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9. November: NPD Aufmarsch in Borbeck

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Die NPD war in E-Borbeck. Am Dienstag, den 09.11. sind sie dort vor dem Bürgeramt in der Rudolf-Heinrich-Straße aufmarschiert und wollten eigentlich einen Kranz vor dem Kriegerdenkmal auf dem benachbarten Germaniaplatz niederlegen.

Essen-stellt-sich-quer veranstaltete daher zeitgleich in unmittelbare Nähe eine Kundgebung mit anschließender Mahnwache.



Inhaltsverzeichnis

13.11.2010, Borbeck Kurier: Zivilcourage gefragt

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Borbeck Kurier / Essen,Samstag, 13.11.10

Zivilcourage gefragt

Kritik an Entscheidung der Polizeipräsidentin. Alles friedlich bei Demo und Gegendemo


Borbeck stellt sich quer. Unter diesem Motto hatte der Runde Tisch für Menschenrechte und gegen Rassismus Essen zu einer Kundgebung mit anschließender Mahnwache auf den Höltingplatz eingeladen. Teilnehmer und Organisatoren wollten Flagge zeigen, ein deutliches Zeichen gegen die Kundgebung der NPD vor dem Denkmal der Germania setzen.

Das Kriegerdenkmal war in einer Nacht- und Nebelaktion komplett in schwarze Plastikfolie gehüllt worden. "Eine glorreiche Idee“, freute sich Stadtdechant Dr. Jürgen Cleve. "Ich bin stolz darauf, dass sich die Germania das, was heute zu ihren Füßen passieren soll, nicht ansehen muss." Der Pfarrer von St. Dionysius zeigte sich entsetzt und enttäuscht darüber, dass die Kundgebung der NPD durch die zuständige Polizeipräsidentin genehmigt wurde.


"Wir dürfen nicht zulassen, dass eine gefährliche Ideologie von gestern weiter propagagiert wird", forderte auch Oberbürgermeister Reinhard Paß. "Die Tatsache, dass wir heute abend hier zusammen stehen, ist besorgniserregend. Wenn aber so viele Menschen kommen und den Rechten ganz offen sagen, wir wollen euch nicht, empfinde ich das als beruhigend."

Justizminister Thomas Kutschaty erklärte: „Dass 72 Jahre nach den Novemberpogromen Faschisten mit Fackeln an einem Kriegerdenkmal aufmarschieren, ist unerträglich und beschämend. Um so schlimmer, dass die NPD den Mauerfall als Vorwand missbraucht. Sie verhöhnt nicht nur die Opfer des NS-Terrors, sie beleidigt auch diejenigen, die sich mutig für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte eingesetzt haben." Kutschaty versprach, sich für ein Landesversammlungsgesetz stark zu machen. "Ein Gesetz, das in Zukunft NPD-Aufmärsche verhindern kann, die historisch wichtige Gedenktage beschädigen." Von Bezirksbürgermeisterin Dagmar Poschmann und dem DGB-Regionsvorsitzenden Dieter Hillebrand gab's deutliche Kritik an der Entscheidung der Polizeipräsidentin. "Ich hätte es begrüßt, wenn die Kundgebung ohne wenn und aber verboten worden wäre. Wir brauchen mehr Menschen, die auch in ihren Ämtern Zivilcourage zeigen. Der 9. November 1936 war die Generalprobe für das Wegsehen, das Wegsehen aus Angst, aus Gleichgültigkeit oder Zustimmung."

"A]les was klein anfängt, wächst sich aus, wenn es keiner verhindert", betonte Bernhard Trautvetter vom Essener Friedensforum. "Es ist verdammt wichtig, dass sich Essen gegen die Faschisten stellt. Je mehr wir sind, umso kleiner ist die Gefahr - für jeden einzelnen und für die Demokratie." Während der Mahnwache auf dem Höltingplatz sammelten sich - gut bewacht von der Essener Polizei - die knapp 50 NPD-Anhänger vor dem Bürgerhaus. Fackeln wurden angezündet, kurze Reden gehalten. Rund 150 Gegendemonstranten standen hinter den Barrikaden, versuchten mit Trillerpfeifen, Parolen und Gebrüll die Kundgebung der Rechten zu stören.


"Alles ist friedlich geblieben", lautete am Ende des Tages das Fazit der Polizei. ihren Unmut und ihre Wut über die Ewig—Gestrigen haben die Essener aber deutlich zum Ausdruck gebracht.

