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Essener gegen Asylbewerber

Für die erste Sitzung des neuen Stadtrates im Juli 2014 legte die Stadtverwaltung ein Planungskonzept für die zu erwartenden Flüchtlinge vor. Demnach sollte in Zukunft selbst das umstrittene Kutel-Gelände für ein Lager genutzt werden. Konkret wurden die Standorte leerer Schulgebäude und freier Geländestücke für geplante Containersiedlungen genannt; Der Ratsvorlage wurde dann teilweise zugestimmt.

Protest kam nicht nur aus der Politik. Kurzfristig vernetzten sich aufgebrachte "Wutbürger" und führten z.B. in Katernberg eine Demonstration durch. An so manchem geplanten Standort wird in facebook und in der Realität in beschämender Weise gegen Flüchtlinge gehetzt.


Inhaltsverzeichnis

Reaktionen

WAZ, 15.07.2014 Leserbrief Schildbürger

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Dienstag, 15.07.2014

Schildbürger


Asylstandorte. Die Planung eines echten Schildbürgerstreiches geht so: 1. Man sucht einen möglichst dünn besiedelten Bereich im Essener Süden. 2. Man findet den am dünnsten besiedelten Stadtteil Schuir, ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Feldern, Weiden, Wäldern, Wanderwegen und verstreut liegenden Bauerngehöften. 3. Man wählt einen großen Acker an der Wallneyer Straße. 4. Man besetzt ihn mit Wohncontainern, die für 30 Jahre konzipiert sind. 5. Man belegt die Container mit 180 bis 200 Asylanten - zunächst, denn der Acker ist groß und ausbaufähig. Hat man vergessen, dass es weit und breit keine Schulen, keine Geschäfte, keine Gaststätten, keine Ärzte, kurz: keine Infrastruktur gibt? Hat man ein Problem mit der angestrebten Integration verdrängt? Die findet wohl kaum statt, wenn die Zahl der Asylanten die der deutschen Nachbarn in ihrer Umgebung um ein Vielfaches übersteigt. Liebe Stadt Essen, lass Vernunft walten! Werde kein neues Schilda! Wir möchten Essener Bürger bleiben. Wir wollen keine Schildbürger werden!
Inge Thoma, Essen

NRZ, 14.07.2014 Leserbrief Miteinander

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NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Montag, 14.07.2014

Miteinander


Flüchtlinge: Haarzopf hatte vor 10 Jahren in den Flüchtlingsunterkünften Auf´m Bögel noch doppelt so viele Flüchtlinge wie zurzeit. In all den Jahren läuft das Miteinander im Großen und Ganzen problemlos ab. Weshalb ist dies so? Da existiert der Runde Tisch, an dem sich u. a. die beiden Kirchengemeinden, insbesondere mit ihren Pfarrern, der Bürgerverein, der Arbeitskreis ökumenische Flüchtlingsbetreuung und Ortspolitiker sowie engagierte Bürger beteiligen. Sie haben sich erfolgreich um ein einvernehmliches, friedliches Miteinander bemüht. Laut Auskunft seitens der Polizei gibt es keine signifikante Erhöhung von Straftaten in Haarzopf und Fulerum, die im Zusammenhang mit Asylanten stehen. Nachbarschaftliche Konflikte geschehen hier ebenfalls ohne nachweislichen Zusammenhang mit den Unterkünften Auf´m Bögel.

Was ist in Haarzopf nun geschehen? Herr T.G. (...) hat eine Unterschriftenliste gegen die geplanten Wohncontainer auf dem Gelände der Hatzper Schule entwickelt. Diese besagte Liste tauchte nun in der kath. Kita an der Christus König Kirche am Tommesweg auf. Ohne Rücksprache oder gar Einwilligung von Pfarrer M. Niekämper wurde sie dort ausgelegt. Gerade an einem Ort und in einer Einrichtung, wo der Gemeindepfarrer ein ausgesprochener Befürworter für ein friedliches - auf der Grundlage der christlichen Soziallehre - Miteinander eintritt. Er setzt sich für den Runden Tisch ein. Diese Unterschriftenlisten wurden sogar von Kindern verteilt.

