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Seitenübersicht

9. November 2009: Jährlich wiederkehrendes Gedenken zur Reichspogromnacht

Vielen Mitgliedern des Runden Tisches ist es ein besonderes Anliegen, den 9. November nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

2009 wurde eine Demonstration in Essen-Borbeck durchgeführt.


Inhaltsverzeichnis

Veranstaltungsserie

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Seite 1/2

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Flugblatt PDFicon.gif (211.4 KB)


Ausstellung:

Neofaschismus in Deutschland

26. Oktober bis
19. November
in der VHS Essen, Burgplatz 1

In der Bundesrepublik werden Menschen beschimpft, bedroht, zu Tode getreten oder bei lebendigem Leibe verbrannt, weil sie als Fremde oder Andersdenkende gehasst werden – über 100 Todesopfer hat die neofaschistische Gewalt seit 1990 bereits gefordert. Die Ausstellung will über Ideologie und Praxis des Neofaschismus informieren. Sie will Ursachen für die Ausbreitung rassistischen, nationalistischen und militaristischen Denkens und Handelns benennen und damit ein klares Zeichen gegen Intoleranz setzen.

In Zusammenarbeit mit der VVN-Bund der Antifaschisten besteht für (Schüler-) Gruppen die Möglichkeit, im Anschluss an den Besuch der Ausstellung ein Gespräch mit Zeitzeugen zu führen. Termin- absprachen sind nötig. Für weitere Informationen: DGB Mülheim- Essen-Oberhausen, Telefon: 0201 632 470

Eine Veranstaltung der DGB Region Mülheim-Essen-Oberhausen in Zusammenarbeit mit der VVN sowie der VHS Essen DGBLogo.pngEq-VVNBDALogo.gif


Weitere Informationen zur Ausstellung


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Veranstaltungshinweise

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29. Oktober, 19.00 Uhr in der VHS
„Die Nazis und ihr Geld“ - Historische und aktuelle Aspekte,
Wolfgang Dominik, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)

Die Geldgeber der faschistischen Bewegung in den Jahren der Weimarer Republik und dann im Faschismus ab 1933 waren kapitalistische Kreise, welche von Anfang an Interesse an dieser Bewegung und speziell an Hitler hatten. Schwieriger ist es festzustellen, wie viel Geld genau die faschistischen Parteien heute bekommen. Klar ist, dass ein Großteil immer aus unseren Steuergeldern über den Staat fließt. Aber es gibt auch private Unterstützer, z. T. mit erheblichen Spenden. Wolfgang Dominik, u. a. ca. 30 Jahre lang Lehrbeauftragter für Soziologie an der Universität Dortmund, zuletzt mit dem Schwerpunkt Neofaschismus, wird versuchen, historische und aktuelle Hintergründe zu erhellen.

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07. November, 14.00 bis 17.00 Uhr in der VHS
Lifestyle, Symbole und Codes von NeoNazis,
Robert Bosch,

Schon länger identifizieren sich Neonazis nicht nur über Springerstiefel und Glatze. Vielmehr gibt es eine Reihe von Symbolen und Dresscodes, welche erst auf den zweiten Blick erkennbar sind: Aber was ist „rechts“ und an welchen Zeichen kann man „Rechts“ erkennen? Ist der Träger eines Fred-Perry-Shirts ein Neonazi? Wie sieht es mit anderen Marken aus? Welche Bands werden vorwiegend gehört und welche sind verboten. Beispiele gestalten den Workshop praxisnah und helfen so, sich besser zurechtzufinden.

