Aus Essen stellt sich quer

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Eq-M%C3%A4delsGegGeneral.pngStraßenbenennungen spiegeln den Umgang mit der Geschichte wieder. Sei es darum, dass der Widerstand und das Leid der Essener Kommunistin Käthe Larsch nicht geehrt werden soll, weil sie eben "Kommunistin" gewesen ist (bei den Essener Stolpersteinen hat es diese Diskussion nicht gegeben) - oder seien es von den Nazis nach Demokratiefeinden benannte „Von-“ Straßen (siehe auch Irmgard-und-Ortrud.de).


Inhaltsverzeichnis

Von-Seeckt-Straße und Von-Einem-Straße

06.02.2013, Südanzeiger: Keine Straßenumbenennung: "Eindeutiger Bürgerwille"

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Südanzeiger / Essen,Mittwoch, 06.02.2013

Keine Straßenumbenennung: "Eindeutiger Bürgerwille"

Nur 30% Wahlbeteiligung bei Bürgerentscheid im Stadtbezirk II


Fast 80 Prozent aller Wahlbeteiligten stimmten mit "Ja" für die Beibehaltung der Straßennamen Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße im Stadtbezirk II (Rüttenscheid) - eine klare Schelte für die Initiative "Irmgard und Ortrud". Die Initiatoren wollten "die verordnete Heldenverehrung der Nationalsozialisten von 1937 beenden" und ein "klares Zeichen gegen Militarismus, Völkermord und Schwulenverfolgung" setzen.

Von Michael Hoch

SPD

"Der Bürgerwille ist eindeutig zum Ausdruck gekommen und ist zu akzeptieren", sagt Dieter Hilser von der SPD

Bündnis 90/Grüne

Bündnis 90 / Die Grünen stehen trotz des Ergebnisses weiter dazu, die Geschichte aufzuarbeiten und kritisch zu bewerten. Vorstandssprecher Mehrdad Mostofizadeh: "Natürlich sind wir über das Ergebnis der Abstimmung enttäuscht. Positiv sehe ich, dass die von Rot-Grün auf Landesebene gesenkten Hürden für Bürgerentscheide diese Befragung erst möglich machten. Für uns war die historische Bewertung der negativen Lebensleistung der beiden Generäle der Kernpunkt unserer Argumentation für eine Umbenennung. Leider haben wir diese Inhalte nicht erfolgreich vermitteln können."

Matthias Klahold, Fraktionssprecher der GRÜNEN ergänzt: Wir stehen weiter dazu, die Geschichte kritisch zu bewerten, auch wenn die Rückbenennung mit diesem Bürgerentscheid hinfällig wurde.
Wir unterstützen die Anwohnerinitiative Irmgard und Ortrud bei der Erforschung der Geschichte der "Judenhäuser" in der von-Einem-Straße. Dort waren jüdische Bürger und Bürgerinnen vor ihrer Deportation in Vernichtungslager untergebracht."

Piraten

Die Piraten aus Rüttenscheid begrüßen das hohe Engagement der Bürger in der Frage zur geplanten Straßenumbennennung. "Es hat sich nun bestätigt, dass die Bezirksvertretung II an der Mehrheit der Bürger vorbei entschieden hat. Wir fordern, dass die Einwohner hier vor Ort in Zukunft stärker miteinbezogen werden - Im Zweifel, muss man auch auf politische Vorhaben ganz verzichten", so Alexander Piechowski von den Rüttenscheider Piraten.

Die Linke

"Die klare Niederlage beim Bürgerentscheid zur Straßenumbenennung in der BV II ist nicht weg zu diskutieren", heißt es seitens der Linken, "eine bessere Kommunikation vor der Entscheidung wäre in der Nachschau wahrscheinlich zielführender gewesen. Das wird uns aber nicht daran hindern, weiter daran mitzuwirken, Essener Geschichte kritisch aufzuarbeiten." so Cornelia Swillus-Knöchel, Vertreterin der Linken in der BV II. "Wir werden auch weiterhin die Bürgerinitiative "Irmgard und Ortrud" unterstützen, z.B. beim Setzen von Stolpersteinen vor den beiden "Judenhäusern".
"Auch wenn es diesmal gegen uns ausgegangen ist, ist dieser Entscheid ein gutes Beispiel dafür, dass die Senkung der Hürden für Bürgerbegehren der richtige Weg zur Bürgerbeteiligung ist." ergänzt der Sprecher der Linken, Rainer Burk. "Eine ironische Fußnote der Geschichte ist natürlich, dass ausgerechnet diese beiden Herren, die Demokratie gescheut haben, wie der Teufel das Weihwasser, aufgrund eines zutiefst demokratischen Prozesses weiter auf Essener Straßenschildern geehrt werden."

