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Seitenübersicht

"Kameradschaften"

Immer wieder wird beobachtet, dass Mitglieder von Kameradschaften bei Aktionen der Essener NPD auftreten.

Jährlich veröffentlicht die Antifa Essen Z eine Analyse der extremen Rechten in Essen.

Hier finden Sie Hintergrundinformationen und Analysen dazu.


2013
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2012
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2011
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2010
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2009
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2008
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  • Ausführliche Informationen über Essen hinaus gibt es auch als Download:

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Inhaltsverzeichnis

Essener Kameradschaften (Berichtsjahr 2013)


Auszug aus:
 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen rechten Parteien handelt es sich bei den so genannten Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Dennoch sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Sie bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und versuchen sich durch Auftreten, Ästhetik und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP zu stellen.

Mit der Aktionsgruppe Essen existierte bis 2009 eine relativ stabile lokale Kameradschaftsstruktur, deren Aktivitäten sich durch sporadische Flugblattverteilungen, Teilnahme an neonazistischen Aufmärschen und Vernetzungsbestrebungen mit anderen rechten Gruppierungen aus der Region auszeichneten. Vorgängerorganisationen dieser Gruppe wurden bereits 2003 gegründet, sodass innerhalb der Essener Kameradschaftsstrukturen eine gewisse personelle Kontinuität bestand.

Nachdem die neonazistische Aktionsgruppe ihre Aktivitäten Mitte 2009 vollständig eingestellt hatte, gründeten sich in den letzten Jahren immer wieder sehr kurzlebige Gruppierungen wie etwa der Nationale Widerstand Borbeck oder die Nationalen Sozialisten aus Essen, die in der Regel eine große Nähe zur NPD aufwiesen und kaum eigenständige Aktivitäten entfalteten.

Mit der Division Altenessen existiert in Essen momentan nur noch eine Gruppierung aus dem Spektrum der parteiunabhängigen Kameradschaftsszene. Die Gruppe um den in Altenessen wohnenden Neonazi Alexander S. trat im Sommer 2011 erstmals öffentlich in Erscheinung. Seither beteiligen sich ihre Mitglieder immer wieder an rechten Kundgebungen und Aufmärschen in ganz NRW. Darüber hinaus betreibt die Division Altenessen eine Website, auf der sie im vergangenen Jahr unregelmäßig über lokalpolitische Ereignisse und Themen der rechten Szene berichtete.

Im Jahr 2013 fand in Essen lediglich eine einzige öffentlich wahrnehmbare Aktion statt, die der parteiunabhängigen Kameradschaftsszene zugerechnet werden kann. Nach einem Bericht des neonazistischen „Gedenkbündnis Bad Nenndorf“ führten am 27. Juli einige Neonazis eine Kundgebung mit Infostand in Essen- Borbeck durch. Die Initiatoren wollten damit für die Teilnahme an einem Neonazi-Aufmarsch im niedersächsischen Bad Nenndorf werben.


- Berichtsjahr 2012


Auszug aus:
 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen rechten Parteien handelt es sich bei den so genannten Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Dennoch sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Sie bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und versuchen sich durch Auftreten, Ästhetik und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP zu stellen.

Mit der Aktionsgruppe Essen existierte bis 2009 eine relativ stabile lokale Kameradschaftsstruktur, deren Aktivitäten sich durch sporadische Flugblattverteilungen, Teilnahme an neonazistischen Aufmärschen und Vernetzungsbestrebungen mit anderen rechten Gruppierungen aus der Region auszeichneten. Vorgängerorganisationen dieser Gruppe wurden bereits 2003 gegründet, sodass innerhalb der Essener Kameradschaftsstrukturen eine gewisse personelle Kontinuität bestand.

Nachdem die neonazistische Aktionsgruppe ihre Aktivitäten Mitte 2009 vollständig eingestellt hatte, gründeten sich in den letzten Jahren immer wieder sehr kurzlebige Gruppierungen wie etwa der Nationale Widerstand Borbeck oder die Nationalen Sozialisten aus Essen, die in der Regel eine große Nähe zur NPD aufwiesen und kaum eigenständige Aktivitäten entfalteten.

Aktuelle Entwicklungen

Am 27. Februar 2012 reihten sich etwa 20 schwarz gekleidete und maskierte Neonazis mit einem Transparent auf dem Karnevalsumzug in Essen-Rüttenscheid ein und verteilten Flugblätter an die Passanten, auf denen für eine von ostdeutschen Neonazi-Kameradschaften initiierte Kampagne geworben wurde.

Am 23. August sprach der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger ein Verbot gegen drei neonazistische Kameradschaften aus und ließ den Mitgliedern der betreffenden Organisationen Verbotsverfügungen zustellen. Im Zuge dessen suchten Polizeibeamte auch die in Essen-Dellwig wohnende Neonazi-Aktivistin Jennifer K. auf, die der verbotenen Kameradschaft Nationaler Widerstand Dortmund angehören soll.

