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2009: Widerstand gegen Naziausstatter Oseberg

Am 03.04.2009 eröffnete in der Essener Innenstadt (Viehofer Straße) die Modeboutique "Oseberg". Dieses Bekleidungsgeschäft verkauft ausschließlich Produkte der Marke "Thor Steinar" - ein Modelabel, dass bei den extremen Rechten sehr beliebt ist.

Sofort baute sich in Essen Widerstand auf. Ein Bündis gegen Oseberg entstand. Dort sind die jeweils aktuellsten Informationen abrufbar. Zudem gibt es inzwischen ein Nachtbarschaftsinitiative.

Derzeit läuft der Mietvertrag bis zum Jahr 2014 und hat keine Aussicht auf Verlängerung.


Hier finden Sie derzeit nur historische Informationen aus dem Jahr 2009. Hier geht es zu den Informationen aus 2010.
Aktuellste Informationen finden Sie unter: http://buendnisgegenoseberg.blogsport.de!


Inhaltsverzeichnis

Einschätzung zu Essener Thor-Steinar-Geschäft Oseberg (Berichtsjahr 2009)


Auszug aus "Die extreme Rechte in Essen - Aktivitäten und Entwicklungen in 2009", Frühjahr 2010, ein Dossier der Essener Antifa Z, http://antifaessen.blogsport.de, Kontakt: antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png

 

Rechtes Bekleidungsgeschäft „Oseberg“ eröffnet in Essen

Am 3. April 2009 eröffnete in der Essener Innenstadt das Bekleidungsgeschäft „Oseberg“. Es handelt sich dabei um die erste nordrheinwestfälische Filiale der brandenburgischen MediaTex GmbH, die seit 2003 für die Herstellung und den Vertrieb der rechten Szenemarke Thor Steinar verantwortlich ist.

Thor Steinar

Die MediaTex GmbH und das Bekleidungslabel Thor Steinar wurden 2002/2003 von den Jungunternehmern Axel K. und Uwe M. aus dem brandenburgischen Königs Wusterhausen ins Leben gerufen. Mehreren Verantwortlichen der Firma konnten in der Vergangenheit Verbindungen zur rechten Szene nachgewiesen werden.(2)

Große Teile der Kollektion der Marke Thor Steinar nehmen durch Schriftzüge und Symbolik Bezug auf Hooligankultur, Wehrmacht und Nationalsozialismus, deutsche Kolonialgeschichte oder neoheidnischen Germanenkult. Die Marke erfreut sich daher unter Neonazis und rechten Hooligans großer Beliebtheit.(2)

Von den Verantwortlichen des Modelabels wurde eine explizite politische Positionierung stets vermieden. Dennoch wird die Kleidung der Marke Thor Steinar von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen wie auch vom brandenburgischen Landesamt für Verfassungsschutz als Kennzeichen der rechten Szene gewertet. Das Tragen von Thor Steinar- Bekleidung ist daher mittlerweile in mehreren Fußballstadien (unter anderem auch dem des Vereins Rot-Weiß Essen) sowie im Deutschen Bundestag verboten. Wegen des Verdachts auf Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurden 2004 zahlreiche Artikel mit dem Aufdruck des Thor Steinar-Labels beschlagnahmt. In einzelnen Fällen kam es zu gerichtlichen Verurteilungen wegen des öffentlichen Zeigens des Labels. Die Firma MediaTex gestaltete daraufhin ein neues Symbol, das von den Gerichten als unbedenklich eingestuft wurde.(2)

Anfang 2009 wurde die MediaTex GmbH mitsamt der Marke Thor Steinar an einen Investor aus Dubai verkauft. Diese Entwicklung führte in der rechten Szene vereinzelt zu kontroversen Diskussionen und Kritik an dem Unternehmen. Die Marke Thor Steinar wird jedoch unverändert auf Naziaufmärschen und RechtsRock-Konzerten getragen und über neonazistische Szeneläden und Internetversände vertrieben.(3)

Oseberg

Bei dem im März eröffneten „Oseberg“ handelt es sich um eine von zurzeit insgesamt neun Verkaufsfilialen der MediaTex GmbH. Zum Zeitpunkt der Eröffnung konnte das Geschäft offenbar nicht auf regionale Strukturen zurückgreifen. Das Sortiment wurde von einem Kleintransporter direkt aus Brandenburg geliefert, zudem musste auf auswärtiges Verkaufspersonal zurückgegriffen werden.

Unmittelbar nach der Eröffnung kam es zu ersten Protesten gegen das Geschäft. So demonstrierten am 6. April rund 200 Menschen gegen den „Oseberg“ in der Essener Innenstadt. Es folgten weitere Demonstrationen mit 200 und 500 Teilnehmern am 18.04. und am 06.06.2009. Am Rande dieser Veranstaltungen kam es jedes Mal zu Provokationen von Mitarbeitern und Sympathisanten des rechten Bekleidungsgeschäftes, die beispielsweise versuchten, Demonstrationsteilnehmer zu fotografieren.

Neben Demonstrationen und Kundgebungen kam es seit der Eröffnung zu zahlreichen Sachbeschädigungen gegen das Geschäft. Unbekannte schlugen mehrfach die Scheiben des „Oseberg“ ein, weshalb die Schaufenster mittlerweile mit schwarzen Holzlatten verkleidet wurden. Im November letzten Jahres wurden Teile der Inneneinrichtung und des Sortiments durch einen Farbanschlag unbrauchbar gemacht.