Essen steht AUF

Für Dietrich Keil, Ratsherr "Essen steht AUF" stört sich am Begriff "Schmutzkampagne". "Wenn jetzt Pro Von das engagierte Eintreten von Anwohnern und Unterstützern für die Rückbenennung als "Schmutzkampagne" bezeichnet, ist das kein guter Stil. Die ProVon-Anhänger beklagten zum Beispiel durch das Von-Seeckt-Hitlerplakat "in die rechte Ecke gestellt zu werden. Das hat nie jemand behauptet außer ihnen selbst - das Plakat galt der historischen Rolle des preußischen Generals.
CDU und Freunden ging es nicht um eine "Bevormundung der Bürger", sondern darum, ihre politische Niederlage bei einer demokratischen Mehrheitsentscheidung der Bezirksvertretung rückgängig zu machen. Das gelang. Das Ergebnis des demokratischen Bürgerentscheids ist zu akzeptieren. Etwas nachdenklichere Töne wären aber angebracht. Für ein Bürgerbegehren gegen die 1937 vom NS-Oberbürgermeister verfügte Benennung der Straßen nach den beiden Generälen wäre man damals im KZ gelandet.

Weitere Standpunkte anderer Parteien lagen uns bis Redaktionsschluss nicht vor.
Bildunterschrift:

  • (links:) Dieter Hilsen, SPD
  • (mitte:) Vorstandssprecher Mehrdad Mostofizadeh, Grüne

06.02.2013, WAZ: Kommentar: glasklares Ergebnis

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Mittwoch, 06.02.2013

Ein glasklares Ergebnis


von Frank Stenglein
Die Schlacht ist geschlagen, das Ergebnis klarer als erwartet: Die Bürger haben einer Politik eine Absage erteilt, die von hoher Warte aus bestimmen wollte, welche historischen Persönlichkeiten auf Straßenschildern zu dulden sind. Spätestens mit dem brachialen Hitler-Plakat wurde es auch manchem zu bunt, der erst desinteressiert war.

Es wäre gut, wenn die Stadtteilpolitiker sich jetzt wieder Themen wenden, die den Bürgern auf den Nägeln brennen, statt einem angemaßten geschichtspädagogischen Sendungsbewusstsein zu frönen. Leider lassen einige der ersten Stellungnahmen anderes befürchten. Nicht Einsicht in eine krachende Niederlage, sondern das Hoffen auf baldige Revanche hört man heraus. Das ist gerade angesichts der hohen Wahlbeteiligung unglaublich.

Der Bürgerentscheid ist vor allem eine Mahnung an die SPD, die mal stolz darauf war, nah beim Bürger zu sein. Beim Straßenstreit war sie es definitiv nicht. Die SPD-Abgeordneten von Bund, Land und EU stilisierten den Rüttenscheider Straßenstreit in einem offenen Brief indirekt gar zur Frage von Krieg und Frieden hoch. Geht's vielleicht eine Nummer kleiner? Und bürgernäher?

05.02.2013, WAZ: Leserbriefe: Wortspiel / Braune Zeiten / Posse geht weiter

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WAZ / Essen,Dienstag, 05.02.2013


Wortspiel verfehlt
Straßenstreit. Mit Freude habe ich gestern gegen 20 Uhr über das Ergebnis des Entscheids gelesen. Um so entsetzler war ich vorhin, als ich auf der Essener Seite von „Der Westen" Kummentare unter diesen Überschriften las: „Kanter-Sieg.." - „Generäle gewinnen..." Was soll das? Hat da jemand der Versuchung zu einem Wortspiel nicht widerstehen können? Annette Dudenbostel, Essen