Am 25. August führte die Essener NPD gemeinsam mit Anhängern des verbotenen Nationalen Widerstands Dortmund eine Kundgebung in der Essener Innenstadt durch, an der sich hauptsächlich Personen aus dem parteiunabhängigen Neonazi-Spektrum beteiligten.

Division Altenessen

Die Division Altenessen ist zurzeit die einzige noch aktive Gruppierung aus dem Essener Kameradschaftsspektrum. Auf ihrer Internetseite gratulierte sich die Gruppe im September zu ihrem zweijährigen Bestehen und dankte ihren Anhängern „für Ehre, Treue, Zusammenhalt, Blut, Schweiss und Tränen“. Tatsächlich trat die Neonazi-Kameradschaft im Sommer 2011 erstmals öffentlich in Erscheinung. Seitdem beteiligen sich ihre Mitglieder, die sich durch eigene Transparente und T-Shirts mit aufgedrucktem Gruppenlogo zu erkennen geben, regelmäßig an rechten Aufmärschen und Kundgebungen in ganz NRW. Darüber hinaus betreibt die Gruppe eine Internetseite, die im vergangenen Jahr zwischen Februar und September in unregelmäßigen Abständen aktualisiert wurde. Mitglieder der Gruppe nahmen auch 2012 wieder an mehreren Veranstaltungen der Essener NPD teil. Am 8. Mai 2012 versuchten Anhänger derDivision Altenessen eine Kundgebung verschiedener linker Organisationen in Essen-Altenessen zu stören.


- Berichtsjahr 2011


Auszug aus:


 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den so genannten Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Sie bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und versuchen sich durch Auftreten, Ästhetik und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP zu stellen.

Mit der Aktionsgruppe Essen existierte bis 2009 eine relativ stabile lokale Kameradschaftsstruktur, deren Aktivitäten sich durch sporadische Flugblattverteilungen, Teilnahme an neonazistischen Aufmärschen und Vernetzungsbestrebungen mit anderen rechten Gruppierungen aus der Region auszeichneten. Vorgängerorganisationen dieser Gruppe wurden bereits 2003 gegründet, sodass innerhalb der Essener Kameradschaftsstrukturen eine gewisse personelle Kontinuität bestand.

Nachdem die neonazistische Aktionsgruppe ihre Aktivitäten Mitte 2009 vollständig eingestellt hatte, gründeten sich in den letzten Jahren immer wieder sehr kurzlebige Gruppierungen, die in der Regel eine große Nähe zur NPD aufweisen und kaum eigenständige Aktivitäten entfalten.

Nationale Sozialisten aus Essen

Bereits Ende 2010 trat auf regionalen Neonazidemonstrationen eine Gruppe unter der Selbstbezeichnung Nationale Sozialisten aus Essen auf, die weitgehende personelle Überschneidungen mit der 2008 gegründeten Gruppe Nationaler Widerstand Borbeck aufwies. Beide Gruppen wurden maßgeblich von jungen NPD-Anhängern um den heute achtzehnjährigen Miguel B. getragen. Die Nationalen Sozialisten aus Essen betreiben eine Website, auf der in den ersten Monaten des vergangenen Jahres mehrmals über Flugblattaktionen der Gruppe berichtet wurde (7). Gute Kontakte pflegen die Nationalen Sozialisten aus Essen insbesondere zur Essener NPD sowie zur neonazistischen Szene in Wuppertal.

Am 3. Juli fand in Essen-Borbeck eine Spontandemonstration „gegen linke Gewalt“ statt, die maßgeblich von den parteiunabhängigen Neonazi-Gruppierungen Nationale Sozialisten aus Essen und Nationale Sozialisten Wuppertal organisiert und getragen wurde. Es beteiligten sich etwa 20 Personen. Seither sind keine weiteren öffentlichen Aktivitäten der Nationalen Sozialisten aus Essen bekannt geworden. Seit Mai 2011 wurde auch die Internetseite der Gruppe nicht mehr aktualisiert. Ihre Mitglieder beteiligen sich jedoch weiterhin an Kundgebungen und Aufmärschen in der Region.

Division Altenessen

Mit der Division Altenessen trat im Sommer 2011 eine weitere parteiunabhängige Neonazi-Gruppierung erstmals öffentlich in Erscheinung. Mitglieder der Gruppe beteiligten sich unter anderem an Kundgebungen der Essener NPD sowie an einem neonazistischen Großaufmarsch Anfang September in Dortmund. Obgleich personelle Überschneidungen zwischen den Nationalen Sozialisten aus Essen und der Division Altenessen bestehen, verfügt letztere offenbar über ein weitaus größeres politisches Umfeld. Sie tritt in der Öffentlichkeit mit bis zu 20 Personen auf, wobei sich ihre Anhänger durch T-Shirts mit aufgedrucktem Gruppenlogo zu erkennen geben. Die Division Altenessen betreibt eine eigene Website, die jedoch kaum selbstverfasste Beiträge beinhaltet und zudem seit Anfang August nicht mehr aktualisiert wurde (8).