Falls sich das Vorgehen der Gegner dieses Standortes durchsetzen sollte, dann darf die Angst vor dem freien Agieren demokratischer Kräfte aufkommen. In Haarzopf hat gerade die Begegnung mit Menschen auf der Flucht dazu geführt, dass es bisher so einvernehmlich miteinander verlief
Manfred Gunkel, Essen

WAZ, 12.07.2014 Leserbrief Noch Hoffnung

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 12.07.2014

Noch Hoffnung


Die Waffen der Wutbürger. Um sich und ihre Kinder vor Schmähungen zu schützen, gibt eine Mutter der Zeitung ihre Meinung kund mit der Bitte, in dem Artikel nicht persönlich benannt zu werden. Soweit sind wir schon gekommen in unserem noblen Stadtteil Haarzopf! Ein Pfui der ehrenwerten Gesellschaft. Gleich viermal wurde ich auf der Straße, per Telefon und durch einen Besuch um meine Unterschrift gebeten. Gegenargumente wurden z.T. akzeptiert. Mit vielen Haarzopfern wurde dieses Thema diskutiert, einer entschloss sich, seine Unterschrift zurückzunehmen. Es gibt noch Hoffnung.
Wolfgang Krämer, Haarzopfer Bürger seit 13 Jahren

NRZ, 11.07.2014 Leserbrief Miteinander

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NRZ / Essen, Rubrik Leserforum,Freitag, 11.07.2014

Miteinander


Flüchtlinge: Vielen Dank für die ausgewogene Berichterstattung. Ergänzt werden muss allerdings, dass es in Haarzopf seit vielen Jahren den ersten Runden Tisch für Flüchtlinge in Essen gibt. Die dort tätigen ca. 15 Ehrenamtlichen bieten neben Beratung und Betreuung mehrmals in der Woche Hausaufgaben-Hilfe, Deutschkurse und Spielenachmittage an. Besonders im Hinblick auf die neue Behelfsunterkunft in der Hatzperschule, ist die Ausweitung dieser Angebote dringend notwendig. Interessierte können sich melden bei Alfred Keienburg Tel. 71 21 08 und Bernd Brack Tel. 71 37 57.
Bernd Brack, Haarzopf

WAZ, 11.07.2014 Leserbrief Mehr Information!

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Freitag, 11.07.2014

Mehr Information!


Asyl. Ich glaube nicht, dass es vorrangig die zukünftigen Asylbewerber sind, die die Haarzopfer Bürger beunruhigen. Vielmehr ist man darauf wütend, wie die Stadt Essen und die Politik mit diesem Thema grundsätzlich umgehen. Die Bürger werden einfach außen vor gelassen und erhalten keine ausreichenden Informationen. Sie werden kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt mit der Erwartung, stillschweigend zu akzeptieren. Niemand sagt, welche Asylbewerber aus welchem Land für genau wie lange dort angesiegelt werden sollen. Was heißt „24-Stunden-Betreuung durch einen Dienstleister“? Ist damit Gebäudeschutz gemeint, ist damit Ordnungs- und Wachdienst gemeint oder ist damit psychosozialer Dienst gemeint, der sich um traumatisierte Menschen kümmert? Diese Menschen hätten eine menschenfreundliche Betreuung verdient, und die Stadt Essen täte gut daran, ihre Bürger rechtzeitig mit ins Boot zu nehmen und zu informieren, damit erst gar keine Unsicherheiten und Verstörungen auftreten. Dann könnte ein gutes nachbarschaftliches Miteinander gelingen.
Gisela Figgen, Essen

WAZ, 09.07.2014 Leserbrief Distanz

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 09.07.2014

Distanz


Asyl. Wir wohnen in Haarzopf und distanzieren uns hiermit ausdrücklich von den Bewohnern des Stadtteils, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen.
Claudine Grett-Buchholz und Volker Grett, Essen