Braune Zeiten
Kommentar Straßenstreit. Von Einem war im Ersten Weltkrieg für Massaker an Zivilisten in Belgien verantwortlich, und in Seine Amtszeit fiel auch ein Kolonialkrieg in Ostafrika. Von Seeckt wollte auch als Monarchist für seine Revanche nach einem verlorenen Krieg einen Führerstaat. Dabei dachte er nicht an Hitler, sondern hatte auch sich als Anführervorstellen können. Frau Wandt schreibt die Benennung der Straßen nach von Einem und von Seeckt sei dem braunem Zeitgeist geschuldet gewesen, und heute herrsche ein anderer Zeitgeist. Nach dem Ergebnis des Bürgerentscheids, glaube ich aber: Die braunen Zeiten kommen zurück. Olaf Swillus, Essen


Posse geht weiter

Straßenstreit. Na, da bin ich mal gespannt, was die Damen und Herren Poliliker alles unternehmen werden, damit die Straßen dann doch noch umbenannt werden und sie damit ihren Willen durchsetzen. Kann ja nicht sein, dass der kleine Mann sich durchsetzt, oder? Die Posse geht weiter. da bin ich mir sicher. Carsten Mönlie, Essen


04.02.2013, WAZ: Kommentar: Gegen arrogante Geschichtspolitik

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Montag, 04.02.2013

Gegen arrogante Geschichtspolitik


von Frank Stenglein
in Essener Stadtteilparlament wollte zwei Straßen umbenennen, weil SPD, Linken und Grünen auffiel, dass die namensgebenden Generäle zur Demokratie ein sehr zwiespältiges Verhältnis hatten. Das war - leider - im Kaiserreich und auch in der Weimarer Republik nicht gerade selten. Von der Umbenennung betroffene Bürger erzwangen dennoch einen Bürgerentscheid. Ihnen ging es weniger um die Ehrenrettung von Generälen, sondern um den Erhalt vertrauter Straßennamen. Sie wandten sich aber auch gegen eine arrogante Geschichtspädagogik, die sauber in Gut und Böse trennen will und die Komplexität historischer Zusammenhänge mit einem Überschuss allzu schlichter Moral zu vereinfachen versucht.

Die Bürger in Essen haben mit respektabler Wahlbeteiligung und klarer Mehrheit fiir eine gewisse Versöhnung mit der deutschen Geschichte votiert. Politische Verbrecher egal welcher Couleur gilt es selbstredend weiter zu ächten. Ansonsten aber kennen das Leben und die Politik viele Grautöne - und kannten sie auch schon damals.

Aus der Informationsveranstaltung vom 22.02.2013

Ausführliche Informationen zu General Von-Einem
Vortrag von Prof. Dr. Dr. Rüdiger Lautmann, Soziologe und Jurist, emeritierter Professor der Universität Bremen:
„Karl von Einem als Repräsentant des preußisch-deutschen Militarismus“

Ausführliche Informationen zu General Von-Seeckt
Vortrag von Wilfried Sauter, Historiker aus Essen:

„General von Seeckt - sein Handeln und seine Ziele in der Weimarer Republik sowie sein Verhältnis zu Hitler und zum Nationalsozialismus“


22.02.2012: Rede-Script von Günter Hinken auf Kundgebung

 
Anlass
Kundgebung der Anwohnerinitiative und des Netzwerkes „Irmgard und Ortrud“ zum 75. Jahrestag der Straßenumbenennung in Von-Seeckt-Str. / Von-Einem-Str. durch die Nationalsozialisten am 20.11.1937
von
Günter Hinken


Liebe Nachbarn aus den beiden Straßen,
liebe Freundinnen und Freunde mit dem Ziel, die beiden Straßen rückzubenennen,
sehr geehrte Damen und Herren,


  • Übermorgen jährt sich zum 75. Mal der Anlass unserer heutigen Zusammenkunft: Am 20. November 1937 verfügte der NSDAP-Oberbürgermeister Dillgardt die Umbennung der Irmgard- und Ortrudstraße in Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße.


  • Die heutige Kundgebung möchte bewusst zwei Tage vor dem Jahrestag an den Vorzustand dieser willkürlichen und undemokratischen Straßenumbenennung erinnern und dabei auch die beiden Generäle zum Thema machen, die diesen beiden Straßen seither ihren Namen geben.


