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Mut zur Zivilcourage

Was tun gegen rechte und rassistische Gewalt!?

6 Regeln, 5 Beispiele und viele Tipps

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Immer wieder wird die Öffentlichkeit mit rassistischer Gewalt konfrontiert. Viele Menschen reagieren ängstlich oder schauen einfach weg, wenn so etwas passiert.

In solchen Situationen ist Zivilcourage gefordert und meistens auch möglich.

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  • Mut zur Zivilcourage
    Was tun bei rechter Gewalt?
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    Immer wieder wird die Öffentlichkeit mit rassistischer Gewalt konfrontiert. Viele Menschen reagieren ängstlich oder schauen einfach weg, wenn so etwas passiert. In solchen Situationen ist Zivilcourage gefordert und meistens auch möglich.

    Hier als Download PDFicon.gif (159.8 KB), Broschüre, 12 Seiten, auch unter www.gelbehand.de. Der gesamte Text SmallPaper.png auf unserer Seite.


Inhaltsverzeichnis

Sechs Regeln: Die Kunst zu helfen

Sechs Regeln für Zivilcourage und mehr Sicherheit im Alltag

Wenn Sie sich an diesen „6 Regeln der Kunst zu helfen“ orientieren, ist es leicht und sicher anderen Menschen in einer Notsituation beizustehen.


1. Ich beobachte genau und präge mir Tätermerkmale ein

Das genaue Hinsehen wird heutzutage nur allzu oft vernachlässigt. Wir schauen weg oder wir schauen hin und erkennen Missstände erst gar nicht.


  • Ein Pärchen streitet sich auf der Straße.
Was genau sehe ich? Ein Liebespaar, das sich uneins ist, oder einen Mann, der eine Frau belästigt?


  • Ein Mann hält ein Kind am Arm gepackt und zieht das Kind hinter sich her.
Was genau sehe ich? Einen Mann, der ein Kind entführt, oder einen Vater, dessen Kind widerspenstig ist?


  • Eine Gruppe Jugendlicher steht zusammen.
Was genau sehe ich? Freunde, die sich austauschen, oder eine Bande, die gerade ein Opfer ausraubt?


  • In einem Mehrfamilienhaus schreit ein Kleinkind auffällig oft.
Was genau höre ich? Ein Kind, dessen Eltern mit der Erziehung überfordert sind, oder die Misshandlung des Kindes?

Hinsehen heißt auch hinhören!

Ich beobachte genau, mit all meinen Sinnen, damit ich erkenne, worum es tatsächlich geht. Erst jetzt, wenn ich einen Überblick über die Situation habe, kann ich diese einschätzen und entscheiden, was ich tue und wie ich es tue. Auch wenn ich aufgrund der Situation nicht selbst persönlich oder körperlich eingreifen kann, werde ich jetzt aktiv und das Mindeste ist:

Ich präge mir so viele Details wie möglich zur Personenbeschreibung und zum Tatablauf ein und schreibe diese Beobachtungen schnellstmöglich auf. Diese Notizen sind wichtig und helfen der Polizei bei den folgenden Ermittlungen.


2. Ich hole Hilfe

Die Kunst zu helfen bedeutet auch, dass ich mir Hilfe bei anderen, verantwortlichen Menschen hole. In einer Gaststätte ist es der Kellner, in der Straßenbahn der Fahrer, bei einem Unfall mit Verletzten der Rettungsdienst (112) und bei Straftaten die Polizei (110).

Sowohl Rettungsdienste als auch die Polizei stehen mir nicht auf Knopfdruck zur Seite. Sie brauchen immer einige Zeit, um vor Ort zu erscheinen. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, richtig hinzusehen.

Wenn ich feststelle, dass ich von dieser Seite Hilfe benötige, dann rufe ich sogleich den Rettungsdienst oder die Polizei. Der Anruf bei 110 oder 112 erfolgt also je nach Beobachtung und Situationseinschätzung relativ früh.


Bevor ich telefoniere, habe ich mir überlegt, was ich mitteilen will:

Wer bin ich? Wo bin ich? Was ist geschehen? Täterbeschreibung u.s.w. - alles Informationen, die ich durch mein genaues Hinsehen festgestellt habe.

Vor dem Anruf atme ich ein paar Mal durch und ich bemühe mich, ruhig, klar und deutlich zu sprechen. Ich lege nicht auf. Ich bleibe am Telefon, um von der fortschreitenden Situation weiter zu berichten, z.B. wenn ich einen Täter (in angemessenem, sicherem Abstand) verfolge.


