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Neonazis im Web 2.0

Neonazis im Web 2.0 – Erscheinungsformen und Gegenstrategien Hier dokumentieren wir den Inhalt einer Broschüre, die von der Amadeu Antonio-Stiftung herausgegeben wurde. Sie verdeutlicht, wie sich Neonazis in sozialen Netzwerken präsentieren und wie man am besten dagegen vorgeht. Die Broschüre fußt auf den Erfahrungen von netz-gegen-nazis.de, in deren eigenen Diskussionsforen, im Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" und der Kampagne "Soziale Netzwerke gegen Nazis".

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Weitere Informationen zu Nazis im Internet

BuchLogo.gif Alle Broschüren und Bücher finden Sie auf der Downloadseite.


Inhaltsverzeichnis

Grußwort der Bundesjustizministerin

Das Internet ist heute Marktplatz und Treffpunkt, Stammtisch und Infobörse. Leider tummeln sich hier nicht nur Freunde von Freiheit, Demokratie und Toleranz, sondern auch deren Feinde. Rechtsextremisten nutzen das Netz zur Verbreitung von Rassismus und Hetze gegen Andersdenkende sowie ausländische oder jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Auch im Internet sind Demokraten gefordert, Neonazis mit Zivilcourage entschlossen entgegenzutreten, zum Beispiel in Chatrooms oder Foren. Auch dort darf die menschenverachtende Propaganda nicht unwidersprochen bleiben. Wie man neonazistische Strategien erkennt und ihnen mit guten Argumenten sachlich aber entschieden entgegentritt, das zeigt diese Handreichung. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Zivilcourage und der demokratischen Kultur im Internet. Das Bundesministerium der Justiz hat dieses Werk daher gerne gefördert. Ich wünsche dieser Broschüre eine weite Verbreitung, damit wir Demokraten bei der Auseinandersetzung mit Neonazis im Netz das letzte Wort behalten.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, MdB
Bundesministerin der Justiz



Werden Menschen rechtsextrem, wenn sie einen Nazi-Beitrag lesen?

Von Simone Rafael

Vielen Menschen erscheint das Internet als Sinnbild gelebter Demokratie. Dezentral organisiert und mit flachen Hierarchien ist es ein Ort der Selbstbestimmung, der direkten Beteiligung, der Vielfalt der Meinungen. Wenn hier Menschen anfangen, andere Menschen anzugreifen, herabzusetzen und zu bedrohen, ist die ganze Community gefragt, die Nutzer, die Betreiber. Soll reagiert werden? Wer reagiert? Und wie?

Dabei erscheinen Neonazis vielen Menschen als zu vernachlässigende Randgefahr. Sollte man deren Wortmeldungen nicht einfach im World Wide Web verebben lassen? Konkret heißt die Frage, wenn sie der Redaktion von netz-gegen-nazis.de gestellt wird: »Glauben Sie wirklich, dass überzeugte Demokraten rechtsextrem oder rassistisch werden, nur weil sie ein Nazi-Posting lesen?«

Geben wir die Frage weiter an die Medienwirkungsforschung. Publizistikwissenschaftler Peter Maurer sagte dazu im Interview auf netz-gegen-nazis.de: »Medieninhalte wirken auf das Wissen und die Vorstellungen von Rezipientinnen und Rezipienten, weniger auf deren Meinung. Schon rechtsextrem eingestellte Personen können allerdings durch rechtsextreme Internetauftritte in ihrer Meinung bestärkt werden.« Ist das eine Entwarnung? Die Sozialwissenschaftler Oliver Decker und Elmar Brähler kommen in ihrer Studie »Die Mitte in der Krise« 2010 zu dem Schluss: 22,6 % der Befragten wünschen sich ein antidemokratisch-völkisches Gesellschaftskonzept. Rund 34 % stimmen rassistischen Thesen zu. 16 % bejahen antisemitische Aussagen. Demokratiefeindlichkeit oder Demokratiemüdigkeit reichen weit bis in die Gesellschaft hinein. Also müssen wir wohl doch aufmerksam sein, dass im Internet nicht gesellschaftliche Standards verwässert werden, die allen Menschen Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstentfaltung ermöglichen.

 

 

Wer aufmerksam sein möchte, braucht Informationen. Die gibt es beim »Netz gegen Nazis – Mit Rat und Tat gegen Rechtsextremismus«. www.netz-gegen-nazis.de wurde 2008 von der Wochenzeitung »DIE ZEIT« gegründet. Seit 2009 gehört das Internetportal zur Amadeu Antonio Stiftung. 2010 wurde es mit dem »CIVIS Online Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt in Europa« ausgezeichnet. Um Reportagen und Berichte an Leserinnen und Leser zu bringen, nutzen wir seit 2009 auch Gruppen in sozialen Netzwerken. Sie sind für die Öffentlichkeitsarbeit von NGOs sehr effektiv: So kann ein sehr viel größerer Interessentenkreis zuverlässig und regelmäßig mit Nachrichten versorgt werden, die zudem an Ort und Stelle diskutiert und kommentiert werden können. Aktuell erreichen wir rund 81.000 Abonnentinnen und Abonnenten in verschiedenen sozialen Netzwerken (1).

Auf der anderen Seite machen wir in den »Netz gegen Nazis«-Gruppen ganz direkte Erfahrungen mit Rassisten, Antisemiten und Neonazis. Sie versuchen, vernünftige und angeregte Diskurse zu zerstören oder zu dominieren. Sie machen nicht-rechte Userinnen und User lächerlich. Sie bedrohen sogar. Manchmal reagieren die anderen Gruppenmitglieder darauf prompt. Anderes, etwa Subtiles oder mit großer Penetranz Vorgetragenes, bleibt unwidersprochen stehen. Im Umgang mit rechtsextremen, rassistischen oder antisemitischen Postings ist Unsicherheit zu bemerken, bei Userinnen und Usern wie Betreibern: Sind sie Teil der Meinungsfreiheit, müssen sie toleriert werden? Soll man den Beitrag löschen? Oder gleich das ganze Nutzerprofil? Wann lohnt es sich zu diskutieren? Hinter allen praktischen Diskursen stehen große Fragen, um die es sich zu streiten lohnt: Wenn das Internet frei sein und sich selbst regulieren soll – was sind wir bereit zu tun, damit darin trotzdem grundlegende demokratische Werte gelten?

Auch auf Netz-gegen-Nazis.de haben wir Diskussionsforen. Sie werden moderiert und haben klare Regeln. Trotzdem versuchen Neonazis immer wieder, mal offen, mal versteckt, dort mitzudiskutieren. Zum Start von netz-gegen-nazis.de tauschten sie sich sogar in rechtsextremen Diskussionsforen darüber aus, was bei uns gerade noch stehen gelassen wird und wofür sie gelöscht wurden. Neonazis nutzen jede Möglichkeit, das Wort zu ergreifen, um ihre menschenverachtende Ideologie ins Internet zu stellen. Man konnte Studien treiben. Das haben wir getan.

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Dabei zeigte sich: Rechtsextreme, rassistische oder diskriminierende Profile oder Beiträge in sozialen Netzwerken zu melden und zu löschen ist wichtig. Das setzt die Grenze, was als akzeptabel gelten soll. Es entmutigt die Diskriminierenden und ermutigt die Userinnen und User, die sich für Menschenrechte und Gleichwertigkeit einsetzen. Aber als zentrale Gegenmaßnahme greifen restriktive Schritte zu kurz: Das auch in der realen Welt gültige Mantra, dass Rechtsextremismus nicht weg ist, nur weil er nicht mehr zu sehen ist, zeigt sich im Netz praktisch: Gelöschte User können sich auf der Stelle wieder anmelden. Hassvideos werden einfach an anderer Stelle wieder hochgeladen. Die riesigen Datenmengen, die täglich in soziale Netzwerke geladen werden, sind unüberschaubar und nicht kontrollierbar. Hat man einen Patrioten wegen rassistischer Kommentare gesperrt, steht der nächste Nationalist schon bereit. Wir werden auch im Internet nicht umhinkommen, Strategien zu entwickeln, um sich inhaltlich mit Rechtsextremen auseinander zu setzen.

Dies geschieht aktuell vor allem durch engagierte Einzelpersonen in den sozialen Netzwerken. Deshalb haben die Amadeu Antonio Stiftung und netz-gegen-nazis.de überlegt: Wie können wir diese Menschen stärken? Wie das Netzwerk der Aktiven erweitern? Entstanden sind in den Jahren 2009 und 2010 ein Projekt und eine Kampagne.


Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis

Im Jahr 2009 entstand das Projekt »Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis«, gefördert vom Generali Zukunftsfonds und der Freudenberg Stiftung. Die Idee: Das Web 2.0 könnte für engagierte Demokratinnen und Demokraten der Generation 50plus ein ideales Betätigungsfeld sein – wenn ihnen gezeigt wird, wie soziale Netzwerke funktionieren und wenn sie Argumentationsstrategien kennen lernen, die ihnen helfen, gegen Neonazi-Diskutanten aktiv zu werden. Genau dies geschieht in den Workshops, die wir bundesweit anbieten, ganz praktisch am Computer und mit vielen Beispielen. Nach den Workshops bleiben wir über die sozialen Netzwerke mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kontakt und beraten sie bei ihrem weiteren Engagement. Ihr Feedback, dass gerade die Informationen über Themen und Gesprächsstrategien der Neonazis für sie sehr hilfreich waren, hat uns ermutigt, die Erfahrungen in dieser Broschüre einem größeren Leserinnen- und Leserkreis zugänglich zu machen.

Informationen zu den aktuellen Workshops gibt es unter www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/generation-50plus-aktiv-im-netz-gegennazis oder per Email: ngn<a>amadeu-antonio-stiftung.dePost_icon.png


Soziale Netzwerke gegen Nazis

Immer wieder erreichten die Redaktion von netz-gegen-nazis.de Emails von Menschen, die sich über schlecht zu findende Meldebuttons in sozialen Netzwerken beschweren. Andere sahen mangelnde Transparenz oder Konsequenz im Umgang mit rechtsextremen Einträgen oder Nutzern. Sie fragten sich: Bringt das überhaupt was? Oder wollen die Netzwerke gar nichts gegen Neonazi-Nutzer machen, die ja auch ihre Kunden sind?

Im Frühjahr 2010 trugen wir diese Fragen an verschiedene Betreiber sozialer Netzwerke heran. Kein einziges Netzwerk leugnete, dass Rechtsextremismus auf ihrer Plattform ein gravierendes und bekanntes Problem sei. Das ist eine gute Grundlage zum Handeln und längst nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen normal. Im Umgang mit rechtsextremen Einstellungen setzen die meisten Netzwerke auf Löschungen, Verbote und auf Software, die unerwünschte Begriffe und Nicknames filtert und verbietet. Das verhindert zwar, dass Adolf Hitler Mitglied wird, nicht aber Ady H. Die Betreiber sozialer Netzwerke können an der Verbesserung der Bedingungen auf ihrer Plattform arbeiten. Sie bleiben aber darauf angewiesen, dass sie Nutzerinnen und Nutzer haben, die aufmerksam gegenüber menschenfeindlichen Umtrieben sind.

Um darauf aufmerksam zu machen, entstand die Kampagne »Soziale Netzwerke gegen Nazis«. Eine Woche lang, vom 11. bis zum 17. Oktober 2010, positionierten sich die beteiligten sozialen Netzwerke mit Buttons auf der Homepage, Werbeflächen und Diskussionsgruppen. Sie sagten ihren Nutzerinnen und Nutzern: Wir wollen hier keine Neonazis, Rassisten, Antisemiten, die andere mit ihrer menschenverachtenden Ideologie abwerten und ausgrenzen. Setzt mit uns ein Zeichen und helft uns, deren Treiben in diesem Netzwerk klare Grenzen aufzuzeigen. Anfangs waren zwanzig soziale Netzwerke beteiligt (2). Im Laufe der Aktionswoche schlossen sich 43 weitere große und kleine Netzwerke und Foren an (3) . 345.300 Menschen haben sich in dieser Woche durch ihre Teilnahme in den Gruppen für die Aktion und damit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ausgesprochen. Zwei Monate nach Aktionsende, im Dezember 2010, sind es 595.000 Menschen, denn die inhaltliche Diskussion in den Gruppen dauert an. Tausende begeisterte Kommentare bestärken uns und die sozialen Netzwerke, dass den Nutzerinnen und Nutzern dieses Thema wichtig ist. Es wurde diskutiert und gestritten, wie es für eine lebendige Demokratie wichtig und notwendig ist. Auch wenn das die Moderatorinnen und Moderatoren der Gruppen oft an den Rand des Machbaren brachte.