Im Juni 2009 gründete sich zudem eine Anwohnerinitiative, die durch Flugblattverteilungen, Informationsstände und Unterschriftensammlungen die Schließung des „Oseberg“ erreichen möchte. Während sich Linke/DKP/AUF und Grüne deutlich gegen den Verbleib des „Oseberg“ in der Essener Innenstadt positionierten, wird die Thematik von den anderen im Stadtrat vertretenen Parteien weitgehend ignoriert. Auch das mediale Interesse an den Aktivitäten gegen das rechte Bekleidungsgeschäft nahm in den letzten Monaten spürbar ab. Das Nachrichtenportal derwesten.de berichtete im September 2009 von der bevorstehenden Schließung des Geschäftes, eine Darstellung, die sich als unrichtig erwies. Eine Richtigstellung veröffentlichte derwesten.de bis heute nicht. Der Vermieter der Räumlichkeiten in der Viehofer Straße 20 versuchte auf gerichtlichem Wege eine Aufhebung des Mietvertrages mit der MediaTex GmbH zu erwirken - bislang offenbar erfolglos.

Kontakte oder Überschneidungen zwischen dem Verkaufspersonal des „Oseberg“ und der organisierten rechten Szene konnten in Essen bisher nicht festgestellt werden. Teile der Essener Kameradschaftsszene distanzierten sich öffentlich von dem Geschäft und riefen gar zum Boykott der Marke Thor Steinar auf. Hintergrund war die Diskussion über den Verkauf der MediaTex GmbH an einen arabischen Investor.


2^bc  http://investigatethorsteinar.blogsport.de/ ... steinar_2_web.pdf

3^  http://www.morgenpost.de/ ... _Thor_Steinar.html

 


11.06.2009, NRZ: Vorwurf: EMG behindert das Recht auf Demonstration

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NRZ / Essen,Donnerstag, 11.06.2009

Vorwurf: EMG behindert das Recht auf Demonstration


Mal ist es eine Werbetour der Sauerland-Tourismus GmbH, mal die „Gourmetmeile“, mal eine andere Großveranstaltung – und immer muss das Demonstrationsrecht drunter leiden. Das jedenfalls glaubt die vereinigte Ratsfraktion von Die Linke/DKP/AUF und übt dabei Kritik an der Essen Marketing GmbH (EMG). Die, so der Vorwurf, sorge allzu oft dafür, dass insbesondere die Innenstadt“ aus kommerziellen Gründen politikfrei gehalten werde. Als aktueller Fall wird die Demo am vergangenen Samstag angeführt. Weil am Willy-Brand-Platz ein Werbebus aus dem Sauerland stand, habe die Demo am „weniger belebten“ Hirschlandplatz beginnen müssen.

EMG-Geschäftsführer Karl-Heinz König weist den Vorwurf der Links-Fraktion vehement zurück. Zwar koordiniere die EMG die verschiedenen Marketing-Veranstaltungen und werde deshalb im Vorfeld von Demonstrationen gefragt. „Die Entscheidung, wo und wann eine Demo stattfindet, liegt aber ganz allein bei der Polizei“, beteuert König. Die EMG nehme da „überhaupt keinen Einfluss“

06.06.2009: Pressemitteilung zur stattgefundenen Demonstration

Bündnis gegen Oseberg
www.Buendnis-gegen-Oseberg.de.vu

Pressemitteilung

Mehr als 500 Antifaschistinnen und Antifaschisten aller Altersgruppen demonstrierten am Samstag Nachmittag – trotz schlechtesten Wetters – in der Essener City gegen den neofaschistischen Bekleidungsladen Oseberg in der Viehofer Straße.

In den Kundgebungsbeiträgen von Walter Hilbig (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschisten) und weiteren Vertretern des Bündnisses gegen Oseberg aus verschiedenen Jugendorganisationen wurde die identitätsstiftende Rolle der Nazi-Marke Thor Steinar insbesondere für die militante rechtsextreme Szene herausgestellt und die sofortige Schließung des Ladens gefordert. Hilbig und weitere Redner wiesen insbesondere auch auf die staatliche Tolerierung, Förderung oder gar Steuerung neofaschistischer Aktivitäten hin und riefen zum gemeinsamen antifaschistischen Widerstand auf.

Die Demonstration konnte infolge der massiven und undemokratischen Auflagen und Behinderungen der Polizei am Hirschlandplatz erst mit Verspätung beginnen und wurde fast vollständig aus den belebten Teilen der Innenstadt verbannt. Einig waren sich alle Teilnehmer/innen im Protest gegen die schikanösen Auflagen der Polizei und ihre vorgeschobenen Begründungen. Das Bündnis wird gegen die zunehmenden Polizeiauflagen für eine „demonstrationsfreie“ Innenstadt auch juristische Schritte einleiten.



06.06.2009, Aufruf: 06. Juni: Demo gegen Nazis neue Kleider

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Achtung:
Der Startpunkt der Demo hat sich geändert!

nach Polizeiauflage startet die Demo nun am Hirschlandplatz
(und nicht am Willy-Brandt-Platz/Hauptbahnhof).


Im April 2009 eröffnete in der Essener Innenstadt das rechte Bekleidungsgeschäft "Oseberg". Hier werden ausschließlich Artikel der neonazistischen Modemarke "Thor Steinar" verkauft.

Am 6. Juni wollen wir gemeinsam auf die Straße gehen, um die sofortige Schließung des Neonaziladens zu fordern und ein deutliches Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Bekleidungsgeschäfte wie das "Oseberg" dienen Neonazis als Anlaufstelle und Einnahmequelle. Davon zeugen seit seit der Eröffnung auch die vermehrt auftauchenden rechtsradikalen Aufkleber in der Essener Innenstadt. Neonazis und ihr subkulturelles Umfeld stellen, auch im Ruhrgebiet, eine konkrete permanente Bedrohung für MigrantInnen, Juden und Jüdinnen, Homosexuelle und Linke dar oder die, die dafür gehalten werden. Die seit Monaten andauernden Morddrohungen gegen den Gewerkschaftler Rainer Sauer, die jüngsten rechtsradikalen Übergriffe auf Mitglieder der Landesschülervertretung in Essen oder der organisierte Überfall auf eine Gewerkschaftsdemonstration in Dortmund verdeutlichen diese Gefahr. Daher ist aktiver Widerstand gegen die Aufmärsche, Organisation und Infrastruktur der extremen Rechten unerlässlich.