3. Ich halte Abstand

Alle couragierten Helfer, die zu Schaden gekommen sind, haben eines gemeinsam: sie haben zu wenig Abstand gehalten.

Insbesondere wenn ich mich körperlich einmische, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Aggression eines Täters gegen mich richtet, sehr hoch. Wenn dann das eigentliche Opfer die Flucht ergreift und mir nicht beisteht, dann habe ich das eine Opfer durch ein neues ersetzt: durch mich selbst – wo ist da der Sinn?


Die Lösung lautet
Die körperliche Einmischung, z.B. das Festhalten, Wegziehen oder das „selbst zuschlagen“ ist immer die allerletzte Möglichkeit einem Opfer Hilfe zu gewähren. Ich agiere aus einer sicheren Entfernung. Ich frage das Opfer, ob es Hilfe braucht, ob ich die Polizei rufen soll oder ich erkläre, dass ich die Polizei bereits benachrichtigt habe. In jedem Falle richte ich meine Ansprache an das Opfer.


Sollte ich dennoch in einen Dialog mit dem Täter verwickelt werden, dann bleibe ich höflich und bestimmt, ich bleibe beim „Sie“, um eine respektvolle Distanz zu wahren und um anderen „Zuschauern“ zu signalisieren, dass es sich nicht um eine Privatsache handelt.


Wenn die Situation es erforderlich macht, dass ich direkt und mit körperlichem Einsatz dazwischen gehe, dann sollte ich zuvor zwei Dinge berücksichtigt haben:

  1. Das körperliche Eingreifen ist immer das allerletzte Mittel und wird nur eingesetzt, wenn eine erhebliche Gefahr für Leib oder Leben des Opfers besteht.
  2. Ich suche mir Mitstreiter!


4. Ich suche Mitstreiter

Selbst wenn ein Täter einen zunächst wenig aggressiven Eindruck macht, sehr klein und schmächtig erscheint oder noch sehr jung ist, kann es uns passieren, dass eine Situation eskaliert. Je mehr Mitstreiter ich um mich versammelt habe, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Eskalation unterbleibt.

Ich suche mir also Mitstreiter, weil es mir dann leichter fällt, eine Situation zu beeinflussen und weil es für mich sicherer ist, wenn ich Unterstützung habe.

In den meisten Fällen reicht es aus, dass der Täter sich einer optischen „Übermacht“ gegenübersieht. Schnell erkennt er die Aussichtslosigkeit seines Vorhabens und tritt den Rückzug an.


Meine Mitstreiter spreche ich direkt an und ich sage ihnen unmissverständlich, was ich von ihnen erwarte.


Meistens warten die Umstehenden nur darauf, dass einer die Initiative ergreift und helfen sogleich, wenn sie nur angesprochen und „geweckt“ werden und somit feststellen, dass sie nicht alleine sind.

Die überwiegende Zahl dieser „Bystander“ denkt zeitgleich: „Eigentlich müsste ich was tun – aber ich allein? Warum tun die anderen nichts?“


5. Ich kümmere mich um Opfer

Ein Opfer ist nicht immer deutlich erkennbar körperlich verletzt. Das Opfer kann traumatisiert und in einem Schockzustand gefangen sein. Vielleicht wird eine vorhandene Verletzung aufgrund der erhöhten Adrenalinausschüttung vom Opfer gar nicht bemerkt.


Wie auch immer: das Opfer hat Priorität!

Läuft der Täter weg und ich muss mich entscheiden, ob ich den Täter verfolge (natürlich unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes!!!), oder ob ich mich um das Opfer kümmere, dann wende ich mich immer zuerst an das Opfer und verschaffe mir einen Überblick, ob meine Hilfe benötigt wird, oder vielleicht sogar besser von einem Mitstreiter geleistet werden kann.

Manchmal reicht es, nur da zu sein und mit dem Opfer zu sprechen, manchmal muss ich Erste Hilfe leisten. Deswegen sollten meine Erste Hilfe Kenntnisse regelmäßig aufgefrischt werden, so dass ich mich in einer solchen Situation sicher fühle und weiß was zu tun ist.


