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2015: Salafisten und der IS in Essen

Auch in Essen gibt es junge Menschen, die mit dem Terror-Regime des IS sympathisieren und sogar selbst in den IS-Kampf gezogen sind.

In der Essener Öffentlichkeit sind die Salafisten regelmäßig in der Fußgängerzone anzutreffen, wo sie den Koran verteilen. Die Stadtverwaltung hat versucht, die Informationsstände der Salafisten mit formalen Hürden zu erschweren. Mehrfach hat die Essener CDU zeitgleich zu Salafistenstand Grundgesetze verteilt. Auch Essener Muslime haben sich gegen deren fatale Koranauslegung gewehrt. In der politischen Diskussion und Stadtteil- und Jugendarbeit ist der islamische Extremismus immer wieder ein wichtiges Thema. Mit der konkreten Kriegsbeteiligung der Bundeswehr ist zu befürchen, dass sich die Fronten zunehmend verhärten werden.



Inhaltsverzeichnis

Vorfälle 2015

WAZ, 10.12.2015 CDU verteilte Grundgesetze

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WAZ / Essen-West,Donnerstag, 10.12.2015

CDU verteilte Grundgesetze


Das Grundgesetz bestimmt verbindlich die Grundregeln unseres Zusammenlebens. Es gilt für alle. Unter diesem Motto verteilte kürzlich die CDU Stoppenberg den Gesetzestext jüngst im Stadtteil. „Mit der Verteilung des Gesetzes wollen wir deutlich machen, dass wir uns gegen jede radikale – sei es linke, rechte oder religiös motivierte – Gruppierung politisch zur Wehr setzen“, erklärt Michael Neuhaus, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands. Das Foto zeigt v.l. Franz B. Rempe, Michael Neuhaus, Bettina Luxem (alle CDU) und Mechthild Reimann. FOTO: REGUEZ

WAZ, 03,12.2015 Leserbrief Reißerisch

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 03.12.2015

Reißerisch


Salafismus in Essen. Ihre Artikel schüren unnötige Angst. Sie sind sich wahrscheinlich bewusster als ich, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist und wie schwer es vielen fällt, zwischen Moslems und Islamisten (und sind eigentlich alle Salafisten auch Islamisten?) zu unterscheiden. Durch die prominente Platzierung letztlich nur dreier Beispiele von jungen Leuten, die zu Dschihadisten geworden sind, spielen Sie genau diesen Ängsten in die Hand. Hier hätten Sie ein anderes, weniger reißerisches Format finden können, um die gleichen Inhalte zu transportieren.
Simon Olmesdahl, Essen

WAZ, 30.11.2015 Leserbrief Mulmiges Gefühl

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Montag, 30.11.2015

Mulmiges Gefühl


Salafisten. Beim Lesen dieses Artikels beschlich mich schon ein mulmiges Gefühl. Der Name Assalam Moschee erscheint in diesem Bericht auffallend oft im Zusammenhang mit verdächtigen und nachgewiesenen Dschihadisten. Die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen dieser Moschee um die „seelsorgerische“ Betreuung der Flüchtlinge kümmern, wirkt nicht gerade beruhigend auf mich.
Fritz Gemlau, Essen

WAZ, 28.11.2015 Leserbrief Jetzt ist es zu spät

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 28.11.2015

Jetzt ist es zu spät


Essen Hochburg des Salafismus. Früher wurden jene, die auf entsprechende Probleme hinwiesen, von den Medien als Ausländerfeinde und als rechtsradikal diffamiert. Nun ist es wohl zu spät, das Rad zurückzudrehen. Wie gedenkt eigentlich die Kirche mit dieser religiösen Fanatisierung vor ihrer Haustüre umzugehen? Mit Schweigen? Warum verteilt man nicht Bibeln an die Passanten? Unsere westlich-christliche Gesellschaft ist derart säkularisiert, dass religiöse Fanatiker anderer Glaubensrichtungen ein immer leichteres Spiel haben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Lage auch bei uns eskaliert.
Frank Radzicki, Essen

WAZ, 27.11.2015 Blutspur des Dschihad reicht bis nach Essen

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WAZZ / Essen, Rubrik Salafismus in Essen,Freitag, 27.11.2015

Blutspur des Dschihad reicht bis nach Essen

Fahnder schlägt Alarm: „Essen ist Hochburg des islamistischen Terrorismus.“ Schon vor den barbarischen Anschlägen von Paris sagte er: „Wir sind im Krieg“


Gerd Niewerth

Sie sind islamistische Terroristen und mutmaßliche Attentäter, Salafisten und Dschihadisten, Hassprediger und religiöse Fanatiker, Syrien-Heimkehrer und gefährliche Männer, deren Lebensläufe eine beklemmende Gemeinsamkeit aufweisen: Ihre Wege haben sich in Essen gekreuzt, genauer gesagt in der Assalam-Moschee in der Altenessener Straße 6.

Eigentlich bringt der Normalbürger die Ruhrmetropole nicht auf Anhieb mit dem islamistischen Terrornetzwerk in Verbindung. Aber diejenigen, die sich im Sicherheitsapparat professionell mit dieser diskret operierenden Szene befassen, sind keinesfalls überrascht, dass der lange Arm der Gotteskrieger bis ins Herz des Ruhrgebiets reicht. „Essen“, schlägt ein Ermittler Alarm, „ist sogar eine Hochburg des islamistischen Terrorismus, er ist hier tief verwurzelt.“ Und dann fügt er einen dramatischen Satz hinzu, der nach dem Pariser Massaker so oft gefallen ist: „Wir sind im Krieg.“ Nur: Zu dieser beklemmenden Erkenntnis ist der Fahnder weit vor den barbarischen Pariser Terroranschlägen gelangt.

Die „harmlosen“ Koranverteiler
Der religiöse Salafismus tritt in Essen scheinbar harmlos auf. Die Männer, die an dem umstrittenen „Lies!“-Stand auf der Kettwiger Straße kostenlos den Koran verteilen, geben sich als fromme Glaubensbrüder. Dabei hat derjenige, der den Stand seit Jahren anmeldet, ein Tschetschene aus Niedersachsen, offenbar ganz anderes im Sinn. Nach Informationen dieser Zeitung hat er Geld für den Dschihad gesammelt. Die Koranverteiler stehen im Verdacht, junge Muslime für den Terror zu rekrutieren.

Vom Mitläufer zum Terroristen
„Wie Silvio K. aus Essen vom Mitläufer zum Isis-Terroristen wurde“ überschrieb diese Zeitung das Porträt eines Salafisten, der als „klein, schmächtig und blass“ beschrieben wird und im Juli 2014 als Sprachrohr des Islamischen Staates mit Anschlägen in Deutschland drohte. Gewohnt hat er am Gerlingplatz, im Fenster hing ein Banner der verbotenen Salafisten-Organisation „Millatu Ibrahim“ – und auch Silvio K. war, bevor er sich nach Nahost absetzte, Stammgast in der Assalam-Moschee (siehe Bericht rechts). Fahnder nennen ihn eine „tickende Zeitbombe“.

Terrorprozess: Essener angeklagt
Der türkischstämmige Essener Tayfun S. (25) muss sich seit September 2014 in Düsseldorf in einem Staatsschutz-Prozess für das am 13. März 2013 geplante Attentat auf Markus Beisicht, den Vorsitzender der rechtsextremen Partei Pro NRW, verantworten. Mit ihm auf der Anklagebank im Hochsicherheits-Gerichtssaal sitzen der Konvertit Marco G. (28), der Kosovo-Albaner Enea B. (45) und der Deutsch-Türke Koray D. (26). Die Anklage wirft dem Quartett ferner vor, im Dezember 2012 einen Rohrbomben-Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof geplant zu haben. Alle vier hüllen sich in Schweigen, alle vier sind sich in Essen begegnet.


„Hinweise auf Tay-
fun S.’ Verbindun-
gen zum Salafismus
gab es damals
allerdings nicht“
Heribert Piel,
GSE-Geschäftsführer

Den Salafisten Tayfun S., aufgewachsen am Zehnthof in Frillendorf, haben die Fahnder schon seit Jahren im Visier. Nach dem Hauptschulabschluss auf der Frida-Levy-Gesamtschule landete er auf dem Berufskolleg – und brach ab. Auch als Zivildienstleistender in einem Kupferdreher Pflegeheim der Stadttochter GSE versagte er nach kurzer Zeit. Einige beschrieben ihn als „freundlich“ und „sehr nett“, aber die Leiterin gab zu Protokoll, dass er „unpünktlich“ und „unzuverlässig“ gewesen sei. Mehr noch: Er sei mit langem Bart und Gewand zum Dienst erschienen, habe versucht, Mitarbeiter zu missionieren und darauf bestanden, während der Arbeitszeit fünfmal zu beten. „Hinweise auf Verbindungen zum Salafismus gab’s damals allerdings nicht“, betont GSE-Geschäftsführer Heribert Piel.

Wann und wie mag sich Tayfun S. radikalisiert haben? Fest steht, dass der damals 19-Jährige schon 2009 vom Bundeskriminalamt wegen eines Dschihad-Videos vernommen wurde. Im Jahr vor der Festnahme besuchte er beinahe täglich Gebetsstätten im Ruhrgebiet, darunter auch: die Assalam-Moschee. Pikant: Tayfun S. soll sogar einen Schlüssel zu dieser Moschee besessen haben.

Sein Mitangeklagter Koray D., der auf dem Gymnasium eine Klasse übersprungen hatte, gehörte 2011 dem Sportschützenverein „Snipers Essen“ an. Von der Bremer Polizei hatte er bereits für Oktober 2011 eine Jobzusage, da beantragte der Duisburger einen Waffenschein für eine Neun-Millimeter-Pistole. Und machte sich so verdächtig. Denn: Warum braucht ein angehender Polizist obendrein noch eine private Waffe?

Die Polizei durchsuchte daraufhin seine Wohnung und fand jede Menge islamistisches Propagandamaterial. Mehr noch: Wie sich herausstellte, hatte D. engere Kontakte zu den Salafisten-Predigern Pierre Vogel und Sven Lau sowie zur Essener Dschihadisten-Szene. Seine Polizeikarriere war beendet, ehe sie begonnen hatte.

Heimgekehrte IS-Kämpfer
Silvio K., Miqdad, die vier Angeklagten vom Düsseldorfer Terrorprozess – das sind die spektakulärsten Fälle. Doch darunter vernehmen die Sicherheitskräfte ein beängstigendes Grundrauschen in Essen. Da sind die heimgekehrten IS-Terroristen, die jetzt unauffällig in dieser Stadt leben. Von einer dschihadistisch unterwanderten Tschetschenen-Szene ist die Rede, die für ein „Kaukasisches Emirat“ kämpft, und von salafistischen Hasspredigern, die in Essener Moscheen zu Gast sind. Und es gibt unglaubliche Zufälle: So stießen Fahnder in der Habe des New Yorker Terrorpiloten Mohammed Atta auf eine Visitenkarte aus Essen. Sie gehörte einem Mitbegründer der Abu-Bakr-Moschee. Zu einem Tummelplatz für Salafisten entwickeln sich zunehmend die sozialen Netzwerke. Mohammad S., ein junger Essener, nennt sich auf Facebook zum Beispiel offen „Kuffr-Killer“. „Kuffar“ sind Ungläubige.

Was auffällt: Die radikalisierten Akteure sind selten zugewandert, sondern in Essen aufgewachsen und hier zur Schule gegangen. Ein Fundamentalismus, der in dieser Stadt reichlich Nährboden findet.


Mehr als 100 Moscheen in Essen

  • Mehr als 100 Moscheen gibt es aktuell in Essen. Im Visier haben die Sicherheitsbehörden die Assalam-Moschee, ebenso wie die Al-Faruk-Moschee, ein Ableger der Abu-Bakr-Moschee. Erstere ist Teil eines weltweit operierenden religiösen Netzwerkes unter dem Dach der El Kaida nahestehenden Missionierungsbewegung „Tablighi Jamaat“.
  • Über die Düsseldorfer Angeklagten sagte der Assalam-Vorsitzende Boumenir laut WDR: „Die kamen immer alleine und hatten mit keinem etwas zu tun.“
  • Dschihad ist arabisch und bedeutet „Anstrengung auf dem Wege Gottes“. Hierzulande wird unter Dschihad der „Heilige Krieg“ verstanden.
    Bildunterschrift:
     
  • Frankreich-Hass auf Facebook: Mohammad S. aus Essen.SCREENSHOT: FACEBOOK
  • Salafistische Koranverteiler auf der Kettwiger Straße: Unser Archivbild zeigt in der Bildmitte den salafistischen Prediger Ibrahim Abou-Nagie. FOTO: LVS
  • Gemäßigte Muslime kontra Salafisten: Junge Aktivisten demonstrierten im Juli auf der Kettwiger Straße gegen die „Lies“-Koranverteiler. Dafür hatten sie sich als „Gotteskrieger“ verkleidet – mit angeklebten schwarzen Bärten und blutrot gefärbten Händen. FOTO: ULRICH VON BORN

WAZ, 27.11.2015 „Miqdad“ – von Menschenfängern aufgehetzt

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WAZZ / Essen, Rubrik Salafismus in Essen,Freitag, 27.11.2015

„Miqdad“ – von Menschenfängern aufgehetzt

Der junge Essener Abdullah besuchte die Frida-Levy-Gesamtschule, radikalisierte sich blitzschnell und kam 2011 beim Terroreinsatz nahe Kundus ums Leben. Ein Mitschüler erinnert sich an ihn und klagt Hassprediger in Essen an


Von Gerd Niewerth

Abdullah hatte afghanische Wurzeln, wuchs in Altenessen auf und besuchte die Frida-Levy-Gesamtschule. Weil er im März 2011 bei einem Gefecht nahe Kundus (Afghanistan) ums Leben kam, verehrt die Salafistenszene den jungen Deutsch-Afghanen seitdem als Märtyrer mit dem Kampfnamen „Miqdad“. Bevor er für die Terrorbrigade „Islamische Bewegung Usbekistan“ in den „Heiligen Krieg“ zog, ging auch er in der Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße 6 ein und aus.

Khaled* erinnert sich gut an Abdullah: „Wir waren zusammen auf der Frida-Levy-Gesamtschule, seine Leistungen waren anständig und mit dem Gesetz ist er nie in Konflikt geraten.“ Aufgewachsen sei er in Altenessen-Süd in einer Siedlung östlich der Gladbecker Straße. Seine Eltern und der ältere Bruder wohnten immer noch dort, heißt es.

Dass ausgerechnet dieser Abdullah eines Tages eine „Karriere“ als Terrorist machen würde, habe keiner seiner Mitschüler für möglich gehalten. Gewiss, er habe sich fürchterlich aufregen können über die US-Soldaten in Afghanistan und über den Nato-geführten Isaf-Feldzug. Wütend sei er gewesen, wenn unschuldige Verwandte dabei ums Leben kamen. Aber erklärt das seine Wandlung zum Terroristen?