Die Aktionswoche zeigte auch, wie viel in den sozialen Netzwerken zu tun ist. Auch Nazis, Rassisten und Antisemiten strömten in die Gruppen zur Aktion, um zu agitieren und zu pöbeln. Die sozialen Netzwerke machten sich entsprechend des Kampagnenmottos daran, diese Nutzerinnen und Nutzer zu verwarnen und auszuschließen – zum Wohle ihrer User, die ernsthaft an einer Auseinandersetzung über die Themen interessiert sind, die Deutschland politisch bewegen.

Die Website zur Kampagne: www.soziale-netzwerke-gegen-nazis.de


Wie geht es weiter?

Demokratie müssen wir im Alltag mit Leben füllen. Durch die Aktionswoche konnten wir tausenden Menschen klar machen, dass sie gebraucht werden, damit das Internet kein formaldemokratischer, sondern auch ein wirklich demokratischer Raum ist, in dem Menschenrechte, Gleichwertigkeit und Minderheitenschutz als Handlungsgrundlage zählen. Diese Broschüre ist ein weiterer Schritt, über rechtsextreme Internet-Strategien aufzuklären und Handlungsmöglichkeiten zu erläutern. Wir werden außerdem mit interessierten Netzwerkbetreibern neue Methoden im Umgang mit Neonazis, Rassisten und Antisemiten in sozialen Netzwerken erarbeiten. Das Internet bietet fantastische Möglichkeiten, viele Menschen unkompliziert für wichtige Themen zu erreichen. Das müssen wir für die Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ausnutzen.


Aber warum sind Nazis in sozialen Netzwerken überhaupt ein Problem?

Doch unser Engagement stößt nicht nur auf Verständnis. Eine Frage, die immer wieder (mehr oder weniger freundlich) gestellt wird: »Warum ist Euch das Engagement (gerade) gegen Nazis im Netz so wichtig? Sind das nicht nur ein paar Spinner, über die man hinwegsehen kann?« Das fragt man sich manchmal ja auch selbst. Aber nein, man kann es nicht: Neonazis greifen mit ihrer Ideologie die Grundlage unserer demokratischen Gesellschaft an, die Gleichwertigkeit aller Menschen. Wo Neonazis Hass, Rassismus, Menschenverachtung und NS-Verherrlichung verbreiten, vergiften sie das gesellschaftliche Klima. Tun sie es oft genug unwidersprochen, trägt das zur Normalisierung abwertenden Gedankenguts bei. Es erscheint sagbarer, vielleicht auch wahrer. Politikwissenschaftler Hajo Funke formuliert es im »Buch gegen Nazis« so: »Wenn rechtsextreme, fremdenfeindliche Inhalte in öffentlichen Internetforen unwidersprochen bleiben, setzen sie sich in zu vielen Köpfen zu oft fest.«

Und das wiederum ist ein Problem, weil es Opfer rechtsextremen Gedankenguts gibt – Menschen, die nicht ins Weltbild der Neonazis passen. Im Internet werden sie verbal attackiert. In der realen Welt werden sie von Rechtspopulisten nach rassistischen oder Nützlichkeits-Kriterien bewertet und deshalb von der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen. Von Neonazis werden sie körperlich angegriffen oder sogar getötet. 149 Todesopfer rechtsextremer Gewalt gab es seit der Wende. Jedes einzelne ist ein Grund, aufmerksam zu sein und einzuschreiten, wenn Neonazis Sympathisanten suchen.

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Anmerkungen

(1) Netz-gegen-nazis.de in sozialen Netzwerken:

www.schuelerVZ.net/netzgegennazis,
www.studiVZ.net/netzgegennazis,
www.meinVZ.net/netzgegennazis,
www.facebook.com/netzgegennaz,
www.twitter.com/netzgegennazis,
www.wer-kennt-wen.de/club/qdyi1jed,
www.youtube.com/netzgegennazis,
www.myspace.com/netzgegennazis,
www.jappy.de/com/439976


(2) Jappy.de, MeinVZ.net, MySpace.com, SchuelerVZ.net, Spin.de, StudiVZ.net, Wer-kennt-wen.de, You-Tube/Google, Bendecho.com, Clipfish.de, Ednetz.de, Fudder.de, Kicker.de, Knuddels.de, KWICK.de, MeineLeute.de, MV-Spion/Spion-Netzwerk, MyVideo.de, Schueler.cc, Stayfriends.de, Studentum.de, Webcity – das Netzwerk vonWebmail.de

(3) aubi-plus.de, bei-uns.de, bewegung.taz.de, cosmiq.de, engagiert-in-deutschland.de, firmen-treff.de, flobbo.de, frakturschriften.de, freggers-forum.de, freundeskreis-online.yooco.de, frobbel.de, gfx-world.eu, greenaction.de, gutefrage.net, jugendfest.de, lizzynet.de, marauderstales.de, meintreffpunkt.de, mona-net.at, my-clip.eu, netcitylife.de, outspoken-magazin.com, pferdekutscher.de, plazaa.de, pressefoto.com, rlp-live.de, scoutmix.net, socialnc.de, skalovers.de, speedtreff.de, spiritdriver.de, SWR3-Land Community, tanz-night.de, tattoobastards.de, trancemile.com, utopia.de.to, verque(e)r, ximig.de, wer-weiss-was.de, who-is-hot.de, ximig.de, younggay.de, youth-chat.de,youst.at



Neonazis im Web 2.0: Was sie machen und woran man sie erkennt

1. Warum sind Neonazis im Web 2.0 aktiv?

Von Juliane Lang und Yves Müller

»Raus aus den Hinterzimmern, raus auf die Straße, raus in den Kampf mit modernen Kommunikationsmitteln!«, schreibt ein Hans Mallon im NPD-Parteiorgan Deutsche Stimme vom März 2010. Beim Namen des Autors handelt es sich wohl um ein Pseudonym: Der Hitlerjunge Hans Mallon, der 1931 bei Auseinandersetzungen mit Kommunisten auf der Insel Rügen ums Leben kam, wird bis heute von der rechtsextremen Szene als Märtyrer verehrt. Ohne seinen Namen bekannt zu geben, findet der Autor der Zeilen unter dem Titel »Die NPD in der virtuellen Welt« ansonsten sehr klare Worte für seine Aufforderung, das Internet als eine »unverzichtbare und (noch) grenzenlose Waffe« strategisch für die »nationale Sache« zu nutzen.

Weder die Nutzung des Internets durch Rechtsextreme noch deren Forderung nach mehr Präsenz im öffentlichen Raum ist neu. Der Verfassungsschutz spricht von mehr als 1800 deutschsprachigen Internetseiten (Stand August 2010). Im Internet wie in der realen Welt steckt dahinter das Anliegen Rechtsextremer, den öffentlichen Raum zu besetzen und rechtsextreme Inhalte salonfähig zu machen.


Die NPD in der virtuellen Welt – Ziel: Präsenz zeigen

Von neuer Qualität zeugt jedoch die beschriebene Strategie der gezielten Nutzung sozialer Netzwerke wie MeinVZ oder Wer-kennt-wen für parteipolitische Zwecke der NPD. Waren es zuvor vor allem Betreiber diverser Foren, welche sich mit der Präsenz rechtsextremer Diskussionsbeiträge konfrontiert sahen, sind es zunehmend soziale Netzwerke, die heute vor demselben Problem stehen: klare Grenzen zu ziehen und Rechtsextremen den Raum zur Agitation streitig zu machen. Ausführlich wird in der Deutschen Stimme die Einrichtung von Profilen beschrieben, die einen »möglichst offenen Menschen« beschreiben sollen, »nicht bissig, klischeehaft oder wortkarg«. Ziel sei es, sich als der »nette Rechte von nebenan« zu präsentieren, die Ablehnung seitens nicht-rechter Diskussionsteilnehmer und –teilnehmerinnen zu brechen und die NPD als wählbare Partei im Netz auch jenseits einschlägiger rechtsextremer Foren sichtbar zu machen. Unter anderem über die Gründung von Gruppen und die aktive Beteiligung an bereits bestehenden, so der Autor des Deutsche Stimme-Artikels, soll es Rechtsextremen gelingen, vor allem lokale Kontakte zu knüpfen und um Unterstützung für eigene Kampagnen zu werben. Die Broschüre Dunkelfeld berichtet 2010 von einer Vielzahl an virtuellen Gruppen unter dem Titel »Todesstrafe für Kinderschänder« – eines der rechtsextremen Kampagnenthemen der letzten Jahre, vielfach zur Mobilisierung genutzt. Die Mitglieder in besagten Gruppen seien nicht alle als rechtsextrem einzustufen – teilweise seien sie Mitglieder in Gruppen, die sich explizit gegen rechtsextremes Gedankengut stellen. Und doch treten sie virtuellen Gruppen bei, die sich als Eingangsbild das Transparent eines rechtsextremen Aufmarsches wählen. Daraus schließen die Autorinnen und Autoren auf eine »hohe Akzeptanz für neonazistische Gruppen und Propaganda« und fragen provokant: »Stellt die Gruppe im Internet gar so etwas wie einen Online-Aufmarsch dar, der – angeführt vom Transparent der Freien Nationalisten (...) – letztendlich mehr Menschen erreicht, als wenn ein paar Dutzend Neonazis abgeschirmt von der Polizei durch ein menschenleeres Gebiet ziehen?« Denn beim Internet handelt es sich ganz und gar nicht um ein menschenleeres Gebiet und dem Online-Aufmarsch schließen sich Menschen an, die sich an einem rechtsextremen Aufmarsch nie beteiligen würden.


Virtueller Dorfplatz – Ziel: niedrigschwellige Kontaktaufnahme

Es ist zu bezweifeln, dass jeder Nutzer und jede Nutzerin, die sich einer solchen Gruppe anschließen, automatisch zum überzeugten Rechtsextremen oder zur überzeugten Rechtsextremen wird. Aber: Durch die vielfältige Unterstützung derartiger Gruppen gewinnt rechtsextremes Gedankengut an Normalität. Die neugewonnene Salonfähigkeit senkt im Umkehrschluss die Hemmschwelle und der Kontakt mit rechtsextremen Lebenswelten wird deutlich vereinfacht.

Gerade in (virtuellen) Gruppen mit lokaler Bindung gewinnen soziale Netzwerke immer stärker den Charakter virtueller Dorfplätze. Man trifft sich dort, tauscht sich aus, knüpft neue Kontakte und pflegt alte Freundschaften. Das haben auch Rechtsextreme entdeckt und rufen dazu auf, gerade hier »Kontakte immer weiter aus[zu]bauen und [zu] intensivieren. Soweit bis schließlich auch Interessenten, Abonnenten, Mitglieder aus bisherigen Gleichgesinnten und Unorganisierten werden.« Soziale Netzwerke werden gezielt als Kontaktbörsen genutzt. Die Niedrigschwelligkeit der Kontaktaufnahme im Internet erweist sich als besonders zuträglich: »Der Schritt vom stolzen deutschen Feuerwehr-Jugendlichen (...) zum Angehörigen der Neonazikameradschaft (...) ist in der virtuellen Welt nicht einmal mehr ein Schritt – man muss gar nicht aus dem Haus gehen, um dabei zu sein, sondern nur den Zeigefinger auf der Maus bewegen«, so die Broschüre Dunkelfeld. Das Internet ermöglicht den vermeintlich anonymen und unverbindlichen Zugang zu Netzwerken: von der Kameradschaft bis zum Parteiverband, vom rechtsextremen Musiknetzwerk bis zum Versandhandel.


