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20.6.2013 Vortrag: Mädchen und Frauen in der rechten Szene

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Essen-stellt-sich-quer veranstaltet zusammen mit der Volkshochschule Essen eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über Mädchen und Frauen in der rechten Szene.

Sie treten als politische Akteure auf, fungieren häufig aber auch als Türöffner auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft


Weitere Informationen:

  • Zum Einstieg ist sicherlich der unten folgende Aufsatz "Endlich gleichberechtigt" von Ellen Esen geeignet, der aus dem folgenden PDF entnommen ist.
ProjektarbeitVorOrt2012-1.jpg
FT2010RechteMaedchen.jpg

BuchLogo.gif Alle Broschüren und Bücher finden Sie auf der Downloadseite.


Inhaltsverzeichnis


20. Juni 2013: Flugblatt: Mädchen und Frauen in der rechten Szene

Flugblatt PDFicon.gif (242.6 KB)

 

Die nette Frau in der Disco...

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  ... und beim Frühstück:...grrmpf...        

  20130620SzeneFrauen1b.jpg    

 


Mitläuferinnen und Macherinnen

Mädchen und Frauen in der extremen Rechten

Donnerstag, 20. Juni 2013 um 19 Uhr
Volkshochschule Essen, Burgplatz 1, 45127 Essen


Schon lange wirken Frauen und Mädchen in den verschiedenen Spektren des rechtsextremen Milieus mit. Neu ist allerdings, dass sie mehr und mehr als politische Akteurinnen in den Vordergrund treten. Dies wird von rechten Parteistrategen auch explizit gefördert.

Man hat erkannt, dass Frauen eine wichtige Rolle als Türöffnerinnen auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft spielen. Als ehrenamtlich Tätige wirken Rechtsextremistinnen in Elternbeiräten mit, geben Unterricht in Sportvereinen oder organisieren Mutter-Kind-Treffen.

Gemeinsam ist ihnen aber ein völkisches Weltbild, mit dem sie den demokratischen Staat bekämpfen wollen. Wer sind die Frauen am rechten Rand, wie sind sie organisiert, welche Anliegen vertreten sie, was sind ihre Motive für ein Engagement ganz weit rechts?

Die Referentin Ellen Esen ist in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Entwicklungen und Strategien der extremen Rechten.


Eine Veranstaltung von Volkshochschule Essen und „Essen stellt sich quer“

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Volkshochschule Essen
Burgplatz 1
45127 Essen
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Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
V. i. S. d. P.: Essen stellt sich quer, c/o Anti-Rassismus-Telefon, Friedrich-Ebert-Str.30, 45127 Essen


12. Juni 2013 Pressemitteilung: Veranstaltungshinweis

Bündnis gegen Rassismus und Rechtsradikalismus



Pressemitteilung
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Im Büro des Anti-Rassismus-Telefons
Friedrich-Ebert-Str. 30,45147 Essen
Telefon/Fax: 0201-232060
www.essen-stellt-sich-quer.de
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www.facebook.com/pages/
Essen-stellt-sich-quer


Essen, 12.06.2013


Veranstaltung zum Thema:
„Mitläuferinnen und Macherinnen
Mädchen und Frauen in der extremen Rechten“


Sehr geehrte Damen und Herren,


„Essen stellt sich quer“ und die Volkshochschule Essen laden gemeinsam zur einem Informations- und Diskussionsabend in der Volkshochschule ein.

Wir freuen uns, diese Veranstaltung mit der Rechtsextremismus-Expertin Ellen Esen aus Karlsruhe durchführen zu können:
Mitläuferinnen und Macherinnen - Mädchen und Frauen in der extremen Rechten
findet statt am
Donnerstag, 20. Juni 2013 um 19 Uhr in der Volkshochschule Essen, Burgplatz 1, 45127 Essen

Schon lange wirken Frauen und Mädchen in den verschiedenen Spektren des rechtsextremen Milieus mit. Neu ist allerdings, dass sie mehr und mehr als politische Akteurinnen in den Vordergrund treten. Dies wird von rechten Parteistrategen auch explizit gefördert.

Man hat erkannt, dass Frauen eine wichtige Rolle als Türöffnerinnen auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft spielen. Als ehrenamtlich Tätige wirken Rechtsextremistinnen in Elternbeiräten mit, geben Unterricht in Sportvereinen oder organisieren Mutter-Kind-Treffen.

Gemeinsam ist ihnen aber ein völkisches Weltbild, mit dem sie den demokratischen Staat bekämpfen wollen. Wer sind die Frauen am rechten Rand, wie sind sie organisiert, welche Anliegen vertreten sie, was sind ihre Motive für ein Engagement ganz weit rechts?

Die Referentin Ellen Esen ist in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Entwicklungen und Strategien der extremen Rechten.


Wir freuen uns auf die Veröffentlichung unseres Veranstaltungshinweises und verbleiben

Mit freundlichen Grüßen




Endlich gleichberechtigt? - Rechtsextreme Orientierungen bei Mädchen und Frauen

Auszug aus '"Jugendbildung Projektarbeit 2012/1" der Jugendstiftung Baden-Württemberg, Seite 8-18

Eine Reportage von Ellen Esen

Rechtsextreme Orientierungen bei Mädchen und Frauen –
Bestandsaufnahme und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis

Die rechte Szene gilt als Männerbastion, doch schon lange wirken Frauen und Mädchen in den verschiedenen Spektren des Rechtsextremismus mit. Neu ist allerdings, dass sie mehr und mehr als politische Akteurinnen in den Vordergrund treten. Dies wird seit kurzem von rechtsextremen Parteistrategen explizit gefördert. Man hat erkannt, dass Frauen eine wichtige Rolle als Türöffnerinnen auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft spielen.

Kaum ein Event der rechten Szene kommt heute ohne spezielles Begleitprogramm für Kinder und Jugendliche aus. Solche Feste und die steigende Präsenz von Frauen verleihen der rassistischen Ideologie einen freundlichen Anstrich. Sie dienen der Rekrutierung neuer Anhängerinnen und sollen das angeschlagene Image der Rechtsextremen aufpolieren. Zugleich stabilisieren Frauen die Szene, denn sie entbinden den stolz-deutschen Mann von einer Brautschau außerhalb des eigenen ideologischen Umfelds.