7^  http://nasoae.blogspot.com

8^  http://logr.org/divisionaltenessen/

 


- Berichtsjahr 2010


Auszug aus:


 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den so genannten Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Die Kameradschaften bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und versuchen sich durch Auftreten und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP zu stellen.

Auflösung der Aktionsgruppe Essen

Die Aktionsgruppe Essen (AG Essen) ging 2007 aus der Kameradschaft Josef Terboven (2004-2006) und deren Vorgängerorganisation, dem Essener "Stützpunkt" des Kampfbunds Deutscher Sozialisten (2003-2004) hervor.

Seit Mitte 2009 gingen von der Gruppe keine wahrnehmbaren Aktivitäten mehr aus. Ihre Internetpräsenz wurde seither nicht mehr aktualisiert. Ursächlich für diese Entwicklung dürfte der Wegzug des führenden Kopfes der Gruppe, Julian E., nach Gelsenkirchen sein. Die vormals in der "Aktionsgruppe" organisierten Einzelpersonen nehmen jedoch weiterhin vereinzelt an regionalen und überregionalen Naziaufmärschen teil.

Kurzlebige Neugründungen

Bereits im Herbst 2009 trat im Internet eine neue Essener Kameradschaftsgruppe unter dem Namen Nationaler Widerstand Borbeck in Erscheinung. Neben dem Betreiben einer Website, dem Besuch von Demonstrationen und einzelnen Flugblattverteilungen beschränkten sich die Aktivitäten der Gruppe auf das Verkleben von Aufklebern im gesamten Essener Stadtgebiet. Die Internetpräsenz des Nationalen Widerstands Borbeck wurde seit Mitte vergangenen Jahres nicht mehr aktualisiert. Auch darüber hinaus sind keine Aktivitäten der Gruppe im Jahr 2010 bekannt geworden.

Im Sommer 2010 tauchten in Essen vereinzelt Aufkleber auf, die mit stilisierter Hakenkreuzfahne und der Parole "Nationaler Sozialismus, jetzt!" für die Website eines Infoportals nationaler Sozialisten aus Essen warben. Auf der Internetseite fanden sich einige Wochen lang regelmäßig Beiträge zu aktuellen Themen der bundesdeutschen Neonaziszene. Seit Anfang September wird die Seite jedoch laut Auskunft des Betreibers überarbeitet. Seither werden Besucher auf ein bundesweites neonazistisches Informationsportal sowie auf die Seiten der mittlerweile aufgelöste Kameradschaftsvernetzung Aktionsgruppe Ruhr Mitte verwiesen (10).

Ende Oktober 2010 trat bei einer neonazistischen Demonstration in Velbert erstmals eine Gruppe von sieben Personen unter der Selbstbezeichnung Nationale Sozialisten aus Essen auf. Seither existiert auch eine Website der Gruppe, die jedoch ausschließlich auf Videos und Artikel von anderen neonazistischen Gruppierungen verweist und keine lokalpolitischen Bezüge beinhaltet.

Die Protagonisten dieser Gruppe können zumindest teilweise der Essener NPD beziehungsweise ihrer Jugendorganisation JN zugerechnet werden. Gleiches gilt für die mittlerweile offenbar nicht mehr existente Gruppe Nationaler Widerstand Borbeck. Für beide Projekte dürfte der siebzehnjährige Borbecker Neonazi und JN-Aktivist Miguel B. maßgeblich verantwortlich sein.

Öffentliche Aktivitäten

Angehörige der Essener Kameradschaftsszene besuchten im vergangen Jahr erneut bundesweit Aufmärsche der neonazistischen Szene. Zu eigenständigen Aktivitäten, die über das Anbringen von Aufklebern wesentlich hinaus gingen, kam es auf lokaler Ebene nicht.


10^  essen.nw.am/


 


- Berichtsjahr 2009


Auszug aus "Die extreme Rechte in Essen - Aktivitäten und Entwicklungen in 2009", Frühjahr 2010, ein Dossier der Essener Antifa Z, http://antifaessen.blogsport.de, Kontakt: antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png

 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach Außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Die Kameradschaften bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und stellen sich durch Auftreten und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP.

Aktionsgruppe Essen

Die Aktionsgruppe Essen (AG Essen) ging 2007 aus der Kameradschaft Josef Terboven (2004-2006) und deren Vorgängerorganisation, dem Essener „Stützpunkt“ des Kampfbunds Deutscher Sozialisten (2003-2004) hervor. Als führender Kopf der Gruppe tritt der heute einundzwanzigjährige Julian E. in Erscheinung, der zuvor bereits aktives Mitglied der Kameradschaft Josef Terboven war. E. trat in der Vergangenheit bei mehreren Demonstrationen und Kundgebungen von NPD und Kameradschaften als Redner auf.