NRZ, 08.07.2014 Leserbrief Ich habe Angst

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NRZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Dienstag, 08.07.2014

Ich habe Angst


Flüchtlinge: Ich habe Angst. Plötzlich erfahre ich, dass in den Teilen von Essen, die der Rat mir als Aufenthaltsorte zugewiesen hat, Gruppen entstehen, um sich gegen mich zu wehren, ja den Kampf gegen ich in jedem Fall unvermindert weiterzuführen. Mit finsterer Miene sammeln bisher friedliche Nachbarn, auch mit Hilfe von angeblich freiwillig und begeistert mitmachenden Kindern, auf Listen Unterschriften gegen mich. Überhaupt scheint der Einsatz von Kindern ein besonders geeignetes Kampfmittel zu sein. So lässt man Sie gern mal mit geballten erhobenen Fäusten vor Plakaten posieren mit „einleuchtenden“ Parolen wie „Spielplätze statt Johannes-Heim“.

Von mir soll das Böse und Schlimme schlechthin ausgehen. Eine Chance, meine Gegner vom Gegenteil zu überzeugen, steht mir selbstverständlich nicht zu. Ebenso wenig ein Versuch meiner Gegner, wenigstens einmal von mir Unterlassen einer konkret bezeichneten Schändlichkeit zu verlangen. Da wache ich zunächst erleichtert aus meinem Alptraum auf. Der Kampf richtet sich gar nicht gegen mich sondern gegen fremde Asylbewerber. Beruhigt beginne ich ein Geschichtsbuch und im Internet Seiten „Deutschland rettender Organisationen“ zu lesen. Und dann bekomme ich doch wieder Angst (...).
Johannes Brecklinghaus, Schwanhildenstr. 42

WAZ, 08.07.2014 Leserbrief Nächstenliebe

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Dienstag, 08.07.2014

Nächstenliebe


Die Waffen der Wutbürger. Demnächst kommen nach Haarzopf in die ehemalige Hatzperschule für eine Übergangszeit von etwa 18 Monaten Menschen, die ihre Heimat unter Lebensgefahr verlassen haben, weil Krieg, Terror, Verfolgung oder Folter ihr Leben bedroht haben. Auch Christen sind zum Beispiel darunter, die in ihren Ländern ihres Glaubens wegen verfolgt werden. Es ist schon ein starkes Stück, von einem katholischen Kindergarten zu verlangen, dort Unterschriften gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Hatzperschule zu verlangen, oder den Pastor der Gemeinde auch noch als Unterstützer einer solchen Aktion zu bezeichnen. Ist denn den Akteuren nicht mehr bekannt, was Gegenstand der christlichen Botschaft ist? Menschlichkeit, Nächstenliebe, Mitgefühl, usw. sind christliche Werte, die Kindern in einem katholischen Kindergarten vermittelt werden. Wir hoffen und wünschen – aber eigentlich erwarten wir –, dass insbesondere die Christen in Haarzopf den Flüchtlingen wohlwollend und mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Alfred und Ursula Keienburg, Essen

Unter der Überschrift "Starkes Stück" ist der gleiche Leserbrief auch in der NRZ erschienen.

NRZ, 07.07.2014 Leserbrief Intolerant

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NRZ / Essen, Rubrik Leserbrief,Montag, 07.07.2014

Intolerant


Haarzopfer Wutbüger: Danke an Andrea Schmitzke (Name geändert) für ihren öffentlich geäußerten Ärger. Und danke an die Haarzopfer, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um Flüchtlinge kümmern. Ich gehöre zu der Gruppe, die sich zurzeit mehr Sorgen um ein intolerantes Haarzopf, als um die Aufnahme weiterer Flüchtlinge machen. Aber ich habe Hoffnung, dass demnächst nicht über Fahrradklau, sondern über Fahrradspenden berichtet wird und über das erste integrative Fußballturnier auf dem neuen Kunstrasenplatz in Haarzopf.