Kaum ein Event der rechten
Szene kommt heute ohne
spezielles Begleitprogramm
für Kinder und Jugendliche
aus.

Als ehrenamtlich Tätige wirken Rechtsextremistinnen in Elternbeiräten mit, geben Unterricht in Sportvereinen, organisieren Mutter-Kind-Treffen, Sonnenwendfeiern etc. Ihre politische Ideologie verstecken sie zwar nicht, aber mit offensiven und plakativen Aussagen üben sie zunächst Zurückhaltung. Klischeevorstellungen über rechtsextreme Frauen machen ihr Wirken leicht. Kaum eine der aktiven Rechtsextremistinnen sieht aus wie aus einem BDM-Film entsprungen mit Zöpfen und langen Röcken oder läuft martialisch gekleidet als Skingirl durch die Gegend. Es sind erschreckend normale Mädchen und Frauen, die sich ganz rechts engagieren. Sie entstammen allen Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen, bilden einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Gemeinsam ist ihnen ein völkisches Weltbild: Sie sind Rassistinnen, Antisemitinnen, extreme Nationalistinnen. Sie bekämpfen den demokratischen Staat, das von ihnen verhasste System. Doch so lange sich das Bild der friedfertigen Frau hält, die resistent ist gegenüber rechtsextremen Welterklärungsmodellen, werden die braunen Kameradinnen als politische Akteurinnen nicht wahr- und ernst genommen.


Habt mich nie gefragt …

„Habt mich nie gefragt, warum ich so fühl. Habt mich nie gefragt, worum es hier geht. Habt mich nie gefragt, was ich so treibe“, klagt Annett, NPD-Mitglied und Szenestar, in ihrem Lied „Verraten, verkauft, belogen, verloren“ ihre Eltern an. Nie gefragt? Es stellt sich in der Tat die Frage, was an dem rechtsextremen Gedankengut für Frauen und Mädchen attraktiv ist. Welche Hintergründe haben sie und welche Ziele verfolgen sie? Was suchen und finden sie in extremen Gruppierungen?

Der Kenntnisstand über Motive von Mädchen und Frauen, sich in rechtsextremen Zusammenhängen zu engagieren, ist gering. Das hat verschiedene Ursachen. Zum einen werden Frauen in der Politik grundsätzlich als Akteurinnen am Rande betrachtet. Zum anderen ist der Fokus in der öffentlichen Berichterstattung über Rechtsextremismus verengt auf spektakuläre Gewalttaten. Als Täter tritt der stolz-deutsche Recke, glatzköpfig, stiernackig, sozial randständig und bildungsfern medial in Erscheinung. Dieses Klischee bestimmt unsere Vorstellung vom Rechtsextremismus.


Empirische Befunde zur Beteiligung von Frauen im Rechtsextremismus

Untersuchungen über politische Einstellungen lassen hingegen keinen Zweifel daran, dass Frauen und Männer gleichsam rechtsextremen Einstellungsmustern anhängen. Die Geschlechter erreichen in solchen Umfragen durchweg und über Jahre hinweg eine Parität. Im Ausleben jener Einstellungen – vom Gedanken zur Tat – haben jedoch Männer die Nase vorn.


Als Täter tritt der stolz-
deutsche Recke, glatzköpfig,
stiernackig, sozial
randständig und bildungsfern
medial in Erscheinung.
Dieses Klischee bestimmt
unsere Vorstellung vom
Rechtsextremismus.

Bei der Beteiligung an Straf- und Gewalttaten ist der Anteil von Frauen beständig gestiegen, aber er ist mit 5-10 Prozent immer noch marginal, wobei allerdings nicht übersehen werden darf, dass Mädchen und Frauen nicht zuletzt als Anstifterinnen im Hintergrund sehr wohl an Straftaten mitwirken. Diese Form von Beihilfe wird jedoch meist nicht aktenkundig. Ebenso wenig lässt sich sagen, inwiefern Gewaltausübung bewusst oder unbewusst an Männer delegiert und gleichsam von Frauen gutgeheißen bzw. stillschweigend gebilligt wird.


Ring nationaler Frauen

Eine bemerkenswerte Veränderung zeigt sich aktuell im Wahlverhalten von Frauen. Stellten sie in der Vergangenheit maximal ein Drittel der Wählerschaft rechtsextremer Parteien, so ist dieser Wert deutlich angestiegen. Eine Repräsentativerhebung Leipziger Wissenschaftler ergab, dass der Anteil von Frauen, die ihr Kreuz bei einer rechtsextremen Partei machen (NPD, DVU, REP), von 26,5 Prozent (2006) auf 36,4 Prozent (2009) in die Höhe geschnellt ist. Eine Ursache dieser Entwicklung könnte sein, dass die NPD verstärkt auf soziale Themen setzt, Frauen ein Müttergehalt offeriert und zudem ein Kindergeld in Höhe von 500 Euro in Aussicht stellt. Solche Vergünstigungen sind jedoch ausschließlich für deutsche Frauen und Familien gedacht und offenbaren das rassistische Gesicht der Partei. Möglich ist außerdem, dass die „taktische Zivilisierung“ erste Früchte trägt und ein damit verbundenes moderateres Auftreten rechtsextremer Parteien Frauen zur Stimmabgabe bewegt. Die Frauenorganisation der NPD, der 2006 gegründete „Ring Nationaler Frauen“ reklamiert für sich, dass es auch ihr Erfolg ist, wenn Frauen für „nationale“ Parteien votieren. Gitta Schüßler, Landtagsabgeordnete der NPD in Sachsen, sagt: „Nachdem die NPD jahrzehntelang den Ruch einer ewiggestrigen Altherrenpartei hatte, ist es uns, auch durch die Gründung des Rings Nationaler Frauen, gelungen, unter dem Motto ,Frau – sozial und national‘ zunehmend Frauen für nationale Themen zu interessieren und anzusprechen.“

Über die Partizipation von Frauen in rechtsextremen Organisationen existieren kaum belastbare, nachprüfbare Zahlen. Eigenangaben zufolge verfügt die NPD bundesweit über einen Frauenanteil von etwa 25 Prozent. Bei Neueintritten sollen es sogar 50 Prozent sein. Verglichen mit Frauenanteilen von demokratischen Parteien würde die NPD somit nicht aus dem Rahmen fallen, sondern etwa gleichauf mit der FDP und noch vor der CSU liegen. Parteipolitik ist in Deutschland demnach – trotz amtierender Bundeskanzlerin – ganz überwiegend und generell Männersache.

