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27. Januar: Internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Auschwitz steht heute für Brutalität und Unmenschlichkeit, für Verfolgung, Unterdrückung und für die in schrecklicher Perfektion organisierte Vernichtung von Menschen.

Lange vorher und für alle erkennbar fing es an: Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Behinderten und alle Andersdenkende wurden Schritt für Schritt ihrer Rechte beraubt. In letzter Konsequenz überzogen die Faschisten die ganze Welt mit Krieg und sie ermordeten Millionen Menschen.

Im Januar 1996 erklärte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum "Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus". Im Oktober letzten Jahres erklärten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum "Internationalen Gedenktag für die Opfer des Holocaust".

In Deutschland (und auch in Essen) findet das jährliche Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus oft zum 9. November (Reichspogromnacht) statt.



Inhaltsverzeichnis

WAZ/NRZ, 23.01.2014 Würdigung eines mutigen Juristen

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WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 23.01.2014

Würdigung eines mutigen Juristen

Volkshochschule: Film erinnert an Fritz Bauer


Ein filmisches Portrait über einen der bedeutendsten Juristen des 20. Jahrhunderts ist am Montag, 27. Januar, um 19 Uhr in der Volkshochschule am Burgplatz zu sehen. Der Film von Ilona Ziok erzählt von Fritz Bauer, jenem hessischen Generalstaatsanwalt, der den Auschwitz-Prozess angestoßen hat. Zuvor hatte Bauer die Rehabilitierung der Attentäter vom 20. Juli 1944 erreicht.

„Fritz Bauer – Tod auf Raten“ zeigt den Kampf des nach Deutschland zurückgekehrten Emigranten für den Auschwitz-Prozess, der Ende 1963 in Frankfurt begann und in der Bundesrepublik die erste breite Diskussion über den Holocaust auslöste. Die Filmdokumentation führt in eine Zeit, in der vor allem die ältere Generation die NS-Vergangenheit verdrängte. „Wir Emigranten hatten unsere heiligen Irrtümer: Dass Deutschland in Trümmern liegt, hat auch sein Gutes, dachten wir. Da kommt der Schutt weg, dann bauen wir Städte der Zukunft, hell, weit und menschenfreundlich.“ Diese Aussage Bauers beschreibt seinen frühen Enthusiasmus wie auch die spätere Ernüchterung, als er auf Feindseligkeit und Widerstände traf.

Den Abend in der VHS organisieren u.a. die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Essener Friedensforum, Anti-Rassismus-Telefon.

Flugblatt zur Filmvorführung am 27.01.2014

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Fritz Bauer – Tod auf Raten
Ein Film von Ilona Ziok

Der Film erzählt von Fritz Bauer, einem der bedeutendsten Juristen des 20. Jahrhunderts, dem konsequentesten Strafverfolger faschistischer Verbrechen. Als Generalstaatsanwalt in Braunschweig setzte er 1952 die Rehabilitierung der Attentäter vom 20. Juli 1944 durch. Ohne den hartnäckigen Einsatz Fritz Bauers als hessischer Generalstaatsanwalt hätte es den Auschwitzprozess nicht gegeben, der am 20.Dezember 1963 in Frankfurt/Main begann. In der Bundesrepublik löste Fritz Bauers Handeln damit erstmals eine breite öffentliche Diskussion über den Holocaust aus. Die Filmdokumentation führt in eine Zeit, in der vor allem die ältere Generation in Deutschland die NS- Vergangenheit verdrängte.

„Wir Emigranten hatten so unsere heiligen Irrtümer: Dass Deutschland in Trümmern liegt, hat auch sein Gutes, dachten wir. Da kommt der Schutt weg, dann bauen wir Städte der Zukunft, hell, weit und menschenfreundlich.“ Diese Aussage von Fritz Bauer beschreibt den Enthusiasmus, mit dem die Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung das Nachkriegsdeutschland nach der Befreiung vom Faschismus in ein demokratisches und humanes Staatswesen überführen wollten. Fritz Bauer ahnte nicht, dass sich dieses Vorhaben zu einem Weg mit vielen Behinderungen und Feindseligkeiten entwickeln sollte, wie etwa die Geschehnisse rund um die Verabschiedung der Notstandsgesetze im Jahr 1968 zeigten. Fritz Bauer starb am 1. Juli 1968. Sein überraschender Tod wirft bis heute Fragen auf.

