Aus Essen stellt sich quer

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Seitenübersicht

27. Januar: Internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Auschwitz steht heute für Brutalität und Unmenschlichkeit, für Verfolgung, Unterdrückung und für die in schrecklicher Perfektion organisierte Vernichtung von Menschen.

Lange vorher und für alle erkennbar fing es an: Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten und alle Andersdenkende wurden Schritt für Schritt ihrer Rechte beraubt. In letzter Konsequenz überzogen die Faschisten die ganze Welt mit Krieg und sie ermordeten Millionen Menschen.

Im Januar 1996 erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus". Im Oktober letzten Jahres erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum "Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust".

In Deutschland (und auch in Essen) findet das jährliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus oft zum 9. November (Reichspogromnacht) statt.



Inhaltsverzeichnis

Flugblatt zur Veranstaltung am 31.01.2012

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Seite 1/6

Veraltet.png Der hier genannte Termin ist veraltet!

Flugblatt PDFicon.gif (458.5 KB)
Eq-20120130KlarsNeu.jpg   Beate Klarsfeld -

eine Nazijägerin
kommt nach
40 Jahren nach
Essen zurück

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anlässlich des

Gedenkens
an die Befreiung
von Auschwitz
und an die
Machtübergabe
an Hitler

 

31. Januar
2012

19.00 Uhr
VHS
Burgplatz 1

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Essen

 

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Von Deutschland nach Frankreich und zurück


"Man muß dazu sagen, dass ich 1960 nach Paris kam und dort meinen späteren Mann kennenlernte, dessen Vater nach Auschwitz deportiert und dort vergast worden war. Für mich war das eine Einführung in eine Geschichte, über die ich in der Schule nichts gelernt hatte."

Gerade einmal 21 Jahre alt muss die Deutsche Beate – als Au-Pair - nach Paris kommen, um mit der Nazi-Vergangenheit ihres Heimatlandes konfrontiert zu werden. Denn dort tut man in dieser Zeit alles, um einer Aufarbeitung dieser Vergangenheit aus dem Wege zu gehen. „Die Unfähigkeit zu trauern“ (Alexander Mitscherlich) ist das kollektive Verdrängen von Verantwortung und Schuld.

"Da habe ich mich – vielleicht mehr als viele andere – verpflichtet gefühlt, etwas zu tun."

Etwas tun, das bedeutet für Beate Klarsfeld: wachrütteln, aufmerksam machen, öffentlich machen. Ihre Aktionen sind spektakulär, symbolhaft und für sie selbst nicht immer ungefährlich. Sie will nicht akzeptieren, dass viele Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen unbehelligt in Deutschland und anderen Ländern leben können.

Bis heute. Ihr ganzes Leben lang ist Beate Klarsfeld ihrem Ziel treu geblieben.


"Wir wollten erreichen, dass die Täter von der jeweiligen Justiz zur Verantwortung gezogen werden."

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Seite 3/6
Kanzler-Ohrfeige als Signal


Eq-20120130Schnupf.jpg Als Beate Klarsfeld am 7. November 1968 den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) auf dem CDU-Bundesparteitag in Berlin ohrfeigte, um auf die NS-Vergangenheit Kiesingers als NSDAP-Mitglied und leitenden Mitarbeiter der Auslandspropaganda der Nationalsozialisten hinzuweisen, war dies ihre erste spektakuläre Aktion: ein weltweit beachtetes und von vielen (vor allem jungen) Bundesbürgern erhofftes Signal.

Es war ein öffentliches Zeichen gegen die weitverbreitete Gleichgültigkeit von Staat, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber ehemaligen NS-Aktivisten. Es war ein Schlag gegen die systematische Unterlassung der Justiz, Alt-Nazis und NS-Verbrecher zur Rechen schaft zu ziehen. Die Initiative ging immer von den Opfern aus, nie von der Justiz!

Nach der Ohrfeige legte die deutsche Justiz ein bis dato ungekanntes Tempo vor: Beate Klarsfeld wurde sofort festgenommen und binnen weniger Stunden von einem Schnellgericht zu einem Jahr Haft verurteilt!

Die Ohrfeige löste kontroverse Dikussionen aus, wurde zu "einer der Grundtaten der jungen Bundesrepublik"

(Frankfurter Rundschau). Heinrich Böll schickte 50 rote Rosen, andere schäumten vor Wut. Mit Worten, so Klarsfeld damals, sei leider nichts zu erreichen: "Um einen Skandal aufzudecken, muss man mit einem Skandal antworten."

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Die Klarsfelds in Essen


Ihre Aufklärungsaktionen führten Beate und Serge Klarsfeld 1971 auch nach Essen.