6. Ich bin Zeuge

Ich bin vor Ort. Ich habe eine Tat beobachtet. Ich habe mir so viele Details wie möglich eingeprägt. Ich habe Rettungsdienst und Polizei verständigt und gemeinsam mit anderen Passanten die Situation bereinigt. Ich habe dem Opfer geholfen, bis der Rettungsdienst vor Ort erschienen ist.

Jetzt ist es an der Zeit, eine weitere Verantwortung zu übernehmen:


Ich spreche aus, was ich beobachtet habe und sorge mit meiner Aussage dafür, dass die Straßen, dass unsere Umgebung, unsere Umwelt ein Stück sicherer werden.

Meine Aussage halte ich für mich ganz persönlich in einem „Gedächtnisprotokoll“ schriftlich fest. Mit diesem Protokoll stelle ich sicher, dass ich mir bei zukünftigen Aussagen nicht selbst widerspreche, nichts ungewollt hinzudichte oder Wesentliches vergesse.


  • Nur wenn ich aussage, können Polizei und Justiz ihre Arbeit machen.
  • Nur wenn ich aussage, lernt ein Täter, dass er für seine Tat zur Verantwortung gezogen wird.


Sage ich nicht aus, lernt der Täter, dass ihm nichts geschieht und dass er immer so weiter machen kann.



Was tun bei rechter Gewalt?

Wie kannst du reagieren, wenn ein Mensch aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Religion oder seiner (vermeintlichen) Herkunft angegriffen wird?

Was kannst du machen, wenn Rechtsextreme öffentlich gegen die Demokratie oder ein friedliches Zusammenleben agitieren?

Welche Möglichkeiten hast du, wenn du selbst von gewalttätigen Rassisten angegriffen wirst?


grundsätzlich gilt zunächst

Es gibt keine Patentrezepte. Die Situation unterscheiden sich je nach Ort, Zeit, Beteiligten usw. erheblich. Dennoch gibt es eine Reihe von allgemein gültigen Ratschlägen

Bei Gewalttaten sollte grundsätzlich die Polizei verständigt werden. Gehe nicht davon aus, dass sich andere darum kümmern, die denken das nämlich zumeist auch.

Niemand erwartet von dir, dass du deine Gesundheit oder gar dein Leben aufs Spiel setzt. Überlege dir jenseits von akuten Situationen, was du bei einem rassis- tischen Übergriff leisten kannst und welche Risiken du notfalls eingehen willst.

Gut bewährt haben sich Signalgeräte wie Trillerpfeifen oder Schrillalarmgeräte. Sie erregen Aufmerksamkeit und können Angreifer zumindest kurz stoppen. Das bedeutet Zeitgewinn für dein Eingreifen.


1. Beispiel: In Bus oder Bahn

Du siehst, wie eine große, kräftige und gefährlich aussehende Person grundlos anfängt, auf eine Ausländerin einzuschlagen. Die Mitfahrenden sind schockiert, reagieren aber nicht.

Folgendes kannst Du tun:

  • Fordere das Personal – die Fahrerin, den Schaffner – auf, die Polizei zu rufen. Sie sind dazu verpflichtet. Weise sie notfalls darauf hin, dass eine Weigerung unterlassene Hilfeleistung ist, die bestraft werden kann. Wenn du ein Handy hast, rufe selbst die Polizei an.

  • Wenn du nicht unmittelbar zum Personal gelangen kannst, sprich gezielt Mitreisende, die günstiger sitzen, laut an: „Sagen Sie dem Fahrer, dass er sofort die Polizei informieren soll.“

  • Sprich einzelne Mitfahrende direkt an und bitte sie um Hilfe. Dadurch sind sie eher bereit, zu helfen. Steh auf und rufe laut, zum Beispiel: „Lass sie los!“ Dann wirst du eher von Dritten unterstützt. Wenn andere sich erkennbar auf deine Seite stellen, fühlt ein/e Täter/in sich in die Defensive gedrängt und versucht in der Regel zu verschwinden.

  • Fasse einen Täter nur dann an, wenn du sicher bist, ihn zusammen mit anderen festhalten zu können. Du kannst auch den Fahrer bzw. die Fahrerin auffordern, die Türen so lange zu blockieren, bis die Polizei eintrifft.

  • In U-Bahnen führt das Ziehen der Notbremse zum Halt auf dem nächsten Bahnhof.
Merke
Binde andere Menschen mit in die Verantwortung ein - umso stärker ist der Eindruck auf den Täter oder die Täterin.