  • Warum willkürlich? Der damalige Oberbürgermeister spricht in seiner Verfügung von „begründeten Ehrungen verdienter Persönlichkeiten“ (Verfügung v. 20.11.1937, St.A. 61-S.B. 487), fügte in den amtlichen Unterlagen aber keine sachlichen Begründungen für die Auswahl dieser Personen an.


  • Warum undemokratisch? Es gibt zu dieser Straßenumbenennung keinen Beschluss von gewählten Vertretern. Die damalige Stadtverwaltung allein legte diese Namen fest und bestimmte diese beiden Straßen als Orte der angeblich „verdienten Ehrungen“.


  • Damals ehrten die Nationalsozialisten die beiden Generäle nicht nur auf Straßenschildern. Nach ihrem jeweiligen Tod richteten die Nazis pompöse Staatsbegräbnisse aus (vgl. Essener Allgemeine Zeitung v. 11.04.1934 und Essener Nationalzeitung v. 31.12.1936): „Der Führer persönlich stand am Grabe von Seeckts“, titelte die Nationalzeitung Sylvester 1936 pathetisch. Wenn man diese Artikel in den Archiven liest, besteht kein Zweifel, dass Hitler und seine Parteigänger in diesen beiden Generälen ihre Gesinnungsgenossen sahen.


  • Um welche Gesinnung geht es da?
    Dazu stellvertretend zwei Zitate der beiden Männer:
    • Karl von Einem sprach als preußischer Kriegsminister am 29. Nov. 1907 öffentlich im Deutschen Reichstag über den Umgang mit Homosexuellen:
      „Mir sind diese Leute ekelhaft und ich verachte sie. Wo ein solcher Mann mit solchen Gefühlen in der Armee weilen sollte [...] und wird er gefasst [...], so muss er vernichtet werden.“
    • Hans von Seeckt traf am 11. März 1923 Adolf Hitler und sagte über diese Begegnung später: „Im Ziel waren wir uns einig, nur in den Wegen dorthin unterschieden wir uns.“
    • Es lassen sich noch eine Fülle von Zitaten und Denkweisen zu diesen beiden Militärs anführen, die von ähnlicher Aussagekraft sind: Etwa Von Einems antisemitische Haltung und völkervernichtende Politik gegenüber der Bevölkerung in den ehemaligen Kolonien oder Von Seeckts strategischer Militärplan, Polen auszulöschen, wie er ihn innerhalb seiner Russland-Denkschrift von 1922 darlegte.
    • Doch allein die beiden Zitate zeigen schon: Es handelt sich um zwei autoritätsgläubige Militärs, die damals erheblich zur staatlichen Gewaltherrschaft Hitlers und der Nationalsozialisten beigetragen haben und damit eine Mitverantwortung tragen am Untergang der Weimarer Republik, der nachfolgenden Verfolgung und Vernichtung ganzer Völker und Länder durch die Nationalsozialisten oder auch an der Zerstörung Deutschlands und Teilen der Welt im Zuge des Zweiten Weltkriegs.
    • Diese beiden Generäle trugen erheblich zur zerstörerischen Entwicklung in Deutschland und der Welt bei!


  • Und nur zur Klarstellung: Dies ist keine übertriebene Zuspitzung von Ideologen oder Volkspädagogen, sondern das sind schon seit langer Zeit geschichtswissenschaftliche Gewissheiten, die man in vielen Beiträgen nachlesen kann:
    • Ob im Standardwerk zur Weimarer Republik von Prof. Eberhard Kolb (in der renommierten Oldenbourg-Reihe „Grundriss der Geschichte),
    • in speziellen Expertisen der Professoren Rüdiger Lautmann, Universität Bremen v. 12.10.10, und Günther von Norden, Universität Wuppertal v. 01.08.11, zum (militär) -politischen Wirken des Generalobersten Karl von Einem,
    • oder jüngst in einem öffentlichen Statement des Essener Geschichtsprofessors Frank Becker, der am 15.09.12 in der WAZ zu den Generälen von Seeckt und von Einem anmerkte: „Sie standen prinzipiell dem Krieg positiv gegenüber. Sie sind Vertreter der preußischen Offizierskaste. Von Einem war außerdem extrem Homosexuellenfeindlich. Das sind Standpunkte, die nicht in die heutige Zeit passen. In eine Zeit, die Toleranz gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden pflegt.“
    • Und ich füge noch hinzu: Diese Standpunkte stehen auch einem modernen und weltoffenen Essen entgegen!