Christa Herlinger


Bildunterschrift:
Den Nazis die Zähne zeigen, den Anhängern der NPD deutlich machen "Wir wollen euch nicht“ - das war das Ziel der Kundgebung mit anschließender Mahnwache.

Justizminister Thomas Kutschaty gehörte zu den Rednern der Veranstaltung auf dem Höltingplatz.

Das Denkmal der Germania war in schwarze Plastikfolie verhüllt worden.     Fotos (3): Winkler


12.11.2010, Bericht der Antifa Essen Z

 

11. November 2010

Wie bereits im vergangenen Jahr hatte der Essener Kreisverband der NPD auch zum diesjährigen 9. November eine Kundgebung in Essen-Borbeck angemeldet. Am 72. Jahrestag der Reichspogromnacht wollten die Neonazis den Maueropfern in der DDR gedenken.

300px-Eq-AEZ-20101109-2.jpg Während die rechte Kundgebung im letzten Jahr von weiten Teilen der Öffentlichkeit vollkommen ignoriert wurde, sprachen sich in diesem Jahr zahlreiche prominente Vertreter von Parteien, Gewerkschaften und Verbänden für ein Verbot der Veranstaltung aus. Diese Forderung wiesen die Verantwortlichen der Essener Polizei jedoch mit dem Argument zurück, eine Verbotsverfügung sei juristisch aussichtslos. Diese Einschätzung verwunderte viele Kritiker auch vor dem Hintergrund, dass noch im Jahr 2004 ein geplanter Naziaufmarsch am 9. November verboten und vom damaligen Essener Polizeipräsidenten als „unverschämte Provokation“ bezeichnet wurde.

Gegen die diesjährige Kundgebung der NPD hatte sich bereits im Vorfeld ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis gebildet, das in unmittelbarer Nähe zu der rechten Versammlung eine Gegenkundgebung angemeldet hatte. An den Protestaktionen beteiligten sich trotz Dauerregens mehrere Hundert Personen, von denen ein großer Teil dem autonomen Antifaspektrum zuzurechnen war. Rund 100 von ihnen hatten zuvor an einer Gedenkkundgebung in Duisburg teilgenommen. Die lautstarken Proteste nahmen den Redebeiträgen der rund 40 mit Fahnen und brennenden Fackeln ausgestatteten Neonazis jede öffentliche Wirkung. Außerdem wurde eine geplante Kranzniederlegung der NPD an der Germania-Statue durch die große Zahl der anwesenden Gegendemonstranten verhindert. 300px-Eq-AEZ-20101109-1.jpgUnbekannte hatten die militaristische Statue zuvor komplett in schwarze Plastikfolie eingewickelt. Während der Kundgebung wurden vereinzelt Gegenstände auf die Neonazis geworfen. Nach unserem Kenntnisstand kam es zu mindestens einer Festnahme auf Seiten der Nazi-Gegner. Zudem wurde eine größere Gruppe junger Antifaschisten bereits bei ihrer Ankunft in Borbeck von der Polizei am Verlassen des Bahnhofs gehindert.

Den mitgebrachten Kranz ließen die Neonazis an ihrem Kundgebungsort zurück, er wurde unmittelbar nach ihrem Abrücken von Gegendemonstranten entsorgt. Nach Beendigung der rechten Kundgebung wurden die NPD-Anhänger unter dem anhaltenden Protest der anwesenden Antifaschisten von der Polizei zu einem Sonderbus eskortiert. In dieser Situation warfen Unbekannte mehrere Steine auf die Nazi-Gegner. Verletzt wurde dabei niemand.

Teilinfo.png Weitere Informationen dazu auf den Seiten der AEZ ,der obige Text und die Fotos sind von dieser Originalseite



10.11.2010, Pressemitteilung der Antifa Essen Z

 
Pressemitteilung:Lautstarker Protest gegen NPD in Borbeck

Sehr geehrte Damen und Herren,

für den 9.11.2010, den 72. Jahrestag der Reichspogromnacht, hatte die NPD-Essen eine Kundgebung angemeldet, an der rund 40 Personen teilnahmen. An dieses geschichtsträchtigen Datum wollten die Anhänger der extrem rechten Partei vorgeblich der Opfer der innerdeutschen Grenze gedenken. Doch bereits im Vorfeld stieß das Vorhaben auf breiten Protest und völliges Unverständnis. "Dass diese Veranstaltung überhaupt genehmigt wurde ist für uns nicht nach vollziehbar", so Tessa Kujier, Pressensprecherin der Antifa Essen Z.