2. Beispiel: Auf der Straße

Du beobachtest, wie ein Migrant von Skinheads angegriffen wird. Auf die Hilferufe des Opfers reagieren die anwesenden Passanten nicht. Das Opfer bleibt allein mit den Tätern.

Folgendes solltest du beachten und unternehmen:

  • Übernimm eine Leitfunktion, sprich andere Umstehende persönlich an („Sie da, im grünen Mantel, helfen Sie mir und rufen Sie die Polizei!“). Wenn eine/r reagiert, ziehen andere meist nach und es entsteht eine Art Schneeballeffekt. Die Angreifer begreifen, dass sie nicht auf Gleichgültigkeit stoßen und schon gar nicht auf Zustimmung. Dass sie erkennbar in der Minderheit sind, macht die Situation für sie unangenehm.

  • Duze die Täter nicht. Das könnte einerseits einen Konflikt anheizen. Zum anderen könnten Dritte den Eindruck gewinnen, es handele sich um einen rein privaten Konflikt. Lass dich sprachlich nicht provozieren. Das könnte zu einer Eskalation führen.
Merke
Wenn die Angreifer sich aus dem Staub machen, braucht die Polizei, um ermitteln zu können, von dir genaue Angaben über die Täter: Größe, Alter, Kleidung, besondere Merkmale.


3. Beispiel: In einer Kneipe

Einige Gäste ziehen über „die“ Ausländer her. Sie spielen sich gegenseitig die Bälle zu, schaukeln sich so hoch und benennen immer mehr Gruppen, die Wohlstand, Leib und Leben der Deutschen angeblich gefährden: „Ausländer“, „Asylanten“, „Schwarze“, „Russen“ und „Schwule“. Dann fangen sie an, „Judenwitze“ zu erzählen. Auf Beschwerden von Gästen reagieren sie mit einem laut gebrüllten „Heil Hitler“. Schließlich beginnen sie, einzelne Gäste anzupöbeln.


Ist die Situation so weit eskaliert, hast du zwei Möglichkeiten zu reagieren:

  • Du kannst den Wirt bitten, die Polizei anzurufen. Der hat die Pflicht, Straftaten in seinem Lokal zu verhindern. Duldet er dieses Verhalten seiner Gäste, kann ihn das die Lizenz kosten.
  • Du kannst die Polizei selber anrufen, vor der Gaststätte auf sie warten und ihnen erklären, was passiert ist.

Merke
Versuche, andere Gäste als Zeugen zu gewinnen. Bei Ermittlungen oder in einer Gerichtsverhandlung bekommt deine Aussage mehr Gewicht, wenn sie von anderen bestätigt wird.


4. Bedrohung durch rechte Jugendliche

Eine Gruppe von Jugendlichen spricht dich an und provoziert dich zum Beispiel wegen deines Aussehens. Du fühlst Dich bedroht.

Du kannst dich an folgenden Ratschlägen orientieren:

  • Versuche frühzeitig auszuweichen oder, wenn es dazu zu spät ist, wegzulaufen. Eine Gruppe ist immer stärker als du. Versuche dahin zu laufen, wo Menschen sind. Du kannst sie auffordern, dir zu helfen. Wenn es in der Nähe ein Geschäft, eine Behöre oder ähnliches gibt (möglicherweise mit dem roten Logo „Noteingang“), suche dort Schutz. Du solltest den Raum aber nicht verlassen, bevor nicht Hilfe gewährleistet ist. Weglaufen kann zwar bitter sein und ein Gefühl von Erniedrigung verursachen, ist aber im Zweifel besser als verprügelt und auf diese Weise gleichfalls erniedrigt zu werden.

  • Wenn du nicht weglaufen kannst, versuche mit der Gruppe zu reden. Vermeide dabei aggressiv, provozierend, drohend oder beleidigend zu wirken. Sprich ruhig, laut und deutlich und erkläre, was du von dieser Situation hältst. In der Regel haben Gruppen einen Anführer oder eine Anführerin. Versuche ihn/sie direkt anzusprechen, denn er/sie ist wichtig bei der Entscheidung, wie es weitergehen soll. Höre zu, was deine Angreifer zu sagen haben. Dadurch kannst du Zeit gewinnen.

  • So schwer es klingt: Vermeide es, in Panik und Hektik zu verfallen. Wenn du dich ruhig verhältst, wirkst du nicht nur auf die Täter beruhigend, sondern auch auf dich selbst und kannst dann auch klarere Entscheidungen treffen.