Aktuelle Informationen gibt es unter www.Buendnis-gegen-Oseberg.de.vu.



29.05.2009, WAZ: Kodex gefordert für Eigentümer in der Nordcity

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WAZ / Essen,Freitag, 29.04.2009

WAZ, 29.05.2009:Kodex gefordert für Eigentümer in der Nordcity


Hausbesitzer in der Essener Innenstadt sollen sich mit einem Kodex zum gemeinsamen Kampf gegen Extremisten bekennen. Das hat die Bezirksvertretung I auf Antrag der Grünen einstimmig gefordert.

Hintergrund ist der seit Wochen schwelende Streit um eine Boutique an der Viehofer Straße, die eine in rechtsextremen Kreisen beliebte und dort als Erkennungszeichen benutzte Modemarke führt. "Die Eigentümer der Geschäfte in der Innenstadt dürfen nicht nur auf den schnöden Mammon achten, sondern müssen genau prüfen, an wen sie ihre Immobilien vermieten", betonte Grünen-Sprecherin Julia Kahle-Hausmann.

Gegen das Szene-Geschäft "Oseberg" an der Viehofer Straße hatte es zuletzt mehrere Demonstrationen gegeben.


Ordner.png Dieser Text wird auch in Rundbrief 115 benutzt.

28.05.2009, TAZ: Rechte boykottieren Thor Steinar

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taz,Donnerstag, 28.05.2009

taz 28.05.2009: Rechte boykottieren Thor Steinar

RECHTE MODE     Im Internet rufen Neonazis dazu auf, keine Kleidung bei der in der rechten Szene beliebten Marke zu kaufen. Der Grund ist der Einstieg eines arabischen Investors


VON ANDREAS SPEIT

Es klingt absurd: Die unter Rechtsextremen beliebte Modemarke "Thor Steinar" hat Absatzprobleme - ausgerechnet in der rechten Szene. Im Internet findet sich ein Boykottaufruf, der von mehreren Neonazi-Gruppen verbreitet wird. "Wir als nationale Sozialisten lehnen ganz klar die Mediatex GmbH und ihre Marke 'Thor Steinar' ab", erklärt etwa die "Aktionsgruppe Essen".

Markig begründet sie den erstaunlichen Schwenk. Die Volksgemeinschaft baue auf deutscher Kultur auf. "Markenwahn und Konsumterrorismus werden in unserer Gemeinschaft keinen Platz haben." Andere Gruppen, etwa die Autonomen Nationalisten aus Regensburg, posten zustimmende Kommentare. Die Marke, die mit uneindeutigen Symbolen rechte Kunden anlockt, hat offenbar ein Akzeptanzproblem bei ihrer Klientel. Der Grund ist der arabische Investor Faysal al Zarooni, der im November 2008 bei Mediatex einstieg. 2003 hatten Uwe Meusel und Axel Kopelke die Marke gegründet, heute stellt die "Faysal al Zarooni Group of Companies" den Geschäftsführer.

Neben dem Unbehagen an fremdländischem Kapital nennen die Neonazis krude Konsumkritik als Boykottgrund. Die Firma mache sich schuldig, jüngere Kameraden zu "geldgierigen Konsummonstern" heranzuziehen, die gezwungen würden, sich "zu verschulden, um sich an den 'rechten Lifestyle' anzupassen", heißt es weiter in dem Aufruf. Er wird bisher vor allem von Autonomen Nationalisten unterstützt, die als gewaltbereit gelten und Outfits und Aktionen von linken Autonomen kopieren - etwa schwarzen Outdoorlook.


"Thor Steinar" bedruckt seine Kleidung mit mythisch-germanischen Symbolen und szeneinterpretierbaren Slogans. So prangt etwa das Wort "Luftlandedivision" auf manchen Pullovern. "Ihr uneindeutiges Spielen mit rechten Symbolen gefällt", sagte Toni Peters vom antifaschistischen Pressearchiv (Apabiz). Die Marke erweitere die rechtsextreme Erlebniswelt. "Andere Marken kopieren die Idee, im Stil das politische Bekenntnis zum Rechtsextremismus offenzulassen", so Peters.

Vom Erfolg getragen, eröffnete das Unternehmen diverse Läden, musste sich aber teilweise wieder zurückziehen. Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg löste etwa die Eröffnung eines Ladens im Februar 2009 Proteste aus. Es folgte die Kündigung. Bereits im Jahr 2004 hatte Mediatex einen Rückschlag erlitten. Das Landgericht Neuruppin entschied, dass die im Logo verwendete Binderune eine Kombination aus der Tyr-Rune und der Wolfsangel darstelle. Die Symbole fanden bei der SA und der Waffen-SS Verwendung. Das Logoverbot folgte, ein neues Logo entstand. Später wurde das Verbot aufgehoben.

Bei Mediatex in Königs Wusterhausen in Brandenburg will man den Boykott nicht bewerten. "Alles im grünen Bereich", sagte Mitgründer Meusel der taz. Zur wirtschaftlichen Situation der Firma sagte er nichts.

25.05.2009, WAZ: Oseberg: Neue Demo am 6. Juni

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WAZ / Essen,Montag, 25.05.2009

WAZ, 25.05.2009:Oseberg: Neue Demo am 6. Juni


Die Antifa Essen hat für Samstag den 6.Juni erneut zu einer Protestkundgebung gegen die Boutique "Oseberg" an der Viehofer Straße aufgerufen, weil dort die bei Rechtsradikalen beliebte Marke "Thor Steinar" verkauft wird.

Auch die Interessengemeinschaft Nördliche Innenstadt positioniert sich gegen das Geschäft: "Mit Betroffenheit" habe der Vorstand die Eröffnung zur Kenntnis genommen, sagt Vorstandsmitglied Andreas Hausner. "Diese Affäre zeigt einmal mehr, dass eine Weiterentwicklung der Standortgemeinschaft und ein effektives Quartier-Management dringend erforderlich sind". Die Grünen wollen das Thema am morgigen Dienstag in der Bezirksvertretung ansprechen. ks


Ordner.png Dieser Text wird auch in Infobrief_Nr.114 benutzt.