(eine Veranstaltung der VHS)

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8. November, 11.00 – 13.00 Uhr in der VHS
Es begann nicht am 9. November 1938
Gedanken zu zwei deutschen Schicksalsdaten,
Ralf Giordano, Schriftsteller

Am 70. Jahrestag des knapp gescheiterten Bombenattentats des Tischlers Georg Elser erinnert der Schriftsteller Ralph Giordano an diese schicksalhafte Tat, die auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges nicht die verdiente Beachtung gefunden hat. Im Gegensatz zu den Verschwörern des 20. Juli um Graf Stauffenberg blieb dem einfachen Bürger und Einzeltäter Elser lange Zeit die Anerkennung versagt. Als in der Nazizeit verfolgter Jude versteht sich Ralph Giordano als verantwortungsbewusster und wachsamer Bürger, der mit aller Kraft und unerschütterlicher Überzeugung gegen den Rechtsradikalismus kämpft.
(eine Veranstaltung der VHS)

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19. November, 19.00 Uhr in der VHS
„Neonazismus und extrem rechte Wahlparteien in NRW“,
Jürgen Peters, Freier Journalist und Bildungsreferent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland

Das Bild des Neonazismus hat sich verändert, die Kleinstparteien der frühen 90er Jahre gibt es nicht mehr, von den extrem rechten Parteien ist allein die NPD gestärkt aus dieser Entwicklung hervorgegangen. Parallel dazu haben sich im neonazistischen Spektrum ab Mitte der neunziger Jahre anstelle von Parteien die sogenannten Freien Kameradschaften gebildet. Sie kooperieren zum Teil eng mit der NPD, grenzen sich aber auch scharf von der Partei ab. Innerhalb der "Freien Kameradschaften"-Szene gibt es die "Autonomen Nationalisten" die sich jener Symbole, Codes und Sprachformen bedient, die bisher eindeutig in der Linken verortet waren.



Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Kundgebungsaufruf der Antifa Essen Z in E-Borbeck

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Antifa Essen Z kündigt Kundgebung zur Reichspogromnacht an

aus einer Email von AEZ.
am 9.11. werden wir in Essen-Borbeck eine Kundgebung unter dem Motto "Nie wieder Faschismus - Nie wieder Volksgemeinschaft" veranstalten. Borbeck ist zum einen historischer Schauplatz der Pogromnacht und zum anderen eine langjährige Hochburg von Nazis und anderen RassistInnen.

In unseren Redebeiträgen werden wir uns mit den historischen Ereignissen der Pogromnacht in Essen und Borbeck beschäftigen, über rassistische und neonazistische Vorfälle im Stadtteil informieren und uns an einer Kritik der bundesdeutschen Gedenk- und Erinnerungspolitik versuchen.

Unseren Aufruf findet Ihr unter http://wordpress.antifa-essen.de

Über eure zahlreiche Beteiligung würden wir uns natürlich sehr freuen. Darüber hinaus wäre es nett, wenn Ihr die Veranstaltung auf euren Websites etc. bewerben würdet.

Mit antifaschistischen Grüßen,
Antifa Essen Z

Ordner.png Dieser Text wird auch in Infobrief Nr. 117 vom 26.10.2009 benutzt.



- Aufruftext

Gedenkkundgebung in Essen-Borbeck: Nie wieder Faschismus – Nie wieder Volksgemeinschaft!

Antifaschistische Kundgebung im Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938

Montag, 9.11.2009 – 18.30 Uhr – Borbecker Platz – Essen Borbeck

Veranstalter Antifa Essen Z

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereigneten sich im gesamten deutschen Reichsgebiet massive Gewaltexzesse und Sachbeschädigungen gegenüber jüdischen Bürgern und ihrem privaten und öffentlichen Besitz wie Geschäften und Synagogen. Auch wenn dies in den längst gleichgeschalteten deutschen Medien so dargestellt wurde, handelte es sich nicht um eine spontane Erhebung eines wie auch immer gearteten ‚deutschen Volkszorns‘, sondern um eine abgestimmte Aktion unter Anführerschaft der nationalsozialistischen Schlägertruppen, der SA. Am Morgen des 10. November konnte man im ganzen Reich eine grausame Bilanz ziehen: Hunderte Geschäftsräume, Friedhöfe und Synagogen waren verwüstet, zerstört oder in Brand gesetzt, Menschen waren auf offener Straße verprügelt oder gar getötet worden.

