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Essen - Kunstaktion: Nazi-Waschlappen abgehängt.

Wer die Köpfe des NSU-Terrortrios in einer Kunstaktion verewigt muss mit gesteigerter Aufmerksamkeit rechnen - vielleicht ist auch genau das geplant gewesen.

Abgesehen davon, dass auch mit Kunst Geld gemacht wird, muss natürlich die Frage gestellt werden, ob eine derartige Zur-Schau-Stellung des Mördertrios wirklich angebracht ist.

Kunst soll frei sein. Sie muss auch provozieren dürfen. Aber sie kann im Endeffekt auch als geschmacklos empfunden werden. Betroffene haben selbstverständlich auch das Recht, sich beleidigt zu fühlen, wenn sie den Eindruck haben, dass diese Kunstaktion den Mördern nur ein Denkmal setzt.

Die galerie "kunstraum" hat Konsequenzen gezogen und das umstrittene Werk abgehängt.


28.06.2013, NRZ: Waschlappen wieder abgehängt

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NRZ / Essen,Freitag, 28.06.2013

Waschlappen wieder abgehängt

Galerie in Rüttenscheid von Kritik überrascht


Von Tobias Appelt

Heftige Diskussionen hat der Bericht über die Galerie "kunstraum" in Rüttenscheid ausgelöst, die Waschlappen mit den Konterfeis der NSU-Terroristen zum Kauf angeboten t. Die umstrittenen Werke des Düsseldorfer Künstlers Holger Kurt Jäger trugen der Galerie eine mediale Empörungs-Welle ein: Fernsehen, Radio, Zeitungen - darunter auch türkische - wollten über die Waschlappen berichten. Tenor: Wie kann man Leuten, denen eine Mordserie vorgeworfen wird, ein Denkmal in Form eines Kunstwerkes setzen?

Die Aufregung war erwartbar, dennoch zeigten sich die Galeristen über das Ausmaß überrascht - und inzwischen haben sie eingelenkt. Colmar Schultze-Goltz und Oliver Noelte haben die NSU-Waschlappen abgenommen. Sie sollen nicht mehr verkauft werden. An ihrer Stelle hängen nun Rehgeweihe. "Wir hegen keinerlei Sympathie für die Terroristen und wollten auch nicht diesen Eindruck erwecken." Dennoch staune man: Die Terroristen-Portraits seien tausendfach gedruckt worden, und jetzt, da ein Künstler sie als Bild malte, seien sie zum Aufreger geworden.

Die Frottee-Kunstwerke sind Einzelstücke. Künstler Holger Kurt Jäger hat die Waschlappen mit Ölfarbe bemalt. Anderes als bei allen anderen Waschlappen aus seiner Serie - er hatte zum Beispiel auch Dieter Bohlen und Christian Wulf verewigt - sind die NSU-Terroristen nicht farbig, sondern bewusst schwarz-weiß gestaltet. "Ich will keine Wertung der Personen vornehmen, sie entsteht im Kopf des Betrachters." Ihm gehe es darum, Prominente mit Verfehlungen, ungeraden Biographien oder Abgründen darzustellen.

Und zuweilen schockiert das.

Holger Kurt Jäger folgt der Tradition des Kölner Künstlers Gerhard Richter, der 1988 mit einer Gemälde-Serie über RAF-Terroristen die Gemüter erhitzte. Heute hängen Richters Werke im Museum of Modern Arts in New York. "Richter hat sich mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt", sagt Galerist Noelte. "Und so tragisch es ist: Auch Zschäpe, Mundlos und Böhnhard sind jetzt Teil der deutschen Geschichte."
Bildunterschrift:
Die Galerie Kunst-Raum Rüttenscheid

26.06.2013, NRZ: Rechte Waschlappen

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NRZ / Essen,Mittwoch, 26.06.2013

Rechte Waschlappen

Rüttenscheider Galerie verkauft Portraits der NSU-Terroristen


Von Tobias Appelt

Drei Waschlappen sorgen für Aufsehen in Rüttenscheid: Auf ihnen prangen die Konerfeis der rechtsradikalen NSU-Terroristen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt. Dem rechten Trio werden zehn Morde zur Last gelegt. Jetzt hängen die gemalten Portraits der Verbrecher an prominenter Stelle im Eingangsbereich der Galerie "kunst-raum". Passanten stellen sich die Frage: Ist das überhaupt Kunst?