Für mediales Interesse und Aufsehen innerhalb der rechten Szene sorgte Ende Mai eine Veröffentlichung der AG Essen, in der sie zum Boykott von Produkten der rechten Szenemarke Thor Steinar aufrief. In der auf der Website der Neonazis veröffentlichten Erklärung heißt es:

„Wir als Nationale Sozialisten lehnen ganz klar die MediaTex GmbH und ihre Marke „Thor Steinar“ ab. Wir sind der Meinung, dass man unsere komplexe Weltanschauung nicht auf ein T-Shirt drucken kann, welches 32.95€ kostet und von einem Araber produziert wird.“ (11)

Die Debatte wurde unter anderem von der Süddeutschen Zeitung und dem Radio Berlin Brandenburg aufgegriffen.

Angehörige der Aktionsgruppe Essen beteiligten sich 2009 an rechten Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet. Ende Februar verteilten Mitglieder der Gruppe in der Essener Innenstadt Flugblätter anlässlich der gerichtlichen Verurteilung des NPD-Anwalts und Holocaustleugners Horst Mahler. Im Vorfeld einer Demonstration Ende November in Recklinghausen verteilte die „Aktionsgruppe“ abermals Flugblätter im Essener Nordwesten. Darüber hinaus wurden auf lokaler Ebene keine öffentlichen Auftritte der AG Essen bekannt.

Nationaler Widerstand Borbeck

Im Herbst 2009 tauchten in mehreren Essener Stadtteilen Aufkleber mit der Aufschrift „Nationaler Widerstand Borbeck“ auf. Seit Mitte Oktober existiert zudem eine Website, auf der die Gruppe seither regelmäßig über Themen der regionalen Neonaziszene berichtet. In einem hier veröffentlichten Selbstverständnis heißt es ungewollt doppeldeutig:

Die Aktivisten/innen im Großraum Essen-Borbeck haben sich nun zu einer starken Gemeinschaft zusammengeschlossen. [...] Unser Kampf gilt der Freiheit!(12)

Öffentliche Aktivitäten

Anlässlich des Todestages des Hitler- Stellvertreters Rudolf Heß riefen Neonazis im Internet für den 17. August bundesweit zu unangemeldeten Gedenkkundgebungen auf. Diesem Aufruf folgten in Essen rund 20 Rechte aus verschiedenen Ruhrgebietsstädten, die sich am frühen Abend in der Innenstadt versammelten. Unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Kundgebungsteilnehmer wurde die Versammlung durch Polizei und antifaschistische Gegendemonstranten aufgelöst.

Laut einer Meldung, die auf den Internetseiten verschiedener regionalen Kameradschaften veröffentlicht wurde, beteiligten sich im November rund dreißig Neonazis an einer Gedenkkundgebung in einem Waldstück im Stadtteil Horst. Geehrt werden sollten die Mitglieder rechtsgerichteter Freikorps aus der Zeit der Weimarer Republik. Neben Angehörigen der regionalen Kameradschaftsszene beteiligten sich auch Mitglieder der Essener NPD' an der Veranstaltung.

Zuzug Dortmunder Nazi-Kader

Mit Steffen P. und Dietrich S. zogen 2009 zwei führende Kader der Dortmunder Neonaziszene nach Essen. Bislang unternahmen sie hier jedoch keine Organisierungsversuche und entwickelten keine eigenständigen politischen Aktivitäten auf lokaler Ebene.


11^  http://logr.org/essen/2009/05/25/warum-mediatex-gmbh-einkapitalistisches-unternehmen-darstellt-und-%E2%80%9Ethor-steinar%E2%80%9C-nicht-rechts-ist/

12^  http://nw-borbeck.blogspot.com - 1. Januar 2010

 


- Berichtsjahr 2008


Auszug aus "Die extreme Rechte in Essen - Aktivitäten und Entwicklungen in 2008", Frühjahr 2009, ein Dossier der Essener Antifa Z, http://antifaessen.blogsport.de, Kontakt: antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png

 

Kameradschaftsszene

Im Gegensatz zur NPD und anderen neofaschistischen Parteien handelt es sich bei den Kameradschaften nicht um juristisch definierte Organisationen mit offiziellen Statuten und Mitgliedsregistern. Nichtsdestotrotz sind die neonazistischen Kameradschaften in aller Regel hierarchisch organisiert und werden nach Außen hin von einzelnen Führungskadern vertreten. Die Kameradschaften bekennen sich meist offen zur nationalsozialistischen Ideologie und stellen sich durch Auftritt und Aktionsformen in die Tradition der historischen SA der NSDAP.