  • Du kannst davon ausgehen, dass die Täter wollen, dass du bettelst und flehst. Würdest du das tun, empfinden sie das als Belohnung für ihr Handeln. Wenn du dich nicht unterwürfig verhältst, kannst du gegebenenfalls der dir zugedachten Opferrolle entgehen und die Situation zu deinem Vorteil wenden.


Merke
Wenn du dich körperlich wehrst, musst du mit brutaler Gewalt rechnen. Halte immer einen ge- wissen Abstand zwischen dir und dem Angreifer und vermeide möglichst jeden Körperkontakt.


5. Beispiel: Demonstration

In diesem Beispiel geht es zwar nicht unmittelbar um Gewalt, dennoch gibt es einen inneren Zusammenhang. Die Versammlungsfreiheit ist ein wichtiges demokratisches Grundrecht. Deshalb kann eine Kundgebung von Rechtsextremen nur dann verboten werden, wenn zu erwarten ist, dass davon Straftaten ausgehen werden. Kommt es zu einer rechtsextremen Demonstration, geschieht oft Folgendes: Obwohl Polizei in der Nähe ist, zeigen einzelne Demonstranten den Hitlergruß oder gleichfalls verbotene Abwandlungen dessen.

Was kannst Du unternehmen?

  • Meistens sind genügend Polizeikräfte anwesend. Fordere sie auf, einzuschreiten. Führt das nicht zum Erfolg, frage nach der Einsatzleitung und wiederhole dein Anliegen dort.

  • Die Einsatzleitung hat bei Straftaten die Möglichkeit, einschreiten zu lassen und die Täter aus der Menge heraus festzunehmen. Sie kann aber rechtlich gesehen auch darauf verzichten, um eine mögliche Gewalteskalation – zum Beispiel eine Straßenschlacht – zu verhindern. In einer unklaren Situation kann es sinnvoll sein, eine Dienstaufsichtsbeschwerde anzukündigen und/oder die Presse zu informieren.

  • Auf jeden Fall kannst du Strafanzeige gegen Unbekannt stellen. Von Vorteil ist es, wenn du die Straftat durch ein Foto dokumentieren kannst. Nach der Anzeige solltest du auf jeden Fall ein Gedächtnisprotokoll der Ereignisse schreiben. Du wirst frühestens nach einigen Wochen zum Tathergang befragt werden. Bis dahin kannst du allein aus der Erinnerung heraus kaum noch präzise Aussagen machen.


Merke
Auch wenn du nicht selber eingreifen kannst, erstatte eine Anzeige gegen Unbekannt und teile deine Beobachtungen mit.


Tipps - unabhängig von den Beispielen

 

  1. BEREITE DICH VOR
    Spiele Situationen für dich allein oder im Gespräch mit Anderen durch. Werde dir grundsätzlich darüber klar, zu welchem persönlichen Risiko du bereit bist. Es ist besser, sofort die Polizei zu alarmieren und Hilfe zu holen, als sich nicht für oder gegen ein Eingreifen entscheiden zu können oder gar nichts zu tun.

  2. MACH DIR KLAR, WIE DU AUF ANDERE WIRKST
    In Gewalt- und Bedrohungssituationen hast du wenig Zeit zu Erklärungen. Mach dir klar, wie du von möglichen Angreifern wahrgenommen wirst. Dabei spielen Alter, Geschlecht, Statur, aber auch Frisur oder Kleidungsstil eine Rolle. Du triffst ja im Kopf auch schnell eine Wertung, wenn jemand Bomberjacke und Springerstiefel trägt.

  3. WERDE AKTIV
    Wichtig ist es, sich nicht lähmen zu lassen. Eine Kleinigkeit zu tun ist besser, als über große Heldentaten nachzudenken. Wirst du Zeugin oder Zeuge von Gewalt: Zeige, dass du bereit bist, entsprechend deinen Möglichkeiten einzugreifen. Ein einziger Schritt, ein kurzes Ansprechen verändert die Situation und kann andere dazu anregen, ihrerseits einzugreifen.

  4. BLEIBE RUHIG
    Hektik und hastige Bewegungen können reflexartige Reaktionen herausfordern. Versuche Ruhe und Unaufgeregtheit auszustrahlen. Das wirkt meistens auf alle Beteiligten deeskalierend.