Wortergreifung 2.0 – Ziel: Bühne für die Verbreitung rechtsextremer Inhalte

Soziale Netzwerke stehen angesichts der zunehmenden Präsenz Rechtsextremer aktuell vor Herausforderungen, denen sich Portale wie Online-Diskussionsforen oder Kommentarspalten großer deutscher Zeitungen schon länger gegenüber sahen. Dort versuchen Rechtsextreme seit Jahren, sich Kontakte und Raum zur Verbreitung ihrer Inhalte zu erschließen. Diskussionsverläufe in Foren wie netz-gegen-nazis.de zeigen, dass auch (moderierte) Plattformen, die sich explizit gegen Rechtsextremismus engagieren, gezielt von Rechtsextremen frequentiert werden. Bei der klassischen rechtsextremen Wortergreifungsstrategie geht es darum, Veran staltungen politischer Gegnerinnen und Gegner zu besuchen, um die eigenen Ziele und Forderungen öffentlich wirksam zu vertreten und die Anwesenden zu zwingen, sich mit rechtsextremen Argumentationen auseinanderzusetzen. Genauso wird es auch in Internetforen und sozialen Netzwerken praktiziert. »Bei einer nationalen Wortmeldung im öffentlichen Raum gelangen unsere Argu mente ›ungefiltert‹ in die Öffentlichkeit«, heißt es dazu in einem Strategiepapier der NPD. Überzeugen möchte die NPD dabei weniger das direkte Gegenüber. Die Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr auf das Publikum; um dessen Gunst sieht man sich in einer Konkurrenz mit dem Diskussionspartner. »Unser Hauptziel ist die öffentliche Bloßstellung«, so die NPD. Geschulte rechtsextreme Kader setzen auf die Bereitschaft überzeugter Demokratinnen und Demokraten, sich einem solchen argumentativen Austausch zu stellen. Selbst wenn es ihnen dabei nicht gelingt, das Gegenüber »bloßzustellen«, gewinnen sie mit der öffentlichen Auseinandersetzung – virtuell oder nicht – eine Bühne für ihren Populismus.



2. Nicknames und Profile

Von Joachim Wolf

Nutzer wie Adolf88 und 88nsdap machen es einem sehr einfach, sie als Neonazis zu erkennen. Dass 88nsdap laut seinem Profil »für Nazis« ist, überrascht deshalb nur wenig. Ebenso wie die Interessen von Adolf88: »Juden haun, Punks zertreten«. Auch jemand, der sich Reichsadler oder Deutsches Reich, nennt, kann man mit Leichtigkeit außerhalb des demokratischen Spektrums verorten. Und Nutzern wie troublemaker1488 undkeindemokrat geht es ebenfalls ganz offensichtlich nicht um eine sachliche Diskussion in einem demokratischen Forum – hier lohnt es sich nicht, mit Argumenten überzeugen zu wollen. Aber nicht alle rechtsextremen Nutzerinnen und Nutzer sind so leicht zu entlarven. Viele versuchen, sich im Internet zu tarnen und treten bewusst unauffällig auf – um leichter Kontakte knüpfen und ihre menschenverachtende Propaganda gezielter verbreiten zu können. Doch auch diese Nutzer erkennt man mit ein wenig Übung. Oft hilft ein genauerer Blick auf das Profil des Nutzers. Hier können das Profilbild und Angaben über Interessen, Hobbies oder den Film- und Musikgeschmack informativ sein. Außerdem können Verlinkungen auf Videos und Websites Rückschlüsse auf die Gesinnung des Nutzers zulassen. Wie dies funktioniert, sollen einige Beispiele zeigen.

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Zum Verständnis: Viele der hier genannten Beispiele stammen aus den moderierten Foren von www.netz-gegen-nazis.de. Wer hier mitdiskutieren möchte, muss sich anmelden. Jeder User und jede Userin muss sich einen Nutzernamen aussuchen und eine gültige Email-Adresse angeben. Außerdem kann er oder sie »Interessen« angeben (freie Eingabe) und zwei Fragen beantworten (vorgegebene Antworten): »Über Nazis wird …« »1. zu viel diskutiert.« »2. zu wenig diskutiert«, »3. ausreichend diskutiert.« Und »Die NPD sollte…« »1. verboten werden«, » 2. in den Bundestag einziehen«, »3. man ignorieren«. Es ist zum Teil erstaunlich, wie freimütig Menschen selbst in diesem klaren Rahmen – netz-gegen-nazis.de hat Diskussionsregeln, die jede rechtsextreme, rassistische oder antisemitische Beteiligung ausschließen – ihre Gesinnung preisgeben. Die Beispiele und Recherchetechniken sind übertragbar auf andere Foren oder Pinnwände in sozialen Netzwerken.


NS-Verherrlichung

Neonazis wären keine Neonazis, wenn sie nicht ihren Vorbildern aus der NS-Zeit huldigen würden. Dies tun sie im Internet sehr viel massiver und offener als im realen öffentlichen Raum. Denn: Zumindest bei Websites oder in Foren, deren Server in den USA liegen, ist das Verwenden von NS-Symbolen und –Parolen erlaubt. Das nutzen Neonazis aus der ganzen Welt aus. So gibt es beim Kurznachrichtendienst »Twitter« Nutzer mit Namen wie IIIReich, Heil Hitler, Luftwaffe38 und Werwolf18.Aryanblood14 hat einen eigenen Kanal bei Youtube und benutzt als Hintergrundbild einen NS- Reichsadler. Über seinem Profil steht »Weisser Arischer Widerstand«. Auch Wotans Volk zeigt auf youtube offen seine Sympathien für das NS-Regime: »Sieg Heil« ist auf seinem Profil gleich mehrfach zu lesen, im Hintergrund prangen Hakenkreuze, in den verlinkten Videos von Neonazi-Bands sind jede Menge Hitler-Bilder zu sehen. Auf Facebook gibt es eine Gruppe mit dem Titel »Freiheit für Erich Priebke«. Dort wird der 1998 in Italien wegen Kriegsverbrechen verurteilte ehemalige SS-Führer als »unbeugsamer« und »tapferer Soldat« gefeiert. Aber auch auf deutschen Seiten versuchen Neonazis immer wieder offen ihren Idolen aus der NS-Zeit zu huldigen, nennen sich etwa Himmler oder wollen als Adolfs bei netz-gegen-nazis.de mitdiskutieren. Bei SchülerVZ kombinierte ein Nutzer den Nickname Ady H. mit einem Hakenkreuz. Diese Nutzer wurden sofort gesperrt.

Dagegen ist der Nutzername Rudolf zunächst harmlos. Doch ein Blick auf das Myspace-Profil zeigt: die Vielzahl an NS-Symbolen, die dort sichtbar werden, lässt nur die Schlussfolgerung zu, dass es sich hier um einen Verehrer des verurteilten NS- Kriegsverbrechers Rudolf Heß handelt. Auch der Nutzername Frundsberg ist auf den ersten Blick alles andere als eindeutig. Hier hilft eine Recherche im Internet weiter. Gibt man den Namen in eine Suchmaschine ein, so erfährt man, dass Georg von Frundsberg laut Wikipedia »ein süddeutscher Soldat und Landsknechtsführer in kaiserlich-habsburgischen Diensten« war – und, dass eine Panzer-Division der SS seinen Namen trug. Letzteres kann auf einen rechtsextremen Nutzer hinweisen. Und richtig: Frundsberg gab in seinem Profil an, dass er sich die NPD im Bundestag wünscht und fiel bei netz-gegen-nazis.de mehrfach durch rechtsextreme Beiträge auf. Etwas raffinierter ging es der Nutzer henry skyler an. Auch dieser Name ist zunächst wenig auffällig. Übersetzt man ihn aber ins Deutsche, wird aus henry skyler der NS-Verbrecher Heinrich Himmler. Ein Blick in das Profil des Nutzers bestätigt die Vermutung: die Rede ist hier von »Black Divisions« (also von den »Schwarzen Divisionen« der SS) und vom »Baseballkeule schwingen«- in diesem Zusammenhang eine mehr als deutliche Anspielung auf rechtsextreme Gewalt. Außerdem wünscht sich auch dieser Nutzer die NPD im Bundestag. Eher skurril wirkt zunächst der Nutzername SiegfriedHeilkraut. Doch in ihm ist die Nazi-Grußformel »Sieg Heil« versteckt. Auch dadurch, dassSiegfriedHeilkraut sich die NPD im Bundestag wünscht, entlarvt er sich als Neonazi. Dem Nutzernamen brainbuck7 allein sieht man dagegen seine Gesinnung nicht an. Doch auch auf seinem Youtube-Profil finden sich rechtsextreme Bilder und Symbole. Ganz verstecken können und wollen Neonazis ihre NS-Verherrlichung nicht.


Zahlencodes

Neonazis verstecken ihre Gesinnung oftmals hinter Zahlencodes, um sich für Eingeweihte zu positionieren, aber nicht für alle sofort als Rechtsextreme erkennbar zu sein. 88 für zweimal den achten Buchstaben im Alphabet (also: HH wie »Heil Hitler«) und 18 für den ersten und den achten Buchstaben (also: AH wie »Adolf Hitler«) sind noch die bekanntesten Beispiele hierfür. Ein weiteres Beispiel ist die 28, die für die Buchstaben B und H stehen- die Abkürzung für das rechtsextreme Netzwerk »Blood and Honour«. Auch die Zahl 14 lässt sich im rechtsextremen Sinne aufladen: Sie steht in diesem Zusammenhang für die »14 words« des amerikanischen Neonazis David Lane: »We must secure the existence of our people and a future for white children« (»Wir müssen die Existenz unseres Volkes und auch die Zukunft unserer weißen Kinder sichern«). Diese Zahlencodes verwenden Neonazis auch im Internet – beispielsweise in ihrem Profilnamen oder in ihrem Profilbild. Manch ein Rechtsextremer meint, im Netz seinen Kommentar mit 88 beschließen zu müssen. Allerdings ist gerade im Internet auch die Verwendung von Alter oder Geburtsdatum in Kombination mit dem Nutzernamen sehr beliebt. Deswegen tauchen die Zahlen 18, 24 und 88 sehr häufig auch bei jugendlichen Internetnutzern ohne rechtsextreme Einstellung auf. Die Verwendung dieser Zahlen allein ist also kein Hinweis auf einen rechtsextremen Internetnutzer! Es müssen weitere Kriterien beachtet werden.

18germania88 lässt sich leicht als Neonazi entlarven. Ebenso wie Todesengel88. Bei Dakom1488 kann man aufgrund der Zahlen »14« und »88« einen rechtsextremen Hintergrund vermuten – der Name Dakom alleine lässt sich aber nicht diesem Zusammenhang zuordnen. Ein weiterer Blick auf das Nutzerprofil bestätigt aber die Vermutung: »Nationaler Sozialismus als einzige alternative zum derzeitigen asozialen kapitalistischem System« ist dort zu lesen. Außerdem wünscht sich der Nutzer die NPD im Bundestag. Die letzten Zweifel beseitigt dann das Youtube-Profil von Dakom1488: »Kein bock auf Zecken« steht dort und »Sozial geht nur National«- eindeutig rechtsextreme Parolen. Ähnlich bei 14Drache88: Auch hier bestätigt der Blick auf das Youtube-Profil die Vermutung. Dort finden sich jede Menge rechtsextreme Symbole und Videos.

Bei 88Schnitte wundert man sich zunächst über die sexistische Eigennamensgebung einer jungen Frau. Doch ein Blick auf die in ihrem Youtube-Kanal veröffentlichten Videos verrät mehr: Dort finden sich offen rechtsextreme Inhalte, die eindeutig der Szene der »Autonomen Nationalisten« zuzuordnen sind. Parolen wie »Zicke statt Zecke« oder »Nationaler Sozialismus« sprechen eine deutliche Sprache. Außerdem finden sich hier zahlreiche Verlinkungen zu Videos rechtsextremer Bands und von Neonazi-Demonstrationen.
ralle88 schreibt in seinem Profil, er würde »etwas mehr zu den rechten stehen« und sich die NPD im Bundestag wünschen. Muetze88 schreibt einen Profiltext, der keine Fragen offen lässt: »Ich hasse alle Linken, besonders die Antifa«. Andererseits gibt es bei Freddi-88 keinerlei Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung. UndMädchen18 schreibt sogar: »Ich finde es einfach enttäuschend, dass es heute bei uns in Deutschland noch Nazis gibt! Haben die denn nix aus den schrecklichen Zeiten des 2. Weltkrieges gelernt?!«.


