Aus Essen stellt sich quer

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Gegen Pro NRW in Essen

145px-KaternbergQuer.gifIm Rahmen der Vorbereitungen zu einer "Anti-Minarett-Konferenz" führte pro NRW am 26. März 2010 auch in Essen-Katernberg eine Mahnwache durch.

Unter dem Motto Katernberg stellt sich quer haben sich die Essener erfolgreich gewehrt.

Hier ist die die Berichterstattung über das, was stattfand.


Bitte beachten Sie auch:


Inhaltsverzeichnis

NRZ-Essen: "Zur Begrüßung ein dreifaches 'Haut ab!'"

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NRZ / Essen,Samstag, 27.03.2010

Zur Begrüßung ein dreifaches "Haut ab!"

500 Demonstranten gegen 32 "pro NRW"-Anhänger - es blieb friedlich


Jörg Maibaum

Mit deutschen Tugenden haben sie es wohl nicht so. Etwa mit der Pünktlichkeit: Mit über einer Stunde Verspätung trafen 32 Anhänger der rechtspopulistischen Partei "Pro NRW" am gestrigen Nachmittag zu ihrer Anti-Minarett-Kundgebung in Katernberg ein. Zur Begrüßung gab's ein dreifaches "Haut ab!" aus 500 Kehlen des Bündnisses gegen Rechts, das einen Steinwurf entfernt auf der anderen Straßenseite Position bezog.

Sofort machte sich Unverständnis breit: die wenigen megaphon-verzerrten Sprachfetzen der "Pro NRW"-Anhänger kamen nicht an. Was nicht in den Pfiffen ihrer Gegner unterging, erledigte der Stadtteillärm. Ein paar feuchte Deutschlandfahnen flatterten da lustlos vor sich hin, während sich wenige pappige Minarett-Verbots-Symbole ins Griesel-Grau des nassen Nachmittags reckten. Das war's auch schon. Nach einer halben Stunde war der Spuk rechts und links des Polizeiaufgebots vorbei: Der Feierabendverkehr ließ die antiislamischen Parolen von Rechts links liegen. Die Veranstalter der Gegenkundgebung waren angesichts von 500 schietwetter-resistenten Unterstützern zufrieden- "das Ruhrgebiet hat heute Geschichte geschrieben", meinte Muhammet Balaban, Vorsitzender des städtischen Integrationsrates. Und die Hundertschaften atmeten durch: Kundgebung als auch Gegenveranstaltung blieben friedlich, es gab keine einzige Festnahme.

Es war ein Widerstand des Wartens: Zunächst auf den zur Bühne umfunktionierten Lastwagen des Bündnisses, der sich nach dem Ende der Auftaktkundgebung am Katernberger Markt auf dem Weg zur Zollvereinstraße mit einem Pkw anlegte und es eine halbe Stunde dauerte, bis die vielbeschäftigte Polizei den Unfall aufnehmen konnte. Dann forderten die Damen und Herren von "Pro NRW die Geduld der Demonstranten heraus, da sie sich auf dem Weg von Mülheim nach Essen erst einmal verfahren hatten, aber nichtsdestotrotz dennoch genug Zeit für einen Buletten-Zwischenstopp nach amerikanischer Manier fanden. Was wiederum für die linken Protestler ein gefundenes Fressen war. Fortan als "Rassismus-Touristen" tituliert zu werden, "die sich in den Städten gar nicht auskennen", in denen sie versuchten Stimmung zu machen, dürfte "Pro NRW" weniger geschmeckt haben als das Mahl beim "Bürger König", dem eingedeutschten.

Mit Verspätung

Mit Verspätung trudelte zu guter letzt auch der SPD-Tross mit Parteichef Sigmar Gabriel und Landesfraktionschefin Hannelore Kraft an der Spitze zum interreligiösen Gebet in der nahen Fatih-Moschee an der Schalker Straße ein, die bestens besucht war: Rund 500 Menschen, so ein zufriedener Arslan Kaynar als Vorsitzender der Moschee-Gemeinde, nahmen sich Zeit für den Frieden im Stadtteil - darunter neben Vertretern des Stadtrates auch Oberbürgermeister Reinhard Paß.