Die Essener Kameradschaftsszene tritt seit 2007 unter dem Namen Aktionsgruppe Essen (AG Essen) in Erscheinung. Vorgängerorganisationen dieser Gruppe waren die Kameradschaft Josef Terboven (2004-2006) und der Essener „Stützpunkt“ des Kampfbunds Deutscher Sozialisten (2003-2004). Bis zu seinem Umzug nach München Anfang 2005 trat Philipp H. als Führer der Essener Kameradschaftsszene auf. H. gilt heute als führender Kader der süddeutschen Neonaziszene. Im Dezember 2008 wurde er im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Passauer Polizeipräsidenten Alois Mannichl festgenommen, kurze Zeit später jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Seit H.s Wegzug tritt der heute zwanzigjährige Julian E. als Anführer der Kameradschaft auf. Als Vertreter der AG Essen ist E. mittlerweile gern gesehener Redner auf regionalen und überregionalen Neonaziaufmärschen. Mitglieder der AG Essen beteiligten sich auch 2008 wieder an neonazistischen Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet. Auf lokaler Ebene kam es kaum zu öffentlichen Aktivitäten. Lediglich durch das Verkleben von Aufklebern und das Beschriften von Wänden und Stromkästen in bestimmten Stadtteilen erreichten die Neonazis eine gewisse öffentliche Wahrnehmbarkeit.

Die Einzige Ausnahme bildete im April des vergangenen Jahres der Versuch der Essener Neonazis, gegen eine antifaschistische Demonstration im Stadtteil Freisenbruch vorzugehen. Dies wurde jedoch durch die Polizei verhindert. Im Vorfeld hatte die neonazistische „Aktionsgruppe“ einen Text veröffentlicht, in dem sie die Bewohner des Stadtteils vor „gewaltbereiten Linksautonomen“ warnte.(10)

Seit ihrer Gründung betreibt die AG Essen mit mehreren kurzen Unterbrechungen eine Website, die in unregelmäßigen Abständen über den „nationalen Freiheitskampf“ informiert.(11)

Auf eine Anfrage des SPDLandtagsabgeordneten Thomas Kutschaty (12) schrieb die nordrheinwestfälische Landesregierung bezüglich der personellen Stärke der Aktionsgruppe Essen:

„Auf Grund des Auftretens bei Demonstrationen wird der Kern der Gruppierung auf 10-15, einschließlich des Umfeldes auf ca. 30 Personen zwischen 16 und 25 Jahren geschätzt.“

weiterhin heißt es:

„Einzelne der Gruppierung bzw. deren Umfeld zuzurechnende Personen sind in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Gewaltdelikten in Erscheinung getreten.“

Anti-Antifa-Aktivitäten

Hinter der Bezeichnung „Anti-Antifa“ verbergen sich meist neonazistische Gruppen, die sich dem Kampf gegen den politischen Gegner verschrieben haben. Konkret reicht die „Anti-Antifa“- Arbeit der Neonazis vom Sammeln persönlicher Daten von vermeintlichen Linken über das öffentliche Denunzieren politisch unliebsamer Personen bis hin zu militanten Angriffen auf Linke und Antifaschisten.

Bereits seit mehreren Jahren versucht die neonazistische Szene in Essen - bislang weitestgehend erfolglos - Informationen über antifaschistische Strukturen zu recherchieren. Die Parole „Antifa Banden zerschlagen“ findet sich auf zahlreichen Aufklebern der AG Essen, die im gesamten Essener Stadtgebiet verklebt wurden.

Zu einem wenig erfolgreichen Versuch, diese Forderung in die Tat umzusetzen, kam es am 26. April 2008, als Essener Neonazis versuchten, eine im Stadtteil Freisenbruch stattfindende antifaschistische Demonstration zu verhindern. Zu diesem Zweck hatten sich rund 15 Rechte am S-Bahnhof Essen Eiberg getroffen, um von dort aus in die Nähe der linken Demonstranten zu gelangen. Beteiligt waren an dieser Aktion sowohl Neonazis aus dem Kameradschaftsspektrum als auch Mitglieder der NPD und ihrer Jugendorganisation JN. Zu einem weiteren Vorfall kam es am Rande der Demonstration, als ein langjähriges NPD-Mitglied versuchte, die Demonstrationsteilnehmer abzufotografieren. Vier der Bilder wurden am Folgetag auf der Internetseite der AG Essen veröffentlicht.

Vernetzung

Die Essener Kameradschaftsszene unterhält Kontakte sowohl zu verschiedenen Ortsgruppen der NPD als auch zu anderen Kameradschaftsstrukturen in der Region. Zudem tritt Julian E. als Vertreter der Aktionsgruppe Essen regelmäßig bei regionalen Neonaziaufmärschen als Redner auf. Zwar war die Essener Kameradschaft längere Zeit auch als Mitglied der Vernetzung des neonazistischen Aktionsbüros Westdeutschland aufgeführt, mittlerweile ist die AG Essen aber offiziell in keiner der bestehenden neonazistischen Regionalvernetzungen mehr vertreten.



10^  http://www.ag-essen.net/ ;April 2008

11^  http://logr.org/essen/2008/09/25/wir-sind-wieder-da/

12^  http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster...