„Abdullah war wohl
leicht zu manipulieren
– und ruckzuck tot.
Kanonenfutter eben.“
Khaled, ein
Schulfreund aus Essen

Eltern und Lehrern, Verfassungs- und Staatsschützern, Politikern und Polizisten geben diese jungen Männer, die in Deutschland aufwachsen und im Namen Allahs zur Waffe greifen, Rätsel auf. „Zum Töten bereit“ (256 Seiten, 14,90 Euro, Piper) heißt das lesenswerte Buch der Dinslakener Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die darin der Frage nachgeht, warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen. Es mündet in der eindringlichen Warnung vor „salafistischen Menschenfängern“, die „erfolgreich Jagd auf unsere Jugend“ machten. Junge Leute, die meistens schon in der Schule scheitern, keinen Job finden, perspektivlos sind und sich als Muslime ausgegrenzt fühlen.

Auch Khaled ist sich sicher, dass Abdullah in die Hände eines solchen Menschenfängers geraten ist. „Abdullah ging plötzlich immer häufiger in die Assalam-Moschee und da war ein Typ, der ihn aufgehetzt hat, in den Kampf zu ziehen. Ein Typ, der längst untergetaucht ist und von dem jede Spur fehlt.“

Abdullahs Wandlung zum religiösen Eiferer blieb seinen Freunden in Essen nicht verborgen. „Sein Bart wurde zunehmend länger und auf einmal lief er in einem langen weißen Gewand herum“, erzählt sein Bekannter. Er beschreibt ihn als einen sportlichen Typen, der gerne boxte und in die „Muckibude“ ging. „Er war kräftig gebaut und hatte Eier in der Hose.“ Allerdings weist er auf einen Charakterzug Abdullahs hin, der ihn für salafistische Menschenfänger so interessant gemacht haben könnte. „Er war wohl leicht zu manipulieren. Und ruckzuck tot – Kanonenfutter eben.“ Weil sich Abdullahs Wandlung so ungeheuer schnell vollzog, nennen sie ihn den „afghanischen Blitz“. Im Netz kursiert ein Propagandavideo, in dem der Bonner Islamist Yassin Chouk sagt: „Liebe Geschwister in Essen, Allah der Erhabene erwählte aus eurer Stadt einen überaus Fleißigen, einen Bruder, der noch kürzlich in euren Gebetsreihen stand. Einen Bruder, der durch die Straßen Essens spazierte und nicht wirklich auffiel.“

Derselbe Yassin Chouka hat dazu aufgerufen, „Mitglieder von Pro NRW“ zu töten und in Deutschland Anschläge zu verüben. Angeblich ist er Anfang 2015 – auf dem Weg vom Iran nach Syrien – getötet worden.

  • Name von der Redaktion geändert

Ali Rehan - charismatisch, gefährlich, abgeschoben

  • Ali Rehan, Vorbeter der Essener Assalam-Moschee, wurde 2009 festgenommen und abgeschoben. Der Medizinstudent aus Palästina gilt als Ziehkind des in Bochum lebenden Tunesiers Sami A., der – seit einem großen Terrorprozess gerichtsfest belegt – zur Leibwache von El Kaida-Chef Osama Bin Laden gehörte.
  • Dem als sehr charismatisch beschriebenen Ali Rehan wird zugetraut, Salafisten wie Tayfun S., Koray D. und Miqdad angelockt und radikalisiert zu haben. Bei seiner Festnahme entdeckte man auf Handys und USB-Sticks ein Abschiedsvideo für Miqdad, mehrere El Kaida-DVDs und eine Anleitung zur Herstellung von Bomben.
    Bildunterschrift:
     
  • In einem Propagandavideo wird Miqdad (l.) aus Essen als Märtyrer verherrlicht. Kurz vor seinem Tod schwadronierte er : „Ich grüße alle Geschwister, speziell die in Deutschland. Alles Lob gebührt Allah, dass ich hier . . . den Auftrag bekommen habe, in Kundus gegen die Deutschen und die Nato kämpfen zu dürfen.“ SCREENSHOT: IBU
  • Sami A., eine Schlüsselfigur der Islamistenszene, war Osama Bin Ladens Leibwächter. FOTO: MATTHIAS.GRABEN
  • Der Angeklagte Tayfun S. aus Frillendorf muss sich seit 2014 in einem Staatsschutzprozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wegen versuchten Attentaten verantworten.
  • Der Hauptangeklagte Marco G. (r.) begrüßte zu Beginn des Terrorprozesses im September 2014 den Mitangeklagten Koray D. FOTOS (3) : DPA
  • Der Angeklagte Enea B. aus Albanien: Der Ex-Polizist wurde zeitweise von der NRW-Polizei ausgebildet.
  • n Essen radikalisiert: Ein Propagandavideo der „Islamischen Bewegung Usbekistans“ zeigt Abdullah alias Miqdad, den „afghanischen Blitz“, kurz vor seinem Tod. SCREENSHOT: IBU

WAZ, 27.11.2015 Assalam-Moschee zieht viele junge Muslime an

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WAZZ / Essen, Rubrik Salafismus in Essen,Freitag, 27.11.2015

Assalam-Moschee zieht viele junge Muslime an

Genehmigt ist die Gebetsstätte an der Altenessener Straße 6 für höchstens 50 Personen, tatsächlich kommen bis zu 350


Von Gerd Niewerth

Ein Freitag im Spätsommer. Vor dem Eingang zur Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße 6 stapelt sich ein imposanter Haufen Schuhe. Ein sicheres Indiz dafür, dass die Gebetsstätte zum traditionellen Freitagsgebet wieder einmal hoffnungslos überfüllt ist. Mohamed Boumenir, der Vorsitzende und Vorbeter, macht aus dem Andrang kein Hehl: „Durch den starken Zustrom von Flüchtlingen kommen noch mehr Gläubige, um bei uns zu beten. Wir müssen auch sie seelsorgerisch betreuen.“

Die vielen Turnschuhe verraten zudem, dass die Moschee hauptsächlich junge Menschen anzieht. Es ist ein schillerndes Völkergemisch, das sich hier freitags einfindet: hauptsächlich fromme Maghrebiner, aber auch Schwarzafrikaner und Libanesen, Bosnier und Albaner. Es sind Flüchtlinge, aber auch Dealer vom nahen Rheinischen Platz und auffällig viele Studenten von der Uni nebenan. Muslima betreten den Komplex von den Männern getrennt über einen separaten Eingang an der Seite.


„Wir müssen uns
auch um die Flücht-
linge kümmern.“
Mohamed Boumenir,
Vorsitzender
der Assalam-Moschee

Die Assalam-Moschee gilt als Abspaltung der alteingesessenen Abu-Bakr-Moschee auf der Altenessener Straße 521. Ein weiterer, den beiden erstgenannten nahestehender Ableger ist die Al-Faruk-Moschee in der Bersonstraße 11. Bevor die Assalam-Leute in der ehemaligen Kneipe an der Altenessener-/Ecke Kleine Stoppenberger Quartier bezogen, befand sich ihr kleiner Gebetsraum auf der Holzstraße 13 im Eltingviertel. Die mit rötlichen Granitfliesen aufgehübschte Fassade des neuen Domizils deutet an, dass die Assalam-Gemeinde nicht gerade arm ist.

An manchen Tagen platzt die Moschee derart aus den Nähten, dass sich Gläubige zum Gebet draußen vor der Tür versammeln müssen: auf dem Bürgersteig, der hier breit genug ist. Laut Baugenehmigung dürfte es eigentlich gar nicht zu Engpässen bei den Freitagsgebeten kommen. Denn genehmigt wurden die Räume für lediglich 50 Personen, nachweislich finden sich jedoch regelmäßig bis zu 350 Beter ein. Im Rathaus ist dieses krasse Missverhältnis nicht unbekannt. Aber was tun? Etwa unter Polizeischutz einschreiten und friedvoll betende Muslime ins Freie hinauskomplementieren? Andersherum dürfte Untätigkeit als Schwäche ausgelegt werden. Eine Zwickmühle.

Und dann wäre da noch die Videokamera an der Fassade: ein klarer Gesetzesverstoß. Die Landesbeauftragte für den Datenschutz in NRW verweist auf die Gesetzeslage, die eine solche Videoüberwachung eindeutig verbietet: „Angrenzende öffentliche Verkehrsflächen“ dürften von Videokameras „nicht erfasst werden“. Ein mit dieser Zeitung vereinbartes Interview wurde vom Vorsitzenden brüsk annulliert. Auf Nachfrage hieß es lapidar: „Sie sind unsympathisch.“
Bildunterschrift:
 
  • Die Assalam-Moschee auf der Altenessener Straße 6 im Spätsommer: Obwohl nur für 50 Personen genehmigt, finden sich zu den Freitagsgebeten bis zu 350 Gläubige ein. Zur Not wird draußen auf dem Bürgersteig gebetet FOTO: STEFAN AREND
  • Auffallend viele Turnschuhe stapeln sich beim Freitagsgebet vor der Eingangstür. Ein Zeichen dafür, dass die Moschee bei jungen Muslimen in Essen sehr beliebt ist. FOTO: KNUT VAHLENSIECK

WAZ, 26.11.2015 CDU kontra Salafisten

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WAZ / Essen,Donnerstag, 26.11.2015

CDU kontra Salafisten


Die CDU setzt ihren Protest gegen salafistische Koranverteiler fort. An diesem Samstag verteilen Unionspolitiker von 11 bis 13 Uhr auf der Kettwiger Straße/Höhe Burgplatz das Grundgesetz. Ziel der Salafisten sei die „vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach einem salafistischen Regelwerk“. Die CDU warnt vor der Errichtung eines islamischen „Gottesstaates“, in dem wesentliche, in Deutschland garantierte Grundrechte und Verfassungspositionen abgeschafft würden. Allein das Grundgesetz sei Fundament des demokratischen Staates, es gelte für alle hier lebenden Menschen.

WAZ, 28.10.2015 CDU: Grundgesetz gegen Salafisten

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WAZ / Essen, Rubrik Kurz gemeldet,Mittwoch, 28.10.2015

CDU: Grundgesetz gegen Salafisten


Die Essener CDU setzt ihren Protest gegen salafistische Koran-Verteiler in der Innenstadt am 31. Oktober fort, indem sie demonstrativ das Grundgesetz an Passanten verteilt. Die Verteilaktion läuft von 11 bis 13 Uhr auf der Kettwiger Straße in Höhe des Burgplatzes. „Das Ziel von Salafisten ist in Wahrheit die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach einem salafistischen Regelwerk“, zitiert die Union den Verfassungsschutzbericht. Letzten Freitag haben muslimische Aktivisten gegen die Koran-Verteiler („Lies mich“) protestiert.

WAZ, 24.10.2015 Muslime gegen Salafisten

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WAZ / Essen,Samstag, 24.10.2015

Muslime gegen Salafisten

Inszenierte Sklaven-Auktion auf Willy-Brandt-Platz


Gerd Niewerth

Muslimische Salafistengegner haben am Freitagnachmittag auf dem Willy-Brandt-Platz gegen radikalislamistischen Koran-Verteiler demonstriert. Mehrere Dutzend martialisch verkleidete Aktivisten spielten eine Sklavenversteigerung nach. Eine Anspielung auf den menschenverachtenden Islamischen Staat, der – wie einst die Kalifen im finsteren Mittelalter – verschleppte und entführte junge Frauen und Mädchen auf Marktplätzen meistbietend versteigere. „Wo der IS heute regiert, gibt es wieder Sklavenversteigerungen“, sagt Aktivist Hassan. Das Demo-Spektakel am belebten Eingang zur Innenstadt lockte über hundert Neugierige an. Nicht allen erschloss sich auf Anhieb die Absicht der Demonstranten. Um den IS und die Salafisten zu entlarven, setzen sie bewusst auf das Mittel der Provokation, der Überzeichnung, des Schocks. Vor einem Jahr hatten sie am Limbecker Platz bereits eine Hinrichtung nachgespielt. Zu Zwischenfällen kam es nicht, die Polizei blieb wachsam im Hintergrund.
Bildunterschrift:
Muslimische Salafisten-Gegner inszenierten auf dem Willy-Brandt-Platz eine schockierende Sklaven-Auktion. FOTO: GN

WAZ/NRZ, 08.+09.10.2015 Abu Bakr-Moschee vergrößert sich

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WAZ/NRZ / Essen, 08.+09.10.2015

Abu Bakr-Moschee vergrößert sich

Der Islamische Bund Essen, seit 1999 auf der Altenessener Straße 521 ansässig, will ein paar Häuser weiterziehen – zur Nummer 509. Die Gemeinde steht im Ruf, extremistisch angehaucht zu sein


Von Gerd Niewerth

Die Altenessener Straße 521: Auf den ersten Blick deutet nichts daraufhin, dass sich in dieser ehemaligen Gaststätte eine Moschee verbirgt. Dabei kommen die Mitglieder des „Islamischen Bundes Essen“ hier schon seit 1999 zum gemeinsamen Gebet und zu Feiertagen, zu Versammlungen und Familienfeiern zusammen. Doch nun sind die Tage des Gotteshauses an diesem Standort gezählt. Die wachsende Moscheegemeinde, benannt nach Abu Bakr, dem Schwiegervater des Propheten Mohammed, will sich räumlich vergrößern und umziehen.

„Wir haben das Gebäude auf der Altenessener Straße 509 gekauft und wollen umbauen“, berichtete der Vorsitzende Abdelghani Jaouhar vor wenigen Tagen am Rande des „Tages der Offenen Moschee“.

Der Eingang zu dem mit weichen Teppichen ausgeschlagenen und ansonsten schlichten Gebetsraum befindet sich auf der rückwärtigen Seite, eine langgezogene Einfahrt führt auf den schmucklosen Hinterhof. Wer seine Schuhe in den eigens dafür vorgesehenen Holzregalen abgestellt hat, gelangt in einen Vorraum, wo die Umbaupläne des Architekten ans Schwarze Brett geschlagen sind.

„Besonders am Herzen liegen uns die jungen Menschen“, betont der Vorsitzende, ein 50 Jahre alter Lehrer, und er fügt hinzu: „Wir wollen gute Menschen aus ihnen machen, Menschen ohne Drogen und ohne Kriminalität.“

Gut 40 000 Muslime leben mittlerweile in der Ruhrgebiets-Metropole. Tendenz: kräftig steigend. Denn die Flüchtlingswelle hat allein in diesem Jahr schon mindestens 3000 weitere Muslime in diese Stadt gebracht. Gläubige, die sich nach Seelsorge sehnen.

