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.VII.b) Nachlese Antifa-Demo in Freisenbruch WAZ/NRZ - Unsere Stadt E-Ost vom 30.4.2008

Quelle: www.derwesten.de/nachrichten/staedte/essen/ost/2008/4/30/news-42533413/detail.html

WAZ/NRZ - unsere Stadt - Essen Ost, 30.04.2008

Nur gezielte Aufklärung hilft

Von Patrik Toma

Essener Antifaschistische Gruppen demostrieren gegen "rechtsradikale Auswüchse im Bezirk". Bürger für das Thema Neofaschismus sensibilisieren und gleichzeitig ein friedliches Zeichen setzen

Freisenbruch. Jäh wird die Mittagsruhe unterbrochen. Rund 200 Menschen, vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene, verschaffen sich Gehör - ausgerüstet mit Megaphonen und einer beachtlichen Polizeieskorte im Schlepptau. Sie wollen auf "rechtsradikale Auswüchse im Bezirk" aufmerksam machen. "Freisenbruch und die angrenzenden Stadtteile werden immer mehr zu einer Hochburg für Nazis", schallt es aus den Lautsprechern.

Zur Demonstration am vergangenen Samstag hatte der Zusammenschluss der Essener Antifaschistischen Gruppen (kurz Antifa-Gruppen) geladen. Ziel der Veranstaltung war nicht nur die Sensibilisierung der Bürger für das Thema Neofaschismus. Gleichzeitig wollten die Antifaschisten ein friedliches Zeichen setzen: Im Vorfeld der Massenkundgebung wurden im Stadtteil Flugblätter in den Umlauf gebracht, die wiederum vor der Gewaltbereitschaft linker "Chaoten" warnten. "Dabei liegt uns nichts ferner als Gewalt", beteuert ein Organisator, der aus Angst vor möglichen Repressalien ungenannt bleiben möchte.

"Diese Angst ist berechtigt", so das Antifa-Mitglied weiter. Die rechte Szene sei dabei, "sich im Stadtteil zu etablieren". Ein Personenkreis von etwa 20 Mann sei derart gut organisiert, um spürbare Aktionen durchführen zu können. Immer öfter komme es zu Übergriffen, "Plakate und an Häuserfassaden geschmierte Parolen" seien deutlich zu sehen. Und tatsächlich: Während des Streifzuges durch die Nachbarschaft sind derartige Schmierereien immer wieder zu entdecken. "Israel, nein danke", ist auf einer Holztür zu lesen, darunter der Zusatz "Frohe Weihnachten".

Machen die Kritzeleien den Essener Osten schon zur "rechten Hochburg"? Bezirksvertreter Frank Müller (SPD), der dabei ist: "Bisher haben wir dieses Problem in der BV VII noch nicht so wahrgenommen." Auch die Polizei konnte bislang kein erhöhtes Ausmaß rechtsradikal motivierter Straftaten feststellen. Rainer Sonntag vom Anti-Rassismus-Telefon ergänzt jedoch: "Von unseren Anrufern wissen wir, dass sie die Anzeige aus Angst vor Scherereien mit der Polizei oder den Tätern selbst oftmals unterlassen."

Für die Jugendlichen ist die Bedrohung allerdings existent. Während ihres Marsches machen sie immer wieder vor Häusern, in denen "landes- und bundesweit bekannte Nazis" wohnen, Halt und informieren Anwohner über Aktivitäten ihrer Nachbarn. "Wir kriegen euch alle", skandiert die Menge. Die richtige Botschaft? Rainer Sonntag ist skeptisch: "Das Anprangern von Einzeltätern ist der falsche Weg, er führt lediglich zu weiteren Provokationen. Viel wichtiger ist es, die schleichende und fremdenfeindliche Grundstimmung durch gezielte Aufklärung zu bekämpfen." Damit meint Sonntag nicht nur die Aufklärung unter Jugendlichen: "Fremdenhass ist kein Jugendproblem mehr."

Dies weiß auch der junge Mitorganisator von der Antifa, der nach der Abschlusskundgebung am Bahnhof Steele-Ost sichtlich erleichtert ist: "Gut, dass alles glatt verlaufen ist. Es sollten wohl ein paar Störaktionen stattfinden, doch die Polizei hatte die Lage gut im Griff." Nun gelte es, ein "aktionsorientiertes Netzwerk" zu schaffen. "Wir in Freisenbruch müssen Zivilcourage zeigen und rechte Straftaten konsequent anzeigen", fordert eine Initiatorin.


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