  5. VERLASSE DIE DIR ZUGEWIESENE OPFERROLLE
    Wenn du angegriffen wirst: Verhalte dich nicht unterwürfig, zeige deutlich, was du willst, ergreife die Initiative, um die Situation in deinem Sinne zu verändern.

  6. KONTAKT ZU DER/DEN ANGREIFENDEN PERSON/EN
    Stelle Blickkontakt her und versuche, Kommunikation herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.

  7. REDE UND HÖRE ZU
    Um Kommunikation zu sichern, beschreibe unaufgeregt, was geschieht und was du davon hältst, sprich ruhig, laut und deutlich. Höre zu, was dein Gegenüber sagt. Aus den Antworten kannst du deine nächsten Schritte ableiten.

  8. DROHE UND BELEIDIGE NICHT
    Versuche nicht, die Angreifer einzuschüchtern, ihnen zu drohen oder Angst zu machen. Kritisiere ihr Verhalten, aber werte sie nicht persönlich ab. (Also: nicht „Du bist schlecht.“ sondern „Das ist schlecht.“)

  9. TU ETWAS UNERWARTETES
    Sei kreativ und tu etwas, das deine Gegenüber in dieser Situation nicht erwarten und nutze den Überraschungseffekt zu deinem Vorteil aus.

  10. RESPEKTIERE DIE PRIVATZONE VON ANDEREN
    Sich anderen Menschen auf weniger als Armeslänge zu nähern, bedarf in der Regel ihrer Zustimmung. Wenn du eine solche Nähe herstellst, musst du damit rechnen, dass jede/r – auch ein/e eventuelle Täter oder Täterin – das als unerwünschtes Eindringen in seine/ihre private Zone verstehen. Deshalb gilt umso mehr:

  11. VERMEIDE MÖGLICHST JEDEN KÖRPERKONTAKT
    Vermeide es möglichst, den oder die angreifenden Personen anzufassen, es sei denn, ihr seid in der Überzahl, so dass ihr jemanden beruhigend festhalten könnt. Körperkontakt ist oft eine Grenzüberschreitung, die zu weiterer Aggression führt.

  12. HILF, OHNE DICH SELBST IN GEFAHR ZU BRINGEN
    Fast immer besteht die Möglichkeit zu helfen, auch ohne in die direkte Konfrontation zu gehen. Häufig reicht es, wenn Angreifer bemerken, dass sie beobachtet werden.

  13. VERSUCHE, DAS BEDÜRFNIS DES POTENZIELLEN OPFERS ZU ERFASSEN
    In Gewalt- und Bedrohungssituationen zieht zunächst die attackierende Person die Hauptaufmerksamkeit auf sich. Wichtig ist es aber, das potenzielle Opfer zu unterstützen. Dies gelingt nur dann, wenn du dich diesem gegenüber eindeutig verhältst.

  14. HOLE DIR HILFE
    Je mehr Personen an einem Tatort versammelt sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand hilft. Sprich einzelne Personen ganz gezielt an – keine anonyme Masse. Dritte sind eher bereit zu helfen, wenn sie persönlich angesprochen werden oder wenn jemand anderes den ersten Schritt macht. Fordere also ganz gezielt andere Menschen zur Mithilfe auf.

  15. DENKE AN DEINEN PERSÖNLICHEN NOTRUF
    Wenn du ein Handy mit dir trägst: Bei 110 wählt es automatisch die lokale Polizei an, du trägst also eine Notrufsäule mit dir herum.

  16. KÜMMERE DICH UM OPFER
    Für Opfer dauert es scheinbar eine Ewigkeit bis Polizei oder Rettungsdienst am Tatort sind. Auch wenn du dich in Erster Hilfe nicht sicher fühlst, kannst du helfen, zum Beispiel trösten und fragen, wie du das Opfer unterstützen kannst.

  17. BEOBACHTE GENAU UND MERKE DIR DEN/DIE TÄTER
    Eine gute Täterbeschreibung hilft enorm. Wichtig sind Alter, Aussehen, Kleidung und Fluchtrichtung. Lauf nicht weg, wenn du eine Straftat beobachtet hast - auch wenn viele andere das Gleiche gesehen haben. Melde dich bei der Polizei. Wenn du es eilig hast: Hinterlasse wenigstens deinen Namen und deine Telefonnummer.