 

 

Zahlen über das Ausmaß des Rechtsextremismus liefern die alljährlichen Verfassungsschutzberichte des Bundes und der Länder. Grundlage einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz sind tatsächliche Handlungen und Bestrebungen, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Somit ist der Begriff des Extremismus eng gefasst und er unterscheidet sich von sozial- und politikwissenschaftlichen Betrachtungsweisen, die sich insbesondere für die dem Verhalten zugrunde liegenden politischen Einstellungen interessieren. Weder Verfassungsschutz noch Sozialund Politikwissenschaft operieren mit einheitlichen Begriffen und Messeinheiten, sodass es grundsätzlich schwierig ist, expolierte Daten zu vergleichen und Trends abzuleiten. Das gilt insbesondere für das Themenfeld „Frauen und Rechtsextremismus“. Nur wenige Verfassungsschutzämter weisen die zahlenmäßige Beteiligung von Frauen im Beobachtungsfeld Rechtsextremismus überhaupt aus. Das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz beziffert den Frauenanteil am rechtsextremistischen Personenpotenzial im „Ländle“ auf 18,5 Prozent im Jahr 2008. Verfassungsschützer aus Brandenburg melden für das Jahr 2009 11 Prozent Frauen, womit ihr Land im Bundesdurchschnitt liegen würde. Wie sich dieser Anteil in den verschiedenen Bereichen (Parteien, Kameradschaften etc.) ausprägt, wird nicht erläutert. Allein der Berliner Verfassungsschutz hat sich mit dem Thema „Frauen und Rechtsextremismus“ eingehender beschäftigt und im Sommer 2009 eine Broschüre zu der Problematik herausgegeben. In ihr heißt es: „Der Anteil der Frauen an den bekannten Personen des organisierten Rechtsextremismus insgesamt beträgt rund 13 Prozent. Im parlamentsorientierten Rechtsextremismus liegt er bei rund 16 Prozent, im aktionsorientierten bei rund 13 Prozent und im diskursorientierten bei 8 Prozent.“


Marktsegment „Girlie Evotionalien“

Die Partizipation von Frauen im parteipolitischen Feld lässt sich bei Kandidaturen für rechtsextreme Parteien am eindeutigsten belegen. Gleichwohl fehlen dazu vergleichende Studien. Für Baden-Württemberg gilt: Von den 38 NPD-Direktbewerbern zur Bundestagswahl 2009 waren sieben weiblich, was einem Anteil von 18,4 Prozent entspricht. Das Durchschnittsalter der Kandidatinnen lag bei ca. 54 Jahren. Dies zeigt, dass die weibliche Seite des Rechtsextremismus keinesfalls als ein Jugendphänomen gelten kann.


Jenseits der Parteistrukturen
entwickelt sich eine
nahezu entgrenzte
rechte Jugendkultur.

Überwiegend junge Frauen trifft man vor allem im Kameradschaftsspektrum, in rechtsextremen Cliquen und natür lich bei der Jugendorganisation der NPD, der JN. Jenseits der Parteistrukturen entwickelt sich zudem eine nahezu entgrenzte rechte Jugendkultur. Mit der Abkehr von der Skinhead-Szene wird sie für Mädchen und Frauen attraktiv, die sich vorher vom materialischen und sexistischen Auftreten der trinkfesten, rechtsextremen Glatzenträger abgeschreckt fühlten.

Eine verstärkte Präsenz von Frauen im rechtsextremen Spektrum zeigt sich am augenfälligsten bei Aufmärschen, Kinder- und Familienfesten und beispielweise auch im Versandangebot rechtsextremer Händler. Seit der Jahrtausendwende kommt kein Anbieter rechter Devotionalien mehr ohne eine Girlie-Abteilung aus, in der Bekleidungsstücke, Schmuck etc. für Frauen und Mädchen angeboten werden. Zurzeit wird das Marktsegment auf Artikel für den „nationalen Nachwuchs“ ausgeweitet.

Nimmt man alle quantitativen Befunde und Einschätzungen zusammen, so verbietet es sich, Rechtsextremismus als ein Männerphänomen anzusehen. Frauen und Mädchen mischen in allen Bereichen mit. Die Tendenz geht in die Richtung von mehr weiblicher Beteiligung – leider auch an Straftaten.


Rechtsextreme Frauen und Mädchen: Einstiegsmotive

Es gibt nur wenige Studien, die sich explizit mit den Einstiegsmotiven und Orientierungen rechtsextremer Frauen und Mädchen beschäftigen. Eine detailreiche Studie hat Michaela Köttig vorgelegt (Koettig2004). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass rechtsextreme Handlungs- und Orientierungsmuster in einem lebenslangen Prozess entstehen und sich durch das Zusammenwirken sozialer Rahmenbedingungen sowie biografischer und familiengeschichtlicher Erfahrungen aufbauen. Köttig wies insbesondere auf unbearbeitete familiengeschichtliche Ereignisse aus der NS-Zeit hin, die von den Mädchen – z.T. unbewusst – aufgegriffen werden, auf problematische und brüchige Eltern-Kind-Beziehungen und nicht zuletzt auf außerfamiliäre Rahmenbedingungen, die sie animieren, sich der rechten Szene zuzuwenden bzw. in ihr zu verbleiben. Der letztgenannte Punkt spielt auf die Angebotspalette rechtsextremer Organisationen an, wenn man so will „Gelegenheitsstrukturen“, aber auch auf eine latente bis offene Unterstützung ihrer Haltungen und Aktivitäten durch ein Umfeld (Schule/Sozialarbeit/Gleichaltrigengruppe etc.), das nicht ausreichend sensibilisiert ist, die bedenklichen politischen Positionen nicht ernst nimmt oder gar „klammheimlich“ teilt.


Eigenangaben zufolge verfügt
die NPD bundesweit über
einen Frauenanteil von etwa
25 Prozent.