Rechtsextreme Bands

Häufig verwenden rechtsextreme Internetnutzer in ihrem Profil auch die Namen von Nazi-Bands – Musik ist ein wichtiger Bestandteil des rechtsextremen Lifestyles, besonders für Jugendliche. Rechtsextreme Nutzer verwenden in ihren Nicknames Bandnamen gerne auch in Kombination mit den oben dargestellten Zahlencodes. 88Sturmwehr, Sleipnir1488 und 88landser88 sind Beispiele hierfür. Auch der NameBlitz Radikahl bezieht sich auf die deutsche Rechtsrock-Band »Radikahl«. Ebenfalls beliebt bei Neonazis im Web 2.0 sind die Namen von Frontmännern rechtsextremer Musikgruppen. Gern verwendet wird der Name des tödlich verunglückten und zum »Helden der Szene« gewordenen Sänger der rechtsextremen Band »Skrewdriver«, Ian Stewart. Ein weiterer »Held« ist Michael Lunikoff, Frontmann der als »terroristische Vereinigung« verbotenen Band »Landser«, der heute mit der Band »Lunikoff Verschwörung« weiter rechtsextreme Musik macht. Das Kürzel D.S.T. ist dagegen nur für Kennerinnen und Kenner der Szene deutlich: es steht für die rechtsextreme Band »Deutsch Stolz Treu«. Beim Blick aufs Profil wünscht sich der Nutzer, der diesen Nickname wählte, passend die NPD im Bundestag.

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Natürlich muss kein demokratischer Nutzer alle Namen von rechtsextremen Bands oder Musikern kennen, um einen Neonazi im Internet entlarven zu können. Im Zweifelsfall besteht immer die Möglichkeit, sich auf netz-gegen-nazis.de über Musiker und Bands der rechtsextremen Szene zu informieren oder einen verdächtigen Namen einfach bei einer Internet-Suchmaschine einzugeben. Oft hilft wieder ein genauerer Blick auf das entsprechende Profil. So findet man dann beispielsweise heraus, dass ianstewart als seine Interessen »hetzen« angibt, Sleipnir »Linkes Pack ärgern« möchte undLunikoff sich die NPD im Bundestag wünscht. Hinweis auf eine rechtsextreme Einstellung sind auch Videos von Neonazi-Bands, die User verlinken oder auf ihr Profil stellen – oder sie unter »Musikgeschmack« auflisten. In den allermeisten Fällen sind dabei die rechtsextremen Videos aber nur die letzte Bestätigung für einen »Anfangsverdacht«. Wer einen rechtsextremen Nutzernamen und rechtsextreme Symbole in seinem Profil zeigt, verlinkt in den allermeisten Fällen auch Videos von Neonazi-Bands.

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rock07121982 hat einen unauffälligen Namen und auf seinem Youtube-Profil finden sich keinerlei rechtsextremen Symbole. Aber ein Video ist hier zu sehen: Selbst zusammengeschnittene Bilder vom jugendlichen Nutzer und seinen Freundinnen und Freunden sind zu sehen – dazu erklingt der Song »Freundschaft« der rechtsextremen Gruppe »Sturmwehr«. Außerdem sind viele weitere Videos der Gruppe mit deutlicheren Texten und Symbolen verlinkt. Aber: Zum besagten »Sturmwehr«-Song gibt es auf Youtube zahlreiche selbst geschnittene Freundschafts-Videos. Und bei einigen dieser überwiegend jugendlichen Nutzer finden sich keine weiteren Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung. Auch wenn der Name »Sturmwehr« eigentlich recht eindeutig ist und die Inhalte anderer Lieder dieser Gruppe offensichtlich aus dem rechtsextremen Lager stammen – es besteht durchaus die Möglichkeit, dass zumindest einige dieser Nutzer mit diesem Lied und dem selbst gemachten Video nur ihre Freundschaft bekunden wollten, ohne etwas über den Hintergrund der Band zu wissen oder selbst der rechtsextremen Szene anzugehören. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Jugendliche über Musik an die rechtsextreme Szene herangeführt werden können- sie hören zuerst von »Sturmwehr« ein Lied über Freundschaft, das ihnen gefällt und finden dann – selbst ohne Suchen über die automatischen Vorschlagslisten in sozialen Netzwerken – im Netz weitere Songs dieser Band, die weit weniger harmlos sind. Bei einer gewissen Affinität zu rechtem Gedankengut gefallen ihnen dann auch die Texte dieser Lieder. Besteht diese Affinität nicht, ist beim Lied über Freundschaft Schluss.


Anti-Antifa, Nationalist, Patriot

Jugendliche und »aktionsorientierte« Neonazis organisieren sich bei den als besonders militant geltenden »Freien Kameradschaften« oder bei den »Autonomen Nationalisten«, die auch im Internet sehr aktiv sind. Neben dem Namen »Autonome Nationalisten« (AN) verwenden sie dabei auch Begriffe wie »Nationale Sozialisten« (NS) oder »Nationaler Widerstand« (NW). Die Gruppierungen betreiben eigene Websites, sie besitzen Profile in sozialen Netzwerken und Kanäle bei Video-Portalen. So verbreiten etwa die »AN Schaumburg« in einem eigenen Kanal bei Youtube Videos von Neonazi-Demonstrationen und rechtsextremen Bands. Ebenfalls bei Youtube findet sich auch ein Kanal »Nationaler Widerstand« mit Werbevideos für rechtsextreme Demonstrationen. Die »Nationalen Sozialisten Senftenberg« haben ein Profil mit entsprechenden Inhalten bei myVideo angelegt. Aber auch in Profilen von Einzelpersonen finden sich Symbole, Parolen und Videos der »Autonomen Nationalisten« bzw. »Nationalen Sozialisten«. Das Beispiel von 88Schnitte wurde oben bereits genannt. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das Profil von Andy Gewehre. Dieser Nutzer verweist mit seinem Namen nicht nur auf eine (vermeintliche) Militanz – in seinem Profilbild finden sich auch das in der Kameradschafts-Szene sehr gebräuchliche (und von der Linken entnommene) Symbol der zwei schwarzen Flaggen und die rechtsextreme Parole »Frei, Sozial, National«. Außerdem ist er Mitglied der Gruppe »Kameradschaft, unsere stärkste Waffe« bei StudiVZ. Der Nutzername Anti-Antifa verweist ebenfalls auf die militante Neonazi-Szene – darunter verstehen Rechtsextreme das Sammeln von Daten vermeintlicher politischer Gegner, die auf rechtsextremen Websites veröffentlicht werden – eine reale Bedrohung für Menschen, die sich gegen Neonazis engagieren. Jemanden, der sich offen Anti-Antifa nennt, sollte man so schnell wie möglich aus einem sozialen Netzwerk verbannen.

Neben diesen offen militanten Namen und Bezügen finden sich bei Neonazis im Netz aber auch vermeintlich »moderate« Selbstbezeichnungen wie Nationalist, Nationaler, Heimattreuer oder auch Patriot. Diese Begriffe verwenden Neonazis, um der Szene im Sinne eines »Es ist doch nicht schlimm, für das eigene Volk einzustehen!« einen harmlosen, sogar positiven Anschein zu geben. Der Begriff »Volk« ist dabei aber völkisch-rassistisch aufgeladen und folgt der »Blut und Boden«-Ideologie. Dies unterscheidet die Neonazis dann auch deutlich von demokratisch-konservativen Patrioten. Die Verwendung von vermeintlich harmlosen Nutzernamen steht dabei aber auch oftmals im krassen Widerspruch zum restlichen Nutzerprofil: Der Nutzerheimattreu verwendet beispielsweise auf kwick.de Parolen und Symbole aus dem Spektrum der »Freien Kameradschaften« und der »Autonomen Nationalisten«.SueddeutscherPatriot fiel bei netz-gegen-nazis.de solange mit rechtsextremen Kommentaren auf, bis er gesperrt wurde. Und die Nutzerin mit dem deutlich rassistischen NamenWhite Alpha verkündet bei StudiVZ stolz, sie sei »100 % Nationalistin und Mama«.

Trotzdem ist immer geboten, nach verschiedenen Anzeichen zu suchen, um niemand unrecht zu tun. Bei Stolzer-Deutscher konnten auf netz-gegen-nazis.de keinerlei Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund gefunden werden. Ebenso wie bei Kein-Nazi-Sondern-Stolz. Ganz im Gegensatz wiederum zu Nur-Stolz-Kein-Nazi und Deutscher, die sich beide die NPD im Bundestag wünschten und solange mit rechtsextremen Beiträgen auffielen, bis sie gesperrt wurden.


Freiheitskampf, Freiheitsdrang, NochbeiVerstand

Neonazis stilisieren sich oft als »echte Demokraten«, als »Kämpfer für wahre (Meinungs-)Freiheit«, als »Kämpfer für die Wahrheit« und als »Träger einer unterdrückten Meinung«. Nutzernamen wie Freiheitskampf, Wo-ist-die-Freiheit oder Freiheitsdrang zeugen davon. Natürlich muss auch hinter solchen Namen keinesfalls zwangsläufig ein rechtsextremer Nutzer oder eine rechtsextreme Nutzerin stecken. Aber Neonazis verwenden solche Nutzernamen gern: Als Selbstbild vermitteln sie ein positives Image, nach außen nützen sie, um sich als vermeintliches Opfer zu stilisieren. Die »echte Meinungsfreiheit« bedeutet bei Neonazis aber, dass sie den Holocaust leugnen und gegen Minderheiten hetzen möchten. »Nationale Selbstbestimmung« meint im Sinne der Neonazis: »Ausländer, Juden, Besatzer raus!«. Denn: Ihr Ziel ist die homogene »Volksgemeinschaft«. Nutzer Freiheitsdrang ist auf StudiVZ dann auch Mitglied in der Gruppe »Volksgemeinschaft«. Nutzer Freiheitskampf wünscht sich die NPD im Bundestag. Nutzer Freiheit (»NPD in den Bundestag«) fiel bei netz-gegen-nazis.de mehrfach durch rechtsextreme Beiträge auf – und beschwerte sich nach deren Löschung über die »Zensur« auf der Seite.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist der Name Besatzungskind. Hat sich diesen Namen ein Nutzer gegeben, der als Kind die unmittelbare Nachkriegs- und Besatzungszeit miterlebt hat? Die im Profil angegebenen Interessen machen aber bereits stutzig: »Über wirkungsvolle, professionelle Aktionen für eine Stärkung eines gesunden Verhältnisses zur Demokratie und zum eigenen Land diskutieren«. Wenn man bemerkt, dass der Nutzer sich die NPD im Bundestag wünscht, weiß man, was mit »gesundes Verhältnis zum eigenen Land« gemeint ist: Im Sinne der rechtsextremen Szene meint dies die Forderung nach einem »Schlussstrich« unter die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Der Name Besatzungskind meint im Sinne der rechtsextremen Szene also die von den Neonazis herbei halluzinierte Besatzung ihres »Heimatlandes« durch »fremde Mächte« wie die USA und »die Juden«, die – unter anderem – wiederum die »echte Meinungsfreiheit« unterdrückten.

Dem Nutzer NochbeiVerstand möchte man keine rechtsextreme Gesinnung unterstellen. Jedoch: auf dem Profil dieses Nutzers bei Youtube finden sich jede Menge Videos von rechtsextremen Bands, in denen das NS-Regime verherrlicht wird. Darunter ein Video der Band »Signum« mit zahlreichen Bildern des NS-Verbrechers Rudolf Heß. Heß, dessen Selbstmord von der rechtsextremen Szene zu einem Mord durch die Alliierten umgelogen wird, gilt in der Neonazi-Szene als »Märtyrer«. Auch dieser Nutzername entspringt also einer Selbstinszenierung der rechtsextremen Szene – nach dem Motto: »Wir kennen die Wahrheit, wir lassen uns von den Lügen nicht einlullen, wir denken noch eigenständig«. Mit Blick auf das Profil des Nutzers bedeutet aber auch dies: NS-Verherrlichung und Holocaust-Leugnung.