 



- Berichtsjahr 2007


Aus der Broschüre "Neonazis in Essen - Entwicklungen, Aktivitäten, Einschätzungen",
Frühjahr 2008, veröffentlicht von Antifa-Gruppen aus Essen (Kontakt: essen-nfrei@gmx.de)

5. Die Essener Kameradschaftsszene

Die "Aktionsgruppe Essen" ist zu den so genannten Freien Kameradschaften zu zählen. Kameradschaften sind einzelne, meist lokal gebundene Gruppierungen innerhalb der rechtsextremen Szene, die relativ unabhängig von Parteien usw. agieren und selbst keine festgeschriebene Gruppe oder Verein sind. Dieser Aspekt erschwert die "Greifbarkeit" und z.B. juristische Heranziehung solcher Gruppen enorm. Gleichzeitig sind sie ein Sammelbecken für die meist relativ jungen Mitglieder einer bis dato wenig organisierten rechten Szene. Diese Merkmale sind an der Essener Kameradschaft "AG Essen" gut nachzuvollziehen. Die AG Essen entstand 2006 und ist weitgehend identisch mit ihrem Vorgänger, der "Kameradschaft Josef Terboven". Im März 2004 gründeten Mitglieder der Naziszene in Essen die "Kameradschaft Essen". Diese setzte sich aus Teilen der Kampfbund deutscher Sozialisten" (KDS; gegründet vom damaligen Essener Philipp Hasselbach), der "Moite Essen-Duisburg" (eine eher subkulturell geprägte Gruppe, für die laut ihrem Selbstverständnis "Spass, Randale, fetter Rechtsrock und Alkohol" im Mittelpunkt der politischen Organisierung standen) und Einzelpersonen aus Essen zusammen. Die "Kameradschaft Essen" löste sich jedoch nach kurzer Zeit auf, ohne dass öffentlich wahrnehmbare Aktivitäten entfaltet worden wären. Wenige Monate später trat die Gruppe um den damaligen KDS-Aktivisten Hasselbach unter dem neuen Namen "Kameradschaft Josef Terboven" verstärkt in Erscheinung. Benannt wurde die Kameradschaft nach einem Essener NSDAP-Funktionär, der in den 30er und 40er Jahren Gauleiter für Essen und später Reichskommissar für die besetzten Gebiete Norwegens war. In dieser Funktion war Terboven verantwortlich für die Deportation der dort lebenden jüdischen Bevölkerung in die deutschen Vernichtungslager. Mit diesem explizit positiven Bezug auf den Nationalsozialismus machten die Essener Kameraden von vornherein keinen Hehl aus ihrer politischen Gesinnung. Auch diese Kameradschaft war politisch nur sehr bedingt handlungsfähig. Neben zwei im Ansatz durch die Essener Polizei verbotenen Aufmärschen geht allerdings auch die massive Bedrohung von Teilnehmern des "Rundes Tisches" (einem Essener Anti-Nazi-Bündnis) auf ihr Konto. Nach einer eher inaktiven Phase nach dem Wegzug Hasselbachs (Anfang 2005) erwachte die Gruppe unter der Führung Julian Engels wieder zu neuem Leben. So wurde Kontakt zur Vernetzung des "AB West" aufgenommen und nach wie vor dilettantische Anti-Antifa-Arbeit initiiert, die sich bis heute meist im Abfotografieren jugendlicher Punks erschöpft. Die Essener beteiligten sich zudem wieder zunehmend an Naziaufmärschen in der näheren Region und knüpften Kontakte zur NPD und JN, eigene Aktivitäten standen aber eher im Hintergrund. So fanden angekündigte Aktionen wie der geplante "Aktionsmonat gegen den Moscheebau in Altendorf" nie statt. Bei einer tatsächlich durchgeführten Kundgebung in Steele unter dem Motto "Kein Friede mit den Freunden Israels -- Solidarität mit dem Iran" kamen immerhin 30 Teilnehmer -- viele davon aus dem Spektrum der NPD/JN.

6. Aktionsgruppe Essen

2007 gründete sich, ohne, dass es eine offizielle Auflösung der Kameradschaft Terboven gegeben hätte, die "AG Essen", die weitgehend personenidentisch mit ihrem Vorgänger ist. Julian Engels fungiert offenbar weiterhin als Anführer der Gruppe und tritt bei bundesweiten Demonstrationen der rechten Szene auch als Redner auf.