Veranstalter in Kooperation mit der Volkshochschule Essen: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) Essen, Essen stellt sich quer, Essener Friedensforum, Anti-Rassismus-Telefon Essen, SJD Die Falken Essen, Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Essen, Antifaschistische Kooperative Essen (AKE), Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen (VDJ), Antifaschistische Campus Initiative Duisburg-Essen (Acampi )


NRZ, 28.01.2014 Die Flucht der sechs Mädchen

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NRZ / Die Seite 3,Dienstag, 28.01.2014

Die Flucht der sechs Mädchen

Anwohner versteckten die jungen jüdischen Frauen aus dem KZ-Außenlager Essen


Von Matthias Maruhn

'Essen. Es ist der 23. Februar 1945. Die Fliegerbomben schlagen rund um das Lager ein, der Abendhimmel ist rot beleuchtet von den brennenden Häusern, die SS-Wachen sind im Bunker verschwunden, jetzt oder nie. Rosa Katz geht voran, sie kennt sich am besten aus, die fünf anderen jungen Frauen folgen, die Bomben haben Breschen in die Umzäunung des Lagers geschlagen. Niemand hält sie auf. Vorsichtig schleichen sie sich durch die Stadt, verstecken sich in Trichtern, wohl wissend, dass sie mit den geschorenen Haaren und den grauen Häftlingslumpen sofort auffallen. Sie schaffen es, sie erreichen ihr Ziel, den alten jüdischen Friedhof an der Bottroper Straße und verstecken sich im Keller der zerstörten Leichenhalle. Glücklich. Gerettet. Für den Moment.


„Der wunderbarste
Mensch, dem ich je
begegnet bin“
Erna Anolik, geflohene
KZ-Insassin, über ihren
Retter, Fritz Niermann

Erna Anolik ist im Dezember 90 Jahre alt geworden, sie lebt bei Philadelphia in den USA, sie hat nichts vergessen von den dramatischen Ereignissen in Essen vor fast 70 Jahren, als sie noch Erna Roth hieß: „Auf dem Friedhof haben wir zwei Tage gesessen, gefroren, gehungert. Dann kam plötzlich ein Mann vorbei, sah uns und fragte, was wir da zu suchen hätten. Ich sprach ja deutsch und erklärte, dass wir eine Familie aus Duisburg seien, deren Haus zerbombt worden sei.“ Der Mann geht, aber die sechs Mädchen wissen nicht, ob er ihnen geglaubt hat. Sie wissen aber durchaus, dass sie nichts zu verlieren haben. Alle sechs sind über Auschwitz nach Essen gekommen. Alle sechs haben dort miterleben müssen, wie der Großteil ihrer Familien ermordet wurde.

Inzwischen ist ihre Flucht im KZ-Außenlager längst bemerkt worden. Den anderen jüdischen Zwangsarbeiterinnen erklären die SS-Wachen, dass die Ausreißerinnen gefangen und gehängt worden seien. In Wirklichkeit haben die sechs Kontakt zu einem Mann aufgenommen, Gerhard Marquardt, den sie als Kranführer von ihrer Zwangsarbeit bei Krupp kennen, dem sie vertrauen. Erna: „Wir mussten hart arbeiten. Ich musste draußen Metallplatten tragen. Ohne Handschuhe. Bei Frost ist die Haut am Metall kleben geblieben. Das war furchtbar schmerzhaft. Aber einige Deutsche haben geholfen, uns was zu essen gebracht. Oder mir mal Schuhe besorgt, nachdem ich auf Stoffstreifen gelaufen bin.“

„Wir kriegen den Kopf ab“
Marquardt versorgt die Mädchen zunächst mal mit Kartoffeln, versteckt sie in einer Hausruine. Seine Frau Erna bekommt das mit, ist außer sich. „Wenn das rauskommt, kriegen wir beide den Kopf ab.“ Aber dann macht sie doch mit, über Mittelsmänner werden Unterkünfte gefunden. Rosa Katz wird von einem SA-Mann versteckt, dessen Name nie bekannt wurde, Gisella Israel kommt beim Ofensetzer Schneider unter, die Geschwister Roth und Königsberg beim Lebensmittelhändler Fritz Niermann.