08.04.2009, WAZ: Vermieter: Ich wurde getäuscht

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WAZ / Essen,Mittwoch, 08.04.2009

WAZ, 07.04.2009:Vermieter: Ich wurde getäuscht

Filiale der bei Rechtsextremen beliebten Marke "Thor Steinar" kam offenbar auf dubiosen Wegen an die Viehofer Straße


Er war so froh, sein Ladenlokal gut vermietet zu haben. 130 Quadratmeter an der Viehofer Straße, nicht eben 1a-Lage in der Essener Innenstadt, sind ja nicht im Handumdrehen unter Vertrag zu bringen. Nach manchem Ärger mit säumigen Mietern in der Vergangenheit schien sich nun eine langfristige Lösung abzuzeichnen. Eine Protex GmbH aus dem brandenburgischen Zeesen wollte mit einem Geschäft für Outdoor- und Sportbekleidung einziehen. „Wie Jack Wolfskin, haben die gesagt, nur billiger", erzählt der Vermieter, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er seufzt schwer.

Am Samstag las der Essener Geschäftsmann dann in der WAZ, wen er sich da ins Haus geholt hatte: Eine Boutique, die die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke „Thor Steinar" führt. Der brandenburgische Verfassungsschutz spricht gar von einer Art Erkennungszeichen der Neonazi-Szene. Seither protestieren Politiker, Nachbarn sind entsetzt, und ein stattliches Aufgebot der Essener Polizei musste am Montag einen Demonstrationszug von dem Ladenlokal fernhalten.

Der Vermieter, ein eher klein gewachsener Mann mit ehrlicher Verzweiflung im Blick, beteuert: „Ich bin reingelegt worden. Wenn ich gewusst hätte, wer sich hinter der Protex GmbH verbirgt, hätte ich nie vermietet. Lieber lasse ich den Laden leer stehen." Er zieht einige Din-A4-Bögen hervor. Es ist der Mietvertrag für das Geschäft an der Viehofer Straße 20. Geschlossen mit „ganz normal" aussehenden und auftretenden Geschäftsleuten. Er ist maschinell ausgefüllt. Nur im Feld des einen Vertragspartners steht handschriftlich gezwängt: Thor Steinar. „Das wurde kurz vor der Unterschrift hineingemogelt", sagt der Vermieter empört. Thor Steinar – der Name sagte ihm auf die Schnelle nichts. Auch machte es ihn nicht stutzig, dass sein Mieter keine Fotos und keine Internet-Adresse zu seinen anderen Läden präsentieren konnte. „Man sagte mir, ich solle nach Berlin kommen und mir einen der Läden ansehen", sagt er.

Seit klar ist, dass sich die gepflegt wirkende Boutique an der Viehofer Straße längst zu einem Politikum ausgewachsen hat, will der Vermieter möglichst schnell aus dem Mietvertrag aussteigen. Noch am Dienstag leitete er erste rechtliche Schritte zu einer fristlosen Kündigung ein. „Das muss wasserdicht sein", sagt er mit Blick auf diverse Klagen gegen „Thor Steinar"-Läden in anderen Städten. Der Vermieter erhofft sich womöglich Hilfe von der Stadt. Vor allem will er, dass jeder in Essen weiß: „Ich mache mit solchen Leuten keine Geschäfte." Foto: WAZ, Arnold Rennemeyer

Häufiger Mietstreit

Der Mietstreit um ein „Thor Steinar"-Geschäft in Magdeburg liegt mittlerweile beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Auch andernorts gab es juristische Streitigkeiten, wenn der Vermieter nicht ahnte, was in seinem Lokal verkauft wird. Der Nachweis, dass es so etwas „rechte Mode" gibt, ist eben schwierig zu führen.

07.04.2009, WAZ: Rabiat, lautstark, aber friedlich

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WAZ / Essen,Dienstag, 07.04.2009

WAZ, 07.04.2009:Rabiat, lautstark, aber friedlich

200 Demonstranten protestierten unter starker Polizeibegleitung gegen einen Laden mit Mode aus der rechten Szene


Kai Süselbeck

Zur besten Einkaufszeit zeigte die Polizei gestern ab 17 Uhr massiv Flagge in der Innenstadt bei der Begleitung eines Demonstrationszuges gegen den neu eröffneten Laden an der Viehofer Straße, dessen Kundschaft der rechten Szene zugerechnet wird.

Die Antifa Essen hatte die Kundgebung am Samstag angemeldet - nach dem WAZ-Bericht über den Laden, die Marke „Thor Steinar" und deren Symbolik in der rechten Szene. Die besteht nach Ansicht der Antifaschisten in einer Abkehr vom „unbeliebten und martialischen Skinhead-Look" und dem Versuch einer „modischen Integration, vor allem um ihren potenziellen Sympathisantenkreis zu erweitern".

In einem Kooperationsgespräch am Sonntag hatte die Polizeiführung auf zwei Bedingungen bestanden: kein Zug durch die Kettwiger Straße wegen des Ostermarktes und kein Auftritt vor dem Laden selbst wegen der Gefahr von Ausschreitungen.

Diese Vorgaben setzte die Polizei mit massivem Kräfteeinsatz entlang des Zugweges vom Willy-Brand-Platz bis zur Kreuzeskirchstraße um. Die Reaktionen der Passanten in der Innenstadt reichte von Erschrecken bis Erheiterung. An der Limbecker Straße flüchteten sich Familien mit Kindern und Hunden in den Juwelierladen am Straßenrand, reihenweise gingen in der nördlichen Innenstadt die Rollgitter herunter. An der I. Weberstraße dagegen zeigten sich die arabischen Anwohner so begeistert darüber, dass der Polizeieinsatz mal nicht ihnen galt, dass sie Leitern auf die Straße stellten, um das Schauspiel noch besser verfolgen zu können. Auf der Viehofer Straße fragte ein Passant einen Polizeiführer besorgt: „Die sind doch gegen die Nazis, oder?" Ein großer Teil der 200 Demonstranten hatte sich nämlich modisch stark am Schwarzen Block orientiert.