Kriminelle Ausländer, Runen und Ufos

Bei Nutzer-Namen wie Gegen-kriminelle-ausländer verrät bereits die verallgemeinernde, herabwürdigende Wortwahl, dass Kontakt zumindest zum rechtspopulistischen Spektrum besteht. Der Blick auf das Nutzerprofil zeigt: Gegen-kriminelle-ausländer wünscht sich die NPD im Bundestag. Ebenso wie Zecke verrecke. Schwieriger macht es einem da schon der Nutzer TiwazThurisaz. Er hat sich nach zwei germanischen Runen benannt. Dies allein ist selbstverständlich noch kein Hinweis auf eine rechtsextreme Gesinnung. Deutlich wird diese beim Blick auf seinen Youtube-Kanal: Dort finden sich Videos des rechtsextremen Liedermachers Jörg Hähnel und Verweise auf die Neonazi-Seite »Widerstand.info«. Außerdem zeigt sein Profilbild eine schwarz-weiss-rote Flagge des deutschen Reiches – ebenfalls ein in Neonazi-Profilen sehr beliebtes Symbol. Ein kurioser Fall ist Aldebaraner80. Auf seinem Profil findet sich eine Vielzahl an rechtsextremen Videos, darunter ein Mobilisierungsvideo für den rechtsextremen »Trauermarsch« in Bad Nenndorf. Begibt man sich auf die Suche nach weiteren Informationen zum Namen Aldebaraner, stößt man auf wilde Theorien über »außerirdische Zivilisationen«, die Kontakt zu den Nationalsozialisten aufgenommen haben und ihnen beim Ufo-Bau geholfen haben sollen. Und tatsächlich hat der Nutzer auch ein Ufo-Bild im Profil.


Schlussfolgerung

Wenn man Neonazis im Internet erkennen möchte, gilt grundsätzlich: Ist der Nutzername nicht so eindeutig wie Adolf88 oder 88nsdap, sollte man sich im Verdachtsfalle das Profil des Nutzers genauer daraufhin ansehen, ob es dort Hinweise auf eine rechtsextreme Einstellung gibt. Um von einem rechtsextremen Nutzer ausgehen zu können, sollte man mindestens zwei Kriterien finden. Dies ist kein Aufruf zu »Gesinnungsschnüffellei« – man schaut sich ja auch in der realen Welt sein Gegenüber genauer an, bevor man etwa miteinander ins Gespräch kommt oder sich in einer gemeinsamen Gruppe engagiert. Und: in allen oben genannten Beispielen haben die Nutzer ihre Daten freiwillig, absichtlich und öffentlich ins Internet gestellt.

Lässt sich eine rechtsextreme Einstellung erkennen, kann dieser User oder die Userin von Betreibern und Moderatorinnen von Gruppen, Foren oder sozialen Netzwerken ausgeschlossen werden, um eine nazifreie Diskussion zu ermöglichen. Die »normale« Userin oder der »normale« User ist mit dieser Erkenntnis über den Mitdisku tanten vorbereitet und kann sich Strategien in der Argumentation überlegen. Weiteren Aufschluss geben natürlich die Themen und Argumentationen rechtsextremer Internetnutzer. Sie sind Gegenstand des nächsten Kapitels.


Weiterlesen:
www.netz-gegen-nazis.de/wissen/woran-erkennt-man-die Artikel zu Zahlen- und Sprachcodes, rechtsextremen Bands, Bekleidungsmarken, Symbolen und Erkennungszeichen



3. Themen und Gesprächsstrategien

Von Juliane Lang und Yves Müller


Neonazis gibt es in allen öffentlichen Internetforen. Besonders beliebt sind bei den Neonazis jene Themen, bei denen sich Rechtsextreme Anschlussmöglichkeiten an gesellschaftliche Diskurse versprechen oder bei denen sie glauben, einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen geben zu können – Themen also, bei denen ihr Populismus also Früchte tragen kann. Dies sind oftmals nicht im engeren Sinne politische Themen.

Die Wahlergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass rechtsextreme Parteien besonders dort Stimmenzuwächse verzeichnen konnten, wo sie sich als »nette Rechte von nebenan« zu präsentieren verstanden. Dies bedarf eines Engagements im so genannten vorpolitischen Raum: rechtsextreme Frauen, die gemeinsam mit ihren Kindern das örtliche Familienzentrum besuchen, NPD-Mitglieder, die sich aktiv in die Vorbereitung des Sommerfestes einbringen. Die Ideologie steht an zweiter Stelle, zunächst geht es um das zwischenmenschliche Verhältnis beim Werben um die Gunst potentieller Wählerinnen und Wähler. Ähnlich verhält es sich stellenweise im Internet: Dort sind es zum Beispiel Frauen, die sich in Eltern-Kind-Foren über Wertevermittlung in der Kindererziehung austauschen und später völkische Kindermärchen zur Verbreitung hochladen. Oder es ist der jugendliche rechtsextreme Aktivist, der sich an Diskussionen des Umweltschutzvereins beteiligt und später als Signatur die Parole »Umweltschutz ist Heimatschutz!« mit dem Verweis auf eine rechtsextreme Internetseite verwendet.

So sind es nicht nur »klassische« rechtsextreme Themen, die das Interesse Rechtsextremer wecken. Viel mehr beteiligen sie sich an thematischen Diskussionen, von denen sie sich Anknüpfungspunkte an Interessen anderer Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer versprechen. Dies sind etwa die soziale Frage, die globale Wirtschaft, Kriminalität, ‚gesellschaftliche Verrohung’, der Umgang mit der deutschen Geschichte, Deutschland als Einwanderungsgesellschaft, der Wandel der Geschlechterverhältnisse, Umweltpolitik.


Das Beispiel Netz-gegen-Nazis.de

Anhand einiger Beispiele aus dem Internetforum von netz-gegen-nazis.de möchten wir Strategien aufzeigen, mithilfe derer Rechtsextreme versuchten, Diskussionen zu beeinflussen. Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es fällt auf, dass es sich in der virtuellen Welt fast durchgängig um Argumentationsstrategien handelt, die von geschulten Rechtsextremen bereits außerhalb des Internets erprobt wurden, etwa an Wahlkampfständen demokratischer Parteien oder bei Informationsveranstaltungen gegen Rechtsextremismus. Ziel ist es in allen Fällen, die Ablehnung seitens der Anwesenden zu brechen und Raum für die Verbreitung antidemokratischer, rassistischer und antisemitischer Inhalte zu eröffnen.

Das Forum von netz-gegen-nazis.de versteht sich als offene Plattform, auf der sich Menschen über das Thema Rechtsextremismus informieren und Erfahrungen zum Umgang mit selbigem austauschen können. Das Mitlesen in dem offenen, aber moderierten Forum ist uneingeschränkt möglich, die Teilnahme an der Diskussion erfordert jedoch eine vorherige Registrierung. Rechtsextremen Userinnen und Usern, die sich auf netz-gegen-nazis.de äußern, geht es nicht um den sachorientierten Austausch, auch wenn dies gern vorgeschoben wird. Vielmehr soll ein Erfahrungsaustausch demokratisch Engagierter unterbunden beziehungsweise für die eigenen Zwecke instrumentalisiert werden. Auch geht es nicht um das jeweilige Gegenüber, sondern um all jene, die im Forum mitlesen.

Rechtsextremismus – bloß eine Meinung? Der rechtsextreme Demokratiediskurs

Eine beliebte Strategie ist deshalb der Versuch, Diskussionen zum Thema Rechtsextremismus auf andere Themen abzulenken. Dies geschieht unter anderem mit dem Verweis auf die grundgesetzlich fixierte Meinungsfreiheit und darauf, dass zum Beispiel die NPD eine nicht verbotene Partei sei. »Ihr solltet euren Quatsch mal lesen«, schreibt ein Forenteilnehmer auf netz-gegen-nazis.de zum Umgang mit einer Kundgebung der NPD, »ich würd sagen erstmal informieren worum es in der demo geht wenn es eine Parteikundgebung ist ist es doch genau so webung wie für spd oder cdu« (hier und alle folgenden Zitate: Schreibweise wie im Original). Rechtsextremismus wird als »bloß eine Meinung« in einem demokratischen Meinungsspektrum dargestellt und der antidemokratische Charakter des Rechtsextremismus negiert.

In diesem Zuge versuchen Rechtsextreme häufig, die gelebte Demokratie als ein totalitäres System und eine Meinungsdiktatur und sich selbst dagegen als wahre Demokraten zu präsentieren. Beispiele hierfür finden sich in einer Diskussion um die Organisation von Protesten gegen einen geplanten rechtsextremen Aufmarsch. Unter dem Namen SüddeutscherPatriot schreibt dort jemand: »Hm, man könnte den Rechten ja auch einfach ihre Rechte gewähren … Ihr seid doch solche Musterdemokraten, oder?«. An anderer Stelle heißt es: »wenn ihr vllt mal was von demonstrationsrecht oder meinungsfreiheit gehört habt dann dürftet ihr dagegen garnix sagen … dann wär ihr nämlich die rassisten …« In beiden Fällen wird sich auf die unveräußerlichen Grundrechte bezogen. Durch die Trennung derer von demokratischen Grundwerten gelingt den Rechtsextremen der Spagat, diese für sich einzufordern, ohne sie uneingeschränkt jedem in Deutschland lebenden Menschen zuzugestehen. Ziel des rechtsextremen Demokratiediskurses ist es, demokratischen Gesprächsteilnehmerinnen und –teilnehmern die Ausgrenzung zu erschweren, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und Raum zur gleichberechtigten Diskussion rechtsextremer Inhalte zu eröffnen.

Relativierung rechter Gewalt

Rechtsextremismus wird landläufig zuallererst mit Gewalt in Verbindung gebracht. Um dies zu brechen, versuchen Rechtsextreme in Diskussionen über rechte Gewalt immer wieder, diese zu relativieren und wo möglich die Diskussion abzulenken, zum Beispiel auf Gewalt im Allgemeinen oder Gewalttaten von Linken oder Migranten. »Was macht man eigentlich wenn z.b. türkische Schüler einheimische Schülerinnen als ›deutsche Schlampe‹ bezeichnen? Ist das dann auch fremdenfeindlich oder ist dann eher ›wegsehen‹ angesagt?«, fragt eine Nutzerin in der Diskussion über den Umgang mit rechten Sprüchen an der Schule.

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Kann man sich hier als wehrloses Opfer »migrantischer Jugendlicher« inszenieren, dienen anderenorts Verweise auf Statistiken linker Gewalttaten den Rechtsextremen zusätzlich dazu, sich selbst als »Saubermänner und -frauen« darzustellen und als »eigentliches Problem« den Umgang mit Gewalt »migrantischer« und »linker« Gruppen zu diskutieren. »Rechte Gruppen meldeten ihre Demos in der Regel rechtzeitig vorher an und hielten sich auch sehr exakt an die Auflagen. Auf der linken Seite käme es weitaus häufiger zu Spontandemonstrationen und Gewaltausbrüchen.« Rechtsextremen gelingt es so teilweise, vom eigentlichen Thema Rechtsextremismus bzw. rechtsextreme Gewalt abzulenken und über Gewalttaten im Allgemeinen zu reden.

Einen Schritt weiter geht der Versuch, rechtsextreme Gewalt in Gänze als Schreckgespenst der Medien zu beschreiben. »Ich wage zu bezweifeln, dass dir gegenüber jemals ein ›Nazi‹ gewalttätig wurde. Stand wohl eher in der ›Zeit‹ …«, schreibt SüddeutscherPatriot. Auch der Verweis auf Fälle in Mittweida oder Sebnitz, wo Gerichtsverfahren wegen rechtsextremer Gewalttaten mit Freisprüchen für die Angeklagten endeten, dienen rechtsextremen Internetnutzer zur Untermauerung der Behauptung, dass es sich bei den Statistiken rechter Gewalt um ein Phantom handele. Beiträge wie der, dass »im Netz gegen Nazis nur noch Linksextreme Platz [haben], die Phantome jagen und einen Glaubenskrieg wegen derer Weltanschauung durchführen«, sollen den Schluss nahe legen, dass jedwedes Engagement gegen Rechtsextremismus eigentlich obsolet und das Problem Rechtsextremismus nicht existent sei.

Opferrhetorik und Tabubrecher

Auch dort, wo nicht direkt über (den Umgang mit) Rechtsextremismus diskutiert wird, beteiligen sich Rechtsextreme in nicht-rechten Foren und versuchen eigene Inhalte zu platzieren. Um nicht mit Verweis auf den undemokratischen Charakter ihrer Beiträge des jeweiligen Forums verwiesen zu werden, versuchen sie dem zuvorzukommen und inszenieren sich strategisch als a) unschuldige Opfer und b) mutig Kämpfende für die Demokratie.