Diese Ereignisse markierten eine massive Radikalisierung der antijüdischen Politik des NS-Regimes: Waren jüdische Mitbürger bis dato vor allem mit immer neuen diskriminierenden Gesetzgebungen konfrontiert wie den ‚Nürnberger Rassegesetzen‘ von 1935, die so genannte ‚Mischehen‘ zwischen JüdInnen und NichtjüdInnen verboten, oder den 1938 erlassenen Arisierungsgesetzen, die eine Enteignung jüdischer Geschäftsleute und ihres Kapitals zum Ziel hatte, so wurde der staatlich praktizierte Antisemitismus in der Folge der oben genannten Ereignisse immer gewalttätiger und kulminierte letztlich im Versuch, alle JüdInnen Europas gezielt und umfassend zu ermorden, in der Shoah.

In den Ereignissen vom 9./10. November zeigte sich aber noch Einiges mehr: Nicht nur, dass der Nationalsozialismus und seine Sachwalter auf allen Ebenen bereit und willig waren, ihre politischen Pläne notfalls mit Gewalt durchzusetzen, die Administration konnte sich vielerorts auch auf die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung verlassen: Gerade in den Gewaltexzessen der Reichspogromnacht griff eben nicht nur die SA, sondern auch der ‚ganz normale Deutsche‘ zum Stein, um die Geschäfte jüdischer NachbarInnen einzuwerfen.

Die von den Nazis aufgrund der Menge an zu Bruch gegangenen Fenstern zur ‚Reichskristallnacht‘ stilisierten Vorgänge hatten demnach einen Doppelcharakter: Einerseits wurde den jüdischen MitbürgerInnen klar gemacht, dass sie in der noch zu formenden deutschen Volksgemeinschaft keinen Platz mehr finden würden, andererseits hatte man anhand dieser Ereignisse einen Gradmesser bezüglich der Frage, inwiefern zügellose Gewalt von der breiten Masse der Bevölkerung toleriert oder gar befürwortet wurde. Und diese Strategie funktionierte, denn es gab kaum nennenswerten Widerstand gegen diese Gewaltexzesse in der Restbevölkerung.

In der gegenwärtigen Bundesrepublik wird die Erinnerung an die Ereignisse vom November 1938 durchaus gepflegt: In beinahe jeder größeren deutschen Stadt gibt es am 9. November Gedenkveranstaltungen, organisiert von kirchlichen und/oder städtischen Organisationen und auch hier in Essen hielt der scheidende Oberbürgermeister Reiniger (CDU) am 9.11.2005 eine Rede in der wiedererrichteten Synagoge, die sich mit genau diesem Thema befasste. Richtigerweise bemerkte er, dass sich eine „weitgehend desinteressierte Nachkriegsgesellschaft“, um seine eigenen Worte zu benutzen, lange Zeit nicht sonderlich für eine umfassende Beschäftigung mit der Stadtgeschichte motivieren ließ.

Heute scheint sich dies geändert zu haben: In Essen und vielen anderen deutschen Städten sind Erinnerungstafeln, ‚Stolpersteine‘ und Gedenkstätten errichtet worden, um gegen das Vergessen und Nicht-Erinnern anzukämpfen. Schulklassen werden durch das Stelenfeld in Berlin oder die NS-Dokumentationsstätten in ihren Heimatstädten geführt, im Schulunterricht wird in verschiedenen Fächern und zu verschiedenen Anlässen die Thematik Nationalsozialismus behandelt. Es lässt sich festhalten: Die Erinnerung an die Shoah und alle Ereignisse, die ihr vorausgingen, sind ein fester Bestandteil bundesdeutscher Erinnerungspolitik.