Sich von ein paar Dahergelaufenen einfach bange machen lassen vor muslimischen Nachbarn, lässt sich Katernberg nicht, meint Willi Overbeck. Auch den Pfarrer in Rente konnte kaum was schrecken, selbst der Blick nach oben nicht, seine Durchhalteparole an die Demonstranten hieß: "Auch der Regen kann uns nix." Der Segen von oben, der kam pünktlich.
Bildunterschrift:
 
  • Katernberg stellte sich quer: 500 Menschen demonstrierten gegen Rechts. Fotos(2) Julia Hildebrandt
  • Vor allem junge Menschen protestierten friedlich gegen die Stimmungsmache von "Pro NRW"
  • Großer Aufwand für 32 "Pro NRW"-Anhänger. Foto Buchholz


WAZ-Essen: "Wir lassen uns keine Angst machen"

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WAZ / Essen,Samstag, 27.03.2010

"Wir lassen uns keine Angst machen"

Schulterschluss der Parteien und Kirchen: Friedlicher Protest gegen islamfeindliche "Minarett-Mahnwache"


Kai Süselbeck

Katernberg war am gestrigen Freitag der bestbewachte Stadtteil Essens. Ein Großaufgebot der Polizei trennte am Nienhausen Busch 32 Demonstranten der rechtspopulistischen 'Pro NRW' mit ihren Minarett-Verbotsschildern von 500 Gegendemonstranten und bewachte zudem die Fatih-Moschee, der SPD-Parteichef Sigmar Gabriel einen Solidaritätsbesuch abstattete.

"Stellt euch vor, es ist Nazi-Demo - und keiner geht hin", witzelten die Gegendemonstranten, als sie den Kundgebungsort erreichten. Vom Katernberger Markt aus waren sie zur Ecke Zollverein-/Katernberger Straße gezogen - immer dem Abrahamsrad hinterher, das den gemeinsamen Ursprung der christlichen, jüdischen und muslimischen Religion symbolisiert. Der Runde Tisch gegen Rassismus hatte zum Protest aufgerufen, unterstützt von den christlichen Kirchen, die auf das im Grundgesetz verankerte Recht auf Religionsfreiheit pochen. Die andere Straßenseite war für Demonstranten von "Pro NRW" reserviert - doch sie blieb noch lange nach dem geplanten Kundgebungsbeginn um 14 Uhr leer.

Auch einen Steinwurf weiter an der Schalker Straße warteten einige hundert Menschen. Nicht auf "Pro NRW", sondern auf die SPD-Entourage um Parteichef Gabriel und Landtagsfraktionschefin Hannelore Kraft. Sie wollten demonstrativ an einem "interreligiösen Friedensgebet" teilnehmen. Das allerdings musste ohne die prominenten Gäste beginnen.

Der SPD-Bus rollte mit einer Dreiviertelstunde Verspätung vor. Hannelore Kraft blieb der Eintritt über den "Damen-Eingang" erspart. Als Gabriel die "Gemeinsamkeit der Demokraten gegen Fremdenfeindlichkeit" beschwor, nickte neben Oberbürgermeister Reinhard Paß im Publikum auch CDU-Ratsfrau Susanne Asche, die zuvor schon bei den Gegendemonstranten im Regen gestanden hatte.

Wenig später allerdings regte sich Unwillen unter den Zuhörern, als Gabriels Rede immer weiter Richtung Wahlkampf abschweifte. Ein muslimischer Vereinsfunktionär grummelte vernehmlich: "Wir sind hier in der Moschee und nicht auf dem Marktplatz!"

Die Gegendemonstranten waren zu diesem Zeitpunkt schon wieder munter geworden: Die "Pro NRW"-Mahnwachenden waren mit mehr als einer Stunde Verspätung eingetroffen, 32 Mann hoch und in der technischen Ausstattung hoffnungslos unterlegen. Per Lautsprecherwagen überstimmten die linken Redner die einsame Flüstertüte von "Pro NRW" und überkübelten sie mit Häme: "Haut ab! Ihr habt ja nicht einmal selbst den Weg gefunden!"

"Wir lassen uns keine Angst vor unseren muslimischen Nachbarn machen", zog der evangelische Pfarrer Willy Overbeck später Bilanz. "Wir leben hier seit Jahrzehnten mit ihnen zusammen."