Gertrud Siller, die sechs Berufsschülerinnen im Alter von 18 bis 25 Jahren interviewte, weist nach, dass Frauen rechtsextreme Orientierungen besonders dann entwickeln, wenn sie ihre Lebensentwürfe polarisieren (Siller1997). Entweder versuchen sie, sich an Männlichkeitsstereotypen von Härte und Stärke anzugleichen, um darüber Gleichberechtigung und Gleichheit mit Männern zu erreichen, oder sie orientieren sich an traditionellen Weiblichkeitsstereotypen und fordern von Männern Sicherheit und Schutz. Obwohl polarisierte Lebensläufe nicht zwangsläufig in einer rechtsextremen Orientierung münden müssen, ist es ein Verdienst von Gertrud Siller, dass sie an konkreten Lebensumständen aufgezeigt hat, dass Frauen über das traditionelle Frauenbild hinaus bei rechtsextremen Gruppierungen attraktive und aktive Handlungsspielräume finden können und eben nicht nur in der Rolle des „Heimchens am Herd“ aufgehen müssen.

 

 

Aus Gesprächen mit Rechtsextremistinnen, mit Aussteigerinnen und aus Aussagen von Mädchen und Frauen in rechtsextremen Diskussionsforen ergeben sich verschiedene Einstiegsmotive (vgl. dazu: (Esen2007)). Die Spannbreite reicht vom „dummen Zufall“ über fehlende Alternativen zur lokal dominanten rechten Szene, der Suche nach Thrill, Spannung, Abenteuer. Einige Mädchen sagen, sie hätten sich bewusst abgrenzen wollen gegenüber den von ihnen als links-liberal bezeichneten Elternhäusern. Ihren Einstieg sehen sie in einer pubertären Protestphase begründet. Allerdings wird diese kritische Lebensphase nicht als alleiniger Grund genannt, sondern hinzu kommt die persönliche Begegnung und Ansprache von Gleichaltrigen, die sich bereits in rechtsextremen Zusammenhängen befinden und quasi als Türöffner fungieren. Wieder andere orientieren sich an ihren Großeltern, die sie als Altnazis beschreiben, manche entstammen rechtsextremen Elternhäusern und haben die rechtsextreme Ideologie quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Für sie ist es selbstverständlich, Familientraditionen fortzusetzen. Viele sind über den Freund in die Szene gekommen, doch messen sie dieser Tatsache nicht allzu große Bedeutung bei. Dabei ist nicht auszuschließen, dass sie diesen Einstiegsgrund bewusst herunterspielen, um nicht als fremdgesteuertes Anhängsel der Männer zu gelten. Isabell P., Betreiberin einer „Nationalen Elternseite“ und ehemals Chefin der mittlerweile aufgelösten „Aktiven Frauen Fraktion“, sagt über ihren Einstieg, der im Teenageralter erfolgte: „… ich bin durch meinen Freund in die Szene gekommen, und? War das schlecht? Meine Auffassung und Ideologie hatte ich vorher schon, gebildet habe ich mich auch immer selber, mein damaliger Freund und die sogenannte ,Szene‘ waren für mich persönlich damals zumindest eh nur zum Spaß machen da. Konzerte, Feten, mehr konnte man mit denen eh nicht anfangen. Mein politischer Weg begann dann viel später, aber seitdem auch richtig intensiv und ich glaube, Frauen zu kennen, die mehr Grips und Wissen im Kopf haben als manch ein Kerl.“ Schlechte Erfahrungen mit „Ausländern“ werden von etlichen Mädchen und Frauen angeführt. Dumme Anmache, sexuelle Übergriffe, Gewalt werden ihnen angelastet. Dennoch scheint es nicht allein oder gar primär die Übereinstimmung mit einer rassistischen Ideologie zu sein, die junge Menschen nach ganz rechts treibt.

 

 

Frauen finden über das
traditionelle Frauenbild
hinaus bei rechtsextremen
Gruppierungen attraktive und
aktive Handlungsspielräume.

Elke, ehemals Anführerin einer rechtsextremen Kameradschaft und in überregionalen Netzwerken von Neonazis aktiv, meint: „Im Endeffekt denke ich, dass viele Faktoren zusammenspielten, aber ein großer Faktor war der stumme Schrei nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Ich rede heute viel mit meinen Eltern (...), es heißt, ich sei das liebste und bravste Kind gewesen, bis ich 12 war. Und dann fing meine Rebellion an. Dass es gerade die rechte Szene war, war dann wohl eher ein dummer Zufall als zum damaligen Zeitpunkt eine Überzeugung.“ Die Anbindung an die rechte Szene erfolgt bei Elke schließlich über den Fußball und das gemeinsame Hören rechtsextremer Musik. Die Kameraden hofieren das junge Mädchen, was ihrem Selbstbewusstsein schmeichelt. Jedoch bleibt Elke keineswegs und lediglich ein schmückendes Anhängsel in einer männerdominierten Gruppe, sondern sie entwickelt sich schon bald zu einer Führungsfigur. Die Kameraden schauen zu ihr auf, sehen in ihr ein ideologisches und persönliches Vorbild und verleihen ihr den Spitznamen Mutti.


Suche nach Anerkennung
und einem attraktiven
Spaßfaktor.

Patricia, die sich ebenfalls im Kameradschaftsspektrum bewegte, trennt ihre Zugehörigkeit zur Szene in zwei Phasen: eine subkulturelle und eine politische. In Phase eins überwog für sie die Teilnahme an diversen Freizeitaktivitäten, das Eintauchen in eine Erlebniswelt Rechtsextremismus, der Besuch von Konzerten oder schlicht der gemeinsame Kneipenbesuch. Erst nach und nach und fließend vollzog sich die Entwicklung zu einer politischen Aktivistin, die nicht nur gängige Stammtischparolen im Munde führte, sondern die anfing, Schriften aus dem Dritten Reich zu lesen, sich ideologisch zu rüsten. Sie wollte mithalten und beweisen, dass Frauen keine Menschen zweiter Klasse sind, sondern ernst zu nehmende Mitstreiterinnen im politischen Kampf.


Attraktivitätsmomente der rechten Szene – eine Hitliste

Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG), sagt: „Es ist nicht die rechtsextreme, rassistische Ideologie, die unmittelbar zum Eintritt in eine Gemeinschaft führt, sondern idealtypisch eine Suche nach Anerkennung und einem attraktiven Spaßfaktor.“ (Koch/Pfeiffer2009) Genau diesen Spaßfaktor offeriert die rechte Szene heutzutage mit wachsender Professionalität. Jugendgerechte Angebote finden sich in Form von Musik, Konzerten, Videos, Comics, Zeltlagern, Fußballturnieren, Sonnenwendfeiern etc. Eine besondere Zugkraft können diese Angebote immer dann entwickeln, wenn es an „demokratischen“ Alternativen zum rechten „Kulturangebot“ fehlt.