Was diese staatliche Erinnerungspolitik jedoch weder leisten kann, noch will, ist Ideologiekritik: Über die Inhalte der NS-Ideologie, die Beweggründe für den Antisemitismus und auch den Rassismus, der beinahe die gesamte deutsche Gesellschaft erfasste, wird geschwiegen. Derartige Diskussionen werden zwar im akademischen Rahmen an Universitäten und auf HistorikerInnentagungen geführt, aber ein Transport der dort gesammelten Erkenntnisse, etwa über den korporativen Charakter des Nationalsozialismus, über die mindestens schweigende, meistens jedoch begeistert zustimmende Massenbasis, derer sich die politischen Entscheidungsträger bei jeder noch so menschenverachtenden Gesetzesänderung sicher sein konnten, findet nicht statt. Stattdessen wird vielerorts noch immer ein Bild eines deutschen Staates vermittelt, in dem eine kleine, machtbesessene und psychopathische Elite – Hitler, Goebbels, Göring und einige ihrer Adjutanten sowie die SS, in der niemand gewesen sein will – eine große, berauschte, aber unschuldige Masse von Menschen quasi schlaftrunken in den Untergang führte.

Dass es zur Umsetzung der NS-Diskriminierungs- und später: Vernichtungspolitik aber nicht nur amoralischer Handlanger und Gehilfen bedurfte, sondern Menschen, die ihre Entscheidung aus bestem Wissen und Gewissen treffen, spielt in der Vermittlung keine Rolle. Viel zu sehr ist man damit beschäftigt, die Vorgänge zu entpersonalisieren und externalisiert allzu schreckliche Tatsachen zum Werk von Menschen, die keine Spuren in der Gesellschaft zu hinterlassen haben scheinen: Kaum ein Deutscher hatte laut eigenem Bekunden überzeugte Nazis in seiner eigenen Familie, immer waren es die anderen.

Dass zum Beispiel auch in Essen nicht nur die Synagoge am Porscheplatz in Flammen aufging, sondern auch jene im Stadtteil Steele und zahlreiche jüdische Geschäfte unter den wachen Augen ihrer einstigen Mitbürger zerstört wurden, sich also mindestens eine Kultur des Wegschauens, eher noch eine der teils stillen, teils tatkräftigen Zustimmung vorfinden ließ, spielt auch in der bereits erwähnten Rede des Oberbürgermeisters keine Rolle. Beklagt wird hier dementsprechend nicht die Geisteshaltung der Zeitgenossen, sondern nur der Effekt der Vorgänge, der in der Umdeutung nicht auf die Gräueltaten des NS verweist: „Um so mehr ist es heute unsere Verpflichtung, den Faden wieder aufzugreifen, und den prachtvollen Bau – mit seiner wechselvollen Geschichte, aber ebenso mit dem Blick für die Zukunft, als Zierde der Kulturstadt Essen zu bewahren und weiterzuentwickeln.“ (Reiniger 2005)

Wir wollen, 71 Jahre nach den Ereignissen dieser Novembernacht, den Fokus der Betrachtung zumindest ein wenig zu verschieben versuchen: Weg von einer bloßen Erwähnung der Ereignisse hin zu einer Kontextualisierung ins Zeitgeschehen. Wir wollen uns der Frage widmen, welche Ideologie(n) innerhalb einer Gesellschaft der breiten Zustimmung bedürfen, damit derartige Vorgänge ohne nennenswerte Proteste und Unmutsäußerungen geschehen können, und wir wollen uns auch der Frage widmen, inwiefern einzelne Versatzstücke der damals in der deutschen Bevölkerung verbreiteten Geisteshaltungen noch immer in den Köpfen vieler Mitbürger vorhanden sind.

Der Ort unserer Kundgebung ist vor diesem Hintergrund nicht nur als historischer Schauplatz der Pogromnacht von Bedeutung. Essen-Borbeck ist seit Jahren auch eine lokale Hochburg derer, die sich unverhohlen in die Tradition der historischen NationalsozialistInnen stellen, ihre Taten verherrlichen und ihren faschistischen Vorbildern im Rahmen ihrer Möglichkeiten nacheifern. Und der Stadtteil ist eine Hochburg derer, die das neonazistische Treiben gleichgültig oder gar wohlwollend tolerieren. Auch gegen diese Verhältnisse wollen wir intervenieren und verstehen die Kundgebung dazu als praktischen Beitrag und Auftakt.