Kurz vor Schluss kam der Zug auf Steinwurfweite an den Gegenstand des Protestes heran. Weil die Polizei an diesem Punkt ihre Diensthunde bellen ließ, blieb es bei Drohungen: „Wir kriegen euch alle." Polizeibilanz: keine Festnahmen.


Ein Problem für Jahre

Einen zähen Kampf haben Bürger und Politiker in Dortmund hinter sich: Dort dauerte es Jahre, bis das Nazi-Geschäft „Donnerschlag" am Rand der City endlich aufgab.

Verkauft wurden CDs und Pullis für Rechtsradikale. Das Geschäft galt als Anlaufpunkt der Szene. Der Hausverwalter duldete das Ganze – kein Wunder: Er selbst wurde den Rechten zugeordnet. Das wiederum hatte der Besitzer der Immobilie, ein niederländischer Investor, nicht gewusst.

Unter dem Motto „Ladenschluss für Donnerschlag" stellte sich ein breites Bündnis gegen das Geschäft auf. Ordnungsamt und Polizei kontrollierten im Problemviertel. Und ahndeten auch Kleinigkeiten – z. B., wenn Rechte abends auf dem Bürgersteig herumgrölten. Die zuständige Bezirksvertretung eröffnete in der Nachbarschaft ein Bürgerbüro, bot Deutschkurse für Türkinnen an, Polizisten hielten Sprechstunden ab. Am Ende war dem „Donnerschlag" nicht straf-, sondern nur zivilrechtlich beizukommen. Räumungsklage. Die Pächter hatten kaum Miete gezahlt. -MarS

07.04.2009, NRZ: Demo gegen Mode

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NRZ / Essen,Dienstag, 07.04.2009

NRZ, 07.04.2009:Demo gegen Mode

200 Linke protestierten gegen "Thor Steinar"-Filiale


Von der Polizei aufmerksam beäugt, zogen rund 200 Demonstranten gestern vom Willy-Brandt- zum Viehofer Platz.
Foto: Oliver Müller.

Gegen angeblich in Wolle gefärbten Rechtsextremismus gingen gestern rund 200 Demonstranten in der Innenstadt auf die Straße. Auf Initiative der „Antifa Essen Z" machten sie ihrem Unmut Luft über eine „Thor Steinar"-Filiale an der Viehofer Straße, die in der vergangenen Woche eröffnet wurde. Die Modemarke scheint unter Neonazis und Hooligans so angesagt zu sein wie die Proteste dagegen: Wo auch immer ein Laden in der Republik eröffnet worden ist, hagelte es Kritik, aber auch Wurfgeschosse. Räumungsklagen und Widersprüche beschäftigen inzwischen selbst die höchsten Gerichte. Der gestrige Protest blieb weitgehend friedlich, berichtete die Polizei am Abend. j.m.

06.04.2009, PM von Kai Gehring (MdB/GRÜNE)

 
Pressemitteilung:
Filiale der rechtsextremen Modemarke "Thor Steinar" hat in Essen nichts verloren

MdB Gehring ruft zu Widerspruch und Protest auf

Am gestrigen Freitag eröffnete die Firma MediaTex GmbH ein Bekleidungsgeschäft in der Essener Innenstadt auf der Viehofer Straße 20. Der Laden verkauft Produkte der von Rechtsextremisten getragenen Marke "Thor Steinar".

Dazu erklärt Kai Gehring, grüner Bundestagsabgeordneter aus Essen: "Essen muss sich querstellen, wenn Rechtsradikale in die Mitte der Gesellschaft vordringen wollen. Eine Ladenfiliale, die rechtsextreme Markenklamotten verkauft, hat in Essen nichts verloren. Der Vertrieb von "Thor Steinar"-Produkten in der Innenstadt ist unerträglich und widerspricht Essener Weltoffenheit. Der Eröffnung der derzeitig einzigen Filiale in NRW muss entschieden widersprochen werden. Anwohner, Essener Bürger und Politik nehmen es nicht hin, dass ein Geschäft aus der Verkörperung menschenverachtender Nazi- Ideologien (Runen-Symbolik) Kapital schlägt und damit Rechtsextreme in unsere Innenstadt lockt.

"Thor Steinar" wirkt wie eine harmlose Outdoor-Marke, ist aber Erkennungszeichen der rechten Szene und Teil der Normalisierungsstrategie der Rechtsextremisten. Diese Strategie muss auf entschiedenen Protest treffen - zivilgesellschaftlich, politisch und gewaltfrei. Die Ausbreitung rechter Ideologie und Provokationen von Rechtsradikalen in unserer Stadt werden wir nicht dulden. Der Eigentümer bzw. Vermieter muss umgehend den Mietvertrag des Shops kündigen. Polizei und Ordnungsamt müssen den Laden intensiv beobachten und wenn nötig intervenieren. Die Erfolge der Standortgemeinschaft und Anwohner bei der Aufwertung der Viehofer Straße dürfen nicht zunichte gemacht werden."

Wahlkreisbüro: Limbecker Straße 48-50 45127 Essen (0201) 269 8200 (0201) 269 8249 Kai.Gehring<a>wk.bundestag.dePost_icon.png
aus http://gruenerkv-esse ... ring-kai_thor-steinar.pdf
Ordner.png Dieser Text wird auch in Rundbrief 114 benutzt.


04.04.2009, WAZ: Politstreit um Modegeschäft

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WAZ / Essen,Samstag, 04.04.2009

WAZ, 04.04.2009:Politstreit um Modegeschäft

Wo die bei Rechtsextremen beliebte Marke "Thor Steinar" auftaucht, kommt es zu Protesten. Nun gibt es ein Lokal in Essen


Berlin/Essen. Kämpfen bis zur letzten Instanz: Der Hersteller des Modelabels „Thor Steinar” streitet deutschlandweit hartnäckig um Ladenlokale - mittlerweile sogar vor dem Bundesgerichtshof. Das jüngste Geschäft der unter Neonazis beliebten Marke hat gestern am Rand der Essener Fußgängerzone eröffnet.