  • Ein Beispiel für die Intoleranz gegenüber Minderheiten, die unter der Nazi-Herrschaft zu systematischer Verfolgung und Vernichtung führte, zeigt dieser Parkplatz, neben dem wir hier stehen. Denn auf diesem Platz stand bis zu dessen Zerstörung im Krieg das Haus Von-Seeckt-Str. 32. Zusammen mit dem Haus Nr. 47 bildeten diese beiden Orte die Judenhäuser des Straßenbezirks. Hier wurden im Zuge ihrer systematischen Verfolgung die Juden aus unseren Straßen zu Beginn des Krieges zusammengelegt, um sie ab 1941 in den Osten zu deportieren und dort zu vernichten:
    • Z.B. Alfred und Erna Cohn, 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordert.
    • Etwa Amanda Kaufmann, die 1942 nach Theresienstadt kam und dort vergast wurde.
    • Oder Albert und Martha Elsberg, 1941 zusammen mit ihrem Sohn Alfred ebenfalls nach Minsk deportiert und ermordet, ihre beiden Töchter Rose und Margret konnten schon vorher glücklicherweise in die USA emigrieren.


  • Für diese Schicksale tragen Menschen die Verantwortung. Menschen die diese Verbrechen ausübten – aber auch Menschen, die diese Verbrecher an die Macht ließen und den geistigen Nährboden für ihre menschenverachtenden Taten lieferten, indem sie wie Von Einem „Homosexuelle vernichten“ wollten und wie von Seeckt mit aggressiver Militär- und Kriegspolitik ganze Staaten von der Landkarte verschwinden lassen wollten.
    • Auch diese beiden Generäle tragen dafür Verantwortung, weil sie die späteren Täter an die Macht gelassen haben!


  • In Anbetracht auch aktueller Intoleranz gegenüber Minderheiten und rassistischer Einstellungen in unserer Bevölkerung, die – wie die NSU-Morde belegen – auch heutzutage in der Ermordung von Menschen münden können, haben wir die Verpflichtung, den Anfängen zu wehren. Dies kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen:
    • Durch Demonstrationen vor der neuen NPD-Landeszentrale in Essen-Kray.
    • Durch Gedenkveranstaltungen, wie wir sie heute hier erleben.
    • Aber auch durch geschichtliche Aufklärung etwa bei zweifelhaften Straßenbenennungen. Für diese beiden Straßen versuchen seit fast 30 Jahren unterschiedliche Menschen zu verschiedenen Zeiten über die Straßennamen zu informieren: Historiker und Hausfrauen, Schüler und Studenten, Ingenieure und Ärzte – und ja: auch Politiker, die wir in unsere Bezirksvertretungen wählen, damit sie dort für uns verantwortliche Politik machen.


  • Es geht in diesem Straßennamenskonflikt nicht darum, die Geschichte zu verdrängen, wie manch einer uns und unserer Bürgerinitiative vorwirft. Und wir wollen auch nicht mit besserwisserischem Zeigefinger den verstorbenen Personen zeigen, wie man es hätte anders machen müssen. Geschichtliche Ereignisse sind ein Faktum, das nicht mehr zu verändern ist!


  • Aber wir können für das Heute sprechen und uns die Fragen stellen, welche richtigen Lehren wir aus der Geschichte ziehen müssen:
    • An was möchten wir uns heute erinnern? Welche Vorbilder brauchen wir für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft in Deutschland und in Essen? Welche Personen möchten wir heutzutage auf unseren Straßenschildern ehren?
    • Eine weltoffene, tolerante und aufgeklärte Gesellschaft sollte sich nicht an zwei engstirnige, intolerante und autoritäre Generäle erinnern wollen.
    • Zu Rüttenscheid gehören die Mädchennamen. Mit dieser heutigen symbolischen Rückbenennung bekommen die Rüttenscheider Mädchen für einige Zeit zwei neue Schwestern – und hoffentlich mit dem Bürgerentscheid ab dem 3. Februar auch für die Zukunft.
  • Deshalb: NEIN ZU FALSCHEN HELDEN! MÄDCHEN STATT GENERÄLE!


