

Rechtsextremistisches Gedankengut ist kein Randgruppenphänomen, sondern bis weit in die bürgerliche Mitte hinein verbreitet. Vorurteile und Versatzstücke rechtsextremer Ideologie finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten.


Sexismus

Unter Sexismus versteht man die Diskriminierung oder Unterdrückung von Menschen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. Der Begriff entstand in den 1960er Jahren in der US-amerikanischen Frauenbewegung und bezog sich lange ausschließlich auf die Diskriminierung von Mädchen und Frauen. Sexismus beruht auf dem Vorurteil, dass Frauen aufgrund ihres biologischen Geschlechts weniger wert und Männern körperlich und intellektuell unterlegen seien.

Eine der tragenden Säulen sexistischer Einstellungen und Diskriminierungen ist die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen: Weil Frauen Kinder bekommen können, wurde und wird ihnen fast überall auf der Welt die Zuständigkeit für Haushalt, Kindererziehung und Pflege zugewiesen. Frauen tragen die Verantwortung für die Reproduktion des Mannes, der sich zu Hause erholen müsse, um seine Arbeitskraft zu erhalten. Die Arbeitskraft des Mannes ist gleichzeitig öffentliche Arbeitskraft, da sie „draußen“ geleistet und bezahlt wird. Die angeblich weiblichen Arbeiten - Erziehungsund Hausarbeit - liegen im privaten, also nicht-öffentlichen Raum und sind unbezahlt. Die Zuordnung der Frauen in den häuslichen Bereich und dessen Etikettierung als Privateigentum zementieren die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen. Ohne einen gleichberechtigten Zugang zur Öffentlichkeit, zu finanziellen Ressourcen und zu politischem Einfluss sind und bleiben Frauen ökonomisch abhängig und gesellschaftlich machtlos.


„Das Gerede von den »neuen Männern« ist doch Geschwätz. Es gibt kaum Frauen in Führungsetagen, weil es Diskriminierungen gibt, mit denen Frauen unten gehalten werden.“
Jutta Allmendinger, dt. Soziologin


Shoah

Der Begriff Shoah kommt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Unheil“ oder „große Katastrophe“. Er bezeichnet den Versuch der Nationalsozialisten, die europäischen Jüdinnen und Juden zu vernichten. Dem von den Tätern als „Endlösung“ bezeichneten Verbrechen fielen schätzungsweise sechs Millionen Menschen zum Opfer, die nach nationalsozialistischen Rassevorstellungen als „jüdisch“ definiert wurden. Ab 1942 wurde die Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger systematisch und mit industriellen Methoden durchgeführt. Im deutschen Sprachraum wird häufig auch der Begriff Holocaust verwendet.

Die Shoah wurde nicht von einem Tag auf den anderen beschlossen und umgesetzt. Der Massenmord wurde systematisch vorbereitet. Die breite Zustimmung zu radikalantisemitischen Vorurteilen in der deutschen Bevölkerung war eine zentrale Voraussetzung für die Shoah. Der Vernichtung voraus ging ein kontinuierlicher Prozess der Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung. Die Opfer wurden systematisch entmenschlicht.

Diese Entwicklung kann in drei Eskalationsstufen unterteilt werden, die teilweise auch parallel stattfanden:

Ab 1933 - Entrechtung und Verdrängung der jüdischen Bürger aus Staatsämtern, freien Berufen und dem öffentlichem Leben in Deutschland; Enteignung und Arisierung von Unternehmen in jüdischem Besitz, öffentliche Demütigung und Angriffe gegen Juden, Reichspogromnacht im November 1938

Ab 1939 - Ghettoisierung, Verbot der Ausreise, Vorbereitung der Deportationen im Deutschen Reich durch Zwangsumzüge in Judenhäuser, Deportationen und Massenmorde an osteuropäischen Juden

Ab 1942 - Ausweitung der Massenmorde auf alle europäischen Juden und deren systematische Ermordung in speziell dafür gebauten Vernichtungslagern und Gaskammern.


„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“
Theodor W. Adorno, dt. Soziologe und Philosoph


Solidarität

Solidarität bezeichnet die Verbundenheit mit und Unterstützung von Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Solidarität meint den Zusammenhalt zwischen Menschen und den Einsatz für gemeinsame Werte. Das Prinzip der Solidarität richtet sich gegen die Vereinzelung der Menschen. Es betont die gegenseitige Verantwortung und steht für ein Grundverständnis des menschlichen Zusammenlebens. Solidarität beruht auf der Fähigkeit, Interesse und Mitgefühl für die Situation anderer Menschen aufbringen zu können. Sie kann in ihrem ureigensten Sinn nur freiwillig gewährt werden.