Aus der WAZ vom 25.06.1971:

Sieben junge Franzosen demonstrierten am Donnerstag mit Flugblättern und Plakaten in der Essener Rechtsanwaltskanzlei des FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Ernst Achenbach, dem sie Mitwirkung an Judendeportationen aus Paris während des Krieges vorwarfen, und forderten ‚Raus aus dem Bundestag’. Die Franzosen, angeblich Kinder von Widerstandkämpfern, waren unter Führung von der durch die Kiesinger-Ohrfeige bekannt gewordenen Beate Klarsfeld nachts aus Paris angereist und drangen in das Anwaltsbüro ein, wo sie sich in einem Raum zusammen mit einem Essener Rechtsanwalt einschlossen. Nach etwa 20 Minuten ließen sie sich widerstandslos von einem größeren Polizeiaufgebot abführen.

Wie die Essener Staatsanwaltschaft mitteilt, wird gegen sie wegen Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung ermittelt.

Dr. Ernst Achenbach war als Gesandtschaftsrat und engster Mitarbeiter von Botschafter Abetz an der „Endlösung der Judenfrage“ in Frankreich beteiligt.

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Immer unterwegs ...


Eq-20120130Lischka.jpg Großes Aufsehen erregte der Versuch, den in Frankreich in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilten, aber in Köln unbehelligt lebenden Kriegsverbrecher Kurt Lischka zu entführen. Sein Name stand auf dem Klingelschild, man mußte nicht lange suchen.

Kurt Lischka war als ehemaliger SS-Obersturmbannführer maßgeblich verantwortlich für die Deportation von 76.000 jüdischen Menschen in die Vernichtungslager. Seine Entführung misslang. Es dauerte noch bis 1980, da kam Kurt Lischka endlich vor ein deutsches Gericht.

Jahrelang war es Ernst Achenbach als FDP-Bundestagsabgeordnetem gelungen, das Verfahren gegen Kurt Lischka und andere Kriegsverbrecher zu vereiteln.

Beate Klarsfeld ließ sich nicht einschüchtern, weder durch Haft noch durch Drohungen.

In Frankreich lebt die Deutsch-Französin hoch geehrt, während sie in Deutschland vor Anfeindungen nicht sicher ist.


VVN-BdA Essen
und VHS Essen
laden ein:

 

Ravensbrück -
Film und Buchlesung
in Erinnerung an das größte
Frauenkonzentrationslager
in Nazideutschland

08. Mai 2012

19.00 Uhr
VHS, Burgplatz

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Seite 6/6
Die Reise ist noch nicht zu Ende


Eq-20120130Zug.jpg Immer wieder meldet sich Beate Klarsfeld zu Wort.

Zum 60. Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz initiieren Beate und Serge Klarsfeld die Ausstellung „11.000 jüdische Kinder – Mit der Reichsbahn in den Tod“. Mit ihr soll die Deportation nach Auschwitz, der Holocaust, in Erinnerung gerufen werden. Die SNCF stellte 18 französische Bahnhöfe zur Verfügung, auf denen die Ausstellung drei Jahre lang gezeigt wurde. Auf deutschen Bahnhöfen jedoch durfte sie nicht aufgestellt werden.

Die Deutsche Bundesbahn unter ihrem Chef Hartmut Mehdorn lehnte die Auseinandersetzung mit der Verstrickung der Reichsbahn in den Völkermord ab. Darauf hin organisierten Antifaschisten nach dem Vorbild der Ausstellung von Serge und Beate Klarsfeld den „Zug der Erinnerung“, der von 2007 an bis heute an vielen Bahnhöfen von Tausenden Menschen besucht wird.

Beate Klarsfeld hat in der deutschen Nachkriegsgeschichte Zeichen gesetzt. Sie hat dazu beigetragen, das Schweigen zu durchbrechen. Sie kann uns Mut machen, dem Naziterror entgegenzutreten. Die Mordserie der Nazigruppe NSU zeigt, wie notwendig das ist.

Eq-20120130Rede.jpg   Protest 2005 in
Frankfurt:
"Die jüdischen
deportierten
Kinder
haben wie in
Frankreich ein
Recht auf eine
Ausstellung
in den Bahnhöfen
der Deutschen Bahn."

V.i.S.d.P. Paul Schnittker, Ofterdingenstr.90, 45279 Essen
Grafik: K. Pawlitzki


02.02.2012, WAZ: "So etwas Wichtiges kannst du nie wieder tun"

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WAZ / Essen,Donnerstag, 02.02.2012

"So etwas Wichtiges kannst du nie wieder tun"

Beate Klarsfeld berichtet in der Volkshochschule über eine Ohrfeige und die jahrelange Jagt auf NS-Täter


Christina Wandt

Sie hat das alles schon so oft erzählt, aber es gibt immer noch Menschen, die es hören wollen. Am Dienstagabend in der Volkshochschule sind es 360, die Aula ist überfüllt. Viele Zuhörer stehen, einige sitzen auf dem Boden. Sie sind wegen einer Frau gekommen, die in zwei Wochen 73 jahre alt wird und die in der Ikono- graphie der Bundesrepublik immer eine junge Frau bleiben wird: Beate Klarsfeld.