Frieder Busch, Essen

Der gleiche Leserbrief ist am Folgetag unter dem Titel "Räder spenden" erschienen.

Hetze vor Ort und in facebook

WAZ/NRZ, 04+05.07.2014 Die Waffen der Wutbürger

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WAZ/NRZ / Essen,Freitag, 04+05.07.2014

Die Waffen der Wutbürger

Allerorten gibt es Protest gegen Asylheime. In Online-Foren wird ungehemmt gehetzt, und manche Eltern lassen gar ihre Kinder Unterschriften sammeln


Von Christina Wandt

Wo immer die Stadt ein Heim für Asylbewerber plant, regt sich Protest der Anwohner. In Haarzopf, wo auf dem Schulgelände Hatzper Straße vorübergehend eine Unterkunft entstehen soll, schickten aufgeregte Bürger dieser Tage sogar Kinder los, um Unterschriften gegen diese Pläne zu sammeln.


„Ich bin sauer“
Michael Niekämpfer,
Pfarrer

„Ich finde es ein starkes Stück, wenn die Leute ihre Kinder für so etwas instrumentalisieren“, sagt Andrea Schmitzke (Name geändert). Sie wohnt selbst im Stadtteil, hat zwei kleine Kinder und ärgert sich über das, was sie derzeit im Haarzopfer Facebook-Forum lesen muss. Da ist von Einbrüchen die Rede, die angeblich den Flüchtlingen zuzuschreiben sind, die in der bereits vorhandenen Einrichtung Auf’m Bögel leben, da heißt es, dass man sich seinen Wohnort ja bewusst gewählt habe, weil man nicht „in einem Slum“ leben wolle.

Und eine Mutter verkündet, ihre elf Jahre alte Tochter habe mit einer Freundin Unterschriften gegen die geplante neue Einrichtung gesammelt. Dabei habe sie viel Positives erlebt, sei aber „teilweise von den Leuten böse beschimpft worden“. Kritik, man solle Kinder nicht mit einer solchen Mission losschicken, weist die Mutter zurück: „Mein Kind und die anderen haben es aus freien Stücken getan.“ Sie wolle ja nur, „dass mein Kind unbeschwert zu Freunden mit dem Rad fährt, ohne Angst haben zu müssen dass ihr Rad geklaut wird, was hier in Haarzopf schon oft passiert ist“.

An die Ängste von Eltern wollten wohl auch jene appellieren, die versuchten, Unterschriftenlisten im Kindergarten Christus König auszulegen. Sie habe das abgelehnt, sagt die stellvertretende Leiterin: Mit der Haltung der katholischen Kita sei das unvereinbar. Trotzdem verbreitete sich das Gerücht, der Pfarrer selbst habe der Unterschriften-Sammlung zugestimmt – das sei Zivilcourage. Von wegen, wettert Michael Niekämper: „Ich bin sauer, dass man meinen Namen für so etwas benutzt.“ Pfarrer Niekämper nämlich sitzt am Runden Tisch und wirbt dort seit langem um Akzeptanz für die Bewohner der Unterkunft Auf’m Bögel. Mehr Verständnis für die Menschen, die in Not nach Essen kommen, wünscht sich auch Andrea Schmitzke: „Auf Facebook werde ich dafür als naiver Gutmensch verspottet.“

Betroffen reagiert aber auch der Initiator der Unterschriften-Liste, Thomas Grünewald. Er habe die Liste nur an Bekannte gemailt und halte nichts davon, Kinder mit ihr loszuschicken. Auch kenne er die Haltung des Pfarrers und hätte ihn daher nie mit dem Thema behelligt.