Obwohl den Neuankömmlingen auch die Pforten der großen türkischgeprägten Moscheen aufstehen, zieht es viele doch eher in die arabisch orientierten Gebetsstätten. Für den Außenstehenden ist die muslimische Vielfalt in dieser Stadt kaum noch zu überschauen. Im Schatten klassischer Moscheen wie etwa der imposanten Fatih-Moschee in Katernberg oder der geplanten Altendorfer Groß-Moschee im alten Böhmer-Zentrallager gibt es mehr als hundert kleine Moscheen – die meisten auf Hinterhöfen, in alten Gaststätten oder aufgegebenen Getränkemärkten. Wie stark sich die dramatische muslimische Zuwanderung bemerkbar macht, wird beim traditionellen Freitagsgebet besonders anschaulich – dann platzt so manche Moschee aus allen Nähten.

Den Vorständen der Abu Bakr Moschee geht es nicht allein nur um die religiöse Unterweisung und die Koran-Schulung, sie sind auch davon beseelt, das Bildungsniveau insbesondere ihrer jungen Mitglieder sowie das der Neuankömmlinge anzuheben. „Im Neubau wollen wir Nachhilfe und Förderunterricht geben sowie Deutschkurse anbieten“, betont Mustafa Fathi (51), ebenfalls von Beruf Lehrer. Das neue Jugendzentrum werde ausgestattet mit Billardtischen und Playstation-Konsolen, Computern und Video.


„Besonders am Herzen
liegen uns die Jugend-
lichen. Wir wollen
gute Menschen aus
ihnen machen.“
Abdelghani Jaouhar,
Vorsitzender des
Islamischen Bundes Essen

Dass die ehrgeizigen Umzugs- pläne des Islamischen Bundes bei der lokalen Politik auf Begeisterung stoßen werden, darf wohl nicht angenommen werden. Ob beim Verfassungsschutz, bei der Polizei oder im Rathaus: Die Abu Bakr-Moschee gilt seit langem als extremistisch angehaucht – mit einer angeblich bedenklichen Nähe zum politischen Salafismus. Symptomatisch: Als die „Kommission Islam und Moscheen in Essen“ vor zwei Jahren zum Fastenbrechen einlud, blieb der Tisch des Oberbürgermeisters demonstrativ leer. Auch andere Politiker mieden die Veranstaltung – mit Hinweis auf die Teilnahme des „Islamischen Bundes Essen“. Worauf Vorsitzender Jouhar energisch konterte: „Uns als Salafisten abzustempeln, ist Blödsinn.“

Abu Bakr und der Islamische Bund Essen

  • Dem Islamischen Bund Essen gehören eigenen Angaben zufolge 124 Mitglieder an. Die Moscheegemeinde wurde 1984 gegründet. Die Verantwortlichen im Vorstand stammen überwiegend aus Marokko.
  • Abu Bakr war der Schwiegervater des Propheten Mohammed. Nach dessen Tod im Jahre 632 herrschte Abu Bakr über die muslimische Gemeinschaft.
  • Anlässlich des Opferfestes vor gut zwei Wochen hat die Abu Bakr Moschee annähernd 100 Flüchtlinge eingeladen. Gespendet wurden Kinderspielzeug und Kleidung.
    Bildunterschrift:
     
  • Im Gebetssaal der Abu Bakr-Moschee auf der Altenessener Straße 521 erläutern die Vorstandsmitglieder Abdelghani Jaouhar (re.) und Mouloud Doudouhi die Zukunftspläne des wachsenden Islamischen Bundes Essen. FOTOS: STEFAN AREND
  • Typisch Hinterhof-Moschee: Früher befand sich in der Moschee eine Gaststätte. Demnächst will die Gemeinde ein paar Häuser weiterziehen – zur Nummer 509.

WAZ, 20.08.2015 Koranverteiler zu Füßen des Kaisers

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WAZ / Essen,Donnerstag, 20.08.2015

Koranverteiler zu Füßen des Kaisers

Salafisten sind mit ihrem Stand auf der Kettwiger Straße umgezogen. Auch das Bekleidungsgeschäft Primark hatte sich über den Stand vor der Tür beschwert


Von Gerd Niewerth

„Lies!“ - so nennt sich die umstrittene Aktion salafistischer Koranverteiler mitten in der Essener Innenstadt. Den religiösen Eiferern schlägt allenthalben Ablehnung entgegen, doch eine Handhabe, den Stand aus der City zu verbannen, hat die Stadtverwaltung offenbar nicht. Dass die Salafisten inzwischen auf der Kettwiger Straße umgezogen sind – von Primark zum weniger frequentierten Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. am Burgplatz – , ist nicht aus eigenem Antrieb geschehen, sondern wohl durch Druck.

Wie die WAZ erfuhr, soll sich insbesondere auch der Textil-Discounter Primark über den unliebsamen Koran-Stand quasi vor der Haustür beschwert haben. Zwar bestreitet die Primark-Geschäftsführung auf Anfrage vehement, interveniert zu haben („haben damit nichts zu tun“), doch sichere Quellen bestätigen ausdrücklich, dass die Koranverteiler dem Textil-Riesen sehr wohl ein Dorn im Auge waren. Tatsache ist: Der Koran wird nun am Burgplatz zu Füßen des imposanten Hohenzollern-Kaisers verschenkt.


„Nach dem OB-Wahlkampf werden
wir auf der Kettwiger wieder
das Grundgesetz verteilen.“
Matthias Hauer,
CDU-Vorsitzender in Essen

Primark betreibt in dem ehemaligen C & A-Komplex auf mehreren Etagen ein Bekleidungsgeschäft, das zu den meistfrequentierten in der Innenstadt zählt. Die Deutschland-Zentrale der stark expandierenden Modekette befindet sich ebenfalls hier.

Auch die Sicherheitsorgane waren anscheinend alles andere als glücklich darüber, dass die Koranverteiler die unmittelbare Nähe zu dem hauptsächlich von jungen Menschen frequentierten Shopping-Magneten gesucht haben. Schließlich stehen die meist weißgekleideten Salafisten im Verdacht, an ihren Ständen junge Menschen für den Dschihad und somit für mörderische Aktionen der Terrormilizen gewinnen zu wollen.

Das Bundesinnenministerium hat mehrfach deutlich gemacht, dass die „Lies!“-Stände alles andere als harmlos sind. Den Salafisten gehe es beim Koranverschenken keinesfalls um Religion und Glauben, sondern in Wahrheit beabsichtigten sie, junge verführbare Menschen in den Salafismus hin-einzuziehen, heißt es. Im Visier haben sie besondere jene jungen Muslime, die sich von der Mehrheitsgesellschaft abgewiesen fühlen und eher empfänglich sind für radikalislamische Hetze.

Obwohl eine hochbrisante Angelegenheit, handelt es sich bei dem Koranstand nicht um eine politische Kundgebung, die vom Polizeipräsidium genehmigt werden müsste, sondern lediglich um eine „Sondernutzung des Öffentlichen Raumes“. Solange Rettungswege nicht versperrt und Passanten nicht belästigt werden, erteilt das Amt für Straßen und Verkehr eine derartige Genehmigung anstandslos. Zu denen, die sich partout nicht mit dem Lies-Stand auf der Kettwiger Straße abfinden wollen, zählen die Essener Christdemokraten. Mehrfach haben CDU-Politiker vor Primark demonstrativ das Grundgesetz verteilt, das die republikanischen Werte des demokratischen Staates garantiert – und ausgerechnet jene Religionsfreiheit schützt, die die Salafisten für ihre zweifelhaften Aktivitäten in Anspruch nehmen. Für CDU-Chef Matthias Hauer steht fest: „Nach dem OB-Wahlkampf werden wir unsere Aktion fortsetzen.“
Bildunterschrift:
Auf der Kettwiger Straße, der belebtesten Fußgängerzone der Stadt, verteilen Salafisten kostenlos den Koran. Unser Bild entstand in diesem Februar nahe Primark. Inzwischen stellen sie sich am Kaiser-Reiterdenkmal auf. FOTO: LUTZ VON STAEGMANN

NRZ, 18.08.2015 Koranverteiler unterm Kaiser

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NRZ / Essen,Dienstag, 18.08.2015

Koranverteiler unterm Kaiser

Primark-Beschwerde über Salafisten


Von Gerd Niewerth

„Lies!“ – so nennt sich die umstrittene Koranverteil-Aktion von Salafisten. Auch in Essen schlägt den Aktivisten viel Ablehnung entgegen. Dass sie mit ihrem Stand inzwischen auf der Kettwiger Straße von Primark zum Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. umgezogen sind, ist keinesfalls aus eigenem Antrieb geschehen, sondern wohl durch Druck.

Wie diese Zeitung erfuhr, soll sich insbesondere der Textil-Discounter Primark über den Koran-Stand direkt vor seiner Haustür beschwert haben. In dem ehemaligen C&A-Komplex hat der internationale Textil-Riese nicht nur eine große Filiale eingerichtet, auch die Deutschland-Zentrale befindet sich hier. Eine Stellungnahme von Primark war bisher zu diesem Thema allerdings nicht erhältlich.

Normale Sondernutzung
Obwohl eine brisante Angelegenheit, handelt es sich bei dem Koran-Stand nicht um eine politische Kundgebung, die von der Polizei genehmigt werden müsste. Nach Angaben der Stadt fällt die Aktion nur in die Kategorie „Sondernutzung des öffentlichen Raumes“. Die Folge: Eine Genehmigung kann den Veranstaltern nicht verweigert werden.

Die Koranverteiler stehen im Verdacht, an ihren Ständen junge Menschen anzusprechen, um sie für den „Dschihad“ gewinnen zu wollen.

WAZ/NRZ, 25.07.2015 Muslime gegen Salafisten

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WAZ/NRZ / Essen,Samstag, 25.07.2015

Muslime gegen Salafisten

Protest gegen Koranverteiler an diesem Samstag auf der Kettwiger. Polizei ist alarmiert und einsatzbereit


Von Gerd Niewerth

Muslime kontra Salafisten: Eine Gruppe von 15 bis 20 Aktivisten – überwiegend gemäßigte Muslime – will an diesem Samstag auf der Kettwiger Straße gegen Koranverteiler protestieren. Die Polizei ist alarmiert.

„Wir werden mit Einsatzkräften vor Ort sein“, sagt ein Polizeisprecher, „sobald es Ärger gibt, schreiten wir ein.“ Nach Polizeiangaben werden die Koranverteiler („Lies mich“) ihren Stand zu Füßen des Reiterdenkmals von Kaiser Wilhelm I. nahe der Lichtburg aufbauen. Das Ordnungsamt habe ihn von 10 bis 20 Uhr genehmigt.

Die Salafisten-Gegner werden sich zwischen 16 und 20 Uhr vor Primark aufbauen. Sprecher der Gruppe ist ein aus dem Irak stammender, 25 Jahre alter Germanistik-Student aus Düsseldorf. „Meine Mitstreiter kommen fast ausschließlich aus Essen“, betont er.

Schon im Dezember letzten Jahres hatte die Gruppe eine umstrittene Aktion in Essen veranstaltet. Vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz stellte sie eine IS-Hinrichtung nach. „Wir wollen die Passanten aufrütteln und nutzen bewusst das Mittel der Provokation“, sagt der Aktivist. An diesem Samstag wollen er und seine Mitstreiter in der Aufmachung von Salafisten auftreten. Und schockieren. „Wir werden lange Bärte tragen und kurze Gewänder, unsere Hände tauchen wir in blutrote Farbe.“ Erklärtes Ziel der Aktivisten: „Wir wollen, dass die Koranverteiler mit ihren Ständen abziehen.“

Die Salafisten stehen im Verdacht, Sympathisanten für Terroreinsätze im Nahen Osten zu rekrutieren. „Von friedlichen Absichten kann bei ihnen keine Rede sein, wir wollen die Salafisten entlarven“, erklärt der Sprecher der Aktivisten.

WAZ/NRZ, 04.07.2015 Auf der anderen Seite des Standes

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WAZ/NRZ / Report (Wochenende-Mantelteil),Samstag, 04.07.2015

Auf der anderen Seite des Standes

Ein Besuch der Infostände in Essen: Die einen wollten Tiere retten, die anderen den Koran verteilen. Am Ende kam die Polizei


Von Eva Adler

Essen. Eine Ratte liegt entstellt mit nur einem Ohr in einem Käfig eines Labors. „Wir wollen Tierversuche stoppen“, sagt Michel bestimmt und deutet auf das Foto in seiner Mappe. Neben ihm steht eine junge Frau, die ihm aufmerksam zuhört. Seine verzerrten Gesichtsausdrücke verleihen seiner inneren Wut sichtlich Ausdruck. Er wirkt überzeugend. Die Dame nimmt sich die Zeit, die Mappe vollständig anzuschauen. Als er schließlich darauf zu sprechen kommt, ob sie nicht ein paar Euro im Monat spenden möchte, verneint sie. Doch Michel lässt sich nicht entmutigen. Gemeinsam mit seinen Kollegen steht er kürzlich in der Essener Innenstadt mit einem Informationsstand. Sie gehören zum Verein „NRW schützt Tiere“.

Viele, die durch die Stadt bummeln, machen einen Bogen um Infostände. Aber wie ist es, auf der anderen Seite zu stehen?

Michels erste Frage ist stets: „Lieben Sie Tiere?“ Sie ist gut, aber oftmals nicht gut genug. „Nein, danke.“, „Lassen Sie mich in Ruhe“, lauten die Antworten. Obwohl es besonders einigen Frauen schwer zu fallen scheint, der Frage auszuweichen, verringern die meisten nur kurz ihr Schritttempo und winken dann damit ab, wenig Zeit zu haben. „Ja, ich liebe Tiere und besonders meine Yorkies“, ruft eine ältere Dame im Vorbeigehen, die gerade zwei Yorkshire-Terrier ausführt. Aber sie geht weiter, schenkt kein Vertrauen. Der Informationsstand nebenan scheint sie mehr zu interessieren. Zwei junge Männer mit Bärten haben auf dem Tisch vor ihnen Dutzende Bücher gestapelt. Unverkennbar gehören sie zur „Lies-Kampagne“, die von Salafisten, also Anhängern einer ultrakonservativen Strömung des Islam, seit 2011 in Innenstädten betrieben wird. Auf rot-weißen Plakaten, die manche Männer auch auf dem Rücken tragen, steht: „Lies. Im Namen des Herrn, der dich erschaffen hat.“


„Zum dritten Mal sind
die heute hier aufge-
taucht, sie provozieren
schon den ganzen Tag.“
Passant über die Männer
am Koran-Stand

Das Interesse am Koran ist groß
Die Dame mit den Yorkies erkundigt sich nach dem Preis der Bücher. „Sie können einen Koran umsonst mitnehmen“, antwortet einer der Männer. Das lässt sich die Tierliebhaberin nicht zwei Mal sagen und steckt eines der fein säuberlich aufeinander gestapelten weißen Bücher in ihre schwarze Handtasche. Ein älterer Herr mit Rucksack, Sonnenbrille und Sandalen nähert sich ebenfalls dem Stand und erkundigt sich, ob der Koran auf Deutsch übersetzt ist. „Ja und auf Englisch, Spanisch und Russisch“, sagt der andere in gebrochenem Deutsch. „Gut, ich habe ihn nämlich noch nicht gelesen, das muss ich nachholen.“ Der Herr greift zu einem Buch und liest die goldene Schrift auf dem Einband: „Der edle Qur’an. Die ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache“. In die kleine Sparbüchse neben den Büchern wirft er etwas Kleingeld. „Danke“, sagen die Männer im Chor. „Wir verschenken eigentlich den Koran. Unsere Mission ist friedlich und wir arbeiten für Allah“, erklärt einer der beiden Salafisten. Sie wollen den Glauben verbreiten, denn dann kämen sie ins Paradies, so erzählen sie. Das Interesse an der heiligen Schrift scheint groß zu sein. Passanten verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationalität kommen auf sie zu. Sie wollen den Koran lesen. Auch, „um besser zu verstehen, wieso so viel Leid mit dem Glauben einhergeht“, sagt eine junge Frau so, dass es die beiden Koran-Verteiler nicht hören. Ein paar Minuten später kommen drei Jugendliche zu dem Tisch, vollbepackt mit Tüten und einem Eis in der Hand. Sie stecken ohne viele Worte jeder einen Koran in die braune Papiertüte mit dem Aufdruck „Amazing fashion, Amazing prizes“.