Mitarbeiterinnen der ARUG haben Jugendliche danach gefragt: „Was gibt dir die rechte Szene“? Aus den Antworten konnte die folgende Hitliste erstellt werden:

  • Kameradschaft, Rückhalt, Zugehörigkeit
  • Spaß, Partys, Konzerte, Freizeitaktionen
  • Teil einer konspirativen Elite zu sein
  • Der kleinste gemeinsame Nenner: die Herkunft des Blutes
  • Macht über das Wohlergehen, Leben und Tod anderer Menschen
  • Einfache Antworten auf komplexe Fragen
  • Eintauchen in eine für Erwachsene nicht einsehbare Parallelwelt
  • Chance zur Abspaltung vom Elternhaus
  • Abenteuerlust
  • Entschuldigung für gewalttätige Neigungen
  • Scheinlegitimation der Aktionen durch Nichtanerkennung der Regeln des politischen Systems.
 

 

Eigenen Beobachtungen nach treffen diese Punkte gleichermaßen auf Jungen wie auch auf Mädchen zu. Allerdings mit der Ausnahme der Gewaltbefürwortung. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Einstieg schon im Alter von 11, 12, 13 Jahren erfolgt, ist es nicht verwunderlich, dass politische Motive zunächst nachrangig sind. Dies gilt nachgerade auch für frauenpolitische Aussagen rechtsextremer Organisationen und Parteien. Für den Einstieg in die rechte Szene scheinen sie zumindest bei jungen Frauen überhaupt keine Rolle zu spielen. Zudem ist es keineswegs so, dass es ein starres, einseitig fixiertes Rollenbild in der rechtsextremen Szene gibt.


Politische Motive sind
zunächst nachrangig.

Sigrid Hunke, eine 1999 verstorbene Theoretikerin der extremen Rechten, konstruierte das Bild einer angeblichen Gleichberechtigung der Geschlechter bei den Germanen. Diese will sie gelebt wissen in der Jetztzeit, allerdings bezieht sie ihre „feministischen“ Forderungen ausschließlich auf die nordischgermanische Frau und erweist sich damit als Rassistin. Jugendlichen Rechtsextremistinnen dürften die Überlegungen Hunkes weniger bekannt sein. Allerdings ist zu beobachten, dass die Beschäftigung mit der germanisch-heidnischen Mythologie mit ihrer Götterwelt, den Symbolen und Zeichen, eine hohe Anziehungskraft ausübt und identitätsstiftend wirkt. Rechtsextreme machen sich dieses Interesse zu Nutzen und sie profitieren davon, dass die rein sachliche Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld verpönt und durch das Dritte Reich diskreditiert ist. Die Vereinnahmung und Umdeutung der germanischen Mythologie erlaubt es Rechtsextremen außerdem, zentrale Botschaften ihrer Ideologie zu vermitteln, ohne unmittelbare juristische Folgen befürchten zu müssen. (Vgl. dazu: (Schuppener2009).


In rechtsextremen Foren
schreiben Mädchen und
Frauen unter Pseudonymen
wie Raginhild, Raskild
oder Saxhild.

In rechtsextremen Foren schreiben Mädchen und Frauen unter Pseudonymen wie Raginhild, Raskild oder Saxhild und betonen damit einerseits ihre Abkehr vom Christentum, andererseits ihre Bereitschaft zum Kampf (Hild=Kampf). Sie geben sich selbstbewusst, kämpferisch und stellen für sich eine scheinbar zeitgemäße Mischung aus Fremdenhass und Gleichberechtigung her. Die Mädelgruppe der verbotenen „Kameradschaft Tor“ schrieb auf ihrer Homepage: „Wie schon die Germanin ihre Männer auf das Schlachtfeld zurücktrieb, weil es für sie ein Aufgeben nicht gab, so sollen deutsche Frauen heute Männer vorantreiben im Kampf für Deutschland …“


Pluralität der Geschlechterbilder und -rollen im Rechtsextremismus

Unter dem Dach eines modernen Rechtsextremismus finden heute sowohl konservativ-traditionell orientierte Frauen ihren Platz als auch „nationale Feministinnen“. Dabei können Frauen und Mädchen ihren Beitrag für das übergeordnete „Projekt Volksgemeinschaft“ frei wählen: Als Mutter, die durch das Gebähren und die Erziehung möglichst vieler Kinder dem „drohenden Volkstod“ entgegensteuert oder als politische Akteurin, die sich aktiv für die „nationale Sache“ engagiert – oder beides (vgl. (Bitzan2008)). In der Vielfalt möglicher Rollenbilder liegt letztendlich eine Stärke des Rechtsextremismus. Er umschmeichelt jene, die in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau aufgehen und bietet ihnen Identität und Rückhalt. Für politische Aktivistinnen bringt er heute zunehmend Anerkennung als geschätzte Mitkämpferinnen gegen das verhasste „System“ der Demokratie (Esen2009b).

Ein Einnehmen und die Wahl verschiedener Rollenbilder impliziert jedoch kein „Entweder-Oder“. Die modisch im Girlie-Style oder martialisch im Autonomen- Outfit auftretenden Frauen der verbotenen „Kameradschaft Tor“ warfen sich anlassbedingt auch schon mal in Schale und traten brav und züchtig mit langen Röcken und Zöpfen auf. Gewissermaßen spielten sie mit den Rollen. Beobachtungen biografischer Verläufe – im Übrigen ein Desiderat der Forschung – könnten zudem zeigen, wie sich rechtsextreme Einstellungen und Handlungen im Lebenslauf verändern und wie sie der jeweiligen Lebenssituation angepasst werden. Für zwei Rechtsextremistinnen, deren Wirken über Jahre hinweg beobachtet wurde, lässt sich feststellen, dass sie ihre „politische Karriere“ im aktionsorientierten Feld begannen und später ihre Aktivitäten mehr und mehr verlagerten, auch zugunsten von Mutterschaft und „Aufzucht“ der Kinder.