Adresssen

Rechte Aktivitäten könnt ihr telefonisch melden bei

  • Rechte Aktivitäten können bei jeder Polizeinotdienststelle gemeldet werden (Tel.: 110).
  • Bei Aktivitäten und Gewalttaten im Bereich von Bahnhöfen und in Bahnen kann die Hotline des Bundesgrenzschutzes bundesweit angerufen werden: 01805 / 234566.


Rechte Internetseiten könnt ihr melden bei:

  • www.jugendschutz.net
    Die Stelle wurde von den Jugendministerinnen und Jugendministern der Länder gemeinsam eingerichtet für die Beachtung des Jugendschutzes in den neuen Informations- und Kommunikationsdiensten (Multimedia, Internet). (hotline<a>jugendschutz.netPost_icon.png)
  • www.fsm.de
    Die Internetseite der „Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia Dienstanbieter“ betreibt eine Beschwerdestelle, an die man sich mit Beschwerden über rechtswidrige und jugendgefährdende Inhalte wenden kann.

Information zu Migration und Rechtsextremismus

DGB Bildungswerk e.V.
Bereich Migration und Qualifizierung
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 43 01- 141
Fax: 0211 / 43 01- 137
migration<a>dgb-bildungswerk.dePost_icon.png
www.migration-online.de
Interkultureller Rat in Deutschland
Goebelstraße 21
64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 33 99 71
Fax: 06151 / 39 19 740
info<a>interkultureller-rat.dePost_icon.png
www.interkultureller-rat.de
Bündnis für Demokratie und Toleranz
Bundeshaus Berlin
Bundesallee 216-218
10719 Berlin
Tel.: 030 / 2363-4081, -4082
Fax: 030 / 2363-4083
buendnis<a>bundeshaus.bund.dePost_icon.png
www.buendnis-toleranz.de
IDA – Informations- und Dokumentati-
onszentrum für Antirassismusarbeit e.V.

Volmerswerther Straße 20
40221 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 15 92 55-5
Fax: 0211 / 15 92 55-69
info<a>IDAeV.dePost_icon.png
www.IDAeV.de
Netz gegen Rassismus, für gleiche Rechte
DGB Bundesvorstand
Referat Migrationspolitik
Henriette-Herz-Platz 2
10178 Berlin
Tel.: 030 / 240 60 342
Fax: 030 / 240 60 408
volker.rossocha<a>dgb-bundesvorstand.dePost_icon.png
www.dgb.de
Bildungsvereinigung ARBEIT UND
LEBEN Nds. e.V.

Arbeitsstelle Rechtsextremismus und
Gewalt
Bohlweg 55
38100 Braunschweig
Tel.: 0531 / 123 36 - 42
Fax: 0531 / 123 36 - 55
info<a>arug.dePost_icon.png
www.arug.de
Schule Ohne Rassismus -Schule Mit
Courage, AKTIONCOURAGE e.V.

Bundeskoordination
Ahornstraße 5
10787 Berlin
Tel.: 030 / 78 95 39 72
Fax: 030 / 78 95 39 74
schule@aktioncourage.org
www.aktioncourage.de
Ökumenischer Vorbereitungsausschuss
zur Woche der ausländischen Mitbürger

Postfach 16 06 46
60069 Frankfurt/Main
Tel.: 069 / 23 06 05
Fax: 069 / 23 06 50
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www.interkulturellewoche.de
Gesicht zeigen!
Torstraße 124
10119 Berlin
Fax: 030 / 280 44 813
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www.gesichtzeigen.de


Impressum

Wir freuen uns, wenn dieses Faltblatt weitergeholfen hat.

Wir bemühen uns, Initiativen, Gruppen, Schulklassen und Einzelpersonen weitere Vorschläge für ihre Arbeit zu machen.

Wir freuen uns aber auch über Hinweise für neue Ideen, die wir aufnehmen können, um unser Anliegen nach einer toleranten und bunten Republik zu erreichen. Wer unter dem Signet der Gelben Hand Aktionen durchführen möchte, kann dazu weitere Materialien erhalten.


Für alle Anregungen, Wünsche, Bestellungen und sonstigen Kontakte sind wir hier zu erreichen:

Verein gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus
"Mach meinen Kumpel nicht an!" e.V.

Geschäftsstelle:
DGB Bildungswerk e.V.

Bereich Migration & Qualifizierung
Hans-Böckler-Straße 39
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 43 01-193
Fax: 0211 / 43 01-134

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