Die Modemarke „Thor Steinar” gilt wegen ihrer nordischen Symbolik in rechten Kreisen als Kultlabel. Das neue Essener Geschäft mit der Kollektion der Brandenburger Firma Mediatex ist bundesweit der neunte Laden der Modemarke.

Erst Ende Februar hatte in Berlin-Friedrichshain ein neuer "Thor Steinar"-Laden eröffnet. Der Protest kam postwendend: Demonstranten zogen vor den Laden, Steine und Farbbeutel flogen an die Fassade. Zwei Wochen nach der Eröffnung kündigte der Vermieter dem Laden fristlos. Der Mieter habe verschwiegen, dass im Geschäft "Thor Steinar"-Artikel verkauft werden sollten. Auch dem Ladenlokal in Berlin-Mitte hatte der dortige Vermieter bereits vor längerem gekündigt, es folgten Widerspruch und Räumungsklage. Ob der Verkauf in den Berliner Läden dennoch weitergeht? "Klar, die sind offen", sagt ein Mitarbeiter von Mediatex.


"Für den Kampf gegen diese Läden braucht man einen langen Atem", weiß Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) in Berlin. Der Mietstreit um das "Thor Steinar"-Geschäft in Magdeburg liegt mittlerweile beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Der Versuch dagegen, im letzten Herbst auch in Hamburg einen Laden zu öffnen, endete in einer außergerichtlichen Einigung mit dem Vermieter. Das Geschäft konnte Ende September wegen Protesten aus der linken Szene nur unter Polizeischutz eröffnet werden. Nach Medienberichten hatte der Vermieter, die HSH Nordbank, zu spät erfahren, dass sich dahinter die Marke "Thor Steinar" verbirgt. Jetzt ist der Laden dicht. "Aber das heißt gar nichts: Thor Steinar will expandieren", sagt Bianca Klose.

Im November wurde die Mediatex GmbH von einem arabischen Investor übernommen. Ob die Stammkunden den ideologisch pikanten Wechsel hinnehmen? "In den Internetforen wird zwar viel diskutiert", so Klose, "aber Thor Steinar wird weiter seine Kunden an sich binden."

Die Mobilen Berater aus Berlin arbeiten gerade an einem Mustervertrag für Vermieter, die sicher gehen wollen, dass in ihren Läden "keine Produkte verkauft werden, die in der Öffentlichkeit mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene wahrgenommen werden". Was schwammig klingt, bedeutet tatsächlich größtmögliche Wirksamkeit. Denn: Würde man von vornherein von "rechten Labels" sprechen, wäre im Fall der meisten Firmen der Nachweis juristisch nur schwer möglich.

Erst im März hatte sich der Berliner Polizeipräsident im Dickicht der rechten Modeszene verirrt. Nachdem Zivilbeamte mit scheinbar einschlägigen Kleidungsstücken gesichtet worden waren, ließ Dieter Glietsch zehn Modemarken auf den Index setzen. Vier von ihnen sind mittlerweile wieder von der Liste gestrichen worden. Nach wie vor untersagt sind Marken wie "Pit Bull", "Thor Steinar" und "Consdaple" - welche viele wegen der Buchstabenreihe "nsdap" im Namen kaufen.


Große Ahnungslosigkeit

In Essen wissen viele nichts über den neuen Nachbarn.

Essen. Ordentliche Auslage, sortierte Regale, blanker Parkettboden – das Geschäft mit dem nordischen Namen „Oseberg" sticht an der Viehofer Straße am nördlichen Rand der Essener Fußgängerzone ins Auge. In einem Umfeld, das von einigen alteingesessenen und engagierten Kaufleuten seit Jahren nur mit Mühe gegen Billigläden und Leerstand verteidigt wird, scheint eine vergleichsweise schicke neue Boutique eingezogen zu sein. Welch bittere Ironie.

Dass der Laden die bei Rechtsextremen beliebte Marke „Thor Steinar" führt, ahnte bis Freitag nicht einmal die Nachbarschaft. Es scheint sich nicht bis nach Essen herumgesprochen zu haben, dass das Label nach Einschätzung des Brandenburger Verfassungsschutzes als identitätsstiftendes Erkennungszeichen der Neonazi-Szene zu werten sei.

Ein möglicher Anlaufpunkt für Rechtsextreme oder tumultartige Gegenproteste haben der „Immobilien und Standortgemeinschaft Nördliche City" gerade noch gefehlt. Vor vier Jahren hat sich der Verein der Anlieger und Kaufleute gegründet, um das Quartier in Eigenregie aufzuwerten. Die Erfolge sind unübersehbar. Mit der neuen Disco „Essence" und einem Ausgeh-Viertel rund um das bekannte GOP-Varieté gewinnt die Viehofer Straße zunehmend an Attraktivität.