Den Neonazis stellte sich ein breites Bündnis von AntifaschistInnen, GewerkschafterInnen und AnwohnerInnen entgegen, die entschlossen und lautstark ihren Unmut zum Ausdruck brachten. An den Protesten beteiligten sich mehrere Hundert Menschen. Im Verlauf der Protestaktionen wurden vereinzelt Gegenstände auf die Teilnehmer der rechten Kundgebung geworfen. Es kam nach unserem Kenntnisstand zu mindestens einer Festnahme auf Seiten der Nazi-GegnerInnen. Zudem wurde eine größere Gruppe junger AntifaschistInnen bereits bei ihrer Ankunft in Borbeck durch die Polizei am Verlassen des Bahnhofs gehindert. Nach Beendigung der NPD-Kundgebung mussten die TeilnehmerInnen unter dem lautstarken Protest der GegendemonstrantInnen von der Polizei zu einem Sonderbus eskortiert werden.

Insgesamt fällt das Fazit des gestrigen Tages verhalten aus. "Trotz der beachtlichen Anzahl der GegendemonstrantInnen ist es ein Skandal, dass diese Veranstaltung am Jahrestag der Pogromnacht überhaupt stattfinden konnte. Zudem erstaunt das breite Interesse seitens Politik und Medien an diesen Vorgängen doch sehr, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr bereits eine vergleichbare Kundgebung der NPD in Borbeck stattfand, von der die Öffentlichkeit in keiner Weise Notiz nahm. Trotz mehrerer Hinweise würdige die lokale Presse diese Vorgänge damals mit keiner Zeile", so Tessa Kuijer.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Antifa Essen Z



10.11.2010, WAZ: Pfiffe und Tröten gegen Neo-Nazis

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WAZ / Essen,Mittwoch, 10.11.10

Pfiffe und Tröten gegen Neo-Nazis

Mehrere hundert Bürger versammelten sich in Borbeck, um ein paar NPD-Anhängern zu zeigen: Wir wollen keine Rechtsextremen in der Stadt.

Tobias Appelt


Noch ist es ruhig in Borbeck, am Nachmittag vor dem NPD-Aufmarsch am Germania-Denkmal. Wenige Schritte entfernt, am Höltingplatz, lässt noch nichts darauf schließen, dass hier später Hunderte zusammen kommen werden, um gegen Rechtsextremisten zu demonstrieren.

Langsam wird es dunkel. Einsatzwagen der Polizei postieren sich in der Fußgängerzone. Die Beamten verwandeln das Stadtteil-Zentrum in einen Hochsicherheitstracht. Günter Hondele beobachtet das Treiben: "Wir wollen die NPD nicht in Borbeck - und auch nirgendwo sonst", sagt de Rentner.
Als die Gegendemonstration um 18 Uhr beginnt, haben sich etwa 300 Menschen eingefunden, die ein Gegengewicht zu den gerade mal knapp 40 NPD-Anhängern setzen wollen. Diese ziehen zu diesem Zeitpunkt bereits, von der Polizei exkortiert, Parolen grölend durch die Straßen. Später zündeten sie auch noch Fackeln an, wurden von Gegendemonstranten regelrecht umkreist. Diese tröten lautstark in Vuvuzelas, pfeifen und schreien. Trotz Vermummungsverbot tragen einige Sonnenbrillen und schwarze Kapuzen. Die meisten Bürger bleiben aber ruhig.
Im offiziellen Teil protestiert auch Oberbürgermeister Reinhard Paß gegen den NPD-Aufmarsch: "Wer versucht, unsere Stadtgemeinschaft zu spalten, hat in unserer Mitte keinen Platz." Dass sich so viele Menschen eingefunden hätten, die mit ihm gemeinsam zeigen wollten, dass sie "diese Unverbesserlichen" nicht akzeptieren, beruhige ihn.

"Unerträglich"

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) bekundete seine "Wut über die Provokation", die von der NPD-Kundgebung ausgehe. Diese sei "unerträglich und beschämend". Die NPD hatte vorab als Grund für ihre Demonstration das Gedenken an die Mauertoten der innerdeutschen Grenze angegeben, doch am gestrigen Donnerstag jährte sich auch die Pogromnacht, die 1938 von den Nazis gelenkten Zerstörungrn jüdischer Geschäfte und Synagogen, zum 72. Mal.

