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NPD und Amazon

Auf der Homepage der NPD wird auch rechtsextreme Literatur beworben. Unter "Helfen und Kaufen" ist die NPD mit dem Online-Buchhändler Amazon ein "Partnerprogramm" eingegangen. Von jedem Kauf bei Amazon, der von der NPD-Webseite aus getätigt wird, erhält die finanziell angeschlagenen Partei Prozente.

Selbstverständlich hagelte es Proteste. Es ist unverständlich, warum sich Amazon so schwer damit tat, die "Partnerschaft" mit der NPD wieder aufzugeben.

Offen bleibt weiterhin die Frage, ob Amazon auch die rechtsextreme Literatur selbst aus dem Programm nehmen wird.


Bitte beachten Sie auch:

Das Anti-Rassismus-Telefon hat sich in zwei Fällen auch mit unerwünschten Büchern beschäftigt:

  1. Islamophobe Hetze millionenfach in Zeitungen verteilt
  2. "Zehn kleine Negerlein" von Agatha Christie: einen rassistische Beleidigung?



Inhaltsverzeichnis

05.06.2009, Handelsblatt.com: Mit Amazon zum SS-Sturmbataillon

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Handelsblatt.com / zum Internetartikel, Rubrik Kommentar,Freitag, 05.06.2009

Mit Amazon zum SS-Sturmbataillon

NPD


von Thomas Hanke

Der Onlineversandhändler Amazon ist nicht bereit, seine Zusammenarbeit mit der NPD und die Verbreitung neonazistischen Schrifttums zu beenden. Auch nachdem der "Tagesspiegel" die skandalöse Kooperation veröffentlicht hatte, verteidigte eine Sprecherin des Unternehmens sie gegenüber dem Handelsblatt: Man verkaufe ja keine verbotenen Bücher, und alles andere käme einer "dem Recht auf freie Meinungsäußerung widersprechenden Zensur" gleich. Die Zusammenarbeit mit dem "Nationalen Netztagebuch - hier spricht die NPD" werde auf Einhaltung der Bedingungen für das Partnerschaftsprogramm geprüft. Diese billige Ausflucht wurde schon am Donnerstag dem Tagesspiegel mitgeteilt, dabei müsste die Prüfung schnell beendet sein, denn es handelt sich um eine offizielle Webseite der NPD.

Aber offenbar ist Amazon nicht der Ansicht, dass die Neonazis "diskriminierende Inhalte, basierend auf Rasse, Geschlecht, Religion, Nationalität, Invalidität, sexueller Orientierung, oder Alter" (so die Ausschlusskriterien der Amazon-Bedingungen für das Partnerschaftsprogramm) verbreiten - sonst hätte die Kooperation nie begonnen und schon längst eingestellt werden müssen.

Spätestens jetzt ist klar: Amazon ist kein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, sondern das Unternehmen weiß genau, was es tut: "Unser Ziel ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl an verschiedenen Titeln bereitzustellen", so Amazon-Sprecherin Christine Höger. Das sind dann Titel wie "Rudolf Heß - Märtyrer für den Frieden", "SS-Sturmbataillon 500 am Feind" oder "Wir wolln das Wort nicht brechen - die Waffen-SS 1935-1945". Aktuell zum 65.Jahrestag der Landung in der Normandie geht bestimmt auch sehr gut "Verrat in der Normandie - Eisenhowers heimliche Helfer". Das sind Bücher, die offen die übelsten Einsatzverbände der Nazis verteidigen - für Amazon Ausdruck der Meinungsfreiheit.

Amazons Rechtfertigungsversuch ist eine Steilvorlage für die NPD, die deshalb von ihrer Homepage aus fleißig auf Amazon verlinkt und damit gutes Geld verdient. Amazon trägt zur Finanzierung der Neonazis bei, und zwar bewusst und wohlüberlegt: Auch das ist schließlich ein Markt, der bedient werden will. Denn so gut wie alle anderen deutschen Buchhändler bieten ja aus ethischen Gründen keine Nazi-verharmlosenden oder verherrlichenden Titel an. Amazon springt in die Bresche - ein Kalkül, das atemberaubend niederträchtig ist. Zum Glück ist niemand gezwungen, bei diesem Unternehmen zu kaufen, das Umsatz mit der SS-Rune macht.

Aufschlussreich ist, was die weniger im Vernebeln geschulten Kundenberater über die Geschäftspolitik sagen. Auf die Frage, ob Amazon auch antisemitische Literatur anbieten würde, denn auch dafür gebe es ja eine Nachfrage, kommt wie selbstverständlich die Antwort: Das würde man rechtlich prüfen und eventuell ins Angebot aufnehmen.

Wie sagte Max Liebermann: "Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte."

08.06.2009, Tagesspiegel.de: Amazon beendet Kooperation mit NPD

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Tagesspiegel.de / zum Internetikel,Montag, 08.06.2009

Amazon beendet Kooperation mit NPD

Nach Protesten


Von Frank Jansen

„Wir schließen die Website von der weiteren Teilnahme am Amazon.de-Partnerprogramm aus und haben den Websitebetreiber über unsere Entscheidung informiert“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens am Montag dem Tagesspiegel mit. Die Links würden in den nächsten Tagen entfernt. Über das Programm konnte die NPD in Form von „Werbekostenerstattung“ mitverdienen, wenn Käufer den Link vom Nationalen Netztagebuch zu Amazon anklickten, um dann rechtsextreme Literatur oder auch unverdächtige Produkte zu erwerben.

Die dubiose Geschäftsbeziehung rief in den demokratischen Parteien Empörung hervor. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), der Chef der Grünenfraktion, Volker Ratzmann, sowie Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) drohten vergangene Woche mit einem Aufruf zum Kaufboykott, sollte Amazon die NPD im Partnerprogramm belassen. Auch in CDU und FDP wurde die Firma kritisiert. Amazon erklärte die Trennung von der NPD-Website nun als Ergebnis einer „Überprüfung“. Die Website entspreche nicht den Teilnahmebedingungen des Programms. Sie schließen rassistische Inhalte aus. Ähnlich hatte indes bereits im Mai der Brandenburger Verfassungsschutz gegenüber Amazon argumentiert, jedoch ohne Erfolg. Warum der Konzern seine Meinung erst jetzt ändert, sagte er nicht. Offen bleibt zudem, ob Amazon angesichts der schon länger zu hörenden Kritik am Angebot rechtsextremer Literatur tätig wird.

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