Allerdings kämpft man seit Jahren mit Immobilienbesitzern, die lieber schnell und billig ihre Ladenlokale vermieten wollen, als sich auf langfristig wirkende Konzepte einzulassen. Wem inzwischen das Haus des „Oseberg"-Shops gehört, das zuvor eine Eisdiele beherbergte, war am Freitag nicht zu ermitteln. waz

04.04.2009, NRZ: Thor-Schluss als Ziel

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NRZ / Essen,Samstag, 04.04.2009

NRZ, 04.04.2009:Thor-Schluss als Ziel

Antifaschistische Szene kündigt Proteste gegen Laden mit rechten Mode an


Bei Rot-Weiss Essen steht die Marke schon seit knapp eineinhalb Jahren auf dem Index: Wer erkennbar mit Klamotten von „Thor Steinar" an der Hafenstraße aufläuft, kommt nicht rein ins Stadion – die Kleidung mit ihrer nordischen Symbolik gilt in der Szene als Ausdruck rechtsextremer Gesinnung, und die hat, so der Verein, an der Hafenstraße nichts zu suchen.
Kein Wunder, wenn die antifaschistische Szene Alarm schlägt, dass gestern an der Viehofer Straße ein Laden der Brandenburger Firma MediaTex GmbH eröffnete, der ausschließlich „Thor Steinar"-Ware verkaufe. Das werde man „nicht widerspruchslos hinnehmen", hieß es gestern, kündigte Protestaktionen an und verwies dabei auf Bochum und Dortmund, wo die Betreiber ähnlicher Läden nach massiven Protesten zur Aufgabe gezwungen wurden. Dabei gilt auch für die Pächter: Kämpfen bis zur letzten Instanz.
Der Hersteller des Modelabels „Thor Steinar" streitet deutschlandweit hartnäckig um Ladenlokale – mittlerweile sogar vor dem Bundesgerichtshof.

Das neue Essener Geschäft ist bundesweit der neunte Laden der Modemarke. „Für den Kampf gegen diese Läden braucht man einen langen Atem", weiß Bianca Klose von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) in Berlin. Sie arbeitet gerade an einem Mustervertrag für Vermieter, die sicher gehen wollen, dass in ihren Läden „keine Produkte verkauft werden, die in der Öffentlichkeit mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene wahrgenommen werden". Was schwammig klingt, soll größtmögliche Wirksamkeit entfalten.
woki/JE

03.04.2009, AEZ: Pressemitteilung der Antifa Essen Z

Freitag, 03.04.2009

Pressemitteilung
Rechtes Bekleidungsgeschäft in Essen
MediaTex GmbH eröffnet "Thor Steinar"-Filiale in der Innenstadt


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie soeben bekannt wurde, eröffnet am heutigen Freitag die Firma MediaTex GmbH ein Bekleidungsgeschäft in der Essener Innenstadt. Der auf der Viehofer Straße 20 gelegene Laden verkauft ausschließlich Produkte der extremrechten Marke "Thor Steinar" und ist zurzeit der einzige seiner Art in Nordrheinwestfalen. In Bochum und Dortmund war zuletzt ein Angehöriger der rechten Szene, der unter anderem "Thor Steinar"-Produkte verkauft hatte, aufgrund massiver Proteste zur Aufgabe seines Geschäftes gezwungen.

Auch in Essen wird die Existenz einer "Thor Steinar"-Filiale nicht widerspruchslos hingenommen werden. Über mögliche Protestaktionen werden wir in den nächsten Tagen informieren.

Informationen über die Bekleidungsmarke "Thor Steinar" und die Verflechtungen der Firma MediaTex GmbH mit der rechten Szene finden Sie im Internet unter

http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/thor-steinar

http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/t/thor-steinar/


"RWE setzt Zeichen gegen Rechts" - Stadionverbot für "Thor Steinar"
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/essen/2007/12/5/news-8979741/detail.html

"'Goliat' ist leer geräumt" - Rechtes Geschäft in Dortmund geschlossen
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/dortmund/2007/9/2/news-784171/detail.html


Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Antifa Essen Z

http://antifaessen.blogsport.de


07.08.2006, Spiegel: Neue Kleidung, Neues Weltbild

Spiegel 07.08.2006,( zitiert aus http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,424302,00.html )
RECHTSEXTREMISTEN / Neue Kleidung, altes Weltbild

Von Fabian Grabowsky

Früher sahen Nazis aus wie Nazis: Kopf geschoren, Stiefel geschnürt, Gesicht leer. Nazi-Skins gibt es immer noch. Doch viele Rechtsextreme kleiden sich inzwischen wie andere auch: HipHopper, Autonome oder Zimmermänner.

Berlin - NPD-Demonstration in Neubrandenburg.
250 Rechtsextremisten marschieren durch triste Waschbeton-Plattenbauten, vorbei an Balkons mit staunenden Einheimischen und Gegendemonstranten. Äußerlich sind viele Rechtsextremisten von ihren Gegnern kaum zu unterscheiden. Viele von ihnen tragen schwarze Windbreaker, ihre Hosen sind weit und hängen tief, sie tragen Turnschuhe.

Wie bei der NPD-Demo in Neubrandenburg sieht es inzwischen oft aus, wenn Rechtsextremisten marschieren. Längst entsprechen sie nicht mehr dem Bild, das man seit Jahren von ihnen hatte. Heute gilt: Kurzhaarschnitt statt Glatze, Sportjacke statt Bomberjacke, Turnschuhe statt Springerstiefel.

"Viele Rechtsextremisten wollen sich vom Image des gewalttätigen Skinheads lösen", sagt Karl-Georg Ohse vom Mobilen Beratungsteam Mecklenburg-Vorpommern. Sein Brandenburger Kollege Wolfram Hülsemann spricht von einer "großen Heterogenität" der Looks. Rechtsextremisten haben heute oft scheinbar Unverdächtiges im Kleiderschrank, Outdoor-Kleidung wie von der unbescholtenen norwegischen Seglermarke Helly Hansen, HipHop-Hosen, Leinen- oder Zimmermannskleidung. Traditionelle Lieblingsmarken wie Lonsdale und Fred Perry wehren sich mittlerweile gegen ihre unliebsame Kundschaft - und haben damit ihren Ruf in der Szene beschädigt und außerhalb gerettet. Vor allem aber die ostdeutsche Marke Thor Steinar ist in den letzten Jahren populär geworden.

"Expedition Südwestafrika" im Outdoorlook

Auch Thor-Steinar-Hosen sind weit, die T-Shirts bunt, die Qualität gut. Dass sie ein Lieblingslabel von Rechtsextremen sind, kann niemand erkennen, der es nicht weiß oder nicht genau hinsieht. Aber die Aufdrucke proklamieren Nordisches, wie "Asgard", "Vandalia", oder "Nordland". T-Shirts haben die Aufschriften "Ostafrika Expedition - Heia Safari" oder "Thor Steinar Expedition - Südwestafrika" - beides kann man als Anspielung auf die ehemaligen deutschen Kolonien Ostafrika und Südwestafrika verstehen.