Dass in nur 24 Stunden mehr als 300 Unterschriften zusammengekommen sind, sei aber Beleg für die Sorge der Anwohner, dass ein weiteres Heim mehr Lärm, Müll und Ärger mit sich bringe, so Grünewald. Immerhin habe sich der Büroleiter des Sozialdezernenten bei der Unterschriften-Übergabe viel Zeit genommen, solche Sorgen zu zerstreuen. Bleibt zu hoffen, dass das fruchtet: Der Rat hat die neue Unterkunft nämlich beschlossen.
Bildunterschrift:
Auf dem Gelände der früheren Schule an der Hatzper Straße in Haarzopf sollen zeitweilig Asyl-Unterkünfte entstehen. Dagegen regt sich Protest.   FOTO: VAHLENSIECK

WAZ, 04.07.2014 Kommentar Zweifelhafte Vorbilder

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Freitag, 04.07.2014

Zweifelhafte Vorbilder


Von Christina Wandt

Der Standort muss noch gefunden werden, wo Anwohner mit Hurra-Rufen auf eine geplante Asyl-Unterkunft reagieren. Wie schnell aber erstes Unbehagen und diffuse Ängste in aggressive Ablehnung umschlagen, wie ungehemmt auch vermeintlich aufgeklärte Bewohner bevorzugter Wohnlagen Vorurteile bedienen, ist erschreckend. Wehe, wenn der Gutbürger zum Wutbürger wird.

Wer seinen Kindern Vorbild sein will, sollte sich fragen, ob es dazu passt, sie gegen Mitmenschen in Stellung zu bringen. Sie für politische Fragen zu instrumentalisieren, zu denen sie sich schwerlich eine eigene Meinung bilden können. Und dass man eine katholische Kita als geeigneten Ort empfindet, gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu protestieren, zeigt eine ziemliche Kaltschnäuzigkeit.

Wutbürger in Aktion

WAZ/NRZ, 01.07.2014 „Das ist ein Überfall auf die Anwohner“

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WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Dienstag, 01.07.2014

„Das ist ein Überfall auf die Anwohner“

450 Stoppenberger protestierten gestern Abend gegen die Pläne fürs Asylheim


Von Thorsten Schabelon

Stoppenberg. Marianne Klesper hat diesen Kampf schon einmal geführt. Und gewonnen. Jetzt kämpft sie erneut. Aber die Niederlage ist nicht mehr abzuwenden. Das Asylheim, das die Stadt an der Kapitelwiese in Stoppenberg plant und gegen das sich die Anwohner wehren, wird kommen.



„Sie fürchten
einen sozialen
Brennpunkt“

Marianne Klesper
von der Bürger-Initiative

Es ist über 20 Jahre her, dass die Stoppenbergerin Marianne Klesper gegen ein Übergangswohnheim in ihrem Stadtteil gekämpft hat. Damals, in den 1990er-Jahren, „haben wir Frauen Nachtwachen gehalten. Und unsere Männer haben sich in Baggerschaufeln gesetzt“, erinnert sich die 63-Jährige. Der Protest hatte Erfolg: Es gab ein Gerichtsurteil. Die geplanten Häuser für Asylanten „Im Mühlenbruch“ wurden nicht gebaut. „Damals haben wir durchgeatmet“, sagt Marianne Klesper.

Heute ist das nicht mehr so einfach. Denn: Die Unterkunft muss nicht erst gebaut werden. Die leerstehenden Gebäude der Hauptschule an der Kapitelwiese 35 und 68 sollen für die Asylbewerber genutzt werden. Die Stadt hat die Stoppenberger, wie damals „Im Mühlenbruch“, mit dem Plan überrascht. Der wurde letzte Woche veröffentlicht und soll Mittwoch im Rat verabschiedet werden. „Es ist ein Überfall auf die Anwohner“, sagt Marianne Klesper.

Sie gehört zum Organisations-Team der Bürger-Initiative, die sich gegen den Überfall wehren will. Die Stoppenberger haben reagiert. Sie haben Flugblätter gedruckt und verteilt, Mitbürger an deren Haustüren und in Geschäften angesprochen, Unterschriften gesammelt. „3500 Stück in dreieinhalb Tagen“, sagt Marianne Klesper. Gestern Abend traf sich die Initiative zum Protest an der Kapitelwiese, 450 Menschen kamen. Mittwoch wollen sie die Ratssitzung besuchen.