Polizeibilanz

Kundgebung ohne Zwischenfälle

Die Polizei hat sich zufrieden über den Verlauf der Kundgebung in Katernberg geäußert. "Keine Zwischenfälle, keine Verletzten, keine Festnahmen", bilanziert Polizeisprecher Ulrich Faßbender den Einsatz. Nach einer halben Stunde war die für bis zu vier Stunden angesetzte Mahnwache von "Pro NRW" beendet. Schon um 15.10 Uhr hatte "Pro NRW" die Veranstaltung als "vollen Erfolg" bezeichnet - obwohl sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal begonnen hatte.

Bildunterschrift:
Bunter Protest gegen "Pro NRW" in Katernberg Fotos(2) Walter Buchholz
Die Polizei, hier in gelbem Regenschutz, stellte die größte Fraktion.

WAZ-Viel Gegenwind für ein kleines Häufchen

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WAZ / Rhein-Ruhr, Rubrik Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit,Samstag, 27.03.2010

Viel Gegenwind für ein kleines Häufchens

39 Rechtsradikale treffen auf Hunderte von Gegendemonstranten. Am Wochenende werden es weitaus mehr sein - auf beiden Seiten


Hubert Wolf

Ruhrgebiet. Wären da nicht so viele Polizisten, so viele Journalisten und Gegendemonstranten, man würde die Demonstranten von "Pro NRW" kaum bemerken. Ein durchnässtes Häuflein, 39 Leute mit einer Handvoll Deutschland-Fahnen und Moschee-Verbotsschildern, so stehen sie in der Horster Straße in Gelsenkirchen und demonstrieren gegen eine angebliche Islamisierung dieses Landes - dieselben 39, die zwei Stunden zuvor in Herten demonstrierten.

200 Meter die Straße herunter: vielleicht 300 Gegendemonstranten, viele linke Gruppen, Widerstandsveteranen, junge Türken auch darunter, die heute ihren witzigen Tag haben - als ein anderer Südländer hinzu tritt, rufen sie gut gelaunt "Libanesen raus".

So oder ähnlich war das am Freitag in sechs Ruhrgebietsstädten, Auftakt zu dem, was "Pro NRW" ein "islamkritisches Aktionswochenende" nennt. Die unter Rechtsextremismusverdacht stehende Gruppe wird am Sonntag an der Mustermoschee in Duisburg Marxloh demonstrieren ("Abendland in Christenhand") und tut damit etwas für die Bekanntheit sechs Wochen vor der Landtagswahl. Zugleich sorgt die Ankündigung dafür, dass Marxloh an diesem Sonntag nicht die Welt ist.

Denn neben diesem Aufmarsch gibt es noch einen der NPD zu derselben Moschee. Mit Blockaden, Menschenketten und elf angemeldeten Gegendemonstrationen wollen die Organisatoren "Marxloher Bündnis" und "Duisburg stellt sich quer" beide Aufmärsche verhindern. Wieviel Menschen dazu kommen, ist völlig unklar: "5000 oder 10 000 oder 20 0000, wir wissen es nicht", sagt der Arzt Michael Lefknecht vom Bündnis.

Fest steht aber, dass allein in Marxloh 2 200 Polizisten sein werden, um die rivalisierenden Rechten, die friedlichen Gegendemonstranten und die gewaltbereiten Linksautonomen auseinanderzuhalten, mit denen man auch rechnen darf.

Die Polizei muss schon am Samstag einschlägig aktiv sein: Vor dem Duisburger Hauptbahnhof ist eine weitere NPD-Demo angekündigt, eine Gegendemonstration auch; und in Schloss Horst in Gelsenkirchen trifft sich "pro NRW" zu einem Parteitag. Vermutlich wieder dieselben 39 Leute. Auch hier ist mit Blockaden zu rechnen.


WAZ-Rechtsradikale demonstrieren vor Moscheen

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WAZ,Samstag, 27.03.2010

Rechtsradikale demonstrieren vor Moscheen


Essen. Mehrere Tausend Menschen haben am Freitag gegen die islam-feindlichen Kundgebungen der rechten Partei "Pro NRW" vor Moscheen im Ruhrgebiet demonstriert. Am Samstag plant die Gruppe in Gelsenkirchen einen Kongress für ein Minarett-Verbot. Für Sonntag hat "Pro NRW" einen "Sternmarsch" zur Moschee in Duisburg-Marxloh angekündigt. Auch Gegendemonstrationen sind angemeldet. Die Kirchen hatten sich in Aufrufen gegen die rechtsradikalen Aktionen gewandt.