Die AG Essen gehört dabei zu dem Spektrum an Kameradschaften, die durch ein verändertes Auftreten auffallen. Mitglieder so genannter Kameradschaften (und mittlerweile generell das Gros der Nazis) treten weder nach einem einheitlichen Dresscode, noch mit immer den gleichen, alten Parolen an die Öffentlichkeit. Nazis heute sehen auf Demonstrationen aus wie die meisten Linken auch; auch in ihrer Freizeit unterwerfen sie sich durchaus nicht dem gängigen Bild eines Nazis. Wer denkt, er sei auf dem neusten Stand, weil er weiß, dass sich Nazis heute nicht mehr mit Springerstiefel und Bomberjacke, sondern mit Constaple, PitBull und Anstecker mit Zahlenkombinationen, deren Entschlüsselung die wahre Gesinnung der Träger ans Licht bringt einkleiden, ist auf dem Holzweg. Nazis sind optisch kaum mehr vom Rest der (durchaus nicht einheitlichen) Jugendkultur zu unterscheiden - es sei denn, sie wollen es dem Beobachter durch das Tragen der noch immer eindeutigen Thor-Steinar-Klamotten leicht machen. Zusätzlich versucht die AG Essen sich durch eine Modifizierung der Inhalte beliebt zu machen. Statt den früheren, plumperen Parolen wird heute z.B. als erste Forderung auf der Internetseite der Gruppe auf den Protest gegen Kapitalismus und Globalisierung verwiesen. So schreibt die Gruppe: "Es ist uns egal ob jemand Punk, Skinhead oder Krawattenträger bist! Haarlänge und Haarfarbe sind egal, ob als Scheitel, Iro oder Glatze! Was zählt ist die Liebe zu Volk, Vaterland und Kultur!" (Rechtschreibfehler im Original) Erst im letzten Satz wird der Bezug auf den Nationalismus deutlich. Noch expliziter wird es in den folgenden Zeilen, wenn die AG Essen "Zionistische Auswüchse" als die Ursache von Kapitalismus und Globalisierung beschreibt, oder den Zuzug von Migranten für den Tod "tausender Deutscher durch Hunger, Armut und Angst" verantwortlich macht. So viel zu der schwerlich ernst zu nehmenden inhaltlichen Position der Gruppe. In Bezug auf potentielle Aktivitäten ist die AG Essen noch schwer einzuschätzen. Die "Führungskader" der Gruppe Julian Engels und Patrick Friese haben sich jedenfalls in der Vergangenheit nicht durch große organisatorische Kompetenz hervorgetan. Über das Verbreiten von Aufklebern und das Halten von Redebeiträgen hinaus konnte die AG Essen bislang keine eigenständigen Aktivitäten entfalten.

4. Das "Aktionsbüro Westdeutschland"

Das "Aktionsbüro" geht aus früheren Vernetzungen westdeutscher Gruppen von Nazis hervor. Verschiedene Gruppen und Einzelpersonen, die nicht in der NPD organisiert waren, gründeten zwecks einer Absprache und Organisation 1997 das "Nationale Bündnis Westdeutschland'. Nachdem dieses relativ schnell scheiterte, wurde der "Widerstand West gegründet, der im Wesentlichen inhaltlich und personell deckungsgleich mit seinem Nachfolger, dem "Aktionsbüro Westdeutschland' (AB West) ist. Das AB West versteht sich als Vernetzung einzelner "Kameradschaftsgruppen" in NRW. Zu den bekanntesten Vertretern zählen neben Axel Reitz aus Pulheim (bei Köln) der Duisburger Steffen Pohl sowie Sascha Krolzig aus Hamm.

Mit der Inhaftierung von Axel Reitz (er war 2005 wegen Volksverhetzung und anderer Delikte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 9 Monaten verurteilt worden) scheint das AB West jedoch momentan in einer personellen Krise zu stecken. Nichtsdestotrotz ist schon der Versuch einer Vernetzung existierender "Kameradschaften" gefährlich. Allein die Streitigkeiten der Gruppen untereinander halten eine solche Vernetzung momentan von stärkerer Aktivität ab. Mit einer möglichen Einigung würden die Strukturen des AB West innerhalb der Naziszene erheblich an Bedeutung gewinnen.



Januar 2013: Deutschlandposter "Braune Kameraden"

 
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aus http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/kameradschaften-in-deutschland/

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine Übersichtskarte rechtsextremer Gruppierungen in Deutschland erstellt. Bundesweit gibt es dutzende von Netzwerken, die eine flächendeckende Neonaziszene etablieren wollen und dies auch immer wieder mit Gewalt durchzusetzen versuchen.

Der „NSU“ war kein Einzelfall

Als sich die Neonazis vom selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrund Ende 2011 enttarnten, reichten die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit von Überraschung bis Fassungslosigkeit. Kaum jemand hätte geglaubt, dass es in Deutschland möglich ist, jahrelang unbehelligt durchs Land zu ziehen, dabei 14 Banken zu überfallen, zwei schwerwiegende Sprengstoffanschläge zu verüben und mindestens zehn Menschen zu töten. Der „NSU“ belehrte uns eines Besseren. Der mediale Rummel um Zschäpe, Bönhardt und Mundlos war groß, es wurde über mögliche Unterstützer und Mitwisser spekuliert.
Heute, über ein Jahr nach dem Auffliegen der Zelle ist es bedeutend ruhiger geworden. Die Anklage gegen die vermutlich einzige Überlebende des angeblichen „Trios“ wurde erhoben, verschiedene Untersuchungsausschüsse in Thüringen, Bayern, Sachsen sowie auf Bundesebene bemühen sich bisher vergeblich um Aufklärung. Meldungen über „Pannen“ bei den Sicherheitsbehörden, darüber dass wichtige Daten gelöscht, brisante Akten vernichtet wurden, schaffen es kaum mehr in die Hauptnachrichten. Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, die Versäumnisse des Verfassungsschutzes schockieren uns längst nicht mehr, sie ringen uns höchstens noch ein müdes Schulterzucken ab.