Fallbeispiele

Die achtfache Mutter Silvia K. versteht sich heute als „naturverbundene, nationale Bioheidin“. Sie ist Vegetarierin, baut ihr Gemüse nach dem Mondkalender an, benutzt Waschnüsse statt Waschpulver, kuriert Krankheiten mit Naturheilmitteln aus. Sie lehnt Schulmedizin ab, ist strikte Impfgegnerin und die Antibabypille kommt bei ihr sowieso nicht ins Haus. Heute engagiert sie sich vornehmlich im Bereich der Kindererziehung – selbstverständlich in rechtsextremen Zusammenhängen, aber auch als Elternvertreterin an den Schulen ihrer Kinder. Ihre politische Laufbahn begann sie als rechtes Skingirl. „Ich war Skingirl als ich Mutter wurde“, schrieb sie in einem Diskussionsforum der Szene und weiter: „Für mich war aber klar, dass man aus einer Subkultur heraus nicht wirklich deutsch erziehen kann. (...) Ich war also wirklich froh, als ich die ‚Spaßgesellschaft’ und damit auch die Subkultur verlassen konnte.“


Die achtfache Mutter
Silvia K. versteht sich heute
als „naturverbundene,
nationale Bioheidin“.

Mit dem viel beschriebenen Hass der Konvertiten führt sie heute einen Feldzug gegen jegliche Subkulturen innerhalb der rechtsextremen Szene, deren Verhalten sie als artfremd deutet. „Ich will keine Rockmusik, egal welcher Farbe, Suff usw.“ Ihren Kindern, die sie völkisch erzieht, erzählt sie dann, die Familie habe mit Nazis nichts zu tun, weil man schließlich nicht saufe, schlage oder einschlägige Musik höre. In der dörflichen Abgeschiedenheit, in der sie lebt, gilt die ideologische Hardlinerin heute als „patente Frau von nebenan“. Auch ihre Kinder, die immer ordentlich angezogen sind und freundlich grüßen, kommen in der Nachbarschaft gut an. Dass sie Zucht und Ordnung nicht nur im Elternhaus lernten, sondern auch in der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), scheint nicht zu interessieren.

 

 

„Nationaler Feminismus –
ein Paradoxon?“

Mareike B. begann ihre politische Laufbahn als Gymnasiastin in der Kameradschaftsszene und gehörte schließlich zu den Führungsfiguren des „Mädelring Thüringen“ (MRT). Einer Frauenkameradschaft, die aus ihren Mitstreiterinnen „politische Soldaten“ formen wollte und mit dem für nationale Kreise geradezu revolutionären Slogan warb: „Deutsche Frauen wehrt euch – gegen das Patriarchat und politische Unmündigkeit!“ Bis zum Jahr 2005 war der MRT, dessen Aktivistinnen sich als Nationale Sozialistinnen definieren, öffentlich sehr präsent durch die Anmeldung von Demonstrationen, mit Infotischen etc. Heute haben sich die Aktivitäten verlagert. Ohne größere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, tritt der MRT mittlerweile als Organisator von Mutter-Kind-Treffen auf. Dies verwundert nicht, denn Mareike B. und eine weitere führende Aktivistin sind mittlerweile Mütter. „Die machen jetzt einen auf deutsche Mutter“, so sieht es ein szenekundiger Beamter. Mareike B. bekam 2005 nicht nur ihr erstes Kind, sondern sie nahm gleichzeitig ein Fernstudium auf. Die Hoffnung, ein hoher Bildungsabschluss und das Studium würden bei ihr zu einem Gesinnungswandel führen, erwies sich als trügerisch. „Glaube kaum, dass mich ein Studium von meinen politischen Ansichten abbringen könnte. Ich bin zwar schon sehr gespannt auf das, was da kommen möge, aber meine Weltanschauung ist schon zu tief in mir verwurzelt.“ Statt ihr rassistisches Weltbild zu revidieren, hat sie neue Erfahrungen und Erkenntnisse integriert in ihre braune Ideologie. Sie eignete sich vertiefte Kenntnisse über die Frauenbewegung an und verquirlte diese 2006 zu einem Artikel, den sie mit dem Titel: „Nationaler Feminismus – ein Paradoxon?“ überschrieb. In diesem Artikel grenzt sie sich scharf gegen die Emanzipationsbewegung der 70er-Jahre ab, fordert ihre Mitstreiterinnen jedoch dazu auf, für mehr Gleichberechtigung von Frauen auf allen gesellschaftlichen Gebieten einzutreten. Kritik übt sie auch am „Frauenbild, das vor allem im Ditten Reich geprägt worden ist“. Dieses sei nicht mehr im vollen Umfang vertretbar, eine übertriebene Stilisierung der Mutterschaft müsse vermieden werden. Im gleichen Atemzug sagt sie jedoch: „Es ist unsere völkische Pflicht, Kinder zu bekommen.“ Dieser Verpflichtung ist sie in ihrem Leben nachgekommen. Heute betreibt Mareike B. die Internetseite „Free gender“ und kämpft gegen Konzepte des Gender Mainstreaming.


Handlungsbedarf – was tun?

Rechtsextreme Mädchen und Frauen bewegen sich längst mitten unter uns. Sie zu erkennen ist schwierig, denn sie verkörpern ganz verschiedene Typen von Frauen. Sie treten uns beispielsweise als vermeintlich Grüne oder Feministinnen gegenüber. Sie erscheinen im linken Outfit, denn dieser Stil und die entsprechenden Parolen werden gerade von der extremen Rechten kopiert. Rechtsextremes Gedankengut ist heute eingedrungen in beinahe alle Jugendkulturen. Jedoch ist Rechtsextremismus auch bei Frauen kein reines Jugendphänomen. Funktions- und Mandatsträgerinnen rechtsextremer Parteien haben die Jugendphase längst abgeschlossen.


Rechtsextremes Gedankengut
ist heute eingedrungen in
beinahe alle Jugendkulturen.