Zu den Vorwürfen, Thor Steinar sei eine Szenemarke, will der Geschäftsführer des Herstellers MediaTex, Uwe Meusel, SPIEGEL ONLINE "keine Auskunft" geben. Dass "Ostafrika" und "Südwestafrika" auf den T-Shirts steht, bedürfe einer "längeren Erklärung". Und zur Erklärung der nordischen Terminologie verweist er auf eine "Legende" auf der Firmen-Homepage.


"Thor Steinar heißt die Reise zum Berge Mitternacht", steht da. An diesem warte "jene reine und klare Quelle der Wahrheit, die aus sich selber trinkt und jeden erfrischt, der sie findet". Ergebnis laut pseudo-esoterischer Thor-Steinar-Lyrik: "Die leuchtende Erkenntnis von der baldigen Rückkehr Deiner ursprünglichen Kraft und Herrlichkeit und Deiner Macht in Ewigkeit."

Rechtsextremisten im Ché-Guevara-Shirt

Auch im Fundus der Linken und Autonomen bedienen sich die Rechtsextremen gerne. Palästinensertücher, Ché-Guevara-T-Shirts oder schwarze Fahnen galten bis vor einigen Jahren als "links". Doch die tragen heute auch deutsche Neonazis. Teile der Szene halten sich für eine "nationale Befreiungsbewegung" und solidarisieren sich mit vermeintlichen Verbündeten in den Palästinensergebieten oder im Irak.

"Sie unterwandern das gesamte Spektrum der Jugendkulturen", sagt Ohse. Oft sind Rechtsextremisten für Außenstehende nicht mehr als solche zu erkennen. Auch nicht für Experten wie Ohse. Und manchmal auch für sich selbst nicht mehr. "Auch für die Szene ist es nicht mehr ganz einfach zu erkennen, wer zu ihr gehört."


Der bunte Schein

Aber nicht alle erkennen hier einen Trend. "Die rechten Cliquen sehen aus wie früher", widerspricht Klaus Farin vom Berlin Archiv der Jugendkulturen. Die rechte Szene sei "eine der konstantesten überhaupt" und immer noch "sehr traditionell" gekleidet. Im Militärlook, der Härte und Männlichkeit signalisiere.

Rechtsextremisten mit Irokesenschnitt oder rechtsextreme Mädchen in Baggypants tauchten vor allem in den vorderen Reihen von Demonstrationszügen auf - wo die Kameras sie filmen. "Das ist ein strategisches Moment", sagt Farin. Die Rechtsextremen täuschten vor, bunt zu sein. Auch dass sie autonome Insignien übernehmen habe nichts mit ideologischen Übereinstimmungen zu tun. Die Motive sind weit banaler, meint Farin. Man wolle die Linken ärgern, indem man ihnen Sprache und Outfit stiehlt. Das sei auch bei Demonstrationen praktisch, weil die Polizei oft nicht wisse, wen sie vor sich habe.

Opportunismus, keine Ausdifferenzierung, meint Farin.
Die rechtsextreme Szene werde durch Angst und strikte Regeln zusammengehalten - Abweichungen gerade bei der Kleidung seien nicht erlaubt.

"Man muss sich nicht mehr absetzen"


Ohse und Hülsemann aber bleiben dabei:
Die Szene hat in den vergangenen Jahren ein neues Outfit bekommen. Dafür gebe es Gründe. Einer sei die Dominanz der Rechtextremisten. Gerade auf dem Land gebe es bei den weniger gebildeten Jugendlichen einen "fremdenfeindlichen, antidemokratischen Mainstream", sagt Ohse. Sein trauriges Fazit: "Man will sich nicht mehr absetzen - und muss es auch nicht mehr."

Aber auch der Druck, den Schulen und Polizei inzwischen auf die Jugendlichen ausüben, hat sie dazu gebracht, sich nicht mehr als rechtsextrem erkennen zu lassen. Außerdem gibt es auch unter Jüngeren das Bedürfnis, sich von älteren Rechtsextremen optisch abzusetzen.

Vielleicht hat auch die rechtsextreme Jugendsubkultur irgendwann das Problem, das alle erfolgreichen Subkulturen haben: Je mehr Leute dabei sind, je mehr sich die Szene kommerzialisiert und ausdifferenziert, desto mehr Zerreißproben und Konflikte gibt es zwischen den Vertretern den reinen Lehre und vermeintlichen Mitläufern. "Gegen Kiffer, HipHopper und Dönerfresser in unserer Bewegung - ihr seid lächerlich" ist schon jetzt in einem Forumsbeitrag beim Wikinger-Versand zu lesen. "Dass es irgendwann zu einer Spaltung kommt, hoffe ich zumindest", sagt Ohse.

Problem Mimikry

Doch ob das passiert, ist unklar.
Bis dahin ist die rechtsextremistische Mimikry ein großes Problem. Wer Rechtsextremisten nicht sofort erkennt, kann sie nicht als solche ansprechen. Beispielsweise, wenn sie sich scheinbar harmlos in Jugendclubs einschleichen.

Denn ihre Einstellung hat sich nicht geändert. "Selbst wenn das Outfit nicht dazu passt", sagt Ohse, "das Denken ist trotzdem rassistisch." Das sieht auch Hülsemann so: "Die Kleidung sagt nichts über das aus, was in den Köpfen passiert." Auch wenn Rechtsradikale "lackiert" daherkämen, seien sie nicht weniger ideologisiert oder gewaltbereit.


"Selbst wenn einige keine Glatzen mehr haben", sagt er, "das heißt noch lange nicht, dass man ihnen als Dunkelhäutiger abends auf einem Dorffest begegnen sollte."
Ordner.png Dieser Text wird auch in Rundbrief 114 benutzt.


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