NRZ-Proteste gegen "Pro NRW" haben begonnen

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NRZ,Samstag, 27.03.2010

Proteste gegen "Pro NRW" haben begonnen


Oberhausen. Im Ruhrgebiet haben gestern die Proteste gegen Aktionen der rechtspopulistischen Organisationn "Pro NRW" begonnen. Dazu hatten Bündnisse von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen Bürgerfeste und zahlreiche andere Kundgebungen organisiert. In Mülheim und Oberhausen feierten die Bündnisse gemeinsam mit islamischen Gemeinden Feste, um Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte in Oberhausen eine Unterstützungstour von Moscheen im Ruhrgebiet gestartet. Für Sonntag hat "Pro NRW" einen Sternmarsch zur Duisburger Merkez-Moschee angekündigt.


WAZ-Rote Karte für Rechts

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WAZ / Rhein-Ruhr, Rubrik Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit,Samstag, 27.03.2010

Rote Karte für Rechts

SPD-Chef Sigmar Gabriel besucht fünf Moscheen im Ruhrgebiet und fordert ein Bundestagswahlrecht für Ausländer


Tobias Bolsmann

Ruhrgebiet. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel war in einem seiner zahlreichen früheren Leben Deutschlehrer. Gestern entschied er sich spontan, in diese Vergangenheit - zumindest für eine Stunde - zurückzukehren. Er werde Türken in der deutschen Sprache unterrichten, versprach er in Oberhausen.

Um im Vorfeld der fürs Wochenende angekündigten Aktionen von "pro NRW" ein Zeichen zu setzen und "den Rechten die Rote Karte zu zeigen", kreuzte Gabriel durchs Ruhrgebiet und steuerte mit prominenter Unterstützung von Schauspielerin Renan Demirkan und Rockstar Peter Maffay fünf Moscheen an.

Selbstverständlich kommt der SPD-Bundesvorsitzende mit der Rundreise auch der wahlkämpfenden Hannelore Kraft zu Hilfe. Gabriel hat den Leitspruch "Wer sich kümmert, bekommt Stimmen" verinnerlicht.


"Ich kann die
ständige Einmischung
aus der Türkei nicht
mehr haben"

Der erhält besondere Bedeutung, wenn man weiß, dass eine Mehrheit der wahlberechtigten Migranten die Sozialdemokraten bevorzugt. Und angesichts der Fernsehkameras ließ er sich in Essen sogar zu einem Seitenhieb gegen Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hinreißen. Doch angesichts des Treibens von "pro NRW" betont er: "Heute ist Wahlkampf für die Demokratie und gegen Fremdenfeindlichkeit. Man darf die Bekloppten nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen." Und an die Adresse der Migranten: "Es reicht nicht, nur miteinander klar zu kommen, wir brauchen Sie."

Bei den türkischen Gastgebern stießen die klaren Worte auf große Genugtuung. "Wir nehmen die Gefahr für das friedliche Zusammenleben ernst, doch wenn die Politik uns ihre Hände reicht, haben wir keine Bedenken, so Rafet Öztürk, Oberhausener Vertreter des türkischen Moschee-Verbands Ditib. Man habe 40 Jahre lang nicht wahrgenommen, dass der Islam Teil des deutschen Lebens ist. Doch in den Gesprächen abseits der offiziellen Nettigkeiten, die Gabriel unter anderem einen Koran in deutscher Übersetzung bescherten, offenbarten sich viele ungeklärte Fragen, wie eine Integration In Zukunft ausgestaltet werden soll.

Die Forderung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan nach türkischen Gymnasien in Deutschland war das wenig hilfreich und stößt in den Moscheen auf Ablehnung. "Zuerst gehören wir zu Deutschland mit allen Rechten und Pflichten. Wir sind gegen ein Gymnasium in türkischer Sprache", heißt es von den Gemeindevertretern. Gabriel selbst kann sich Türkisch als Wahlfremdsprache vorstellen. Das böte riesige Chancen im Berufsleben, die Türkei werde als Wirtschaftspartner immer wichtiger. Vural Öger, Reiseunternehmer und von 2004 bis 2009 für die SPD im Europaparlament, fand zu Erdogans Vorschlag deutliche Worte: "Ich kann die ständige Einmischung aus der Türkei nicht mehr haben. Wir müssen deutsche Staatsbürger werden mit einem großen türkischen Herzen."