Ersteres geht zurück auf die rechtsextreme Opferrhetorik, wie sie aus anderen Bereichen bekannt ist: Mal sehen sie ›die Deutschen‹ ahistorisch als bloße Opfer von Krieg und Vertreibung, dann seien es die ›alliierten Besatzer‹ gewesen, welche die Deutschen zum Opfer von ›Umerziehung‹ und ›Gesinnungsdiktatur‹ gemacht hätten, später habe die ›Gastarbeiterflut‹ die Deutschen zu Opfern der Einwanderungsgesellschaft gemacht. Nicht zuletzt sind es die Rechtsextremen selbst, welche sich einer ›Meinungsdiktatur‹ ausgesetzt sehen: »Meine Beiträge werden dauernd gelöscht. Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich sagen darf was ich denke. Aber in der BRD ist diese leider nur einseitig! Wir haben §86a und §130«. Mit Bezug auf die Anwendung der Paragraphen 86a (Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole) und 130 (Volksverhetzung) soll hier der zensorische Charakter der deutschen Rechtsprechung verbildlicht werden. Vordergründig um Empathie buhlend über die Inszenierung als wehrloses Opfer, geht es rechtsextremen Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmern letztlich darum, Raum zur Selbstdarstellung im öffentlichen Raum Internet zu gewinnen und gegebenenfalls Interessierte zu erreichen. Jeder Verweis auf den undemokratischen Charakter eines Beitrages kann von rechtsextremer Seite als Bestätigung der Opferthese interpretiert werden.

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Ähnlich verhält es sich mit der Strategie des kalkulierten Tabubruchs: Über die Abgrenzung gegenüber einer nicht genauer bestimmten zensorischen Instanz »der Gutmenschen«, der »Politisch Korrekten« oder der »linken Meinungsmafia« werden Themenkomplexe ausgemacht, die zu hinterfragen oder zu diskutieren vermeintlich nicht schicklich sei und von eben jener Instanz unterdrückt werden. Im Umkehrschluss wird in dem Moment schon über das Thema geredet. Angegriffen wird eine »Political Correctness«, die ähnlich einer Zensurbehörde bestimmen würde, was zu äußern gesellschaftlich legitim sei und welche Meinungen unterdrückt gehörten. Gegen die Zensur der »Politisch Korrekten« anzugehen, so die einfache Logik, sei Bürgerpflicht und Ausdruck wahrer Demokratie, als deren Verfechter sich Rechtsextreme in diesem Moment inszenieren. Kritik an auf diese Weise geäußertem antidemokratischen Gedankengut wird von rechtsextremer Seite mit dem Vergleich zum Nationalsozialismus begegnet und somit der mögliche Vorwurf, man sei ein Nazi, vorweggenommen und umgekehrt: »Zum Boykott von Geschäften aufzurufen hatten wir übrigens schon mal«, so ein Beitrag zum Umgang mit eindeutig rechtsextremen Läden.

Bürgerrechte werden von demokratischen Werten getrennt, wenn verschwiegen wird, dass Rechtsextreme diese Rechte eben nicht allen in Deutschland lebenden Menschen uneingeschränkt zugestehen. Über die Berufung auf demokratische Grundrechte wird jedoch versucht, die Legitimation für die Verbreitung rechtsextremer Inhalte zu schaffen. Beiträge wie »und wenn einer was dagegen sagt is er gleich ein dummer Nazi!« dienen genau dazu, einem etwaigen Vorwurf vorweg zu greifen und rassistische, antisemitische oder geschichtsrelativierende Aussagen tätigen zu können. Ein Austausch zum ursprünglich diskutierten Thema wird erheblich erschwert.

Pseudowissenschaftlicher Austausch

Ein weniger offenes Bekenntnis zum Rechtsextremismus steckt in der Regel hinter Beiträgen, die sich vermeintlich einem sachorientierten Austausch stellen. In dem Glauben an die eigene Argumentationskraft begeben sich Rechtsextreme in die direkte Diskussion zu klassisch rechtsextremen Themen wie Migration oder der deutschen Geschichte. Um die eigene Argumentation zu stützen, werden vermeintlich seriöse Quellen heran gezogen: Dabei handelt es sich oft um Studien oder Berichte, welche in der Regel schwer nachprüfbar sind. Verweise auf (teils fiktive) Berichte – »Wie Prof. Dr. hc. Schultze im März 1997 im Spiegel schrieb...«, »Wie die Zeit unlängst vermeldete...« – sollen den Eindruck erwecken, der oder die Schreibende verfüge über ein umfangreiches Wissen und das Gegenüber verunsichern.

In ähnlicher Weise wird sich auf seriös klingende Quellen berufen, die sich bei näherer Betrachtung als eindeutig rechtsextrem erweisen. Der Bezug auf »eine Studie der ›Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung‹ « vermittelt zunächst den Eindruck von Wissenschaftlichkeit, stellt sich jedoch als rassentheoretische Ausarbeitung eines rechtsextremen Vereins unter selbigem Namen heraus. Ebenso taucht die zunächst unverfänglich klingende Enzyklopädie »Metapedia« als Quelle in rechtsextremen Argumentationen auf: »Metapedia« ist der Versuch einer rechtsextremen Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Weil rechtsextreme Beiträge bei Wikipedia aufgrund des antidemokratischen oder verschwörungstheoretischen Inhalts gelöscht wurden, erstellten Neonazis eine optisch ähnlich wirkende, aber inhaltlich klar rechtsextreme Enzyklopädie, auf die in Foren gern verwiesen wird, wenn der Eindruck von Wissenschaftlichkeit transportiert und der eigenen Aussage Gewicht verliehen werden soll. Verschwörungstheoretische Konstrukte bis hin zu teilweise offenen Leugnungen des Holocausts verschaffen sich hierüber eine vermeintliche Plausibilität.

Neben dem Austesten von Wissen und argumentativen Fähigkeiten des Gegenübers sollen Kritikerinnen und Kritiker verunsichert werden und sich aus der Diskussion zurück ziehen. Diese Besetzung des öffentlichen Raums dient der unverhohlenen Zurschaustellung rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Gedankenguts im Internet. Das Internet als meinungsbildendes Medium ist nicht zu unterschätzen und auch Rechtsextreme haben dies für sich erkannt. Hier nicht präsent zu sein, würde für sie einem Abrutschen in die gesellschaftliche Marginalität gleich kommen. Die geschickte Nutzung des Internets hingegen birgt eine Vielzahl an Möglichkeiten – und Rechtsextreme wissen diese zu nutzen. So ist es an einer demokratischen Gegenöffentlichkeit, aufmerksam zu bleiben und ihnen den Raum für ihren Populismus streitig zu machen.

Weiterlesen:

Argumente e.V. (2010): Dunkelfeld – Recherchen in extrem rechten Lebenswelten rund um Rhein-Main. Berlin.

Gensing, Patrick (2009): Hass 2.0. In: Gensing, Patrick (2009.: Angriff von rechts. München.

Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin: Wir lassen uns das Wort nicht nehmen. Empfehlungen zum Umgang mit rechtsextremen Besucher/innen bei Veranstaltungen, www.mbr-berlin.de/rcms_repos/attach/mbr_handr_wort_2007.pdf

Wolf, Joachim: »Ich weiß nicht, was Nazis sein sollen, getroffen habe ich noch keinen«- Rechtsextreme Argumentationsmuster im Internet, www.netz-gegen-nazis.de/artikel/rechtsextreme-argumentationsmuster-soziale-netzwerke-9811

Baldauf, Johannes: Verschwörungstheorien, Antisemitismus und Web 2.0, www.netz-gegen-nazis.de/artikel/verschwoerungstheorien-antisemitismus-und-dasweb-20-9844

Rafael, Simone: Was machen Nazis in sozialen Netzwerken – und warum? www.soziale-netzwerke-gegen-nazis.de/das-problem



Neonazis im Web 2.0: Gegenstrategien

1. Argumente und Strategien für die Auseinandersetzung mit Neonazis im Web 2.0

Von Yves Müller und Juliane Lang

Im Zeitalter des Web 2.0 dient das Internet nicht mehr nur dem Abrufen und Konsumieren von Informationen. Heute können wir selbst Daten produzieren, verarbeiten und blitzschnell per Mausklick verteilen. Wir lieben, leiden, freuen uns digital. Wir kommunizieren und versammeln uns in sozialen Netzwerken. Das Web 2.0 bietet Partizipationsmöglichkeiten, nährt Bedürfnisse nach Transparenz und Offenheit und schafft damit einen virtuellen demokratischen Raum, der von Nutzern und Nutzerinnen mit den entsprechenden technischen Möglichkeiten gestaltet werden kann.

Dass auch Rechtsextreme das Web 2.0 nutzen, stellt Betreiberinnen und Betreiber ebenso wie Nutzerinnen und Nutzer vor die Frage, wie dieser demokratische Raum gegenüber gezielten Vereinnahmungsversuchen verteidigt werden kann. Was kann ich als »einfache« Nutzerin oder Nutzer gegen Rechtsextremismus in der digitalen Welt tun?


Das Problem wahrnehmen

Nicht immer hat man es mit Personen zu tun, die ein geschlossen rechtsextremes Weltbild zur Schau stellen und rechtsextrem organisiert sind. Nicht immer deuten plumpe rassistische Beiträge, krude antisemitische Verschwörungstheorien oder wohlstandschauvinistische Äußerungen auf einen geschulten Rechtsextremen hin. In gewisser Weise ist das Internet nur ein virtuelles Abbild der Gesellschaft. So lassen sich hier ebenso Versatzstücke rechtsextremen Gedankenguts finden wie am Stammtisch. Die treffende Einschätzung des Gegenübers kann aber entscheidend für das eigene Handeln sein.


  • Wer mit rassistischen und antisemitischen Parolen konfrontiert ist, weiß zunächst oft nicht, ob er es mit einem geschulten rechtsextremen Aktivisten zu tun hat. Nicht selten nützt das gezielte Insistieren und Nachfragen bei der Einschätzung. Gerade in Forendiskussionen offenbaren sich Rechtsextreme früher oder später.


Die Situation einschätzen

Ignorieren?

Nicht auf jede rechtsextreme Provokation muss man eingehen. Nicht immer muss man in Foren eine inhaltliche Debatte anfangen, wenn jemand rassistische Parolen zum Besten gibt. Doch muss man rechtsextreme Erscheinungsformen im Internet deswegen ignorieren?

Es ist Strategie rechtsextremer Unterwanderungen und Wortergreifungen in Foren und sozialen Netzwerken, den »politischen Gegner« mundtot zu machen. Eine Auseinandersetzung und Selbstverständigung von Menschen über demokratische Werte und verschiedene Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens soll dann nicht mehr möglich sein. Dies kommt einer Entdemokratisierung des Internet gleich. Über rechtsextreme Provokationen und Vereinnahmungen einfach hinwegzugehen, wäre daher falsch. Doch das ist kein Grund, stereotyp immer die gleichen Gegenmaßnahmen abzuspulen.


  • Wichtig ist: Man muss nicht immer diskutieren. Ignorieren geht aber auch nicht. Nicht immer ist eine zeitintensive inhaltliche Diskussion nötig und sinnvoll. Manchmal reicht eine einfache Positionierung.

  • Nutzerinnen und Nutzer von sozialen Netzwerken und Foren, die regelmäßig mit rechtsextremen Vereinnahmungsversuchen konfrontiert sind, sollten sich eine gewisse Bandbreite möglicher Gegenstrategien aneignen. So wird die eigene Reaktion für die Rechtsextremen nicht berechenbar und vorhersehbar. Außerdem macht es viel mehr Spaß, die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten auszutesten; soziale Netzwerke können rechtsextreme Unterwanderungen zum Anlass nehmen, einen Video-Contest gegen Rechtsextremismus auszurufen. Nutzerinnen und Nutzer schließen sich in virtuellen Gruppen zusammen und tauschen sich aus.

  • Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus darf nicht dazu führen, dass sich andere Nutzerinnen und Nutzer genervt ausloggen. Das eigentliche Thema darf durch die rechtsextreme Provokation nicht aus dem Blick geraten. Wenn man sich plötzlich nur noch mit dem rechtsextremen Provokateur befasst, hat dieser sein Ziel erreicht und die eigentliche Diskussion verstummt.

Betroffene schützen

Unabhängig vom weiteren Vorgehen im Umgang mit rechtsextremen Vereinnahmungsversuchen im Internet müssen potentiell Betroffene rechtsextrem motivierter Gewalt geschützt werden. Dabei ist es zweitrangig, ob tatsächlich Betroffene mitlesen oder in einer Gruppe eines sozialen Netzwerkes anwesend sind. Opfer rechtsextrem motivierter Gewalt dürfen auch im virtuellen Leben nicht allein gelassen werden. Dabei hat die Solidarisierung mit ihnen Symbolcharakter und Signalwirkung auf andere Nutzerinnen und Nutzer.