Marianne Klesper will mit ihrer Gruppe nicht in eine rechte Ecke gestellt werden. „Wir haben viele Migranten, die sich bei uns engagieren.“ Sie will, dass die Bedenken gehört und ernst genommen werden. Eine Unterkunft im Wohngebiet, zwischen einer Grundschule und einem Kindergarten, dazu mit dem Bischöflichen Schulzentrum und weiteren Kindergärten in der Nähe. „Vor allem die älteren Leute und die Mütter haben Angst vor dem, was da kommen soll. Sie fürchten einen neuen sozialen Brennpunkt“, sagt Marianne Klesper. Ihre Initiative hält auch die Gebäude an der Kapitelwiese für nicht geeignet, um sie als Unterkunft für 140 Menschen zu nutzen. „Aber es wird wohl so kommen.“ Sie hätte sich eine kritische Auseinandersetzung gewünscht.

Gekämpft wird trotzdem. Gestern Abend in Stoppenberg. Mittwoch im Rat. „Wir geben nicht auf“, sagt Marianne Klesper.
Bildunterschrift:
Marianne Klesper   FOTO: F. GRESFÖRDER

WAZ, 26.06.2014 Prompter Protest gegen Asylheime

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WAZ / Essen,Donnerstag, 26.06.2014

Prompter Protest gegen Asylheime

Politiker wie Anwohner formulieren Bedenken gegen die geplanten Standorte für neue Flüchtlingsunterkünfte. Die Betroffenen fühlen sich überrumpelt


Von Christina Wandt

Der Protest kam prompt: Kaum hatte Sozialdezernent Peter Renzel am Dienstag die geplanten Standorte für sieben neue Asylheime vorgestellt, formulierten Anwohner wie Politiker ihre Bedenken.

So begrüßte die Linke-Ratsfrau Gabriele Giesecke zwar, „dass die Verwaltung auch Standorte im Essener Süden benannt hat“. Lehnte aber etwa das dort gelegene ehemalige Kutel-Gelände als völlig ungeeignet ab. Problematisch sei auch der Standort Wallneyer Straße in Schuir; in solchen Randlagen sei Integration unmöglich. Auch die Ratsfraktionschefin der Grünen, Hiltrud Schmutzler-Jäger, mahnt: „Kurze Wege zu Kita, Schulen, Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten sind Grundlage für eine menschenwürdige Unterbringung.“ Leider entspreche man mit den vorgesehenen Massenunterkünften den Vorgaben von SPD, CDU, FDP, EBB.

Das hatte auch Renzel am Dienstag betont: „Die Politik weiß ja, was sie bestellt hat.“ Tatsächlich hatte sein erstes Konzept noch völlig anders ausgesehen: Mehr als ein Dutzend kleinerer Unterkünfte, meist in Wohnlagen, hatte er im Februar vorgeschlagen. Doch der Rat lehnte das Konzept ab, wünschte sich ein billigeres Asyl-Paket und verlangte, auch außerhalb von Siedlungsbereichen zu schauen. Das Ergebnis sind die entlegenen Container-Dörfer für je 100 bis 150 Personen. Neben den oben genannten Standorten zum Beispiel auf einem Schotterplatz am Bahnhof Kettwig, auf dem Gelände einer Kläranlage am Stauseebogen in Heisingen oder Am Staadt in Werden.

Dienstagfrüh informierte Renzel die Rats-Fraktionschefs über die Pläne, nachmittags stellte sich sein Büroleiter den Fragen in der für Kettwig, Werden, Bredeney zuständigen Bezirksvertretung – hier liegen vier der sieben Standorte. Hier fühlten sich Politiker aller Parteien überrumpelt: „Warum soll das so durchgepeitscht werden“, fragte etwa Daniel Behmenburg (SPD).