Bericht über das Gedenken in Borbeck

Gedenken an die Progromnacht in Borbeck

(Ein Bericht von Torsten)


Am Montag, 9. November 2009 haben sich in Borbeck geschätzte 50 AntifaschistInnen zu einer Kundgebung getroffen. Die Kundgebung unter dem Motto "Nie wieder Faschismus – Nie wieder Volksgemeinschaft!" erinnerte an die deutschen Progrome gegen Jüdinnen und Juden vor 71Jahren. Der Ort der Kundgebung wurde gewählt, um darauf hinzuweisen, dass 1938 nicht nur die Essener Synagogen in der Innenstadt und in Steele gebrannt haben, sondern auch die Wohnungen und Geschäfte von Jüdinnen und Juden in anderen Stadtteilen überfallen und zerstört wurden. An Einzelschicksalen von Borbecker BürgerInnen wurde erläutert, dass die Progromnacht auch den Beginn der Deportationen in KZs einleitete.

In Redebeiträgen wurde weiterhin auf die Kontinuitäten des dritten Reichs in die BRD hingewiesen, die u.a. im „Führungspersonal“ der BRD zeigten, wie z.B. durch Altnazis wie Filbinger, Globke und viele andere mehr. Diese hatten als Nazis im Dritten Reich Führungspositionen inne und arbeiteten dann beim Aufbau der BRD – dann vermutlich als Demokraten – mit. Die aufgezeigten Kontinuitäten liegen aber auch in der verbreiteten Sichtweise der BürgerInnen, dass es sich bei Nazis immer um „die Anderen“ gehandelt habe – die Verantwortung für den Faschismus trügen die Nazis – nicht die Deutschen. Die Kontinuität wurde auch insofern herausgestellt, dass auf die Präsenz von Neonazis vor Ort hingewiesen wurde, die anscheinend vor geduldet wird. So findet sich eine von Nazis frequentierte Kneipe in Dellwig (die Kneipe heißt in etwa „Donnerbalken“), bei schönem Wetter hängen örtliche Neonazis im Borbecker Schlosspark rum und die NPD präsentiert ihre Propaganda unbehelligt auf Infoständen im Borbeck. Besonders erfreulich war, dass die Gedenkveranstaltung fast ausschließlich von jungen Menschen besucht wurde.
Ordner.png Dieser Text wird auch in Infobrief Nr. 118 vom 11.11.2009 benutzt.


Pressemitteilung der AEZ

Pressemitteilung AEZ

Gedenkkundgebung in Borbeck - NPD verhöhnt Opfer der Pogromnacht

Sehr geehrte Damen und Herren,

anlässlich des 71. Jahrestages der Reichspogromnacht fand heute um 18.30 Uhr eine Kundgebung der Antifa Essen Z auf dem Borbecker Platz statt. Es beteiligten sich rund 70 Personen. Durch Flugblätter und Redebeiträge wurden die Kundgebungsteilnehmer und Passanten über die Ereignisse und Folgen der Pogromnacht in Borbeck, die rechte Szene im Stadtteil und kritikwürdige Aspekte bundesdeutscher Gedenkkultur informiert. Verärgert zeigten sich viele Demonstranten über den Versuch der anwesenden Polizeikräfte, sämtliche Teilnehmer ohne ersichtlichen Anlass zu fotografieren und zu filmen. Zu Festnahmen oder anderen Zwischenfällen kam es nicht. Zeitgleich mit der antifaschistischen Gedenkveranstaltung hielten rund 20 Neonazis, mit NPD-Fahnen und brennenden Fackeln ausgestattet, eine Kundgebung auf dem Borbecker Germaniaplatz ab.