Polizei schlichtet den Konflikt
Einer der Männer zeigt auf eine leere Plastikkiste hinter sich. „Die war voll, als wir ankamen.“ Alle zwei Wochen, so erzählt er, verteilt er die heilige Schrift. Vor zwölf Jahren kam er aus Tschetschenien nach Deutschland. Er heiratete eine deutsche Frau, die zum Islam konvertierte. Nun möchte er, dass auch andere Menschen den Koran lesen und verstehen. „Jeder soll den Koran lesen, bevor er was Falsches sagt.“ Eine Passantin beschuldigt ihn, die Gräueltaten des Islamischen Staates zu unterstützen. Daraufhin erwidert er, dass sie keine Leute kennen würden, die Menschen töten. „Wir sind friedlich und haben keine Waffe. Wir sind keine Terroristen und wir lieben Jesus“, beteuert er. In dem Moment schaut er nervös zur Seite und zuckt zusammen. Eine Gruppe Männer und Frauen umstellen den Tisch und richten eine Handykamera genau auf ihn und seinen Kollegen: „Wir wollen keine Salafisten-Schweine. So ‘ne Scheiße könnt ihr in eurem Land abziehen“, schreit einer aus der Gruppe aggressiv durch die Fußgängerzone, so dass mehrere Passanten anhalten und sich eine Menschentraube um den Stand bildet. Aufgeregt schauen die beiden Muslime um sich. Hinter ihnen haben sich einige muslimische Bürger gestellt. „Ich rufe jetzt die Polizei“, ruft der Mann vom Koran-Stand aufgebracht mit beunruhigten Unterton. Ein heftiger Schlagabtausch von Beschimpfungen und Provokationen treibt den Konflikt auf die Spitze. Auch der Muslim filmt mittlerweile mit seinem Handy das Geschehen und nimmt auf, wie einer aus der Gruppe gegen die Bücher schlägt, so dass sie polternd zu Boden fallen. „Zum dritten Mal sind die heute hier aufgetaucht, sie provozieren schon den ganzen Tag“, herrscht einer der Passanten den Polizisten an, der gerade aus seinem Einsatzwagen steigt und sich mitten in das Gerangel stellt und diesem somit ein Ende bereitet. „Die sollen das Video löschen. Sofort“, ruft einer aus der Gruppe dem Polizisten mehrfach zu, während eine Freundin ihn am Arm zieht. Dann suchen sie das Weite.

WAZ, 24.06.2015 IS-Helfer fingierten Unfälle im Revier

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WAZ / Titelseite (Mantel),Mittwoch, 24.06.2015

IS-Helfer fingierten Unfälle im Revier


Essen. Mutmaßliche Helfer des „Islamischen Staates“ (IS) sollen die Terrormiliz mit Versicherungssummen aus bewusst herbeigeführten Autounfällen im Ruhrgebiet unterstützt haben. Dieser Verdacht habe sich gestern bei zahlreichen Hausdurchsuchungen erhärtet, teilte die Essener Polizei mit. Bei dem groß angelegten Polizeieinsatz in Mülheim und Oberhausen sowie in Bonn wurde ein Mann festgenommen. Die Ermittler haben mehrere organisierte Täter im Visier, bei denen enge Beziehungen zur „Lohberger Brigade“, einer Gruppe islamistischer Kämpfer aus Dinslaken, vermutet werden, so die Polizei.

Sicherheitskräfte haben am Düsseldorfer Flughafen zudem einen mutmaßlichen Islamisten festgenommen. Gegen den 29-Jährigen werde wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt, so die Polizei. Der Mann habe trotz Ausreiseverbots in die Türkei fliegen wollen. mawo/dpa

WAZ, 24.06.2015 Islamisten fingierten auch in Essen Unfälle

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WAZ / Essen,Mittwoch, 24.06.2015

Islamisten fingierten auch in Essen Unfälle

Polizeilicher Staatsschutz ermittelt


Islamisten haben auch in Essen gezielt Verkehrsunfälle herbeigeführt, um die Versicherungen bei der Regulierung des Schadens zu betrügen. Mit dem Geld wollten sie offenbar den Kampf des Islamischen Staates (IS) unterstützen.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher der Polizei gestern, dass es nach bisherigem Ermittlungsstand auch auf Essener Stadtgebiet „einige wenige Unfälle“ gegeben habe. Die Polizei machte aber keine näheren Angaben dazu, um wie viele Unfälle es sich in Essen handelt und wo genau die Täter die Zusammenstöße fingierten.

Schwerpunkt liegt in Oberhausen

Essen ist kein Schwerpunkt der fingierten Unfälle: Bei den meisten bekannten Zusammenstößen krachte es laut Polizei in Oberhausen. Auch gab es gestern in Essen keine Hausdurchsuchungen – anders als in Oberhausen, Mülheim und Bonn. Mülheimer Ermittlern waren die absichtlich verursachten Unfälle aufgefallen. Bei der Prüfung zahlreicher Verkehrsakten stellten die Beamten fest, „dass einige Unfallbeteiligte Verbindungen zu einschlägig bekannten islamistischen Kreisen in Oberhausen und Dinslaken hatten“, meldet die Polizei.

Daraufhin hatte der Staatsschutz in Essen die Untersuchungen übernommen. pg

NRZ, 24.06.2015 Autounfälle für den IS?

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NRZ / Nordrhein-Westfalen (Mantel),Mittwoch, 24.06.2015

Autounfälle für den IS?

Razzia im Ruhrgebiet: Bande soll Terrormiliz mit Versicherungsbetrügereien unterstützt haben


Im Ruhrgebiet. Der Staatsschutz der Essener Polizei ist gestern früh bei einer Razzia in Mülheim, Oberhausen und Bonn gegen radikale Islamisten vorgangen. Die Gruppe soll mit Geldern aus Versicherungsbetrügereien den Krieg des sogenannten „Islamischen Staates“ im mittleren Osten finanziert haben. Bei der Durchsuchungsaktion hat es offenbar auch Festnahmen gegeben.

Als Erste waren Ermittler des Verkehrskommissariats der Polizei Essen/Mülheim den Islamisten auf die Schliche gekommen, die insbesondere im gesamten westlichen Ruhrgebiet Unfälle vorgetäuscht haben sollen, um Autoversicherer zu prellen. Aufmerksam geworden war die Polizei auf die Organisation, weil Unfälle oft nach einem vergleichbaren Muster abliefen.

Die Ermittler gehen von etlichen Fällen aus. Es könne aber derzeit noch nicht beziffert werden, wie viel Geld die Gruppe auf diese Weise sammeln konnte. Sie soll Kontakte zu der sogenannten Lohberger Brigade haben – einer Gruppe von jungen Leuten aus dem gleichnamigen Dinslakener Stadtteil, die nach Syrien ausgereist waren, um dort auf Seiten der Dschihadisten zu kämpfen. Medienberichten zufolge sollen in den vergangenen sechs Monaten mindestens neun Personen aus Oberhausen nach Syrien gereist sein, unter ihnen auch Frauen und Kinder. Auf Anfrage wollte der Essener Staatsschutz dies nicht kommentieren.

Festnahme am Flughafen
Die Razzia gegen das Salafisten-Netzwerk im Ruhrgebiet und Rheinland war nicht die einzige Polizeiaktion gegen Islamisten in Nordrhein-Westfalen. Am Flughafen Düsseldorf wurde am Morgen ein 29-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln festgenommen, der sich in die Türkei absetzen wollte. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte bereits längere Zeit gegen das Mitglied des Vereins „Einladung zum Paradies“ wegen der Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ ermittelt. Konkrete Hinweise, dass der Rheydter einen Anschlag in Deutschland geplant habe, habe es aber nicht gegeben, so ein Sprecher der Mönchengladbacher Polizei.

Der Salafist soll zudem 2014 in Syrien für den Islamischen Staat gekämpft haben. mawo/mars

NRZ, 24.06.2015 Razzien gegen IS-Helfer an Rhein und Ruhr

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NRZ / Titelseite (Mantel),Mittwoch, 24.06.2015

Razzien gegen IS-Helfer an Rhein und Ruhr


An Rhein und Ruhr. Mutmaßliche Helfer des „Islamischen Staates“ sollen die Terrormiliz mit Versicherungssummen aus bewusst herbeigeführten Autounfällen im Ruhrgebiet unterstützt haben. Dieser Verdacht habe sich gestern nach Razzien in Mülheim, Oberhausen und in Bonn erhärtet, teilte die Essener Polizei mit.   mawo/dpa

WAZ/NRZ, 27.+28.05.2015 CDU verteilt Grundgesetze

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WAZ/NRZ / Essen, 27.+28.05.2015

CDU verteilt Grundgesetze


Die Christdemokraten verteilen am Samstag, 30. Mai, auf der Kettwiger Straße das Grundgesetz. Mit der Aktion will die CDU deutlich machen, dass die freiheitlich demokratische Grundordnung unantastbar ist und dass die demokratischen Prinzipien sowie die obersten Grundwerte von allen in der Bundesrepublik lebenden Menschen eingehalten werden müssen. Bundestagsabgeordneter Matthias Hauer wird ebenfalls Gesetze verteilen. Neben dem Grundgesetz werden auch Informationen zum Salafismus an interessierte Bürger verteilt. Der Informationsstand wird ab 11 Uhr auf Höhe des Kardinal-Hengsbach-Platzes positioniert.

WAZ/NRZ, 28.+29.04.2015 Essen beugt vor gegen Salafismus

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WAZ/NRZ / Essen, 28.+29.04.2015

Essen beugt vor gegen Salafismus

Breites Echo auf Veranstaltung mit der Religionspädagogin Lamya Kaddor. Thomas Rüth (Awo): „Offenbar keine Essener Muslime im Dschihad“


Von Gerd Niewerth

Es ist ein beängstigendes Phänomen, das oft ratlos macht: Junge, radikalisierte Muslime ziehen auch aus dem Ruhrgebiet nach Syrien in den so genannten „Heiligen Krieg“ und bezahlen ihren Fanatismus vielfach mit dem Leben. „Das geht uns an!“ – so ist eine Infoveranstaltung an diesem Montag für Lehrer, Sozialarbeiter und Polizisten überschrieben. Ein überaus treffender Titel: Denn statt der erwarteten 100 Teilnehmer finden knapp 250 den Weg in die Weststadthalle.


Woran erkenne

ich, dass sich mein
Kind radikalisiert?“

Polizeikommissarin,
die eine häufige Fra-
ge besorgter Mütter zitiert

Wohl auch, weil mit der bekannten Religionspädagogin Lamya Kaddor eine ausgewiesene Salafismus-Expertin das komplexe Thema zu erhellen sucht. Die Islamkundlerin aus Dinslaken erlangte bundesweite Aufmerksamkeit, als bekannt wurde, dass fünf ihrer Lohberger Schüler in den Dschihad gezogen waren.Warum radikalisieren sich junge Muslime? Warum sind sie zum Töten bereit? „Sie finden den Salafismus so attraktiv, weil er Orientierung, Gemeinschaftsgefühl und Lebenssinn zu bieten scheint“, sagt sie. Hinzu komme neben dem Frustgefühl, zu den Ausgegrenzten und Diskriminierten zu zählen, eine diffuse Dschihad-Romantik („Handeln statt reden“): „Die meisten ziehen aus Rebellion nach Syrien.“

Awo-Experte Thomas Rüth vom „Jugendhilfe Netzwerk“ kennt den Alltag muslimischer Familien in Altenessen und Katernberg sehr genau. Seine Prognose klingt dramatisch: „Wenn Jugendliche erst in die Hände solcher Rattenfänger geraten sind, sind sie verloren.“ Allerdings fügt er – zumindest für diese Stadt – eine beruhigende Nachricht hinzu: „Es gibt offenbar keine Leute aus Essen, die weg im Dschihad sind.“ Rüth führt dies in erster Linie auf das funktionierende Essner Netzwerk aus Schulen, Polizei, Ämtern, Politik und Wohlfahrtsverbänden zurück. Auch mit Verstaltungen wie der in der Weststadthalle zählt Essen – gemeinsam mit Dortmund – zu den Vorreitern in Sachen Vorbeugung. Die Teilnehmer der Salafismus-Konferenz vertreten Dutzende Einrichtungen und Organisationen – auch zahlreiche muslimische Teilnehmer sind anwesend. Eine türkischstämmige Kommissarin gibt die Frage besorgter Mütter wieder: „Woran erkenne ich, dass sich mein Kind radikalisiert?“ Lamya Kaddor antwortet: „Zum Beispiel wenn sie nicht mehr in die Disko rennen, sondern sie plötzlich fünf Mal am Tag beten.“

Torsten Marienfeld, Leiter der Nelli-Neumann-Förderschule in Katernberg, berichtet sorgenvoll von Schülern, bei denen Enthauptungsvideos im Umlauf sind. „Wir müssen verhindern, dass hier der Humus entsteht, auf dem Salafismus gedeiht.“ Um muslimische Eltern besser aufzuklären, ist eine Folgeveranstaltung geplant – erneut mit Lamya Kaddor.