  • Wenn Menschen von Rechtsextremen persönlich bedroht werden, ist dies oft strafrechtlich relevant und muss verhindert werden. Beratungsstellen für Opfer rassistischer und rechtsextrem motivierter Gewalt können beim angemessenen Vorgehen Hilfestellung leisten.
    Eine Auflistung der Opferberatungsstellen gibt es auf www.opferfonds-cura.de

  • Fast jede und jeder hat das schonmal erlebt: Ein oder zwei Rechtsextreme bedrohen eine andere Person in der Öffentlichkeit – und niemand schreitet ein? Ganz ähnlich verhält es sich im Internet. Auch hier ist Zivilcourage ein unschätzbares Gut einer demokratischen Gesellschaft. Dabei liegt in der unmittelbaren Anonymität des Web 2.0 sogar ein Vorteil. Oftmals fehlt nur die eine Person, die den Anstoß gibt. Manchmal muss sich nur mal jemand im Forum zu Wort melden – und auch andere schreiten ein.

  • Wer es mit rechtsextremen Vereinnahmungsversuchen im Internet aufnehmen will, braucht Verbündete. In Forendiskussionen kann schon die Aufforderung an andere Nutzer und Nutzerinnen, sich auch gegen Rechtsextremismus zu positionieren, helfen.


Handeln

Profile sperren, rechtsextreme Inhalte entfernen

Dienst-Provider sind zur Entfernung rechtsextremer Inhalte verpflichtet, können aber nur begrenzt kontrollieren, wer sich bei ihnen anmeldet oder welche Inhalte veröffentlicht werden. Auf youtube.de finden sich hunderte rechtsextreme Musikvideos, Schulungsfilme, Wahlwerbespots. Wer doch gesperrt wird, kann sich problemlos unter neuem Namen wieder anmelden. Somit ist die Fülle rechtsextremer Propaganda, die zum Beispiel auf Plattformen wie Youtube täglich hochgeladen wird, kaum überschaubar. Betreiberinnen und Betreiber sind auf die Mithilfe der Nutzerinnen und Nutzer angewiesen.


  • Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Alle Sozialen Netzwerke untersagen in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) rassistische und rechtsextreme Inhalte. Jede und jeder kann rechtsextreme Inhalte beim jeweiligen Provider anzeigen. Oft verfügen soziale Netzwerke über interne niedrigschwellige Meldesysteme.

  • Auch über Online-Beschwerdestellen wie www.jugendschutz.net können jugendgefährdende Internetseiten, Profile, Onlinevideos usw. gemeldet werden. Derlei Beschwerdestellen haben den Vorteil, dass sie über die Ressourcen und rechtlichen Mittel verfügen, um angezeigte Inhalte nachhaltig zu verfolgen. Auch sie sind aber auf das Engagement aufmerksamer Internetnutzer angewiesen.

  • Grundsätzlich gilt: Nicht immer können rechtsextreme Inhalte aus dem Internet verbannt werden. Unwidersprochen bleiben müssen sie jedoch nicht!

Diskutieren oder nicht?

  • Die demokratische Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus muss inhaltlich geführt werden. Wer sich mit rechtsextremen Vereinnahmungsversuchen im Web 2.0 beschäftigt, sollte sich also über Ideologie und Ziele der Rechtsextremen im Klaren sein. Nicht jede rassistische, antisemitische oder nationalistische Parole lässt aber Rückschlüsse auf denjenigen zu, der sie geäußert hat. Und nicht über jede rechtsextreme Argumentation möchte man diskutieren.

  • Rechtsextreme Aktivisten und Aktivistinnen handeln bewusst und aus Überzeugung. Mit ihnen zu diskutieren ist daher wenig erfolgversprechend. Auch bei eindeutigen rechtsextremen Provokationen und Pöbeleien bringt es oft nichts, die inhaltliche Diskussion mit dem Gegenüber zu suchen. Zielgruppe der Auseinandersetzung müssen anwesende Dritte sein.

  • Im Einzelfall kann eine argumentative Auseinandersetzung über rassistische, antisemitische oder geschichtsrevisionistische Vorurteile und Klischees helfen, diese aufzubrechen und andere zum Nachdenken anzuregen. Diskussionsbereitschaft ist aber nicht mit Zustimmung zu verwechseln.

  • Allein das »bessere Argument« zu haben reicht oftmals nicht. Wer sich argumentativ behaupten will, muss über die Inhalte und Tragweite rechtsextremer Einstellungen Bescheid wissen und zwischen Rechtsextremen und anderen sich rassistisch Äußernden unterscheiden können. Viele Initiativen bieten »Argumentationstrainings gegen rechte Stammtischparolen« an, die auch in Foren und sozialen Netzwerken angewandt werden können.

  • Inhaltliche Diskussionen können zeitintensiv sein und Nerven kosten. Mit einer einfachen Entgegnung ist es meist nicht getan. Sie bedürfen manchmal der inhaltlichen Vorbereitung. Jeder Internetnutzer und jede -nutzerin sollte sich zunächst fragen: »Habe ich überhaupt Zeit und Lust, mit meinem Gegenüber zu diskutieren?«

Diskutieren, aber mit wem?

An Diskussionen in Foren und sozialen Netzwerken beteiligen sich meist mehrere Personen gleichzeitig.


  • In der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Argumenten muss es in erster Linie darum gehen, andere Internetnutzerinnen und -nutzer einzubeziehen. So können sich nicht-rechte Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig unterstützen und Mut machen. Erfolgreich sind Handlungsstrategien dann, wenn daraus eine zielorientierte Debatte über Rechtsextremismus erwächst.

  • Oft begegnet man in Foren, Kommentarspalten und sozialen Netzwerken mehreren Rechtsextremen gleichzeitig. Bewusst oder nicht fungieren sie in Diskussionen als gegenseitige Stichwortgeber. Um ihnen zu zeigen, dass ihre Ideologie nicht ankommt, hilft es, demokratische Mehrheiten zu bilden. Eine Nutzerin oder ein Nutzer kann zum Beispiel andere auffordern, sich ebenfalls zu Wort zu melden.

  • Manchmal kann es sinnvoll sein, das rechtsextreme Gegenüber mit Argumenten zu überhäufen. So kann es seine Wortergreifungsstrategie nicht fortführen, gerät vielmehr selbst in die Defensive und kann die Diskussion nicht bestimmen.

  • Andere engagierte Nutzerinnen und Nutzer sind auf Unterstützung angewiesen. Sie sollten nicht allein gelassen werden. Dabei reicht es manchmal schon, sie in ihrem Agieren zu stärken.


Nicht diskutieren, aber positionieren

Auch virtuelle Räume wie Foren und soziale Netzwerke sind demokratische Orte. Um allen die Teilhabe daran zu ermöglichen, muss diskriminierenden Aussagen widersprochen werden. Auch wenn eine gleichberechtigte Diskussion mit dem sich rassistisch äußernden Gegenüber oftmals nicht möglich ist, kann sich jeder User und jede Userin gegen Rechtsextremismus positionieren.


  • Wollen sich Rechtsextreme im Internet breit machen, muss man ihnen genau dort Grenzen setzen und die Räume streitig machen. Mit den Worten »Ich möchte nicht weiter mit Ihren rassistischen Aussagen belästigt werden.« oder »Ich dulde nicht, dass solche Äußerungen hier im Forum gemacht werden...« können rechtsextreme Vereinnahmungen unterbunden werden.

  • Da sich viele soziale Netzwerke gegen Rechtsextremismus wehren, kann eben dieses Selbstverständnis zum Gegenargument werden: »Diese Homepage setzt sich ein für ein demokratisches Miteinander aller Menschen unabhängig der Herkunft, da sind Sie mit rassistischen Vorstellungen hier falsch …«

  • Rechtsextreme warten nur auf unbedachte Äußerungen, die sie für sich nutzen können. Daher ist es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben. Es nutzt niemandem, das rechtsextreme Gegenüber persönlich zu beleidigen. Problematisch ist schließlich zuallererst die rechtsextreme Ideologie.

Sag‘ was!

Sich mit rechtsextremen Parolen und Wortergreifungen auseinanderzusetzen, heißt nicht nur, die »besseren Argumente« auf seiner Seite zu haben, sondern auch strategisch und bedacht vorzugehen. Allzu leicht gerät man in Schwierigkeiten, wenn man das Gegenüber unterschätzt und sich auf die rassistischen Argumentationsmuster einlässt. Es kann helfen, sich zunächst einige Fragen zu stellen: Gehe ich konfrontierend oder mit eher fragender Haltung vor? Will ich vor allem Sachargumente anbringen, meine persönliche Haltung oder unverhandelbare Normen deutlich machen?


  • »Was meinen Sie genau damit? Wen meinen Sie denn, wenn Sie von Ausländern sprechen? Warum ist Ihnen das Thema so wichtig? Warum finden Sie es problematisch, dass….?« Wer nachfragt, ist im Vorteil. Mit wem man es wirklich zu tun hat, zeigt sich oft nicht sofort. Mit Fragen an das Gegenüber kann man etwas über Diskussionsbereitschaft, ideologische Festigung und rhetorische Fähigkeiten erfahren.

  • Ebenso kann man die verbale Auseinandersetzung suchen und dabei unumwunden die eigene Haltung kundtun: »Ist Ihnen bewusst, dass Sie sich gerade sehr diskriminierend geäußert haben? Wie fänden Sie es, wenn andere für Sie solche abwertenden Bezeichnungen verwenden würden?«
  • Viele Menschen mit rassistischen oder antisemitischen Einstellungen geraten in Schwierigkeiten, wenn sie nach konkreten Beispielen für ihre Vorwürfe gefragt werden. Dass »die Ausländer« »den Deutschen« die Arbeitsplätze wegnehmen würden, ist schlicht falsch. Wer hier Fakten einfordert und gegenteiliges Wissen einbringt, kann das Gegenüber verunsichern. Aber Vorsicht: Rechtsextremen wird man mit Argumenten kaum begegnen können.

  • Wenn Rechtsextreme versuchen, über das wahllose Skandieren von Parolen und das Hin- und Herspringen von einem Thema zum nächsten (Themen- und Parolen- Hopping) das Gespräch zu bestimmen, kommt es darauf an, den Überblick zu behalten und selbst die Diskussion zu bestimmen. Das heißt, das Gegenüber auf ein Thema festzulegen, statt gegen verschiedenste Aussagen gleichzeitig anzugehen.

  • Die Konfrontation mit dem rassistischen Vorurteil stellt auch die eigene antirassistische Grundhaltung auf die Probe. Lediglich auf der Basis von Nützlichkeitskriterien das Für und Wider von Migration zu diskutieren und den Zuzug migrantischer Arbeitskräfte als Gewinn für die deutsche Wirtschaft zu preisen, basiert auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung und ist somit anschlussfähig für Vorurteile. Statt aber in »gute« und »schlechte« Migranten und Migrantinnen einzuteilen, sollte eine an den allgemeinen Menschenrechten orientierte Grundhaltung das eigene Handeln tragen.


Rechtsextreme Strategien offenlegen

Rechtsextreme fühlen sich dort am wohlsten, wo sie nicht als solche sanktioniert werden. Meist können Rechtsextreme aber Diskussionsforen und soziale Netzwerke nur für sich nutzen, solange ihre Beiträge nicht als Teil einer dahinter stehenden Strategie wahrgenommen werden. Für Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerke ist daher die Kenntnis rechtsextremer Strategien eine gute Grundlage für das eigene Handeln gegen Rechtsextreme in der virtuellen Welt.

Es nützt wenig, sich ausschließlich mit den provokativen Beiträgen von Rechtsextremen zu befassen, sich also an den Rechtsextremen »abzuarbeiten« und das eigentliche Ziel der Diskussion aus den Augen zu verlieren. Denn genau darauf zielen die rechtsextremen Wortergreifungen ab. Man läuft so Gefahr, das rechtsextreme Gedankengut zumindest diskutabel zu machen. Außerdem sollte nicht unterschätzt werden, dass rhetorisch wie ideologisch geschulte rechtsextreme Kader durchaus überzeugend agieren können, wenn es um Desinformation und Verunsicherung geht. Legt man aber die dahinter liegende Strategie und die technischen Tricks der Rechtsextremen offen, »entlarvt« sie also, besteht die Chance, öffentlichen Raum im Internet zurückzugewinnen beziehungsweise zu verteidigen. So muss es darum gehen, anderen Internetnutzerinnen und -nutzern die rechtsextremen Diskussionsstrategien und Vorgehensweisen aufzuzeigen.