"Wir wollten NS-Täter
vor Gericht sehen -
und wurden
selbst bestraft«

43 Jahre ist es her, dass sie berühmt wurde mit einer wohl inszenierten Ohrfeige, die sie dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger gab. Sie machte damit auf die NS-Vergangenheit des CDU-Poli- tikers aufmerksam oder wie sie selbst sagt: Sie rüttelte ein Land wach und verhinderte,

"dass noch einmal ein Nazi in Deutschland ein hohes politisches Amt bekam".

Was unmittelbar danach geschah, erzählt sie in routinierer Hast. Von Heinrich Böll, der 50 rote Rosen schickte, und dem Schnellgericht, das sie zu einem Jahr Haft verurteilte. Ihrer französischen Staatsbürgerschaft hat Beate Klarsfeld zu verdanken, dass sie diese absurd hohe Strafe nie antreten musste. Doch sie ist überzeugt, dass ihr das offizielle Deutschland die Ohrfeige bis heute nachtrage und ihr darum das Bundesverdienstkreuz verweigere. Anders in Frankreich, wo man sie verehrt, sie längst in die Ehrenlegion aufgenommen hat.

Sie, die vor 50 Jahren als Au-Pair-Mädchen nach Paris kam, weil ihr Job bei der Lizenzabteilung von Schering "stinklangweilig" war. Dort verliebte sie sich in Serge Klarsfeld, dessen Vater in Auschwitz ermordet worden war, der selbst „wie durch ein Wunder überlebt hatte". 1963 heiratete der französische Jude die deutsche Nicht-Jüdin. "Und ich wäre wohl Hausfrau und Mutter geblieben, wenn ich nicht meinen Job beim Deutsch-Französischen Jugendwerk verloren hätte." Weil sie in Zeitungsartikeln die Vergangenheit Kiesingers beleuchtet hatte. Nach dem Rauswurf sagt sie: Jetzt erst recht und plant die Ohrfeige. „Beate, so etwas Wichtiges kannst Du in Deinem Leben nie wieder tun", sagt ihr Mann nach der Aktion.

Tatsächlich wird die Ohrfeige bleiben. Dabei haben die Klarsfelds einige NS-Täter aufgespürt und dafür gesorgt, dass sie vor Gericht gestellt werden. Sie haben in jahrelanger Kleinarbeit Beweise gesammelt, etwa gegen Klaus Barbie, den "Schlächter von Lyon". Sie haben spektakuläre Aktionen geplant, etwa gegen Kurt Lischka, der für die Deportation von 76 000 Juden verantwortlich war — und lange unbehelligt in Köln lebte. Immer wieder haben sie und ihre Mitstreiter bei ihm die Scheiben eingeschlagen und gefordert: "Bestraft Lischka." Lächelnd erzählt Beate Klarsfeld davon: "Und wer wurde bestraft — wir." Acht jahre sollten vergehen, bis Lischka vor Gericht gestellt wurde.

Heute haben sich die Klarsfelds darauf verlegt, den Opfern ein Gesicht zu geben, stellen Dokumentationen für die nachfolgenden Generationen zusammen. Ihre Verdienste sind unbestritten, ihr Einsatz ist rastlos. Unermüdlich gibt Beate Klarsfeld Auskunft über ihre Mission, beantwortet Fragen mit freundlicher Routine, bisweilen so wie man sie schon in anderen Publikationen las. Sie hat das ja alles schon so oft erzählt. Auch die Geschichtsschreibung in eigener Sache hat sie schon abgeschlossen;

"Ich bin von vielen unserer Freunde doch als Heldin anerkannt." Das Publikum in der Volkshochschule würde sich dem gewiss anschließen.


HINTERGRUND
Klarsfeld und Essen
Beate Klarsfeld war nicht zum ersten Mal in Essen: Im Juni 1971 demonstrierte sie hier mit französischen Jugendlichen vor und in der Kanzlei des FDP-Bundestagsabgeordneten Ernst Achenbach.
Klarsfeld und ihre Mitstreiter verhinderten, dass Achenbach zum EWG-Kommissar ernannt wurde. Der Anwalt hatte während des Zweiten Weltkrieges als leitender Angestellter an der deutschen Botschaft in Paris gearbeitet und war dort an der Deportation

französischer Juden beteiligt.
Bildunterschrift:
Es war eine unwiederholbare Aktion, sagt Beate Klarsfeld über die Ohrfeige, die sie 1968 berühmt machte. Vor ihrem abendlichen Auftritt in der Volkshochschule nahm sie sich Zeit für ein Gespräch mit der WAZ.   Foto: Sebastian Konopka

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