„Mehr islamischen Religionsunterricht“

  • Lamya Kaddor fordert mehr islamischen Religionsunterricht. Dass in NRW nur ein Bruchteil der Schüler erreicht werde, sei „erbärmlich“. Den Dialog mit Salafisten zu suchen, hält Kaddor grundsätzlich für falsch.
  • Veranstalter der Konferenz: Jugendamt, Sozialdienst Kath. Frauen, AWo, Uni, Stadtteilprojekt Altenessen-Süd/Nordviertel
    Bildunterschrift:
     
  • Deutsche Muslime in der Katernberger Fatih-Moschee haben letztes Jahr den IS-Terror an einem bundesweiten Aktionstag scharf verurteilt. FOTO: KERSTIN KOKOSKA
  • Salafismus-Expertin Lamya Kaddor spricht am Montag in der Weststadthalle vor fast 250 Essener Lehrern, Sozialarbeitern und Polizisten. FOTO: STEFAN AREND

WAZ, 25.04.2015 CDU verteilt wieder das Grundgesetz

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WAZ / Essen, Rubrik Kurz gemeldet,Samstag, 25.04.2015

CDU verteilt wieder das Grundgesetz


Ein Zeichen gegen Salafismus will die CDU auch am heutigen Samstag, 25. April, setzen: Darum verteilt sie ab 11 Uhr an der Kettwiger Straße (Höhe Kardinal-Hengsbach-Platz) das Grundgesetz an interessierte Bürger. In einer Zeit, da die Bedrohung durch islamistische Gewalt­täter wachse, müsse man Salafisten mit allen demokratischen Mitteln bekämpfen.

WAZ/NRZ, 10.+13.04.2015 Vortrag: Die Islamisierung Afrikas

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WAZ/NRZ / Essen, 10.+13.04.2015

Vortrag: Die Islamisierung Afrikas

Donnerstagsgespräch in der Alten Synagoge


Unter dem Titel „Gewalt und arabische Islamisierung in Afrika“ referiert Cheikh Djibril Kane beim nächsten Donnerstagsgespräch der Alten Synagoge, 16. April, um 19.30 Uhr. Der Eintritt zu Vortrag und Diskussion ist frei.

Der Islam ist die zweitgrößte monotheistische Religion der Welt. Sie nahm ihren Ursprung im 7. Jahrhundert im arabischen Raum. Der Islam begann seine Expansion kurz nach dem Tod Mohammeds (632 n.Chr.).

Die Arabomuslime unter ihrem Ersten Kalifen Abu Bakr (573-634 n. Chr.) und im Namen des Heiligen Krieges haben Afrika und andere Orte der Welt erobert.

Die Geschichte der Islamisierung Afrikas wirft historische Fragen auf, die bis in die Gegenwart reichen und die der Referent des Abends sowohl im Hinblick auf die geschichtliche Entwicklung, wie für die Herausforderungen der Gegenwart thematisiert: Welche Glaubensrichtungen gab es in Afrika vor dem Islam? Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem damaligen Heiligen Krieg und der jetzigen salafistischen Gewalt? Was versteht man unter dem Begriff „Heiliger Krieg“?

Cheikh Djbril Kane ist 35 Jahre alt und wuchs im Senegal auf. Er lebt seit 2003 in Deutschland und schloss 2012 mit dem Dual Bachelor in Geschichte, Kultur und Romansprachen an der Uni Duisburg-Essen ab. Seit 2013 studiert er Geschichte im Master-Studiengang. Er beschäftigt sich mit Recherchen und Forschungen über Afrikas.

WAZ, 10.04.2015 Leserbrief Keine Schnüffelei

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Freitag, 10.04.2015

Keine Schnüffelei


CDU will weniger Standgenehmigungen für Salafisten. Sie schreiben: „Die CDU hatte es einige Male geschafft, die Extremisten durch parallel an der Kettwiger Straße laufende Grundgesetz-Verteilaktionen zum Rückzug zu bewegen.“

Und nun frage ich mich, wie die CDU das nur geschafft hat. Sie wird doch nicht etwa mit Grundgesetz-Texten geworfen haben. Wie auch immer: Ich fordere die CDU auf, bei dieser erfolgreichen Aktionsform zu bleiben, statt der Stadtverwaltung die Aufgabe zu übertragen, „verfassungsfeindliche Umtriebe“ zu erkennen, und somit der Gesinnungsschnüffelei Tor und Tür zu öffnen. Falls Texte verteilt werden, die gegen geltendes Recht verstoßen, weil sie volksverhetzend sind, oder Aufrufe zu Gewalttaten enthalten, reicht die Zivilgesellschaft völlig aus dies zu erkennen, und normale Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz wären völlig ausreichend, dem zu begegnen. Olaf Swillus, Essen

WAZ/NRZ, 09.04.2015 Salafisten: Stadt sieht kaum Chancen für ein Standverbot

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WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 09.04.2015

Salafisten: Stadt sieht kaum Chancen für ein Standverbot


Die Stadt sieht derzeit faktisch keine Möglichkeit, Ständen von Salafisten in der Innenstadt die Genehmigung zu versagen. Wie berichtet, hatte die CDU mit Hinweis auf die vermutete Verfassungsfeindlichkeit der Islamisten eine weniger großzügige Genehmigungspraxis gefordert. „Wir müssten konkret nachweisen, dass das verteilte Material strafbare Inhalte enthält“, so eine Stadtsprecherin. Dieser Beweis sei schwer zu führen. Im ersten Quartal 2015 habe es an acht Tagen eine Standgenehmigung für Salafisten in der Innenstadt gegeben. Einige Anträge seien aber auch abgelehnt worden, weil es für die insgesamt sieben Standorte in der City regelmäßig jeweils mehr Interessenten gebe.

WAZ/NRZ, 08.04.2015 CDU fordert weniger Standgenehmigungen für Salafisten

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WAZ/NRZ / Essen,Mittwoch, 08.04.2015

(WAZ:) CDU fordert weniger Standgenehmigungen für Salafisten
(NRZ:) CDU: Weniger Standgenehmigungen für Salafisten

(WAZ:)Stadtverwaltung soll ihre Praxis überprüfen: „Angriff auf unsere offene Gesellschaft und den demokratischen Rechtsstaat“
(NRZ:) Stadt soll Praxis überprüfen: „Angriff auf offene Gesellschaft und den demokratischen Rechtsstaat“


Die Essener CDU-Ratsfraktion fordert die Stadtverwaltung auf, radikalen Salafistengruppen für ihre Propaganda in der Innenstadt weniger bereitwillig Standgenehmigungen zu erteilen. Die bisherige Genehmigungspraxis gehöre angesichts der verfassungsfeindlichen Umtriebe auf den Prüfstand, so die CDU.

„Täglich sind Salafisten auf Werbetour und versuchen neue Anhänger für ihre radikalen Ideen zu gewinnen, und leider liegt mittlerweile auch Essen im Fokus dieser Bemühungen“, beobachtet der ordnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Fabian Schrumpf. Immer wieder seien Salafisten auf der Kettwiger Straße mit einem eigenen Infostand präsent. „Dabei wurde bereits in vielen Fällen belegt, dass Salafisten einen Gottesstaat auf Grundlage der Scharia anstreben und sogar den Terror des IS unterstützen.“ Sie bereiteten so den Nährboden zur Radikalisierung junger Menschen, was bis hin zu terroristischen Aktivitäten reichen kann. „Dieses Treiben ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft und die Grundfesten unseres demokratischen Rechtsstaates. Dies dürfen wir nicht tolerieren. Wir fordern die Stadtverwaltung auf, in jedem einzelnen Fall sorgsam zu prüfen, ob den Salafisten tatsächlich ein Standgenehmigung erteilt werden muss.“ Die CDU hatte es einige Male geschafft, die Extremisten durch parallel an der Kettwiger Straße laufende Grundgesetz-Verteilaktionen zum Rückzug zu bewegen.

Das Projekt der NRW-Landesregierung „Wegweiser“ gegen gewaltbereite Salafisten, für das bislang nur in Wuppertal, Bochum, Bonn und Düsseldorf jeweils eine Beratungsstelle eingerichtet wurde, hält Schrumpf für nicht ausreichend: „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Mit nur vier Beratungsstellen für ganz NRW könne man den landesweiten Aktivitäten kaum wirksam begegnen. Das Problem werde unterschätzt. „Innenminister Jäger muss dringend nachsteuern und mehr Ressourcen einsetzen.“
Bildunterschrift:
Die CDU verteilt als Gegenaktion Grundgesetze, fordert aber auch mehr Restriktionen gegen Salafisten. FOTOS: FOTO: AREND

WAZ/NRZ, 18.+25.03.2015 Vertrauen gegen Radikalisierung

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WAZ/NRZ / Essen, 18.+25. 03.2015

Vertrauen gegen Radikalisierung

Kommissarin Susanne Skorzik arbeitet seit vier Jahren als Kontaktbeamtin für muslimische Institutionen. Derzeit beschäftigt sie das Thema Extremismus


Von Dominika Sagan

Wenn bei einer türkischen Familie in Altenessen eingebrochen wurde, wählt die nicht immer gleich die 110, sondern ruft mitunter Susanne Skorzik an. Das ist nur ein Beispiel dafür, welches Vertrauen die Polizeihauptkommissarin, die den Bezirksdienst Nord leitet, genießt. Seit vier Jahren arbeitet sie nun auch als Kontaktbeamtin für muslimische Institutionen und Bürger.

In dieser Funktion ist sie Ansprechpartnerin und das Bindeglied zwischen Gemeinden und Polizei. Susanne Skorzik berät den Integrationsbeirat und gilt ihren Polizeikollegen als Referentin, um unter anderen auf den Umgang mit Sprachbarrieren der muslimischen Bürger hinzuweisen. Auf der anderen Seite, bei den Vertretern der muslimischen Gemeinden, besteht das Interesse, „die Moscheevereine in lokale Netzwerke einzubinden“, formuliert Azzadine Karioh (stellv. Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen). Dazu gehöre die Polizei, damit die erste Begegnung mit den Beamten nicht erst der Einsatz ist, wenn die Polizisten nach einem Verdächtigen fahnden. Dem wollen sie entgegenwirken und die ersten Kontakte herstellen, „um Berührungsängste zu nehmen“, sagt der Rechtsanwalt.


„Terrorismus ist
nach den Attenta-
ten in Paris ein
großes Thema.“
Susanne Skorzik,
Polizeihauptkommissarin
und Kontaktbeamte

Daher ist Susanne Skorzik regelmäßig vor Ort, wenn die Polizei nach einem Wohnungseinbruch ermittelt. „Manchmal erkläre ich die Abläufe bei der Arbeit der Polizei oder der Staatsanwaltschaft“, beschreibt die Kommissarin. Kürzlich ging es bei einem Treffen der Kontaktbeamtin mit Vertretern aus 22 Moschee-Vereinen um ein ganz anderes Thema: „Extremisten haben bei uns keine Chance“, war es überschrieben. „Auch für die Moscheen ist Salafismus eine Herausforderung“, sagt Karioh. Es herrschen durchaus Ängste in den Gemeinden, einzelne Imame seien überfordert, wenn sich Wanderprediger ankündigen. Nun liefen Gespräche mit der Polizei, um Referenten nicht blind einzuladen, sagt er. Ob es bereits Rückkehrer aus Syrien gibt, sei ihm nicht bekannt.

Damit die jungen Menschen gar nicht erst an Ausreise denken, setzen sie auf präventive Arbeit mit den Jugendlichen, erklärt er. Konflikte innerhalb der Familien könnten erste Anzeichen sein, wenn sich weltoffen erzogene Jugendliche plötzlich veränderten, sagt Karioh. Wenn etwa Söhne, die den Eltern plötzlich Vorgaben machen, den Vater kritisieren, der keinen Vollbart trägt oder nicht zu vorgegebener Stunde betet.

Die Gemeinden und die Kommissarin wollen Eltern erreichen, Hilfe bieten oder Ansprechpartner nennen, wenn der Sohn sich zurückzieht, nicht mehr sagt, mit wem er sich trifft oder warum er sich anders kleidet, erklärt Susanne Skorzik. „Terrorismus ist nach den Attentaten in Paris großes Thema“, sagt sie, die auch die Kehrseite kennt. So wenden sich Frauen an sie, „mit der Angst vor einem Generalverdacht, wenn sie mit Kopftuch draußen unterwegs sind.“ Dass sie dieses ungute Gefühl und ihre Sorgen überhaupt ansprechen, auch diese Offenheit hat sich Susanne Skorzik erarbeitet. Als Kontaktbeamtin – sie bekleidet in Essen als erste Frau dieses Amt – war ihr von Beginn an wichtig, sich in Frauengruppen vorzustellen. In Einzelfällen, sagt die Kommissarin, funktioniert diese Zusammenarbeit so gut, dass Eltern sich mit ihren Problemen an sie wenden. Mehr sagt sie dazu nicht – auch das ist Vertrauenssache.
Bildunterschrift:
Arbeiten zusammen: Azzadine Karioh (stellv. Vorsitzender der Kommission Islam und Moscheen), Polizeihauptkommissarin Susanne Skorzik (Kontaktbeamtin) und Hicham El Founti (Vorstandsmitglied Verbund der Immigrantenvereine). FOTO: VAHLENSIECK

WAZ, 03.03.2015 Leserbrief Besser die Bibel

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Dienstag, 03.03.2015

Besser die Bibel


Mit Grundgesetz gegen Salafisten. Was ist daran mutig, wenn jemand unser Grundgesetz verteilt? Die CDU und ihr OB-Kandidat Thomas Kufen hätten besser neben dem Grundgesetz auf jeden Fall auch die Bibel (unsere Heilige Schrift) verteilen sollen, um es den Salafisten mit ihrem Koran gleichzutun. So sehe ich in der Aktion wenig Besonderes.
Herbert Reinke, Essen

NRZ, 02.03.2015 Das Grundgesetz gegen Salafismus

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NRZ / Essen,Montag, 02.03.2015

Das Grundgesetz gegen Salafismus

Die CDU hat über 500 Bücher an Passanten verteilt, um auf die Gefahren des Salafismus aufmerksam zu machen. Bei den Innenstadt-Besuchern kam das gut an


Von Susanne Kollmann

Dicht an dicht sollten sie mitten in der Innenstadt in Höhe des Kardinal-Hengsbach-Platzes stehen: Die Salafisten und die CDU. Die einen wollten den Koran verteilen, die anderen das Grundgesetz – so haben sie es bei der Stadt angekündigt. Doch zu sehen sind nur die Christdemokraten, die Salafisten haben gekniffen.

„Für uns ist das ein großer Erfolg“, freut sich Matthias Hauer, Mitglied des Deutschen Bundestages. Der Politiker verteilt ein Grundgesetz nach dem anderen, beigefügt ein Informationszettel über den Salafismus. „Wenn die nicht hier sind, können auch keine neuen Mitglieder geworben werden“, ergänzt er. Und das, so Hauer, machen die Salafisten sehr geschickt. Den Koran zu verteilen sei erst einmal nichts Schlimmes. Doch dadurch kämen sie mit den Passanten ins Gespräch, die all die vielen Versprechen glauben würden.