  • Mittels stetem Wechsel von Parolen und Themen versuchen Rechtsextreme, das Gegenüber zu verunsichern, Diskussionen an sich zu reißen und zu lenken. Dieses Vorgehen hat Methode und kann als illegitimes Mittel der Debatte gekennzeichnet werden.

  • Um ihre Argumentation zu untermauern, verweisen Rechtsextreme auf Zeitungsartikel, Einträge auf Internetseiten und politische Theorien, mit dem Ziel, das eigene Denken als legitim und akzeptabel darzustellen. Oftmals belegen aber gerade derartige Verweise den rechtsextremen Hintergrund des Gegenübers, wenn sich beispielsweise auf eine rechtsextreme Homepage bezogen wird. Darauf hinzuweisen, kann Rechtsextreme verunsichern und hilft den anderen Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmern, deren Äußerungen einzuordnen.

  • Unzulässigen Verallgemeinerungen der Rechtsextremen kann gleichfalls mit Offenlegung der dahinter stehenden Strategie begegnet werden.

Wissen

  • Der rechtsextremen Unterwanderung im Internet kann nur begegnen, wer um die Strategien der Rechtsextremen weiß. Vielen Nutzerinnen und Nutzern von Foren oder sozialen Netzwerken ist aber gar nicht bewusst, dass Rechtsextreme dazu aufrufen, gezielt das Web 2.0 für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Nur wenige können sagen, was die Rechtsextremen dort machen, welche Ziele sie verfolgen.

  • Neben dem Aspekt der sozialen Vernetzung bietet das Internet auch eine Vielzahl an Möglichkeiten der Information über Rechtsextremismus, u.a. Informationsportale, die über rechtsextreme Erscheinungsformen, Strategien und aktuelle Entwicklungen aufklären.

  • Wer sich informiert und fit macht gegen rechtsextreme Argumente, kann die eigene Unsicherheit überwinden und sich der rechtsextremen Herausforderung besser stellen. Informationen bieten auch die Handreichungen und Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung.

Einige nützliche Linktipps:

www.netz-gegen-nazis.de
www.hass-im-netz.info
npd-blog.info


www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
blog.zeit.de/stoerungsmelder
www.bpb.de/rechtsextremismus
Auch die in den einzelnen Bundesländern aktiven Mobilen Beratungsteams können helfen. Eine Linkliste befindet sich hier: www.mbr-berlin.de/Links/Partner_und_andere_Projekte



2. Ideen gegen Neonazis - von der Meldung bis zur Aktion

Von Simone Rafael

Neben dem bewussten Eingreifen in Diskussionen, wie sie im Kapitel zuvor beschrieben wurden, gibt es noch weitere praktische Möglichkeiten, gegen Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken aktiv zu werden. Die folgende Sammlung ist als Anregung zu verstehen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

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Einzelpersonen:

  • Jeden Tag eine gute Tat: Suchen Sie sich ein soziales Netzwerk Ihrer Wahl und melden Sie, sobald sie den Computer anmachen, einfach zuerst fünf rechtsextreme Profile, Postings, Videos, Bands o.ä. Wer nach einschlägigsten Begriffen sucht, wie NS-Vokabular, übliche Zahlencodes, Slogans, rassistische Stereotypen, Band- Namen etc., wird in der Regel fündig. Die sozialen Netzwerke sind auf Hinweise angewiesen und freuen sich. Wenn nicht sofort etwas passiert: Weitermachen, eventuell mit besseren Argumenten und Quellen.


  • Strafrechtlich Relevantes können Sie einfach bei Ihrer lokalen Polizeiwache (finden Sie auch als Onlinewache im Internet) anzeigen.

  • Vernetzen Sie sich mit bestehenden Gruppen und bleiben Sie informiert. Auch viele Initiativen gegen Rechtsextremismus sind in sozialen Netzwerken aktiv und versorgen mit Informationen – auch ein internationaler Austausch ist so leicht möglich.

  • Gründen Sie Gruppen, um ein Statement zu setzen, Gleichgesinnte zu finden, Ideen auszutauschen.

  • Starten Sie eine Aktion.


Aktionen

  • Online-Flashmobs: Userinnen und User wurden auf Facebook in einer genau bestimmten Zeit aufgefordert, auf NPD-Webseiten Anti-Nazi-Bilder zu posten – lustig und ärgert die Rechtsextremen, ohne illegal zu sein.

  • Um Protest oder Solidarität auszudrücken, ändern Userinnen und User für einen vereinbarten Zeitraum ihr Profilbild (gab es z.B. zur Kampagne »Soziale Netzwerke gegen Nazis«) – gibt es inzwischen auch in der Version eines Buttons, der ans Profilbild geheftet wird (z.B. www.picbadges.com).



  • Wenn Sie kreativ sind: Nichts verbreitet sich im Internet so gut wie lustige Videos. Wenn Sie können: Drehen Sie doch eines zum Thema (ist aber nicht ganz leicht. Anregungen gibt es unter www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/video oder immer wieder bei den Kolleginnen und Kollegen von www.x3.de vom NDR).
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Weiterlesen:

Rafael, Simone: Mach’s mit, mach’s nach, mach’s besser: Internet gegen Nazis 2.0, www.netz-gegen-nazis.de/artikel/mach-s-mit-mach-s-nach-mach-s-besser-internetgegen-nazis-20-4919
Rafael, Simone: Was konkret tun gegen Rechtsextremismus im Internet? www.netzgegen-nazis.de/artikel/was-konkret-tun-gegen-rechtsextremismus-im-internet-7367



3. Was Betreiber gegen Neonazis im Web 2.0 tun können

Von Simone Rafael

Soziale Netzwerke sind nicht »das Internet«. Sie sind Unternehmen, die sich und ihren Nutzern deshalb auch Regeln geben können, sie können Monitoring betreiben und auch Selbstverpflichtungserklärungen von Nutzern und Nutzerinnen einfordern. Damit zeigen sie Verantwortung, bieten ihren demokratischen Nutzerinnen und Nutzern ein möglichst gefährdungsfreies Umfeld und setzen ihrerseits ein wichtiges Zeichen, für welche Werte sie einstehen.

Möglichkeiten für Betreiberinnen und Betreiber sozialer Netzwerke:


  • Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB), die Rechtsextremismus, Rassismus, Diskriminierung untersagen: Die deutliche Positionierung setzt ein Zeichen und ist die Grundlage, um konsequent handeln zu können.

  • Rechtsextreme Beiträge kontinuierlich und möglichst schnell löschen, rechtsextreme Userinnen und User ausschließen: Das zeigt Konsequenz, bestärkt die nichtrechten Userinnnen und User, entmutigt die Neonazis auf Dauer und führt so dazu, dass Neonazis (in diesem Netzwerk) weniger aktiv sind.

  • Expertenteams helfen, die Meldungen der Userinnen und User einzuordnen. Schön ist, wenn dies zeitnah geschieht, noch besser, wenn es eine Rückmeldung für den User oder die Userin gibt, die nicht nur eine Standardmail ist – das gibt den Usern die Möglichkeit, ihre Meldungen zukünftig zu präzisieren.

  • Aktionen gegen Neonazis, Rassismus und Antisemitismus auf der eigenen Plattform unterstützen, etwa durch Einbindung, Edelprofile, Werbemittel. Oder eigene Aktionen zum Thema starten, z.B. Wettbewerbe. Sie lenken Aufmerksamkeit auf die Themen, bestärken Nutzerinnen und Nutzer, dass ihr Engagement (z.B. durch Meldungen) gewünscht ist. (z.B. www.soziale-netzwerke-gegen-nazis.de)

  • Reale Initiativen gegen Rechtsextremismus durch Spenden unterstützen – so hat etwa der Zusammenschluss »IT-Unternehmen gegen Rechtsextremismus« Geld für die Projektförderung der Amadeu Antonio Stiftung gesammelt.

  • Eigene Stärken nutzen: Warum nicht mal die Userinnen und User gezielt aktivieren und aufrufen, demokratiefeindliche Profile zu sammeln, um Gegenstrategien zu entwickeln? Das haben im Internet jüngst die Clickworker von Clickworker.com für netz-gegen-nazis.de gemacht.

Weiterlesen:

Fuchs, Dana: Clickworker finden 1.550 rechtsextreme Internetseiten und Web 2.0–Einträge – Analyse auf netz-gegen-nazis.de, www.netz-gegen-nazis.de/artikel/clickworker-finden-1550-rechtsextreme-internetseiten-analyse-auf-netz-gegen-nazisde-6300
VZ-Gruppe: »Soziale Netzwerke haben Recruiting-Potenzial für Nazis. Konsequentes Vorgehen ist wichtig« www.netz-gegen-nazis.de/artikel/vz-gruppe-soziale-netzwerke-haben-recruiting-potenzial-fuer-nazis-0921
Auf www.soziale-netzwerke-gegen-nazis.de ] erläutern 20 Netzwerke, was genau sie gegen Neonazis auf ihren Seiten tun.



Das Engagement der Amadeu Antonio Stiftung

Seit ihrer Gründung ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierfür unterstützt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur und kommunale Netzwerke. Wichtigste Aufgabe der Stiftung ist es, die Projekte über eine finanzielle Unterstützung hinaus zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen. Der Namensgeber der Stiftung, Amadeu Antonio Kiowa, wurde 1990 von rechtsextremen Jugendlichen in Eberswalde zu Tode geprügelt, weil er eine schwarze Hautfarbe hatte. Er war eines der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach dem Fall der Mauer. Die Amadeu Antonio Stiftung wird von der Freudenbergstiftung unterstützt und arbeitet eng mir ihr zusammen.

Weitere Informationen können unter der folgenden Adresse erfragt werden:

Amadeu Antonio Stiftung
Linienstraße 139, 10115 Berlin, Telefon 030.240 886 10, Fax 030.240 886 22

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stiftung (Henrike Hermann, Robert Lüdecke, Andrés Nader, Thomas Olsen, Heike Radvan, Simone Rafael, Timo Reinfrank, Jan Riebe, Sarah Schulz, Joachim Wolf) sind per Mail zu erreichen unter: vorname.nachname<a>amadeu-antonio-stiftung.dePost_icon.png

Bankverbindung der Amadeu Antonio Stiftung:

Deutsche Bank Bensheim, BLZ 509 700 04, Konto-Nr. 030331300

Internationale Bankverbindung:
Deutsche Bank Bensheim, Account number 030331300 BIC: DEUTDEFF 509, IBAN: DE 9150970004

Oder spenden Sie online: www.amadeu-antonio-stiftung.de

Weitere Internetangebote der Amadeu Antonio Stiftung:
www.netz-gegen-nazis.de (Kooperation mit der ZEIT)
www.mut-gegen-rechte-gewalt.de (Kooperation mit dem stern)
www.opferfonds-cura.de
www.keinortfuerneonazis.de
www.lola-fuer-lulu.de

Soziale Netzwerke:

www.facebook.com/AmadeuAntonioStiftung
www.facebook.com/keinortfuerneonaz
www.twitter.com/AmadeuAntonio



Impressum

Herausgeberin: Amadeu Antonio Stiftung
Redaktion: Simone Rafael, Joachim Wolf
Autorinnen und Autoren: Juliane Lang, Yves Müller, Simone Rafael, Joachim Wolf Gestaltung: Design, Berlin
Alle Rechte bleiben bei den Autoren und Autorinnen.
© Amadeu Antonio Stiftung, 2010

Diese Broschüre wird gefördert vom Bundesministerium der Justiz. Sie fußt auf Ergebnisse der Projektarbeit von www.netz-gegen-nazis.de , besonders aus dem Projekt »Generation 50plus aktiv im Netz gegen Neonazis«, gefördert vom Zukunftsfonds der Generali Holding AG und von der Freudenberg Stiftung, und auf Erfahrungen der Kampagne »Soziale Netzwerke gegen Nazis«, an der 63 sozialen Netzwerke beteiligt waren.



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