Der Aufmarsch sei daher eine "Verhohnung der Opfer des NS-Terrors", meinte Kutschaty. Er kündigte eine Überprüfung des Versammlungsgesetzes an: Künftig sollen solche Treffen an historisch wichtigen Terminen oder Orten von der Polizei verboten werden können. Die "Germania" musste sich das Schauspiel übrigens nicht ansehen. Das Kriegerdenkmal von 1980 war in scharze Folie gewickelt.

Und gegen 20,30 Uhr war der ganze Spuk vorbei, ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Bildunterschrift:
Die Polizei verwandelte Borbeck in eine Sicherheitszone. um alle Demonstranten voreinander zu schützen.    Foto:Udo Milbret

09.11.2010, Wiederholung der Rede von Peter Gingold

Als besondere Provokation wurde empfunden, dass die NPD ihre Kundgebung zum gleichen Zeitpunkt angekündigt hatte, an dem eine Verstaltung in der VHS stattgefunden hat: Die Lesung aus dem Buch des Widerstandskämpfers Peter Gingold (siehe oben).

Er hat nicht nur während der Nazi-Zeit unter Einsatz seines Lebens den Faschismus bekämpft. In der Nachkriegszeit blieb er bewußt in Deutschland, um aktiv am Wiederaufbau eines antifaschistischen Deutschlands mitzuwirken.

Ein besonderes Anliegen war ihm immer, die nachfolgenden Generationen aufzuklären und gegen rechtsradikale Umtriebe stark zu machen.

Wie viele Zeitzeugen, lebt auch Peter Gingold nicht mehr. Eine seiner letzten Reden hier in Essen war am 16.04.2005 anläßlich der Gegenaktivitäten eines Nazi-Aufmarsches in Essen-Frohnhausen. Diese Rede wurde auf unserer Demonstration am 9. November verlesen.

Seid alle mal von mir ganz herzlich begrüßt.

(Beifall)

Ich bin deswegen ja auch hier, weil ich einer der noch wenigen Überlebenden bin, der aus eigener Erfahrung bezeugen kann, wie es damals anfing und wie es dann im Sterben der Feuerwalze des Krieges endete.

Das Ende, genau heute hier vor 60 Jahren, in dieser Region. Man muss wissen, was es bedeutet, wenn die Bomben fallen! In Panik und Furcht die Flucht in die Bunker und Luftschutzkeller. Das Hoffen auf das Überleben. Und dann die Straßen nicht mehr zu erkennen! Die Straßen, die nicht mehr da sind! Der Schutt und Haufen.

Ich habe auch Essen gesehen, wie es ausgesehen hatte, als der Krieg zu Ende war. Meine Heimatstadt Frankfurt. Berlin, Hamburg, Dresden: ein einziger Trümmerhaufen. Und in meinen Ohren klingt es heute noch - Vor 1933 - "Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt und wenn alles zusammenfällt".

Es war als ich die Schule verlassen hatte, vierzehnjährig, 1930: Um mich herum eine riesige Arbeitslosigkeit. Da hatten sie einen Sündenbock angeboten: Der Jude, der an allem Schuld ist - "Der Jude ist unser Unglück". Und dann hatten sie zwölf Millionen, die sie gewählt haben.

Ich habe es erlebt, wie es anfing. Und es fing an mit dem gleichen Demokratieverständnis, mit denen man sie heute marschieren lassen (tut), genau mit dem selben Demokratieverständnis

(Beifall)

mit diesem Demokratieverständnis ist die Weimarer Republik untergegangen.

Dann war ein Regime errichtet worden: Das größte staatlich organisierte Verbrechertum gegen Frienden und Menschlichkeit. Und dann - es endete dann mit einem Meer von Blut und Tränen, mit 55 Millionen Toten. Mit 35 Millionen Krüppeln, sechs Millionen der jüdischen Bevölkerung ausgerottet, eine halbe Million der Sinti und Roma - Millionen der slawischen Völker.

Ich sage mal: Sie haben zu viel an Not und Tod hervorgebracht, als dass man Sie hier hätte wieder aufmarschieren lassen dürfen.

(Beifall)

Es ist ja nicht, dass sie existieren, dass es Neo-Nazis gibt, das ist doch gar nicht das eigentliche Problem. Solange gesellschaftliche Zustände herrschen, werden sie immer wieder vorgebracht. Solang nach Bert Brecht "der Schoß fruchtbar noch, aus dem es kroch" - nicht dass es sie gibt ist das Problem. Das Problem ist doch, dass aufgrund unserer Geschichte wir sie aufmarschieren lassen dürfen! Dass sie laut des Grundgesetztes, Artikel 139, verboten sein müssen!