Sozialdarwinismus

Im Sozialdarwinismus werden Naturgesetze, die im Zuge der Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt entdeckt wurden, auf den Menschen und gesellschaftliche Verhältnisse übertragen. Er beruht auf einem vermeintlichen „Recht des Stärkeren“. Ihm liegt die These zugrunde, dass die Menschen von Natur aus ungleich seien und in einem stetigen Kampf ums Überleben stünden. Dieser Kampf würde gegeneinander geführt. Nur die Stärksten können, so der Sozialdarwinismus, diesen Kampf gewinnen. Aus diesem Sieg wiederum würde sich ein höheres Recht oder eine höhere Legitimität ableiten. Der Sozialdarwinismus war bestimmend für das Programm der Rassenhygiene im Nationalsozialismus, da durch ihn die pseudo-wissenschaftliche Unterscheidung zwischen „wertvollem“, „minderwertigem“ und „wertlosem“ menschlichen Leben begründet wurde.

Werte wie Mut, Treue, Kompromisslosigkeit und Härte gelten Sozialdarwinisten als besonders tugendhaft. Stärke wird im Angriff gegen Schwächere bewiesen. Sie wird in Verbindung mit der eigenen nationalen Zugehörigkeit demonstriert. Die Nation symbolisiert im sozialdarwinistischen Denken das unbeugsame Ich. Angegriffen werden Andersdenkende und „Fremde“, also Angehörige anderer Nationen oder ethnischer Gruppen oder „Unerwünschte“ wie Obdachlose, Bettler, Homosexuelle.

Sozialdarwinistische Positionen sind heute noch in indirekter Form wirksam, zum Beispiel im Hinblick auf Behindertenpolitik, Immigration und Asyl oder Fragen der sozialen Gerechtigkeit.


Standortkonkurrenz

Standortkonkurrenz bezeichnet das kapitalistische Prinzip, wonach nicht nur Menschen oder Unternehmen, sondern ganze Regionen oder Nationalstaaten gegeneinander konkurrieren. Ziel ist die Schaffung günstiger Standortfaktoren, um wettbewerbsfähig zu sein und Investoren anlocken zu können. Diese Konkurrenz wird in den meisten Fällen auf dem Rücken der Beschäftigten und zulasten der Sozialpolitik ausgetragen.

Oft machen die Betroffenen dabei Zugeständnisse, die sich gegen ihre eigenen Interessen richten. Sie glauben den Thesen, dass nur Wettbewerbsvorteile gegenüber Belegschaften in anderen Unternehmen, Regionen, Ländern oder Kontinenten ihnen Sicherheit geben können. Und reagieren mit Zugeständnissen, die ihre eigene Lebens- und Arbeitsqualität verschlechtern. Die Verlängerung von Wochen- und Lebensarbeitszeiten, Lohnverzichte, unbezahlte Mehrarbeit, Urlaubskürzungen, die Abschaffung von Sonderzahlungen - all dies wird zugelassen im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Obwohl in vielen Fällen dadurch keine langfristigen Sicherheiten entstehen, sondern kurzfristig höhere Gewinne für die Unternehmen.

Eine Ideologie ist für diese Form der Selbstentmächtigung zentral - der Standort-Nationalismus. Er kittet innergesellschaftliche Widersprüche und Konfliktlinien. Er schwört unterschiedlichste Interessengruppen auf ein sie verbindendes und deshalb für sie verbindliches Gefüge ein - die nationale Gemeinschaft. Und für eben diese Gemeinschaft schnallen alle gemeinsam auch mal den Gürtel enger. Diese Konstruktion einer „Wir“-Gruppe ist im Zuge sich verstärkenden Konkurrenzdrucks leicht aufladbar und damit nutzbar als Instrument als Ab- und Ausgrenzungskriterium im ökonomischen Wettlauf. Standortnationalismus und Rassismus können sich hier wechselseitig bestärken.


Zivilcourage

Zivilcourage bezeichnet das Unterstützen einer Person oder Personengruppe, die offensichtlich benachteiligt, diskriminiert oder angegriffen werden. Oft sind Situationen, in denen von Zivilcourage gesprochen wird, durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet. Das Eingreifen geschieht meist ohne Rücksicht auf mögliche eigene Nachteile oder Gefährdungen. Je mehr Menschen Zivilcourage zeigen, desto erfolgreicher können Diskriminierungen und Anfeindungen abgewehrt werden. Der Mut, sich einzusetzen, ist der Anfang von allem.


„Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“
Kurt Tucholsky, dt. Journalist und Schriftsteller


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Oktober 2010

Gefördert aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes.

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