Hinweis auf Gefahren
Die CDU will mit ihrer Aktion in erster Linie auf die Gefahren hinweisen, die der Salafismus birgt. Auf dem Laufzettel schreibt die Partei unter anderem: „Die salafistische Bewegung in NRW ist in Teilen gewaltorientiert und latent gewaltbereit. Fast alle islamistischen Anschlagsversuche der letzten Jahre in Deutschland entwickelten sich aus dem salafistischen Millieu.“

Marius Krüger hat diese Erfahrung gemacht. Der CDU-Ortsvorsitzender von Essen-Karnap hat einen Koran angenommen, um mit den Salafisten ins Gespräch zu kommen. „Ich habe schnell gemerkt, dass sie mir eintrichtern wollten, der Islam sei die einzig wahre Religion. Als ich aber angefangen habe zu hinterfragen, haben sie komplett abgeblockt und sind sogar etwas aggressiv geworden“, erinnert sich Krüger und fügt hinzu, dass es wichtig sei, die Grundrechte zu verteidigen und auch die Bürger dafür zu sensibilisieren.

Die Passantin Marion Warobiow ist ein bisschen traurig darüber, dass die Salafisten gekniffen haben. „Mit denen hätte ich mich wirklich mal gerne unterhalten. Ich bin extra wegen dieser Aktion in die Innenstadt gefahren“, betont die erklärte Verfechterin des Grundgesetzes. „Ich finde es super und mehr als überfällig, dass endlich mal jemand aufsteht und sich gegen die Salafisten stellt“, ergänzt Warobiow ganz aufgeregt.

Wenn man sich unter den Passanten umhört, dann merkt man schnell, dass sie der Aktion der Christdemokraten positiv gegenüber stehen. Manfred Hermann gehört auch dazu. Er sieht die Abwesenheit der Koranverteiler als Erfolg: „Jeder Tag, den die nicht hier sind, ist ein gewonnener Tag.“

Thomas Kufen, CDU-Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat für Essen, ist mit dem Andrang mehr als zufrieden. „Bei der ersten Verteilaktion vor zwei Wochen, haben wir in einer Stunde 500 Grundgesetze ausgegeben.“ Der Politiker betont aber auch: „Bei der Aktion geht es nicht um die Bekehrung der Salafisten, sondern einzig darum, die Menschen aufzuklären.“ Denn das Schlimme sei, dass sich der Salafismus in einem schwarz-weißen Weltbild als das „Gute“ bezeichne und verspreche, durch Regeln und feste Normen Stabilität zu bieten.

Bei den bisher zwei Aktionen der Essener Christdemokraten soll es aber nicht bleiben. Jedes Mal, wenn die Salafisten an den Wochenenden den Koran verteilen wollen,wird die CDU provokant den Stand neben ihnen aufbauen, um auf die Gefahren des Salafismus aufmerksam zu machen. Vielleicht stehen sie sich beim nächsten Mal ja gegenüber.
Bildunterschrift:
Matthias Hauer, Mitglied des Deutschen Bundestages, verteilte eifrig das Grundgesetz FOTO: STEFAN AREND

WAZ, 02.03.2015 Grundgesetz gegen Salafismus

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WAZ / Essen,Montag, 02.03.2015

Grundgesetz gegen Salafismus

Unionspolitiker verteilen auf der Kettwiger die Verfassung. Abwesenheit der Koranverteiler empfinden sie als kleinen Sieg. Perspektivlosigkeit muslimischer Jugendlicher werde von Islamisten ausgenutzt


Von Gerd Niewerth

„Grundgesetz gegen Salafismus“ – mit diesem Slogan schlug die Essener CDU am Samstag demonstrativ ihr blaues Info-Zelt in der Kettwiger Straße auf. Direkt nebenan – in Höhe des Bekleidungsgeschäftes „Primark“ – wollten eigentlich die salafistischen „Lies“-Aktivisten ihren Stand aufbauen. Doch der spektakuläre Zusammenprall zwischen Koran- und Grundgesetzverteilern, zwischen religiösen Fanatikern und Demokraten, fiel aus: Entgegen ihrer Ankündigung im Internet unterließen es die Koranverteiler abermals, nach Essen zu kommen.

Es ist Samstagmorgen kurz nach halb zwölf. Die 35 Funktionäre, zu erkennen an den orangefarbenen Schlüsselbändern mit CDU-Badge, beherrschen schon rein optisch das Terrain zwischen Dom und Marktkirche. Das Grundgesetz, in diesem Fall ein schmales Reclam-Bändchen in Handyformat, findet großen Zuspruch, gut 1000 Exemplare der bundesdeutschen Verfassung werden binnen zwei Stunden an jene verteilt, die eigentlich zum Shoppen unterwegs sind. Dass es nicht zur unmittelbaren Konfrontation mit den Salafisten kommt, stört die Unions-Aktivisten nicht. Im Gegenteil: Die Abwesenheit der Koranverteiler empfinden sie als einen kleinen Sieg. „Es ist ein Erfolg für uns, dass sie heute nicht gekommen sind“, sagt der Bundestagsabgeordnete und designierte Parteichef Matthias Hauer. Und Thomas Kufen fügt hinzu: „Ganz offensichtlich weichen die Salafisten der Diskussion aus.“ Der Fraktionschef erinnert auch an den breiten Protest Mitte Januar, der sich gegen die von Rechtsextremen geführte Kampagne „Hooligans gegen Salafisten“ richtete. „Dass wir gegen Hogesa demonstriert haben, bedeutet noch lange nicht, dass wir Salafisten in Schutz nehmen.“ Salafismus – das sei religiöser Fanatismus, der ebenso abzulehnen sei wie alle anderen Formen des Radikalismus. Kufen: „Schon das Frauenbild der Salafisten verstößt gegen das im Grundgesetz festgeschriebene Gebot der Gleichheit von Mann und Frau.“

Sadik Cicin (36), Sohn eines türkischen Einwanderers, in Altenessen geboren und seit 1999 Deutscher, ist Vorsitzender der Migranten-Union im Integrationsrat. „Ich bin ein gläubiger und friedliebender Moslem, durch die feigen Anschläge von Islamisten sehe ich mich in ein schlechtes Licht gerückt.“

Zur selben Stunde, in der die Union auf der Kettwiger dem Salafismus die Stirn bietet, geht die Bremer Polizei in einem spektakulären Großeinsatz gegen die gewaltbereite Islamisten- und Salafistenszene vor. „Auch im Ruhrgebiet nutzen Salafisten schamlos die Perspektivlosigkeit von muslimischen Jugendlichen aus, die vom Islam meistens keine Ahnung haben“, sagt Cicin.

„Demokratiefeindliche Ideologie“

  • „Salafismus ist eine fundamentalistische Strömung des sunnitischen Islams mit einer demokratiefeindlichen Ideologie“, heißt es in dem CDU-Flyer.
  • Schon vor zwei Wochen hat die Union das Grundgesetz verteilt. In zwei Wochen, bei der nächsten Aktion der Koranverteiler, will die CDU erneut anrücken. „Wir kommen wieder“, sagen sie.
    Bildunterschrift:
    Sadik Cicin, Moslem und Chef der Migranten-Union, verteilt das Grundgesetz und verurteilt den Salafismus. FOTO: STEFAN AREND

WAZ, 25.02.2015 Leserbrief Kufen ist mutig

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 25.02.2015

Kufen ist mutig


Analyse CDU. Ich erkenne keinen Widerspruch darin, wenn Thomas Kufen in der Innenstadt Grundgesetze verteilt und gleichzeitig sagt, dass 90 Prozent der Zuwanderer hinter der Demokratie stehen. Endlich tut jemand etwas und stellt sich öffentlich mutig gegen die Salafisten mit dem mächtigsten Werk, dass unsere Demokratie hat: dem Grundgesetz.
Hicham El Founti, Essen

WAZ/NRZ, 12.02.2015 CDU verteilt Grundgesetz auf Kettwiger

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WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 12.02.2015

CDU verteilt Grundgesetz auf Kettwiger

Politische Reaktion auf Koran-Stand


Als Antwort auf die geplante Koranverteilung der Salafisten in Essen will sich die CDU Essen „quer“ stellen und am Samstag, 14. Februar, ab 11 Uhr auf der Kettwiger Straße in Höhe des Kardinal-Hengsbach-Platzes das „Grundgesetz“,verteilen.

Bereits jetzt kündigen die Essener Christdemokraten darüber hinaus an, auch an den anderen Infotagen der Salafisten das Grundgesetz zu verteilen und sich so für die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland einzusetzen.

Dazu Franz-Josef Britz, Vorsitzender der CDU: „Bereits in der Vergangenheit hat die CDU mit der Verteilung des Grundgesetzes deutlich gemacht, dass das Grundgesetz über allen deutschen Rechtsnormen steht und die Gesetzgebung an die verfassungsmäßige Ordnung und die Staatsverwaltung an Recht und Gesetz bindet. An diese müssen sich alle in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen halten. In einer Zeit, in der die Bedrohung durch islamistische Täter größer denn je ist, müssen wir die Salafisten mit allen demokratischen Mitteln bekämpfen. Zahlreiche junge Muslime wurden bereits durch Salafisten für den Krieg des islamischen Staates (IS) in Syrien und dem Irak angeworben.“

WAZ/NRZ, 10.02.2015 FDP diskutiert über Salafismus

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WAZ/NRZ / Essen,Dienstag, 10.02.2015

FDP diskutiert über Salafismus


Zu einem Informationsabend über das Thema „Neue Gefahren durch Salafismus“ laden die FDP-Landtagsabgeordneten Ralf Witzel und Joachim Stamp am heutigen Dienstag, 10. Februar, um 19 Uhr ins Restaurant „Hügoloss“ an der Freiherr-vom-Stein-Straße ein.

Angesichts der jüngsten terroristischen Anschläge sei die Bedrohungen durch religiösen Extremismus nicht zu unterschätzen. Die FDP spricht sich daher dafür aus, konsequent gegen radikale Strömungen vorzugehen und ist davon überzeugt, dass auch in Nordrhein-Westfalen mehr gegen Salafismus unternommen werden müsse.

WAZ/NRZ, 23.01.2015 Homophobie und islamischer Extremismus

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WAZ/NRZ / Essen,Freitag, 23.01.2015

(waz:) Homophobie und islamischer Extremismus
(nrz:) KWI-Vortrag zu Homophobie im Islam

(waz:)Wissenschaftlicher Vortrag im KWI
(nrz:)Wissenschaftler liefert Zusammenhänge


Die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Liebesbeziehungen ist ein zentrales Element islamisch-fundamentalistischer Strömungen. Homophobe Äußerungen werden in diesen Kreisen offen getätigt - auch in Deutschland, derzeit vor allem durch Anhänger des Salafismus. Radikalisieren die Extremisten damit lediglich eine unter Muslimen verbreitete Haltung? In seinem Vortrag „Homophobie und islamischer Extremismus“ geht der Journalist und Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders am 3. Februar um 19 Uhr im Gartensaal des Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Goethestraße 31, dem historischen und gegenwärtigen Bild von Homosexualität im Islam nach. Der Vortrag ist Teil der Reihe „Homophobie im globalen Fokus“, ein Phänomen, das zunehmend in seinen globalen Dimensionen sichtbar werde. Unter anderem wird der Experte den Aufstieg des Themas Homophobie beleuchten und er wird erklären, wie in den aktuellen Debatten um Inter-und Transkulturalität Homophobie mit Religion, Migration und Rassismus verknüpft wird. Anmeldung bis zum 26. Januar unter 7204153.

WAZ, 23.01.2015 Deutsch-Rapper Sinan-G warnt vor Salafisten

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WAZ / Essen,Freitag, 23.01.2015

Deutsch-Rapper Sinan-G warnt vor Salafisten

Der Essener Sänger ist erst 27 und hat schon eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Für schwere Straftaten verbüßte er mehrjährige Haftstrafen, jetzt legt er sein viertes Album „Lak Sho“ vor


Von Gerd Niewerth

Seine Eltern stammen aus dem Iran, aber aufgewachsen ist er in „Essen-City“. In seinem Personalausweis steht Sinan Farhangmehr, doch besser bekannt ist der 27-Jährige als Sinan-G. Ein muslimischer Deutsch-Rapper mit schillernder Biografie. Wegen einer monströsen Latte schwerer Straftaten – darunter Erpressung und Einbruch, Raub und Bandenkriminalität – hat er jahrelang hinter Gittern gesessen. Ein finsteres Kapitel, das er vor fünf Jahren abgeschlossen hat. An diesem Freitag erscheint sein viertes Album mit dem Titel „Lak Sho“. „Das ist Arabisch und bedeutet so viel wie ‘Was los’ oder ‘Was geht’“, sagt er.

„Il Violino“ ist eine kleine Pizzeria auf der Segerothstraße vis-à-vis der Universität. Sinan-G – unauffällig gekleidet in engen Polo-Jeans, violettem T-Shirt, Bomberjacke und Nike-Mütze, schüttet reichlich Tabasco auf seine Pizza. Der Wirt ist ein Afghane aus Kabul und Sinan sagt Sätze wie: „Wir sind alle Kanacken“ und „Ich bin mit Leib und Seele Essener.“


„Ich bin in Essen City aufgewachsen
und mit Leib und Seele Essener.“
Sinan-G, Rapper und Ex-Knacki, sagt, dass das „G“
jetzt eher für „Germany“ als für „Gangster“ stehe.

Das Etikett „Star“ verdient der Rapper noch nicht, dafür weist er verblüffend hohe Reichweiten im weltweiten Netz auf. „Ich habe bald 400 000 Fans bei Facebook“, sagt er mit funkelnden Augen. Ein imposanter Wert, der seinem Wort Gewicht verleiht – erst recht bei jungen, muslimischen Einwander-Kids. Auf Youtube übersteigen Videos wie „Die Waffen sind geladen“ oder „Ihr seid keine Männer“ längst die Millionen-Schallmauer.

Den ersten Medienwirbel um seine Person entfacht er 2009. Da sitzt er, der 22-Jährige, noch in der JVA Siegburg ein, und Rapper-Kollegen starten die spektakuläre Kampagne „Free Sinan-G“. Mit Erfolg: Bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres „Ruhr 2010“ erlebt das staunende Publikum auf Zollverein schon ein kurzweiliges Filmporträt („Zeche is nich“), in dem Sinan-G von Schießereien und Messerstechereien, von geknackten Tresoren und seiner gescheiterten Fußballer-Karriere bei Rot-Weiss Essen berichtet – und natürlich von seinem neuen Leben als frecher Sprechsänger mit rebellischem Gangster-Image.