(Beifall)

Das Grundgesetz war doch die Antwort auf unsere Geschichte. Das Problem ist, dass wir Minister haben, die den Eid auf die Verfassung gelegt haben, und diesen Verfassungsbruch begehen, dass sie nicht aufgelöst sind. Sogar in Brandenburg, sogar der ganz rechte, der der CDU angehört, Schöhnborn hat vor kurzem vor einigen Tagen die Kameradschaften aufgelöst und sie verboten. Dann frage ich mich: Warum werden sie nicht aufgelöst und verboten? Es bedarf gar keinen Verbotsprozess, sondern laut Grundgesetz müssen sie aufgelöst werden. Sie dürfen nicht mehr das Recht haben,

(Beifall)

Sie dürfen nicht mehr das Recht haben diesen Antisemitismus, den Rassismus, die Ausländerfeindlichkeit zu verbreiten. Dieses Gift, was damals zu diesem Meer von Blut und Tränen geführt hat, das vor 60 Jahren zu Ende gegangen ist, von dem ich spreche. Und wenn mir - ich möchte jetzt nicht lange reden, denn ihr wollt bald losmarschieren -

Aber einen Gedanken möchte ich euch noch sagen: Wenn das Argument kommt: "Das gibt es ja auch in anderen Ländern" Le Pen in Frankreich, Berlusconi in Italien: Jawohl, es gibt Rassismus und Antisemitismus in vielen anderen Ländern. In England, in den USA und überall. Also, wenn es sowas hier gibt, "dann ist es doch ganz normal, damit müssen wir doch leben, wollen wir doch Demokratie und Freiheit haben, dürfen sie doch auch wie in anderen Ländern".

Ich sage dann: Es gibt einen ganz kleinen Unterschied zwischen hier, in unserer Geschichte und in den anderen Ländern. Denn Auschwitz gab es doch nicht irgendwann - vielleicht in der Steinzeit?. Auschwitz gab es doch nicht irgendwo - vielleicht in Zentralafrika? Auschwitz gab es hier in jüngster deutscher Geschichte. Und weil es so etwas gegeben hat, muss bei jedem Erscheinen von Rassismus, Antisemitismus vom Auftreten von Neo-Nazis ein Millonenaufschrei ein Millionenaufschrei unserer Bevölkerung geben. Das lassen wir nicht mehr zu!

(Beifall)

Aber lasst Euch noch eines sagen: Für mich, für einen der Überlebenden: Es wäre eine Sache der hoffnungslosen Verzweiflung: Wir, die überlebt haben, mit dem einzigen Vorsatz: Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg!

Und wenn man mich, den Überlebenden fragt, was wir dabei empfinden, dass sie wieder da sind und marschieren können, Vom Staat geschützt marschieren können - Dass müssen wir uns einmal überlegen! - von der Polizei geschützt marschieren können!. Was da ein Überlebender empfindet: Dann sage ich euch: Es wäre für mich eine Sache der hoffnungslosen Verzweiflung, wenn es nicht Euch gäbe! Wenn Ihr nicht da seit, dass ihr das nicht haben wollt!

(Beifall)

Dass Ihr da seit, dass ich das immer wieder erlebe. Und ich erlebe das immer wieder, dass Ihr es seit, die sich der Geschichte bewusst sind. Ihr seid Euch der Geschichte bewusst. Ihr seit diejenigen, die das Vermächtnis der so vielen Ermordeten bewahrt! Und bewahrt es, dieses Vermächtnis! Lasst diese Erinnerung niemals verblassen! Bleibt höllisch wachsam!.

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!




09.11.2010, Rede des Essener Friedensforums

Rede vom 9. November 2010 von Bernhard Trautvetter, Sprecherkreis des Essener Friedensforums
Faschismus ist keine Meinung, Frau Polizeipräsidentin, sondern ein Verbrechen.

Hier und heute geht es um Civilcourage:

Es ist verdammt wichtig dass, Essen sich gegen die Faschisten stellt. Es gibt heute in Deutschland schon wieder Gegenden, in denen sie mit brutaler Gewalt die Hoheit auf den Straßen innehaben. So weit darf und wird es bei uns hier nicht kommen. Dafür stehen wir ein. Je mehr wir sind, umso kleiner ist die Gefahr und umso stärker ist die Demokratie, umso größer ist die Chance auf ein friedliches Zusammenleben in der Kulturhauptstadt Europas auch nach 2010.