In Gelsenkirchen wird Gabriel mit der Frage nach den entsprechenden Rechten konfrontiert: dem Wahlrecht. Er antwortet mit einem weitreichenden Vorschlag. Wer zehn Jahre in Deutschland lebe, müsse auch ohne deutsche Staatsangehörigkeit das Wahlrecht haben. Nicht nur, um den Oberbürgermeister zu wählen, dies gelte auch für die Bundestagswahl. Schweden sei in dieser Hinsicht vorbildlich. Gabriel: "Wahlrecht ist ein Menschenrecht."
Bildunterschrift:
Vural Öger, Veli Firtina (DITIB), Sigamra Gabriel undd Schauspielerin Renan Demirkan (v.l.) diskutierten lebhaft über die unterschiedlichen Religionen. Der SPD-Chef überraschte dabei mit seinen detailreichen Korankenntnissen.

NRZ-Gabriels Reise gegen Rechts

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NRZ, Rubrik Die Seite Drei,Samstag, 27.03.2010

Gabriels Reise gegen Rechts

Zwischen Solidarität und Wahlkampf: SPD-Chef fuhr mit dem Bus und prominenten Mitstreitern zu den Moscheen der Region


Matthias Maruhn

Oberhausen. Angela ist 17, Schülerin und gerade etwas ausgelassen: "Der Dicke hat mir echt die Hand geschüttelt." Gleich bemerkt sie ihre kleine Respektlosigkeit und sagt schnell: "Na, ich meine den Politiker da drüben. Den Gabriel. Der ist ja aus demselben Grund hier wie wir. Der will auch etwas gegen die Ausländerfeindlichkeit tun."

Angela ist mit ihrer gesamten Klasse zur Haci Bayram Moschee nach Oberhausen gekommen: "Bei uns im Unterricht sitzen Tunesier, Roma, Serben, Italiener, Türken und Deutsche nebeneinander. Bei uns klappt's doch auch."

Um die Moschee herum ist trotz des Nieselregens ein bisschen Volksfest. Die türkische Gemeinde hat Tee gekocht, dazu gibt's Sarma, gefüllte Weinblätter, und Mercemek Corba, eine rote Linsensuppe. Vor dem Haus erklingt auf einer kleinen Bühne Gitarrenmusik. Hotte aus Marxloh greift in die Saiten und singt "Nazis raus aus dieser Stadt." Er ist textsicher. "Na ja, das haben wir ja schon vor 35 Jahren singen müssen. Leider. Ist aber immer noch gut zum Warmmachen."

"Eine Tarnorganisation"

Sigmar Gabriel sitzt inzwischen wieder im SPD-Bus und fährt zur nächsten Moschee. Gelsenkirchen, Mühlheim, Essen und Bochum stehen noch auf der Route. Ein Signal soll gesetzt werden gegen die Aktionen von "Pro NRW". Gabriel wird da ganz giftig:

"Das ist eine Tarnorganisation der Rechten. die haben gemerkt, dass sie mit Springerstiefeln und Glatzen bei der großen Mehrheit nicht gut ankommen. Jetzt versuchen sie es als Bürgerbewegung".

Das einfachste Gegenmittel hat der SPD-Chef auch in petto: Wählen gehen. "Wenn viele Leute ihre Stimme abgeben, dann haben die keine Chance. Ich sage sogar: Lieber die CDU als gar nicht wählen. Besser ist selbstverständlich das Kreuz bei der SPD."

Sigmar Gabriel hat eine gar nicht so bekannte, aber sehr private Nähe zum Thema. "Meine Ex-Frau stammt aus der Türkei. Von ihr weiß ich viel über die Probleme der türkischen Familien. Ein Beispiel: Als mein Schwiegervater nach Deutschland kam, haben die Nachbarn getuschelt, auch über angebliche Drogen, das führte tatsächlich zu einer Hausdurchsuchung der Polizei. Das zeigt, wie schwer Vorurteile den Menschen das Leben machen kann." Seit 2002 ist die Ehe geschieden. "Wir verstehen uns aber gut. Ich rufe Munise auch an und berate mich mit ihr, wenn es um diese Themen geht."