Renzel verweist darauf, dass sich die neu gewählten Stadtteil-Parlamente erst dieser Tage konstituieren – eine ausführliche Beratung sei nicht mehr möglich gewesen. Denn über die neuen Asylheime soll der Rat schon nächsten Mittwoch entscheiden – sonst würde vermutlich eine Vielzahl von Flüchtlingen in Turnhallen landen. Info-Veranstaltungen mit Anwohnern werde es nach den Sommerferien geben, bis dahin behelfe man sich mit Postwurfsendungen. Ein Runder Tisch für ganz Essen, an dem Politiker, Sozialarbeiter und Kirchenvertreter sitzen, wurde aber noch am Dienstag gegründet.

Empörte Bürger haben derweil schon eigene Plattformen gefunden: In Stoppenberg arbeiten sie an einem Offenen Brief an den OB, auf der Facebook-Seite Kaiserreich Heisingen wird über das Heim am Stauseebogen debattiert. Ebenfalls im Netz wird über die als Zwischenlösung angedachten Schulen an der Hatzper Straße geklagt. „Gab es in Haarzopf und Umgebung nicht schon genug Einbrüche und Diebstähle?“, fragt da Volkes Stimme in Person von Tim E.
Bildunterschrift:
 
  • Ein Bild von 2001: Da wurde der frühere Kutel-Betriebshof als Übergangsheim genutzt- das soll nach dem Willen der Politik nicht noch einmal wiederholt werden.
  • Auf dem ehemaligen Sportplatz an der Hubertusstraße in Frillendorf könnte ein Container-Dorf mit 100 Plätzen entstehen FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

Planung der Essener Stadtverwaltung

NRZ, 25.06.2014 Stadt nimmt fürs Asyl den Süden in den Blick

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NRZ / Essen,Mittwoch, 25.06.2014

Stadt nimmt fürs Asyl den Süden in den Blick

Die alte Standort-Liste von Februar kippt zugunsten größerer Heime vor allem in Ruhr-Nähe. Treffen die Zuzugs-Prognosen ein, werden dennoch zunächst Notunterkünfte in Turnhallen erforderlich. Rat diskutiert am 2. Juli


Von Wolfgang Kintscher

Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben: Vier Monate ist es jetzt her, dass die Politik ein von der Stadt ausgearbeitetes Standortkonzept für Asylheime ohne lange Debatte vom Tisch fegte. Es gab damals Kritik an den hohen Kosten und einzelnen Standorten, Zweifel an den eigenen Vorgaben für die Sozialverwaltung und nicht zuletzt die Sorge, das Flüchtlingsthema könnte zum alles beherrschenden Thema im Wahlkampf werden – mit spürbarem Rückenwind für rechtsgerichtete Parteien.

Jetzt kommt die Asyl-Frage erneut auf die politische Agenda, und der Entscheidungsdruck ist höher denn je. Wer gedacht hatte, das Flüchtlingsthema könnte sich wenigstens in Teilen von selbst erledigen, sieht sich bis auf weiteres getäuscht.


„Das ist nicht
das, was wir
unter einer
menschenwürdigen
Unterbringung
verstehen“
Peter Renzel,
Sozialdezernent zu
Notunterkünften in
Turnhallen

Zwar hat die Stadt in den städtischen Unterkünften noch einige Betten frei, weil dort Ende 2013 rund 990 Personen lebten und Ende Mai 2014 nur insgesamt 884 Bewohner gezählt wurden. Doch in den nächsten Wochen, so warnt Sozialdezernent Peter Renzel, dürfte die Zahl der nach Essen zugewiesenen Flüchtlinge spürbar anschwellen – nach letzten Hochrechnungen auf mehr als 2.400 Personen. Von denen kehren bis Ende des Jahres erwartungsgemäß nur etwa 250 in ihr Heimatland zurück, weitere 250 können mutmaßlich in Wohnungen vermittelt werden. Unterm Strich bleiben damit gut 1.900 Asylbewerber, die unterzubringen sind.