Tessa Kuijer, Pressesprecherin der Antifa Essen Z: „Dass die Essener Polizei den Neonazis am Jahrestag der Pogromnacht eine Kundgebung mit brennenden Fackeln in unmittelbarer Nähe einer antifaschistischen Gedenkkundgebung ermöglicht, ist ein handfester Skandal.“ Bereits am vergangenen Samstag hatte auf der Borbecker Marktstraße eine öffentliche NPD-Veranstaltung stattgefunden. „Die jüngsten Aktivitäten der neofaschistischen Partei in Borbeck bestätigen unsere Einschätzung, nach der es sich um eine lokale Hochburg der Essener Neonaziszene handelt“, so Kuijer. „Aktives antifaschistisches Engagement wird im Essener Nordwesten daher auch künftig von Nöten sein“

Für Rückfragen stehen wir unter der oben genannten E-Mail Adresse gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Veröffentlichung, Antifa Essen Z

http://antifaessen.blogsport.de
Ordner.png Dieser Text wird auch in Infobrief Nr. 118 vom 11.11.2009 benutzt.


Stadtspiegel vom 11.11.09


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Stadtspiegel / Essen,Mittwoch, 11.11.2009

Gegen das Vergessen

Antifaschistische Demo in Borbeck.


meho

Der 9. November wurde in diesem Jahr ausgiebig gefeiert: 20 Jahre Mauerfall. Aber bereits vor 71 Jahren wurde an diesem Tag in Deutschland Geschichte geschrieben – leider ein sehr dunkles Kapitel: Die Reichspogromnacht.

Dieses Ereignis darf nicht vergessen oder verdrängt werden, zumal es in Deutschland immer noch eine wieder stärkere Szene gibt, die diese Ereignisse verharmlost. In Borbeck rief deshalb die Antifa Essen Z zu einer Kundgebung auf, erinnerte an das Geschehen und zeigte heutige Missstände auf. Die jugendlichen Veranstalter der linken Szene wurden dabei unterstützt: Insgesamt waren fast 100 Bürger dem Aufruf gefolgt und zeigten trotz Regen und Kälte Flagge.


Kommentar
Der falsche Weg

Melanie Hohmann

Unweit der antifaschistischen Demonstration fand auf dem Germaniaplatz zur gleichen Zeit eine genehmigte(!) Veranstaltung der NPD statt. Ausgestattet mit Fackeln demonstrierten 25 Mitglieder der rechten Szene ihre vermeintliche Macht. Glücklicherweise waren auf der Gegendemo viermal so viele Bürger. Aber hätte man diese symbolträchtige Veranstaltung der Rechten nicht verbieten müssen?
Bildunterschrift:
Auf dem Borbecker Platz versammelte sich die Essener Antifa zu einer Kundgebung gegen das Vergessen. Insgesamt kamen an die 100 Bürger und zeigten Flagge. Foto Winkler


Presseerklärung der Ratsfraktion der Linkspartei zum NPD-Aufmarsch

Die Fraktion "Die Linke" im Essener Stadtrat hat am 13. November der Polizeipräsidentin geschrieben PDFicon.gif und bat um Aufklärung, warum die Nazis am 09.11.2009 in Essen demonstrieren konnten. Die Presseerklärung dazu hatte den Titel
Warum durften Nazis am 9.11. demonstrieren?.

Wörtlich heißt es in der Anfrage an die Essener Polizei:

Am 9. November 2009, dem 71. Jahrestag der Reichspogromnacht, fand in Essen-Borbeck eine antifaschistische Gedenkkundgebung statt. Gleichzeitig, und in unmittelbarer räumlicher Nähe, hielten rund zwanzig Neonazis unter den Augen der Essener Polizei eine Versammlung auf dem Germaniaplatz ab, bei der sie NPD-Fahnen und brennende Fackeln mit sich führten.
Die Symbolik brennender Fackeln am Jahrestag der Pogromnacht stellt eine unverhohlen positive Bezugnahme der Neonazis auf die Ereignisse vor 71 Jahren dar. Deshalb fragen wir Sie:
  • Warum wurde die Kundgebung der Neonazis unter diesen Umständen genehmigt?
  • Warum wurden, anders als noch am 9.November 2004, keine Versuche unternommen, die Versammlung der Neonazis zu verbieten?
  • Warum wurde die Öffentlichkeit nicht schon im Vorfeld über die geplante Versammlung in Kenntnis gesetzt?


Auf die Antwort sind wir gespannt.


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