Allesamt, ob jung oder schon älter, begegnen uns oft als sehr engagierte, interessierte Frauen, die sensibel sind für gesellschaftliche Entwicklungen. Sie beklagen soziale Missstände und Fehlentwicklungen. Doch ihre Lösungskonzepte sind immer getragen und bezogen auf eine Volksgemeinschaft, die sich durch die Abstammung und den Ausschluss, die aggressive Ausgrenzung von vermeintlich Fremden definiert. Diese Frauen als Trägerinnen einer politischen Ideologie zu erkennen, die den sozialen Frieden stört und Prinzipien der demokratischen Grundordnung aushebelt, fällt nicht leicht. Das Übersehen ihrer Bestrebungen, selbige nicht ernst- und wahrzunehmen, ist eine Gefahr und zugleich die Karte, auf die Rechtsextreme setzen, wenn sie heute Frauen an die vorderste Front schicken.


Geschlechtssensible Prävention und pädagogische Intervention

Ein weniger aggressives, gewalttätiges und damit sozial adäquateres Auftreten führt dazu, dass rechtsextreme Mädchen und junge Frauen selten als „Problemgruppe“ im Themenfeld Rechtsextremismus benannt und als solche identifiziert werden. Diese Nicht-Beachtung hat weitreichende Konsequenzen, nicht zuletzt für die professionelle pädagogische Arbeit mit Jugendlichen: Jugendarbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen ist auch heute noch vor allem eines, nämlich Jungenarbeit (vgl. (Pingel/Rieker2002); (Elverich/Glaser2009)). Dasselbe gilt auch für Aussteigerprogramme, die vornehmlich auf die Klientel straffällig gewordener junger Männer zugeschnitten sind. Ein geschlechtssensibler Umgang mit der Problematik und die Entwicklung und Erprobung entsprechender Konzepte ist insofern eine Zukunftsaufgabe, der es sich zu stellen gilt.


Aus- und Fortbildungen sind
über den engeren Rahmen
der Pädagogik hinaus auch
für Polizei, Justiz, Medien,
anzubieten.

Zur Überwindung der vorherrschenden „Geschlechtsblindheit“ werden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen (vgl. (Kruschwitz2009)). An erster Stelle ist eine Sensibilisierung der pädagogischen Fachkräfte und ganz allgemein der Öffentlichkeit erstrebenswert. Entsprechende Aus- und Fortbildungen sind über den engeren Rahmen der Pädagogik hinaus auch für Polizei, Justiz, Medien etc. anzubieten. Nur wenn es gelingt, auf breiter Front gängige Klischees vom Rechtsextremismus als Männerdomäne zu durchbrechen, haben Mädchen eine Chance, dass ihre politisch extremen Tendenzen frühzeitig erkannt werden. Die Vielschichtigkeit möglicher Rollen, die von Mädchen und Frauen im modernen Rechtsextremismus eingenommen werden können, verweist darauf, dass es keine Patentrezepte in der Prävention geben kann. Klassische Elemente der Mädchenarbeit, die auf eine Stärkung von Selbstwertgefühl und Durchsetzungskraft abzielen, können sich als kontraproduktiv erweisen, wenn sie nicht von einer allgemeinen Orientierung an Menschenrechten flankiert werden. In der historisch-politischen Bildung wird ein Hinweis auf die marginalisierte, politisch-entrechtete Rolle von Frauen im Nationalsozialismus nicht ausreichen. Nationale Feministinnen teilen diese Kritik.

 

 

Wird berücksichtigt, dass Mädchen – genau wie Jungen – beim Erstkontakt zur rechten Szene sehr jung sind, nämlich zwischen 11 und 13 Jahren, bedeutet das für die Prävention, dass sie vor dem Abdriften nach ganz rechts und damit frühzeitig einsetzen muss. Demokratisches Bewusstsein und nicht diskriminierende Haltungen lassen sich bereits im Kindergarten trainieren. Ist ein erster Szenekontakt vorhanden, so heißt das nicht, dass damit schon festgefügte politische Einstellungen verbunden sind. Insofern sind die Chancen für eine Intervention in dieser Phase noch groß. Gerade in dieser Phase ist es jedoch zu beobachten, dass die Schere im Kopf greift und das Hineinwachsen von Mädchen in problematische Strukturen übersehen wird. Auch dann, wenn Mädchen durch optische Signale (Veränderung des Kleidungsstils) und Verhaltensveränderungen (Rückzug aus bestehenden Freundeskreisen etc.) mehr oder weniger deutliche Hinweise auf ihre politische Orientierung geben. Häufig folgt auf die erste Phase ein weiterer Entwicklungs- bzw. Eskalationsschritt: Mädchen fangen an zu provozieren und kehren Versatzstücke rechtsextremer Ideologie offensiv nach außen. Diese rebellische Phase, die Suche nach Konfrontation, wird jedoch oft als „pubertäres Gehabe“ und „Zickengetue“ abgetan. Wahrscheinlich ist das auch deshalb so, weil Mädchen – anders als Jungen – den Schlagabtausch vornehmlich nicht mit Fäusten, sondern auf verbaler Ebene suchen. Eine Diskursverweigerung signalisiert dem Mädchen: Wir nehmen dich und deine Ansichten nicht ernst. Wenn es aber richtig ist, dass auch Mädchen bei ihrem Anschluss an rechtsextreme Gruppen vor allem Anerkennung und Wertschätzung suchen, dann ist diese Nicht- Beachtung fatal und führt womöglich zu einer stärkeren Anbindung an die rechte Szene. Je weiter jedoch die Einbindung vorangeschritten ist, desto geringer sind die Möglichkeiten einer Intervention. Zudem ist zu beobachten, dass Mädchen und junge Frauen, die bereits ideologisch gefestigter sind, im Auftreten „dezenter“ werden, was ihr Umfeld zu der Fehldeutung verleitet, die „rechte Phase“ sei nun vorbei. Sind alle präventiven Maßnahmen gescheitert und frühzeitige Eingriffsmöglichkeiten vertan, ist es schwierig rechtsextreme Mädchen und Frauen überhaupt noch zu erreichen.

 

 

Demokratisches Bewusstsein
und nicht diskriminierende
Haltungen lassen sich bereits
im Kindergarten trainieren.