Beim Plaudern über die heiße Pizza hinweg gibt sich Sinan-G betontbodenständig: „Ich wohne direkt nebenan, zusammen mit meinem Vater und meiner Mutter.“ Ob er von der Musik leben könne? Nun, derselbe, der in seinen Videos einen Fünf-Liter-Protz-Benz (Kennzeichen „E-V 1“) steuert, erwidert: „Es geht, ich halte mich über Wasser.“

Sinan-G, typisch Rapper, spricht rasend schnell. Und noch schneller, ja, sich fast überschlagend, wenn das Gespräch auf seinen Glauben, den Propheten und den Koran kommt. „Ich bin Moslem und Schiite“, sagt er. Und macht aus seiner Wut auf Salafisten kein Hehl. Seinen Fans, erst recht jenen, die eine latente Sympathie für den Dschihad aufbringen könnten, vermittelt er warnende Botschaften wie diese: „Die verarschen Euch doch nur und brauchen Euch als Kanonenfutter.“ Als bei der Anti-Israel-Demo letztes Jahr gegen Juden gehetzt wurde, stand auch Sinan-G auf dem Willy-Brandt-Platz. Doch von dumpfen Hassparolen distanziert er sich. „Ich bin für friedliches Miteinander und Respekt.“ In vielen Videoclips kokettiert er mit der Gangster-Pose. Seine Texte („Große Pause“) spiegeln die Gewalt auf dem Schulhof wider und auf dem „Lak Sho“-Cover baumelt eine Kalaschnikow am Armband. Ist das nicht gewaltverherrlichend? „Nicht mehr, als es bei John Rambo der Fall ist“, erwidert er schlagfertig. Alkohol und Drogen, versichert er, hätten in seinem realen Leben noch nie eine Rolle gespielt. Und auch der Gewalt habe er abgeschworen. „Ich gehe in die Muckibude, will gut aussehen für die Mädels, aber eine Knarre in der Hand? Nein danke.“


Bezug zur Stadt: „Mit Essen spielt man nicht“

  • „Lak Sho“, viertes Album nach „Ich bin Jesse James“, „Schutzgeld“, „Ob du willst oder nicht“, enthält 25 Titel, darunter auch Liebeslieder. Sinan-G singt und textet, die Beats stammen von Joshimixu aus Essen.
  • Die Album-Box für 30 Euro enthält DVD, T-Shirt („Salamanda-Gang“), Sticker und Poster.
  • Sinan-G betont gerne seine Essener Wurzeln. Ein neues Video entstand auf dem Problem-Hochhaus am Viehofer Platz.
  • Alte Titel mit Stadt-Bezug: „Essen City“, „Mit Essen spielt man nicht“.
    Bildunterschrift:
     
  • Deutsch-Rapper Sinan-G veröffentlicht heute sein viertes Album „Lak Sho“. FOTO: KNUT VAHLENSIECK
  • Video-Szene aus „Die Waffen sind geladen“ FOTO: ZWEIZOLL

WAZ, 08.01.2015 BAL fordert Verbot von Salafisten-Infoständen

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WAZ / Essen,Donnerstag, 08.01.2015

BAL fordert Verbot von Salafisten-Infoständen

„Verfassungsfeindliche Umtriebe unterbinden“


Im Kontext der Debatte um die bevorstehende Anti-Salafisten-Demo in Essen fordert die BAL - Bürgerlich Alternative Liste im Rat der Stadt Essen - von der Stadtverwaltung Essen, zukünftig Info-Stände von Salafisten in Essen nicht mehr zu genehmigen. „Salafisten stehen unserer freiheitlichen Gesellschaft und Verfassung feindlich gegenüber. Sie predigen die Versklavung der Frau sowie Hass gegen alle aus ihrer Sicht sogenannten ,Ungläubigen’, also Menschen, die so frei sind, nicht der Religion Islam anzugehören.“ Es sei nicht akzeptabel, dass die Stadt Essen gewaltbereiten frauenverachtenden Verfassungsfeinden regelmäßig eine Bühne biete, so die BAL. Vielmehr müsse die Stadt verfassungsfeindliche Umtriebe auf dem Stadtgebiet unterbinden. „Die Stadt hat hier auch die Aufgabe, die muslimischen Mitbürger in Essen zu schützen, die als Teil einer modernen, aufgeklärten Bürgerschaft und unter selbstverständlicher Respektierung des Grundgesetzes in Essen leben“, so die ordnungspolitische Sprecherin Elisabeth van Heesch-Orgass. Die Unterstützung von religiösen gewaltbereiten Extremisten, und sei es nur durch das Genehmigen von Info-Ständen, an denen die Extremisten ihre Lehren präsentieren und verbreiten können, berge die Gefahr, das Ansehen gemäßigter Muslime in der Stadtgemeinschaft zu schädigen. Dem sei entschieden entgegenzutreten, und diesbezüglich müsse auch parteiübergreifend ein breiter gesellschaftlicher Konsens bestehen.

Vorfälle 2014 und älter

WAZ, 24.09.2014 Leservotum zu Hooligans und Salafisten

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WAZ / Essen, Rubrik Online Leservotum,Mittwoch, 24.09.2014

Leservotum zu Hooligans und Salafisten


Online-Leservotum

Die neue Frage: Hooligans wollten am Sonntag gegen Salafisten demonstrieren. Wie ist Ihre Haltung zum Salafismus?

  • 22% Ängstigt mich.
  • 29% Beunruhigt mich.
  • 32% Ärgert mich.
  • 17% Stört mich nicht.
1463 abgegebene Stimmen, nicht repräsentativ

NRZ, 08.08.2014 „Warum schaut die Welt weg?“

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NRZ / Die Seite 3, Rubrik Der Kampf der Islamisten: Blickpunkt NRW,Freitag, 08.08.2014

„Warum schaut die Welt weg?“

Jesiden in NRW fordern ein militärisches Eingreifen im Nordirak, um dem blutigen Terror Einhalt zu gebieten. Islamisten-Attacke mit Messern und Flaschen in Herford


Von Annika Fischer

An Rhein und Ruhr. Ghian telefoniert, sie telefoniert den ganzen Tag, aber am anderen Ende nimmt niemand mehr ab. „Meine Tanten, mein Onkel, meine Kusinen“, Jesiden wie Ghian, sie sind fort, vielleicht in den irakischen Bergen, vielleicht tot, die Studentin weint. „Es belastet einen so.“ Ihre Stimme bebt, um sie herum an Essens Hauptbahnhof schreien die Frauen, aus Gelsenkirchen, aus Herne, eine ruft sich in Rage, die Tränen fließen, sie zeigen Fotos von Kinderleichen im Dreck. Es ist beklemmend: Hier demonstrieren Jesiden, die im Ruhrgebiet wohnen, sie rufen um Hilfe für „unsere Kinder“, im Irak von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ verfolgt.

Herford hat den Konflikt, die Angst nach Nordrhein-Westfalen geholt, wo die Jesiden sich bislang nicht sehr beachtet sorgten: Herford, wo sie auch nur demonstrieren wollten. Als ein 31-Jähriger am Nachmittag Plakate dazu aufhängte, kam es vor seiner Imbissbude zum Zusammenprall. Bewaffnet mit Flaschen und Messern gingen sechs „Männer muslimischen Glaubens“, wie die Kreispolizei sagt – offenbar Salafisten, überwiegend gebürtig in Tschetschenien – auf fünf Jesiden los, der Gastronom und ein 16-jähriger Jeside wurden verletzt. Aus Protest versammelten sich später Hunderte Jesiden in der Herforder Innenstadt, skandierten „Wir sind eure Freunde, Salafisten eure Feinde!“ Die Polizei berichtet von weiteren Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, an denen „Anhänger der verschiedenen Glaubensrichtungen beteiligt“ gewesen seien. Einsatzhundertschaften aus Dortmund und Bochum mussten zu Hilfe eilen.



„Sie haben fast alle
Verwandte verloren“
Sefik Tagay weiß,
warum viele Jesiden
„emotionalisiert“ waren

„Eine traurige Sache“, sagt am Tag danach Selahattin Tagay, Sprecher der Jesidischen Gemeinde in Wesel. „So etwas wollen wir nicht.“ Die Polizei müsse „diese Fanatiker“ unter Kontrolle bekommen, „sonst sind in den Großstädten weitere Übergriffe zu erwarten“. Es seien alle gefährdet, so Tagay, Christen, Juden, Jesiden und auch Muslime. Von der muslimischen Gemeinde erwarte er deshalb ein deutliches Signal: „Dass sie sich mit uns solidarisch zeigen.“

Auch sein Namensvetter Sefik Tagay aus Essen sieht besorgt auf die Entwicklungen: „Die Menschen sind extrem emotionalisiert“, sagt der Psychologe, „besonders die jungen. Sie haben fast alle Verwandte verloren, und jeden Tag zeigt man ihnen die grausamen Bilder.“ Hinzu komme: „Es gibt auch Provokateure.“ Der Vorsitzende der „Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen“ organisierte gerade eine bundesweite Demonstration, geplant für Samstag in Bielefeld, als die Nachricht aus Herford kam. Sonst, sagt Tagay, „kann man in der Diaspora wenig machen“.

Die Jesiden im Ruhrgebiet, 400 Familien sollen es in Essen sein, 300 in Wesel, 30 in Bochum, haben aber das Gefühl, sie müssten etwas tun. „Im Irak passieren Dinge, dafür gibt es keine Sprache“, sagt Sefik Tagay und findet doch Worte: „Ein Verbrechen gegen die Menschheit.“ Es werde alles „massakriert und ausgerottet, das nicht nach der Scharia lebt“. Was die deutschen Jesiden so hilflos macht: „Warum schaut die Welt weg?“

Das fragen die Demonstranten gestern in Essen gar nicht mehr, 300 auch sie, von der Polizei geschützt. Sie flehen: um Hilfe, um militärischen Schutz, „unsere Kinder sind gestorben“, erklärt Khues aus Herne ihre Plakate. Die „Gemeinschaft der Ezidischen Gemeinden in Deutschland“ fordert von Vereinten Nationen und Bundesregierung seit Tagen, „militärisch das Schlimmste zu verhindern“: Man stehe „vor einem Völkermord, der in seinen Ausmaßen nur vergleichbar ist mit den Massakern in Ruanda und Dafur“.

Schwangere verlor auf der Flucht ihr Kind
Dabei geht es den Jesiden schon Jahre nicht gut in ihrer Heimat, viele flohen. Vor zwei Jahren erreichte Anoar Derbo aus dem syrischen Bürgerkrieg das rettende Mülheim, überlebte um ein Haar die Fahrt auf einem Flüchtlingsboot vor Italien. Auf der Flucht verlor Derbos schwangere Frau ihr Kind, daheim blieb die blinde Mutter zurück. Eine Schwester floh in den Irak: „Dort“, sagt Derbo, „geht es ihr nicht besser.“

Mourad Abdo Khedir hat eine Ahnung, wie es ihr ergeht: Als er das letzte Mal mit seinen Verwandten dort telefonierte, griff Isis gerade das Dorf an. Nicht alle aus der Familie haben überlebt, einige sollen in den Bergen sein. Ob das stimmt – Abdo Khedir weiß es nicht.   mit jul/jes


Eine der ältesten Religionen der Welt

  • Die Jesiden selbst glauben, dass ihre Religion rund zweitausend Jahre vor Christus entstand – der wohl älteste Ein-Gott-Glaube der Welt. Belege dafür gibt es nicht, da die Religion nur mündlich überliefert wurde.
  • Sie missionieren nicht, neigen zur Abschottung. Man kann nicht konvertieren, wer einen Nicht-Jesiden heiratet, wird auch einer. Auch Heirat zwischen den drei Kasten ist tabu.

Flüchtlinge im Irak brauchen dringend Hilfe

NRZ ruft in Zusammenarbeit mit der Caritas im Ruhrbistum zu Spenden für Flüchtlinge auf

Von Jan Jessen

Essen. Im Norden des Irak spielt sich eine humanitäre Katastrophe ab. Zehntausende Christen und Jesiden sind auf der Flucht vor dem Vormarsch der Fanatiker des „Islamischen Staates“ (IS). Die Menschen sind dringend auf Hilfe angewiesen. Die Regierung der autonomen Region Kurdistan, wohin sich viele Flüchtlinge gerettet haben, ist mit ihrer Versorgung überfordert. Bereits in den vergangenen Monaten sind Hunderttausende Menschen in die Kurdenregion geflüchtet: vor dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien, aus dem Westen des Irak, aus Mossul.

Im Oktober hat die NRZ gemeinsam mit der Caritas im Ruhrbistum zu einer Hilfsaktion für die notleidenden Menschen im Nordirak aufgerufen. Dank der Spenden unserer Leser konnten wir Tausenden syrischen Flüchtlingskindern mit warmer Kleidung durch den Winter helfen. Seit dem Ansturm der IS-Terroristen Anfang Juni haben wir Nothilfe für Binnenflüchtlinge geleistet. Wir haben insgesamt rund 90 Tonnen Lebensmittel verteilt, wodurch zahlreiche Menschen vor dem Hungertod bewahrt wurden. Außerdem konnten wir in der letzten Juli-Woche 360 christliche Flüchtlingsfamilien, die auf der Flucht aus Mossul komplett ausgeraubt wurden, persönlich vor Ort mit Bargeld unterstützen, sodass sie selbst das Notwendigste kaufen konnten.

Es ist weitere Hilfe nötig. Mit dem gespendeten Geld werden über vertrauensvolle und uns durch zahlreiche Aufenthalte in der Region persönlich bekannte Mittelsmänner im Nordirak und in der Türkei Hilfsgüter gekauft. Die Verteilung der Hilfsgüter nehmen die christlichen Gemeinden vor. Die korrekte Verwendung der Spenden ist garantiert.


Die Bankverbindung für ihre Spende

Lebensmittel, Decken, Matrazen, Kleidung – es fehlt den Flüchtlingen an allem, trotz der enormen Hilfsbereitschaft in der kurdischen Bevölkerung.

Spenden bitte an: Caritasverband für das Bistum Essen e.V., Stichwort: „Flüchtlinge Nordirak“, IBAN DE75 3606 0295 0000 014400, BIC GENODED1BBE oder Kontonr. 14400 bei der Bank im Bistum Essen, BLZ: 36060295
Bildunterschrift:
 
  • Tränen der Verzweiflung: Jedische Frauen aus dem Ruhrgebiet weinen um ihre Verwandten, die im Irak verfolgt weren. FOTO CHRISTOF KOEPSEL

WAZ, 08.08.2014 Tränen um die toten Kinder im Irak

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WAZ / Rhein-Ruhr, Rubrik Der Kampf der Islamisten: Blickpunkt NRW,Freitag, 08.08.2014

Tränen um die toten Kinder im Irak

Nach den Zusammenstößen von Herford demonstrieren Jesiden auch im Ruhrgebiet. Sie sorgen sich um die Verwandten: „Wir werden ausgelöscht“


Von Annika Fischer

Ruhrgebiet. Ghian in Essen telefoniert, sie telefoniert den ganzen Tag, aber am anderen Ende nimmt niemand mehr ab. „Meine Tanten, mein Onkel, meine Kusinen“, Jesiden wie Ghian, sie sind fort, vielleicht in den irakischen Bergen, vielleicht tot, die Studentin weiß es nicht. Sie weint. „Es belastet einen so sehr.“ Ihre Stimme bebt, um sie herum an Essens Hauptbahnhof schreien die Frauen, aus Gelsenkirchen, aus Herne, eine ruft sich in Rage, die Tränen fließen, sie zeigen Fotos von Kinderleichen im Dreck. Es ist beklemmend: Hier demonstrieren Jesiden, die im Ruhrgebiet wohnen, sie rufen um Hilfe für „unsere Kinder“, im Irak von der Terrorgruppe IS verfolgt. Salafisten gegen Jesiden in Herford

Herford hat den Konflikt, hat die Angst nach NRW geholt, wo die Jesiden sich bislang eher unbeachtet sorgten: Herford, wo sie auch nur demonstrieren wollten. Als ein 31-Jähriger am Mittwoch Plakate dazu aufhängte, kam es vor seiner Imbissbude zur Gewalt. Bewaffnet mit Flaschen und Messern gingen sechs „Männer muslimischen Glaubens“, wie die Kreispolizei sagt – offenbar Salafisten –, auf fünf Jesiden los, der Gastronom und ein 16-jähriger Jeside wurden verletzt.