Erforderlich wären dafür rund 840 neue Plätze, und die stampft man nicht über Nacht aus dem Boden. Schon jetzt scheint deshalb klar: Sollten die vorausgesagten Zahlen zutreffen, wird es im Spätsommer und Herbst womöglich unumgänglich sein, Turnhallen als Notunterkünfte herzurichten. „Das kann uns passieren“, räumte Renzel gestern ein, um gleich hinterherzuschieben, dass „das nicht das ist, was wir unter einer menschenwürdigen Unterbringung verstehen“.

Dazu sind vielmehr neue Asylheime geplant, sieben an der Zahl, deutlich größere als noch im Februar, um möglichst wirtschaftlich zu arbeiten. Standorte unter 100 Personen etwa fielen direkt durchs Raster. Eine andere Besonderheit: Indem die Politik die von ihr selbst formulierten Kriterien aufweichte und auch Asylheime abseits der üblichen Siedlungsbereiche für denkbar erklärte, hat die Sozialverwaltung den Blick nun vor allem auf den Süden gerichtet.

Mit dem Ergebnis, dass sich unter den 27 zusätzlich begutachteten Flächen gleich fünf in landschaftlichem Idyll fanden: am Stauseebogen in Heisingen, am Staadt in Werden, am Overhammshof in Fischlaken, an der Wallneyer Straße in Schuir und an der Ruhrtalstraße in Kettwig. Hinzu kommen noch zwei ehemalige Sportplätze am Pläßweidenweg in Horst und an der Hubertstraße in Frillendorf.

Auf all diesen Flächen sollen Container-Dörfer errichtet werden – mit einer kalkulierten Lebensdauer von 30 Jahren. Verabschiedet hat man sich damit vom noch im Februar favorisierten Bau von Gebäuden in massiver Modulbauweise, die bis zu 60 Jahre haltbar, aber eben auch spürbar teurer gekommen wären. Statt rund 40 Millionen Euro will die Stadt nun mit knapp 27 Millionen auskommen.

Diese neuen Asylheime stehen allerdings frühestens im nächsten Jahr zur Verfügung, was aufwendige Zwischenlösungen erforderlich macht. Dazu ist geplant, drei ehemalige Schulen zu Behelfsunterkünften für insgesamt 330 Menschen umzubauen: an der Tiegelstraße im Nordviertel, an der Hatzperstraße in Haarzopf und an der Kapitelwiese in Stoppenberg.

Darüber hinaus sollen für eine Übergangszeit 510 Plätze in angemieteten Containern bereitgestellt werden, und zwar auf dem Gelände des mittlerweile abgerissenen Jugendzentrums an der Papestraße in Holsterhausen, an der Rauch-/Prosperstraße in Dellwig, auf dem Schulgrundstück an der Hatzper-straße in Haarzopf und auf dem Areal des ehemaligen Kutel in Fischlaken. Geplante Dauer dieser Provisorien: bis Spätsommer 2015.

Asyl in Essen

woher sie kommen Anzahl
Serbien 416
Mazedonien 151
Bosnien-Herzegowina 63
Syrien 35
Kosovo 34
Russische Förderation 29
Afghanistan 16
Guinea 15
Albanien 12
Eritrea 11
aus weiteren 23 Staaten 102
Gesamt 884
Weiter auf Lokalseite 2
Bildunterschrift:
 
  • Großunterkünfte im landschaftlichen Irgendwo, die gab's schon mal - wie hier auf dem Gelände des einstigen Kutel am Overhammshof in Fischlaken. Die abgelegene Unterkunft soll nach Wunsch der Sozialverwaltung reaktiviert werden; 150 Menschen könnten hier Platz finden.   FOTO: OLIVER MÜLLER
  • Weil die Kapazität in den vorhandenen Asylheimen nicht reichte, mussten 2013 Turnhallen belegt werden. Jetzt könnte es wieder dazu kommen   FOTO: VAHLENSIECK

Weitere Zeitungsartikel zur ursprünglichen Planungsvorlage

(Bitte hier klicken)

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