"Natürlich ist das Kunst", sagt Galerist Colmar Schulte-Goltz. "Auch wenn sie weh tut, sie bleibt im Kopf." In den Werken, die er austellt, sieht er eine "hellsichtige Interpretation von politisch-soziologischen Zusammenhängen", die zur Diskussion anregen sollen.

Der kreative Kopf hinter den Arbeiten ist der Düsseldorfer Künstler Holger Kurt Jäger. Schon in der Vergangenheit sorgten seine 20 mal 17 Zentimeter großen Waschlappen für Wirbel. Jäger verewigte zum Beispiel Hitler, Bin Laden, Gaddafi oder Kim Yong Il mit Ölfarben auf Baumwolle.

"Es sind Einzelfiguren, die die Zeit prägen", sagt der Künstler. "Ein Verhältnis zu ihnen zu entwickeln, das ist Aufgabe des mündigen Bürgers." Was der Künstler vonn ihnen hält, unterstreicht er dadurch, dass er ausgerechnet Waschlappen als Arbeitsmaterial verwendet.

Bekannte Persönlichkeiten müssen aber weder Bösewicht noch Monster sein, um auf einem Waschlappen zu landen. Es geht dem Künstler auch um den Promi-Faktor. Wer in der gesellschaftlichen Diskussion dauerhaft präsent ist, wird von ihm auf Stoff gebannt. In einer Reihe mit Verbrechern und Diktatoren finden sich daher auch weniger furchterregende Zeitgenossen wie Moderator Dieter Bohlen, Regisseur Woddy Allen oder Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Was dabei entsteht, nennen Künstler und Galerist eine Art "Tagebuch": Eine Chronik des Zeitgeschehens auf Baumwolle.

Dennoch ist die Zurschaustellung der NSU-Terroristen ein gezielter Tabubruch. Kunstkennter Schulte-Goltz begründet diese "bewusste Provokation" mit dem Bildungsauftrag, den seine Galerie erfüllen soll. Bewusst habe er jedoch auf eine allzu reißerische Inszenierung verzichtet. "Die Waschlappen sind etwas für Menschen, die Zwischentöne verstehen können."

Zwischentöne bei NSU-Terroristen? Der Grad zwischen Kunst und Geschmacklosigkeit ist schmal. Aber im Ernst, wer hängt sich denn Beate Zschäpe an die Wohnzimmerwand? "Noch sind die Werke nicht verkauft", sagt der Galerist. 180 Euro kostet ein Waschlappen. Nicht viel Geld, meint Schulte-Goltz. Er erwartet, dass die Lappen im Wert steigen.

"Für jemanden, der sich mit politischen Fragen beschäftigt, sind sie sehr hochrangige Sammlerstücke". Der Künstler macht in jedem Fall einen guten Schnitt: gekauft werden die Stoffstücke nämlich für Cent-Beträge beim Discounter.


Die Ausstellung
"Summer-Journey through international artist's studios" in der Galerie "kunstraum", Rüttenscheider Straße 56, läuft noch bis zum 24. August. 20 internationale Künstler zeigen ihre Arbeiten.
Öffnungszeiten
dienstags bis freitags von 12 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr. Infos www.kunstraum.net oder 799 890 35
 
Bildunterschrift:
Das NSU-Trio hängt im Waschlappen-Format in einer Rüttenscheider Galerie   Foto Vahlensiek


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