Erna erinnert sich gut an den Mann. „Der wunderbarste Mensch, dem ich in meinem Leben begegnet bin.“ Niermann richtet den vier Frauen einen Raum im Haus ein, er verbrennt die Sträflingskittel, gibt ihnen neue Kleider von seiner Frau und den Töchtern, die wegen der Bomben aufs Land gereist waren. „Zum ersten Mal seit über einem Jahr konnten wir ein Bad nehmen, endlich wieder ein Bett, endlich war ich wieder ein menschliches Wesen. Und er hat uns jeden Tag auf einer Karte gezeigt, wie weit die amerikanischen Truppen noch entfernt waren.“

„Gerechte unter den Völkern“
Rund um Marquardt und Niermann, die posthum vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet werden, hat sich ein kleiner Kreis von Gleichgesinnten verschworen. Aus einem späteren Brief Niermanns geht hervor, dass die Gruppe sich zu diesem Zeitpunkt schon bewaffnet hatte. Sie hätten die Mädchen nicht ohne Kampf der SS überlassen.

Niermanns Enkelin Beate Rothensee, die heute als Künstlerin in Berlin lebt, den Opa aber noch gut kennengelernt hat, kann etwas zu seiner Motivation sagen, das Leben zu riskieren: „Er war ein großer Humanist und ein überzeugter Christ. Er hat auch russische Zwangsarbeiter heimlich mit Essen versorgt. Als Kind war er mir sogar etwas unheimlich, weil er so bollerig war, heute weiß ich, es war dieser starke Wille, dieser Mut, der ihn das alles hat machen lassen.“

11. April, Tag der Erlösung
Die Amerikaner rücken in Essen ein. Erna und Elizabeth erfahren, dass auch ihr Vater in Auschwitz verhungert ist. Sie wollen nur noch weg. Eine kurze Zeit arbeitet Elizabeth noch in einem Offiziersclub in Mülheim, Erna bei der alliierten Kohlenkontrolle als Sekretärin. Die sitzt ausgerechnet in der Villa Hügel, dem Stammhaus der Familie Krupp. „Was für ein Luxus. Wir sind sogar in dem Pool der Villa geschwommen.“ Eine kleine Geste des Schicksals.

Später sagt sie in Nürnberg im Prozess gegen Krupp aus. Als das Urteil fällt, ist sie schon in den USA. Und schwer verliebt. Ihr späterer Mann ist Funker auf dem Transportschiff. Das neue Leben beginnt. Die Erinnerung an die Helfer hält bis heute.


Was aus den Flüchtlingen und ihren Helfern wurde

  • Erna und Elizabeth leben heute in New Jersey (USA).
  • Rene und Agnes Königsberg leben in Florida (USA). Rene heißt heute Hammond und hat fünf Kinder, sechs Enkel und zehn Urenkel.
  • Rosa Katz wandert nach Venezuela aus. Ende der 40er Jahre schickt sie den Marquardts ein Paket mit Kaffee und Kakao. Dann verliert sich die Spur.
  • Gisella Israel geht nach Ungarn zurück. Die anderen hören nichts mehr von ihr.
  • Erna und Gerhard Marquardt leben bis zu ihrem Tod in Essen.
  • Fritz Niermann ist nach dem Krieg Mitbegründer der Essener CDU und wird in den Rat gewählt. Er stirbt 1974. Im Sommer soll in Essen eine Straße nach ihm benannt werden.
    Bildunterschrift:
     
  • Vier der sechs geflohenen Mädchen kurz nach dem Krieg: Rene und Agnes Königsberg sowie Elizabeth und Erna Roth. Die vier sind heute alle um die 90 Jahre alt und leben in den Vereinigten Staaten. Am 23. Februar 1945 gelang ihnen die Flucht aus dem KZ-Außenlager in Essen.   FOTO: ARCHIV ERNST SCHMIDT
  • Erna Anolik heute. Sie ist 90, hat nichts von damals vergessen.
  • Anfang der 70er Jahre besucht Erna Anolik (Roth) das Ehepaar Niermann in Essen. Fritz Niermann hatte vier der Frauen bei sich versteckt.   FOTO: ARCHIV ERNST SCHMIDT