Eine zeitig einsetzende Prävention ist nicht zuletzt mit Blick auf eine entscheidende ideologische Komponente des Rechtsextremismus von großer Bedeutung. Rechtsextremisten fabulieren vom „drohenden Volkstod“, der nur verhindert werden kann, wenn möglichst viele „deutsche“ Kinder geboren werden. Die fixe Idee, einer imaginären „Volksgemeinschaft“ arischen Nachwuchs beisteuern zu müssen, führt zu frühen und häufigen Schwangerschaften. Für eine Mutter mit Kindern ist ein Ausstieg sehr problematisch. Deshalb ist es vor allem Aufgabe der Prävention, Frauenbilder, Moral- und Sexualvorstellungen der rechtsextremen Szene zu thematisieren. Wer über Rechtsextremismus redet und diese scheinbar exotischen Themen ausblendet, stellt sich nicht der Realität einer Szenerie, wie wir sie heute vorfinden. Wir haben es schon jetzt mit „nationalen Familienverbänden“ zu tun. Kinder wachsen in einer rechtsextremen Parallelwelt auf und manches kleine Mädchen muss nicht erst später in die rechtsextreme Szene einsteigen. Es wurde bereits hineingeboren und entsprechend sozialisiert. Die kleine Osrun oder die kleine Freya sind schon heute in bundesdeutschen Kindergärten und Schulen anzutreffen. Sie stellen das pädagogische Personal vor neue Herausforderungen. Wie soll man umgehen mit rechtsextrem sozialisierten Kindern, die sich zum Beispiel weigern, Kinder mit Migrationshintergrund als Spielkameradinnen zu akzeptieren? Wie mit rechtsextremen Eltern, die einfordern, dass mehr deutsches Liedgut gesungen, Jul- und Sonnenwendfeiern abgehalten werden?


In der „Deutschen Stimme“
wurde explizit Reklame
für das Berufsfeld des
Sozialassistenten gemacht.

Familie und Erziehung, die Weitergabe vermeintlich „alter“ Werte, haben insgesamt einen hohen Stellenwert bei der rechtsextremen Rechten, was nicht zuletzt dazu führt, dass sie selbst in pädagogische Berufe drängen. In einer der letzten Ausgaben der „Deutschen Stimme“, dem Parteiorgan der NPD, wurde explizit Reklame für das Berufsfeld des Sozialassistenten gemacht. Die rechtsextreme Streetworkerin oder die rechtsextreme Lehrerin gibt es längst – mitten unter uns …


Autorendaten

Ellen Esen, Jg. 1960, Politik- und Geisteswissenschaftlerin, Staatsexamen, Mitarbeit in Forschungsprojekten zur Arbeiterkulturbewegung in der Weimarer Republik, der historischen Frauenbewegung. Seit den 90er-Jahren tätig in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung, Organisation und Konzeption von Veranstaltungsreihen zu den Themen Sektenund Psychogruppen, Kinderarmut, Sozialstaatsentwicklun, Drogen, Jugendgewalt, Rechtsextremismus.

Kontakt über die Jugendstiftung möglich.


Literatur

Bitzan2008^ Bitzan, Renate (2008): Frauen im Rechtsextremismus in Theorie und Praxis. Impulsreferat bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin. Internetquelle: http://www.fes.de/rechtsextremismus/pdf/080123_bitzan.pdf
Siehe auch

Bitzan, Renate (2002): Frauen in der rechtsextremen Szene. In: Grumke, Thomas/Wagner, Bernd (Hg.): Handbuch Rechtsradikalismus. Personen-Organisationen-Netzwerke

vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Opladen: 87-104

Elverich/Glaser2009^ Elverich, Gabi/Glaser, Michaela (2009): Mädchenspezifische Perspektiven auf die pädagogische Rechtsextremismusprävention, In: Betrifft Mädchen, Heft 1/2009, Thema: „smart + extrem“ Mädchen in rechten Szenen, Weinheim: 4-12

Esen2007^ Esen, Ellen (2007): Rechte Mädels, Skingirls und Biederfrauen: Über Akteurinnen der Szene und über Möglichkeiten auszusteigen. In: Bundesarbeitsgemeinschaft Mädchenpolitik e.V., Heft 7/2007: Mädchen und Frauen im Spannungsfeld von Demokratie und rechten Ideologien, Berlin: 27-37. Der Artikel ist online abrufbar unter: http://www.maedchenpolitik.de

Esen2009b^ Esen, Ellen (2009b): Rechtsextremistinnen heute – Aktuelle Entwicklungen und Fallbeispiele. In: Braun, Stephan/Geisler, Alexander/Gerster, Martin Gerster (Hg.), Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten, Wiesbaden: 208-222
Siehe auch

Esen, Ellen (2009a): Was macht Rechtsextremismus für Mädchen und Frauen attraktiv? In: Betrifft Mädchen, Heft 1/2009, Thema: „smart + extrem“ Mädchen in rechten Szenen, Weinheim: 12-17
Esen, Ellen (2009c): Volksnah und smart. Rechtsextreme Frauen in der Mitte der Gesellschaft. In: Mitteilungen der Evangelischen Frauen in Deutschland, Nr. 442, Hannover: 38-41
Esen, Ellen (2010): Frauen und Mädchen in der rechtsextremen Szene. In: Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen. Baden-Württemberg für Toleranz und Menschlichkeit. Broschüre zur Ausstellung des Fritz-Erler-Forums, Stuttgart: 41-44

Koch/Pfeiffer2009^ Koch, Reinhard, Pfeiffer, Thomas (Hg.) (2009): Ein- und Ausstiegsprozesse von Rechtsextremisten, Braunschweig

Koettig2004^ Köttig, Michaela (2004): Lebensgeschichten rechtsextrem orientierter Mädchen und junger Frauen. Biographische Verläufe im Kontext der Familien- und Gruppendynamik, Gießen

Kruschwitz2009^ Kruschwitz, Simone (2009): Die BAG Mädchenpolitik bündelt feministisches Engagement gegen rechte Ideologien. In: Betrifft Mädchen, Heft 1/2009, Thema: „smart + extrem“ Mädchen in rechten Szenen, Weinheim: 17-19

Pingel/Rieker2002^ Pingel, Andrea/Rieker, Peter (2002): Pädagogik mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen. Ansätze und Erfahrungen in der Jugendarbeit. Deutsches Jugendinstitut, Leipzig

Schuppener2009^ Schuppener, Georg (2009): Strategische Rückgriffe der extremen Rechten auf Mythen und Symbole. In: Braun, Stephan/Geisler, Alexander/Gerster, Martin Gerster (Hg.), Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten, Wiesbaden: 310-332

Siller1997^ Siller, Gertrud (1997): Rechtsextremismus bei Frauen, Opladen



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