Für die Tour hat sich Gabriel eine Schar prominenter Mitreisender ausgesucht: Hannelore Kraft natürlich, die Kandidatin seiner SPD für NRW. Dazu Ranan Demirkan, Autorin und einstiger Tatort-Star. Sie kennt die Problematik bestens von innen. Als Kind nach Deutschland gekommen, verdankt sie viel ihrem Vater. "Er hat mit uns immer Deutsch geredet. Das ist auch meine Bitte an die Eltern: Lasst die Kinder nicht allein. Sie müssen die Sprache lernen. Und dann Türkisch. Und Englisch."

Regen stoppt "Bella Ciao"

Peter Maffay stößt in Mühlheim zum Trupp. "Ich bin ja auch von draußen", sagt er, meint Rumänien und erklärt damit auch sein Engagement. "Ich wuchs unter Ceaucsescu auf, ich weiß, was Diskriminierung bedeutet. Deshalb bin ich auch froh, dass so wenige von denen gekommen sind." Etwa 30 Demonstranten hatten sich in Mülheim hinter dem Sperrgitter der Polizei versammelt. "Es sind wahrscheinlich mehr, die so denken, aber die Mehrheit, so glaube ich, will friedlich zusammenleben."

Auch in Gelsenkirchen ist die Gruppe von Pro NRW übersichtlich. Ein gutes Dutzend steht vor dem Rewe-Markt und hält Plakate mit einer durchgestrichenen Moschee hoch. Der SPD-Bus rauscht vorbei. Gabriel hat nicht aus dem Fenster geguckt. 200 Meter weiter zeigen Jusos und Falken Flagge. Ein Chor unter Schirmen singt von den "Moorsoldaten" und dann so lange "Bella Ciao", bis der Regen die Box verstummen lässt.

Ganz vorne auf dem Bürgersteig vor dem Durchgang zur Moschee steht Marianne Konze. Sie ist 81, hat sich den Schirm in die Armbeuge gehängt, um ein kleines Plakat fest vor dem Oberkörper zu halten. "No Nazis" steht auf dem Plakat. Und Marianne Konze erklärt: "Mein ganzes Leben habe ich gegen Intoleranz gekämpft.Mein Vater ist 1934 von den Nazis verhaftet worden. Ich habe auch erlebt, wie gegen die Polen Stimmung gemacht wurde. Als Polacken wurden sie beschimpft. ich will das alles nicht noch mal. Ich weiß also sehr genau, warum ich hier stehe"


HINTERGRUND

Vortrag erhitzt die Gemüter

Ein islamkritischer Vortrag des Pro-NRW-Mitglieds Dr. Christoph Heger bei der Senioren Union erhitzte kürzlich in Moers die politischen Gemüter. Hintergrund: Amar Azzoug, Vorsitzender des "Bunten Tisches" hält den Vortrag für eine Beleidigung aller in Moers lebenden Muslime und fordert eine öffentliche Entschuldigung. Von Hegers Parteizugehörigkeit und somit auch dessen politischer Einstellung will der Senioren Union-Vorsitzende Wolfgang Hemkens indes nichts gewusst haben. "Er wurde uns von einem katholischen Pfarrer empfohlen."

Dem widersprach Heger schriftlich: "Der Vorsitzende der Moerser Senioren Union, Wolfgang Hemkens, hat mich persönlich eingeladen, wobei ich ihn ausdrücklich über meine islamkritische Arbeit im Rahmen der Bürgerbewegung pro NRW informiert habe. Hemkens Antwort darauf: Dies sei kein Problem für ihn (...)". Es erstaune ihn, dass Hemkens plötzlich unter politischen Gedächtnisschwund leidet".

Bildunterschrift:
 
  • "Ich bin ja auch von draußen..." Peter Maffay unterstützt in der Fatih-Moschee in Mülheim Sigmar Gabriel, der ihm lauscht. Foto Marc Albers
  • Hannelore Kraft stieß in Mülheim zur Tour gegen Rechts
  • "Bei uns klappt's doch auch." Schüler in Oberhausen

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