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Essen - Die Rüstungsschmiede des Dritten Reiches

Essen tut sich wirklich schwer mit der Krupp-Geschichte: Von den Nazis im Kriegs-Erfolgstaumel noch groß gefeiert als Rüstungssmiede des Dritten Reiches und von einer menschenverachtenden Ausbeutung von Zwangsarbeitern begleitet wurde später allzu deutlich, wie sich das dort täglich produzierte menschliche Leid letztendlich auch gegen die Essener selbst richten wird. Für die Alliierten war das Ruhrgebiet und Essen mit seinen Krupp-Werken ein militärisches Ziel, das bombardiert werden musste, wenn man das Nazi-Regime niederringen wollte.


Trotz anschließendem Kriegsverbrecherprozess, und obwohl todbringende Waffen in alle Welt exportiert wurden: Heute wird der Industriellen-Clan offiziell geehrt und die Geschichte zu gern romantisiert.


26.04.2013, WAZ: Einfach nicht kaputtzukriegen

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WAZ / Essen,Freitag, 26.04.2013

Einfach nicht kaputtzukriegen

Das Denkmal von Alfred Krupp an der Marktkirche ist so oft versetzt worden wie wohl kein zweites im Land. Der Ort ist für City-Verhältnisse stimmungsvoll, leidet aber an seinem randständigen Publikum


Von Frank Stenglein


Dieses Denkmal hat ein zähes Leben, ja vielleicht ist keine Statue in Deutschland öfter weggeräumt und umgestellt worden als der bronzene Alfred knapp. Direkt an der Marktkirche, dem zentralen historischen Platz der Essener Stadtmitte, wurde er 1889 auf Initiative der Bürger und des Rates errichtet. Zwei Jahre zuvor war der eigentliche Begründer der Gussstahlfabrik gestorben, und er hatte ein Lebenswerk vorzuweisen, das Entscheidendes zu Essens Entwicklung beigetragen hatte.


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100 besondere Orte
11. Markt und Krupp-Denkmal

Moralische Bedenken wegen der Waffenproduktion war den damaligen Bürgern fremd. „Die dankbare Vaterstadt" bezeugt daher der Sockel des Denkmals - damals wie heute. Alfreds Blick schweift frei die Kettwiger Straße hinauf, zentraler geht's in Essen wirklich nicht. So blieb es bis 1945, und dann war erst mal Schluss mit „dankbarer Vaterstadt“. Die Geschichte der Krupps wurde jetzt in einem ausschließlich kritischen Licht betrachtet.

Die Statue hatte den Bombenhagel und die Zerstörung seiner Umgebung wie durch ein Wunder unversehrt überstanden und diente US-Kriegsfotografen nach der Kapitulation als dankbare Kulisse für Fotos. Den Namen Krupp kannte eben auch jenseits des Atlantik jeder. Schließlich landete das Denkmal aber doch in einem Bombentrichter. Wer es dort rein stieß, wer es rausholte und zum politischen Überwintern auf das Krupp-Werksgelände brachte — all das ist unbekannt. Klar ist: Erst 1952, ein Jahr nach der Entlassung des Urenkels Alfried aus alliierter Haft, ist auch der Urgroßvater wieder vorzeigbar. Nicht in der Innenstadt zwar - das wäre dann doch noch zu kühn - aber an der Friedrichstraße im Südviertel.

Im Jahr 1961 - Krupp ist wieder da und rehabilitiert - dann der nächste Schritt: Pünktlich zur 150-Jahr-Feier des Unternehmens kehrt der bronzene Alfred an die Marktkirche zurück. Allerdings, und das macht den feinen Unterschied: Eine allzu offensive Zurschaustellung hielt die Stadt auch jetzt nicht für angebracht. Nicht der alte triumphale Ort, nur eine Ecke an der unscheinbaren Westseite der Marktkirche durfte es sein. Dort musste Alired Krupp noch einige Jahrzehnte Buße tun, eingezwängt zwischen einem Baum, einem Mäuerchen und der Kirche.

Erst 2006 folgte dann Schritt Nummer drei. Berthold Beitz persönlich ist zugegen, als die Statue von einem Kran wieder auf ihren neu-alten Platz gehoben wird, wo sie bis heute steht. Nach 61 langen Jahren schloss sich der Kreis. Für Beitz‘ Geschichtspolitik, für sein erfolgreiches Bemühen, den Namen Krupp von Makeln zu befreien, setzt dieser Tag in gewisser Weise einen symbolischen Schlusspunkt. Klarer kann eine Stadt nicht dokumentieren, dass nun wieder die sozialen, mäzenatischen und wirtschaftlichen Verdienste der Familie und der Firma im Mittelpunkt stehen - und weniger die Schattenseiten.

Auch kritische Geister hatten daran übrigens selten etwas zu bemäkeln, so umfassend hat Beitz mit seinem guten Namen den belasteten Namen Krupp offenbar imprägniert. Leider kann diese Imprägnierung nicht auf die Außenhaut des Denkmals selbst übertragen werden. Obwohl häufig gereinigt, wird es immer wieder Ziel von Schmierereien, die allerdings überwiegend unpolitischer Natur sein dürften.

Markt und Marktkirche - in ihr begann vor 450 Jahren die Reformation in Essen - bilden zusammen einen besonderen Ort in einer Stadt, die nicht viele stimmungsvolle Plätze zu bieten hat. Da tut es schon weh, dass gerade dieses Ensemble im Sommer von Trinkergemeinschaften und anderem randständigen Publikum belagert wird. Auch Alfred Krupp und seinem Sockel tun Farbe und Urin nicht gut. Andererseits: Dieses Denkmal ist einfach nicht kaputtzukriegen.


So können Sie mitmachen:

  • Diese Serie hat einen offenen Charakter. Unsere Leserinnen und Leser können mitbestimmen, worüber wir schreiben. Wir bitten deshalb um Ihre Vorschläge (Geheim)-Tipps und Lieblingsorte. Wichtig ist: Die Orte müssen in jedem Fall frei zugänglich, ihre Bedeutung und Besonderheit muss auch für andere Leser nachvollziehabar sein.
  • Schreiben Sie uns: WAZ—Lokalredaktion, Sachsenstraße 36, 45123 Essen, oder per Email: redaktion.essen<a>waz.dePost_icon.png
  • Der nächste „Besondere Ort", über den wir schreiben werden, ist der alte Dorfkern in Gerschede. Auf ihn machte uns WAZ-Leser Martin Velling aufmerksam. Vielen Dank dafür!
    Bildunterschrift:

  • Da steht er wieder wie eh und jeh, und ein wenig herausfordernd: der bronzene Alfred Krupp an der Marktkirche     Foto: Kurt Vahlensiek
  • "Die dankbare Vaterstadt" schützt auch nicht vor Schmierereien     Foto: von Born
  • Lebensnah modelliert: Alfred Krupp wie ihn der Künstler Fritz Schaper sah
  • Alfred mit US-Soldat im April 1945. Dahinter die zerstörte Marktkirche


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