„Sie haben fast alle
Verwandte verloren“
Sefik Tagay weiß,
warum viele Jesiden
„emotionalisiert“ waren

Aus Protest versammelten sich später Hunderte Jesiden in der Innenstadt, skandierten „Wir sind eure Freunde, Salafisten eure Feinde!“ Die Polizei berichtet von weiteren Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, an denen „Anhänger der verschiedenen Glaubensrichtungen beteiligt“ gewesen seien. Einsatzhundertschaften aus Dortmund und Bochum mussten zur Hilfe eilen.

„Traurig“, sagt am Tag danach Selahattin Tagay, Sprecher der Jesidischen Gemeinde in Wesel. „So was wollen wir nicht.“ Die Polizei müsse „diese Fanatiker“ unter Kontrolle bekommen, „sonst sind in den Großstädten weitere Übergriffe zu erwarten“. Es seien alle gefährdet, so Tagay, Christen, Juden, Jesiden und auch Muslime. Von der muslimischen Gemeinde erwarte er deshalb ein deutliches Signal: „Dass sie sich mit uns solidarisch zeigen.“

Auch Namensvetter Sefik Tagay aus Essen sieht besorgt auf die Entwicklung: „Die Menschen sind extrem emotionalisiert“, sagt der Psychologe, „besonders die jungen. Sie haben fast alle Verwandte verloren, und jeden Tag zeigt man ihnen die grausamen Bilder.“ Hinzu komme: „Es gibt auch Provokateure.“ Der Vorsitzende der „Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen“ organisiert derzeit eine bundesweite Demonstration, geplant für Samstag in Bielefeld. „Sonst“, sagt Sefik Tagay, „kann man hier in der Diaspora wenig machen.“

Die Jesiden im Ruhrgebiet – 400 Familien sollen es in Essen sein, 300 in Wesel, 30 in Bochum – haben aber das Gefühl, sie müssten etwas tun. „Im Irak passieren Dinge, dafür gibt es keine Sprache“, sagt Sefik Tagay und findet doch Worte: „Ein Verbrechen gegen die Menschheit.“ Es werde alles „massakriert und ausgerottet, das nicht nach der Scharia lebt“. Was die Jesiden so hilflos macht: „Die Weltgemeinschaft tut so gut wir gar nichts. Warum schaut die Welt weg?“

Das fragen die Demonstranten am Donnerstag in Essen gar nicht mehr, 300 sind sie wohl, von der Polizei geschützt. Sie flehen: um Hilfe, um militärischen Schutz. „Unsere Kinder sind gestorben“, erklärt Khues aus Herne ihre Plakate, „wir sind vom Aussterben bedroht.“ Die „Gemeinschaft der Ezidischen Gemeinden in Deutschland“ fordert von Vereinten Nationen und Bundesregierung seit Tagen, „militärisch das Schlimmste zu verhindern“: Man stehe „vor einem Völkermord, der nur vergleichbar ist mit den Massakern in Ruanda und Dafur“.

Dabei geht es den Jesiden schon Jahre nicht gut in ihrer Heimat, viele flohen vor der Verfolgung ins Revier. 2012 erreichte Anoar Derbo aus dem syrischen Bürgerkrieg das rettende Mülheim, überlebte knapp die Fahrt auf einem Flüchtlingsboot vor Italien. Auf der Flucht verlor Derbos schwangere Frau ihr Kind, daheim blieb die blinde Mutter zurück. Derbos Schwester floh in den Irak: „Dort geht es ihr nicht besser.“ „Wer den Islamisten in die Hände fällt, wird getötet“, sagt Mourad

Mourad Abdo Khedir hat eine Ahnung von ihrer Sitution: Als er das letzte Mal mit seinen Verwandten telefonierte, griffen IS-Leute gerade ihr Dorf an. Nicht alle aus der Familie haben überlebt, einige sollen in den Bergen sein. Ob das stimmt, Abdo Khedir weiß es nicht. Der Jeside weiß nur, was er selbst gesehen hat: „Wer den Islamisten in die Hände fällt, wird getötet.“ In diesen Tagen zieht er mit seinen Kindern aus dem Mülheimer Übergangsheim in die eigene Wohnung, nur: „Man kann sich über gar nichts richtig freuen.“

Und auf nichts konzentrieren, sagt Ghian in Essen. „Wir werden ausgelöscht, dabei haben wir selbst nie Krieg geführt!“ Zumal: Sind sie nicht alle gläubig? „IS schreit ,Gott ist groß’, dann bringen sie uns um.“ Wieder weinen die Frauen. Um die Verwandten in den irakischen Bergen: „Wenn die Terroristen sie nicht kriegen, sterben sie an Hunger und Durst.“ mit jul/jes


Ein Volk, das keinen Teufel kennt

Die Jesiden halten sich für die älteste Ein-Gott-Religion der Welt. Aber bekehren wollen sie nicht

Essen. Man muss nicht bei Adam und Eva anfangen, sondern weit davor, um die jesidische Identität zu verstehen. Die Jesiden selbst glauben, dass ihre Religion eine der ältesten der Welt ist, rund zweitausend Jahre älter als das Christentum und erst recht älter als der Islam. Es wäre tatsächlich die wohl älteste Ein-Gott-Religion der Welt. Belegbar ist das nicht, auch weil dieses Kurdenvolk aus dem Zweistromland seine Geschichten stets nur mündlich weitergegeben hat. Zwar spielen zwei heilige Bücher eine gewisse Rolle, aber ihr Ursprung und Stellenwert ist strittig.

Die offizielle Geschichtsschreibung beginnt mit dem Reformer Sufi Sheik Adi ben Musafiz um 1150 herum. Schon der von ihm gegründete Jesiden-Orden wurde von islamischen Orthodoxen verfolgt – und die Fehde hält an.

Auch die Jesiden halten sich für das auserwählte Volk. Aber sie missionieren nicht. Im Gegenteil neigen sie zur Abschottung. Man kann nicht zum Jesidentum konvertieren, aber wer einen Nicht-Jesiden heiratet, wird ausgestoßen. Man wird also als Jeside geboren – und zwar in eine von drei Kasten. Auch hier gilt – ähnlich wie bei den Hindus – Heirat zwischen den Kasten ist tabu. Manch ältere Jesiden lehnen für ihre Kinder gar den Besuch öffentlicher Schulen ab.

Allerdings gibt es auch Modernisierungsbestrebungen. Der 81-jährige Tahsin Saied Beg ist der Mir, das weltliche Oberhaupt der Jesiden – ein erblicher Titel. Er lehnt Zwangsheirat ab und setzt sich für Bildung und Öffnung ein. Eigen ist den Jesiden, dass sie keinen Teufel fürchten. Denn gäbe es einen, wäre Gott nicht schwach?   tom
Bildunterschrift:
 
  • Tränen der Verzweiflung: Jedische Frauen aus dem Ruhrgebiet weinen um ihre Verwandten, die im Irak verfolgt weren. FOTO CHRISTOF KOEPSEL (Aufschrift auf dem blauen Plakat fordert Hilfe der Europäische Union)
  • Jesiden trauern in Essens Innenstadt.   FOTO: KNUT VAHLENSIECK Plakataufschrift: „Unsere Kinder sind gestorben“

WAZ, 12.08.2014 Protest gegen den Massenmord im Irak

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WAZ / Essen,Dienstag, 12.08.2014

Protest gegen den Massenmord im Irak


Hilfe für Kurden, stoppt den Terror und internationale Solidarität: So lauteten die emotionalen und lauten Rufe auf dem Willy-Brandt-Platz bei einer Demonstration gegen die Isis-Terroristen im Irak. Rund 250 Frauen, Kinder und Männer versammelten sich zu der Kundgebung, begleitet von Polizeibeamten, die sich vor allem im Hintergrund postierten. Aufgerufen zu dem Protest hatten Mitglieder des Vereins Kurdistans Studenten und Jugend. Es beteiligten sich weitere Gruppen wie die Jesidische Jugend aus Essen.   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

NRZ, 12.08.2014 Gegen das Morden im Irak

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NRZ / Essen,Dienstag, 12.08.2014

Gegen das Morden im Irak


250 Jesiden demonstrierten gestern auf dem Willy-Brandt-Platz, um wiederholt auf die prekäre Situation ihrer Glaubensgemeinschaft und das Morden der Isis-Truppen im Nordirak aufmerksam zu machen. Die emotionale Kundgebung kurdischer Jugendverbände verlief ähnlich friedlich wie die Veranstaltung in der vergangenen Woche (die NRZ berichtete).   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

WAZ, 20.03.2014 Leserbrief Generalverdacht

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 20.03.2014

Generalverdacht


Leserbrief NPD/Salafismus. Wenn Pro-NRW oder NPD vor Moscheen demonstrieren, behaupten sie, dass sie damit gegen Salafismus vorgehen würden. Wir sollten aber Muslime in Schutz nehmen vor dem Generalverdacht Salafisten zu sein. Und selbst wenn es Muslime gibt, die sich zu einer salafistischen Glaubensrichtung zugehörig fühlen, bedeutet es noch lange nicht, dass sie Terroristen sind oder in den Krieg ziehen.
Olaf Swillus, Essen

WAZ, 19.03.2014 Leserbrief Und die Salafisten

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 19.03.2014

Und die Salafisten


NPD in Kray. Über der angebrachten Wachsamkeit gegenüber der rechten Szene sollte man aber auch die erhöhte Wachsamkeit gegenüber den militanten und neuerdings auch kriegsaktiven Salafisten nicht vergessen.
Udo Derlath, Essen

NRZ, 25.09.2013: Salafisten sind auf Hallensuche

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NRZ / Essen,Mittwoch, 25.09.2013

Salafisten sind auf Hallensuche

Nach der Absage einer Benefizveranstaltung im Westendhof braucht der Verein „Helfen in Not“ neue Räume


Von Jörg Maibaum

Mit garantierter Geschlechtertrennung und Gegrilltem, Hüpfburg und Hasspredigern – am 29. September sollte in einer Halle am Westendhof eine große Benefizveranstaltung über die Bühne gehen. Der Verein „Helfen in Not“ wollte angeblich Spenden sammeln für die „Umma“, die Gemeinschaft aller Muslime, vielleicht für eine Koranschule und wohl für Krankenwagen für die, denen es zurzeit besonders schlecht geht – etwa die syrischen Brüder und Schwestern im Glauben.


Ein Mix aus
Propaganda und
Geldsammelaktion
Uwe Faßbender,
Polizeisprecher

„Kumma“, sagte sich die Polizei nach einem Hinweis, sah genauer hin und rechnete nach ihren Erfahrungen aus ähnlichen Veranstaltungen in Köln schnell mit rund 200 Salafisten, die beabsichtigten, sich im Westviertel zu versammeln. „Erscheint alle zahlreich zu unserer Benefizveranstaltung und nehmt auch gerne Noch-Nicht-Muslime mit.“ So aufmunternd warben die Vereinsmitglieder von „Helfen in Not“ im Internet.

Doch aus dem bereits terminierten Happening wird jetzt nichts mehr. Die Betreiber des „Prenses Palace“, einer 1200 Quadratmeter großen Lokalität für Feierlichkeiten aller Art, haben den Vertrag mit den Veranstaltern nach NRZ-Informationen kurzfristig gekündigt, nachdem sie durch die Kriminalpolizei erfahren hatten, mit wem sie sich handelseinig geworden waren. Nun sucht „Helfen in Not“ nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden nach neuen Räumen. Die Verzweiflung scheint inzwischen groß zu sein: Selbst bei einem Kleingartenverein haben die Herren mit den Bärten schon nachgefragt, heißt es: Sie benötigten viel Platz für eine große Geburtstagsfeier.

Wie Polizeisprecher Ulrich Faßbender gestern berichtete, fragen Bezirksdienstbeamte in ihren Sprengeln bereits gezielt nach, ob es womöglich noch mehr Anmietungsversuche gegeben hat. Gleichzeitig klären die Polizisten vor Ort auf.

Denn wer vermieten will, sollte wissen, wen er sich ins Haus holt: Es ist in der Tat noch keine Woche her, dass der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz vor dem in Neuss ansässigen Verein „Helfen in Not“ gewarnt hat. „Es liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Verein um eine extremistisch, salafistische Bestrebung handelt“, teilte das Innenministerium mit. Das zeige sich unter anderem deutlich in Benefizveranstaltungen, bei denen regelmäßig bekannte salafistische Prediger auftreten. Abu Abdullah, Abu Dujana, Sheik Abu Zayd und Co. waren auch für die achtstündige Essener Show, die Faßbender als einen „Mix aus Propaganda und Geldsammelaktion“ bezeichnet, vorgesehen.

Erfahren hat die Polizei von den Plänen der Salafisten über Umwege. Mitarbeiter aus dem Büro des Oberbürgermeisters unterrichteten die Polizeipräsidentin, nachdem ein entsprechender Hinweis einer aufmerksamen Bürgerin auf die Veranstaltung im Westendhof per E-Mail eingegangen war. Danach nahmen Kripo-Beamte Kontakt zu den Betreibern des „Prenses Palace“ auf. Ein Rechtsanwalt plädierte schließlich auf Irreführung bei Vertragsabschluss und riet dazu, die Veranstaltung abzusagen. Am 29. September bleiben am Westendhof nun garantiert die Lichter aus, doch „Helfen in Not“ kündigt bereits an: „Aus organisatorischen Gründen wurde der Veranstaltungsort für die Benefizgala verlegt. Der wird vor Beginn rechtzeitig veröffentlicht und wird weiterhin in Essen sein.“ Mal schauen.
Bildunterschrift:
Den "Prenses-Palace" im Westendhof hatte der nach Angaben des Verfassungsschutzes der extremistische Verein "Helfen in Not" bereits angemietet.   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA


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