Die Gleichgültigkeit gegenüber der skandalösen Arbeitsweise von Sicherheits- und Ermittlungsbehörden oder die Übersättigung hinsichtlich „neuer“ NSU-Schlagzeilen darf jedoch nicht den Blick auf das eigentliche Problem verstellen. Die Neonazis sind aktiv wie eh und je. In Deutschland sind sie mal mehr, mal weniger sichtbar in Kameradschaften, losen Zusammenschlüssen, in der NPD oder anderen rechtsextremen Parteien organisiert. Von den zahlreichen unorganisierten Neonazis sowie von rechtsextremen Einstellungen in den Köpfen der Menschen ganz zu schweigen.

Übersichtskarte rechtsextremer Kameradschaften in Deutschland

Mit der Deutschlandkarte möchten wir auf die Gefahr von Rechts aufmerksam machen, die von einer flächendeckenden Neonaziszene ausgeht. Lokale Kameradschaften oder Zusammenschlüsse „Autonomer Nationalisten“ gibt es bundesweit. Die Übergänge zu regionalen NPD-Gruppen sind dabei meist fließend, auch mit den Ortsverbänden der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) gibt es enge Verflechtungen, häufig ist das „Personal“ sogar identisch.

Die Recherche für eine umfassende Übersicht der deutschen Nazi-Kameradschaften gestaltet sich recht schwierig. In erster Linie sind es die Landesämter des Verfassungsschutzes, die darüber Auskunft geben. Es haben jedoch auch viele lokale Initiativen aus dem Bundesgebiet auf unsere Anfragen geantwortet. Aus den gesammelten Informationen ist die Karte entstanden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich rechtsextreme Kameradschaften häufig umbenennen, selbst auflösen oder neugründen. Die auf der Karte gelisteten Gruppen können daher nur als „Momentaufnahme“ gewertet werden. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir nicht. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass verbotene Kameradschaften auf der Karte fehlen. Allein in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wurden in 2012 vier einflussreiche Neonazi-Gruppen verboten, darunter die „Kameradschaft Aachener Land“ und der „Nationaler Widerstand Dortmund“. Besonders hinsichtlich des rechtsextremen Personenpotentials ist die Quellenlage äußerst unspezifisch – die Zahlen basieren ausschließlich auf den Angaben in den Verfassungsschutzberichten für das Jahr 2011. Deshalb sind auch DVU-Mitglieder erfasst. Die rechtsextreme Partei löste sich jedoch im Mai 2012 selbst auf.

Braune Kameradinnen

Spätestens seit Beate Zschäpe werden auch Frauen als Akteurinnen in der extremen Rechten wahrgenommen. Sie sind schon lang aktiv, als Mitglieder in gemischtgeschlechtlichen Kameradschaften oder aber in Frauengruppen. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden fast 40 rechtsextreme Frauengruppen/-kameradschaften gegründet, mit unterschiedlicher Größe, regionaler Ausdehnung, Relevanz und Lebensdauer (Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, Stand: Januar 2009). Die sichtbaren Aktivitäten von Frauengruppen und vor allem -kameradschaften sind in den letzten Jahren zurückgegangen, viele der Aktivistinnen sind jedoch weiterhin in gemischtgeschlechtlichen rechten Gruppen aktiv. Der Anteil von Frauen in Kameradschaften, Organisationen oder rechten Cliquen bewegt sich, je nach Region und Gruppe, zwischen 10 und 33% (Bitzan 2008).
Die vermeintlich harmlos-völkisch auftretende „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ wurde 2001 gegründet und ist über ihre Regionalgruppen deutschlandweit aktiv. Ihren Regionalgruppen gehören zwischen drei und zwanzig Personen an, die größte Gruppe ist wohl die in der Region Berlin-Brandenburg. Zu berücksichtigen sind auch neue Entwicklungen, wie sie deutlich werden in der überregionalen Initiative „free-gender”: diese ideologisch rechte Gruppe widmet sich vor allem den Themen Feminismus und Gender Mainstreaming als Feindbild.

Für eine detaillierte Ansicht können Sie sich die Übersichtskarte in hoher Auflösung herunterladen (PDF-Dokument, 549.7 KB).

Wir danken unseren lokalen Partnerprojekten herzlich für Ihre Mithilfe bei der Recherche!

Von Ulla Scharfenberg




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