Unser Freund Ernst Schmidt, der heute hier nicht mehr unter uns sein kann, der letztes Mal noch auf der Anti-Nazi-Demonstration hier in Borbeck sprach, berichtet in seinem Buch ‚Lichter in der Finsternis’ unter anderem darüber, wie die Borbecker jüdische Familie Salzmann verfolgt, vertrieben und vernichtet wurde und wer ihr in dieser dunklen Zeit unter Einsatz des eigenen Lebensrisikos half. Der Schrecken begann gleich am Tag der Übergabe der Macht an Hitler. Noch an diesem Abend lauerten 20 SA-Leute dem Juden Werner Salzmann in der Borbecker Wüstenhoferstraße auf. Seine Tante Mille rief die Polizei aufgeregt an. Dort hörte sie nur, „Wir können da gar nichts machen“. Das erinnert fatal an die Genehmigung der NPD- Aktion von heute durch die Polizeipräsidentin. Damals konnte der Nachbar Lachnicht Werner Salzmann noch einmal verstecken, bis der Spuk dieses Abends vorerst einmal vorbei war.

Aber was klein anfängt, wächst sich aus, wenn es keiner verhindert.
Zum 9. November 1938 in Borbeck und in gesamt Essen schrieb Ernst Schmidt:

In der Stadt brannten die Synagogen, das jüdische Jugendheim und andere Häuser. Während die Handlanger des Regimes sich in den Straßen austobten, blieb die Polizei auf den Revieren.

Arthur Salzmann wurde an jenem Abend hier ganz in der Nähe in der Wüstenhöfer Straße anlässlich einer sogenannten "Sonderaktion" der GeStaPo inhaftiert
Keine solidarische Hilfe konnte verhindern, dass er später nach Litzmannstadt in Polen verschleppt wurde. Das Amtsgericht Borbeck legte am 3. Februar 1956 Arthur Salzmanns Todestag auf den 31.12.1945 24 Uhr fest. Was ihm und seiner Familie widerfahren ist, was vielen Kommunisten, Sozialdemo- kraten, Gewerkschaftlern, bekennenden Christen, einfachen Menschen, Pazifisten und anderen Gegnern der Nazis widerfahren ist, übersteigt unser Vorstellungsvermögen.

Jeder einzelne Fall ist ein Mensch, ein Schicksal, ein ganz persönlicher Weg, der uns mahnt, ihnen keinen Fußbreit zurückzuweichen.

Heute missbrauchen sie die Toten an der Mauer, um am 9.November bei sogenanntem Gedenken an sie die Untaten der Faschisten in der Progromnacht, davor und danach in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieses plumpe Ablenkungsmanöver wird misslingen.

Wir wissen, dass es ohne die Jahrtausendverbrechen des Hitlerregimes weder die Teilung Deutschlands, noch die Mauer gegeben hätte. Wir wissen, dass der Hitlerputsch- versuch am 1923 und der Horror der Reichspogromnacht von 1938 mit dem 9. November untrennbar verbunden sind. Den Plan, das in Vergessenheit geraten zu lassen, verhindern wir.

Das Essener Friedensforum setzt sich mit allen Freunden für das friedliche Zusammenleben im Kleinen wie im Großen ein. Hier wie in Afghanistan, im Wendland und überall da, wo Menschen ausgegrenzt, abgestempelt und durch Vorurteile in ihrer Würde verletzt werden. Wir stehen auf, wenn schon erste undemokrati- sche Anzeichen das menschliche Zusammenleben infrage stellen. Das ist für uns geleb- te Friedenskultur. Mit Eurer Civilcourage sorgt Ihr dafür, dass die einstige Waffenschmiede des Reiches auch über das Jahr 2010 hinaus eine Stadt der Friedenskultur bleibt. Der Satz „Es war möglich“ heißt auch: „Es ist immer noch möglich“.

Aus der Geschichte dieses Landes erwächst für uns die Verantwortung, das Menschen- mögliche dafür zu tun, dass diese Kräfte der Unmenschlichkeit und der Gewalt niemals wieder Anklang, Zulauf und Macht erhalten Die Hassprediger werden nicht durchkommen.

Ein zweites Mal seit 1933 werden wir die Demokratie nicht zerstören lassen. Nicht mit uns!



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