  • Wir möchten nun in Erinnerung an die Zeit vor Umbenennung der beiden Straßen und möglicherweise als Vorgeschmack auf einen für uns erfolgreichen Bürgerentscheid am 3. Februar 2013, die beiden Straßen symbolisch rückbenennen.


  • Dabei stellt sich zunächst die Frage: Warum wurden ausgerechnet diese beiden Straßen von den Nationalsozialisten umbenannt? Dazu müssen wir zunächst die Geschichte der beiden Straßen betrachten:


  • Ursprünglich, ab dem 19. Jahrhundert, hießen diese beiden Straßen als Teil des Rüttenscheider Mädchenviertels Henrietten- und Ottilienstraße. Als Rüttenscheid im Jahr 1905 in die Stadt Essen eingemeindet wurde, mussten die beiden Straßen umbenannt werden, weil es schon in der Innenstadt Straßen gleichen Namens gab.


  • Für die Rüttenscheider Verantwortlichen war es selbstverständlich, dass unsere beiden Straßen wiederum Mädchennamen erhielten: Nämlich Irmgard- und Ortrudstraße. Diese behielten sie knapp 30 Jahre lang: Bis die Nationalsozialisten sie 1937 auf die Generäle Hans von Seeckt und Karl von Einem umbenannten.


  • Bleibt die Frage: Warum eigentlich genau diese beiden Straßen? Das ist heutzutage gar nicht so einfach zu beantworten! Vor 75 Jahren hätte man wahrscheinlich schnell eine Antwort erhalten, wenn man hier in den beiden Straßen an einigen Häusern geklingelt hätte:
    Etwa hier um die Ecke an der damals neu benannten Von-Einem-Straße:
    • In Nr. 15 bei Stadtoberinspektor Weiße; oder in Nr. 19 bei Stadtinspektor Hartmann.
    • Weiter unten die Von-Einem-Straße entlang: In Haus-Nr. 27 hätten wir bei Regierungsrat Umelung, Bezirksdirektor Unkel, Staatsanwalt Drüke oder Landgerichtsrat Holterhoff klingeln können. Und in Nr. 31 wäre Stadtbauamtmann Hofmann ein besonders kompetenter Ansprechpartner gewesen, weil er im für Straßen zuständigen Tiefbauamt Abteilungsleiter war.
    • Am einfachsten hätten wir wohl in der Von-Seeckt-Str. 39 geklingelt: Denn dort wohnte Stadtrat Dr. Clemens Bender, der als Dezernent alle Angelegenheiten des Grundstücksamts verantwortete und damit auch für Straßenbenennungen zuständig war.
    • All diese Beschäftigen in wichtigen Ämtern und Verantwortungsstellen hätten uns wahrscheinlich sehr schnell gesagt, warum gerade diese beiden Straßen nach autoritäts- und ordnungsliebenden Generälen und nicht nach so harmlosen Mädchennamen benannt wurden:
    • Ich vermute: Weil diese Personen es damals genauso wollten! Und sie konnten diesen mutmaßlichen Wunsch auch ganz einfach umsetzen, weil sie in den entscheidenden Stadtämtern wichtige Positionen besetzten, um diese Entscheidung so zu fällen.
    • Aber die Zeiten ändern sich: Heute sagen viele Anwohnerinnen und Anwohner in diesen beiden Straßen: Wir wollen diese Generäle nicht!


  • Somit: Mädchen statt Generäle! Willkommen Irmgard und Ortrud zurück in unseren Rüttenscheider Straßen!


01.02.2013, WAZ: Spannung vor dem Wahlkampf

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WAZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

Spannung vor dem Wahlkampf

Am Sonntag findet der Bürgerentscheid um die Umbenennung zweier Essener Straßen statt. Zum Abschluss des Wahlkampfes eine Analyse - und zwei kontrahäre Meinungen aus der WAZ-Redaktion


von Frank Stenglein

Es ist eine Premiere, und deshalb sind alle vorsichtig mit Prognosen. Denn noch nie hat es in Essen einen Bürgerentscheid auf der Ebene nur eines Stadtbezirks gegeben, und auch noch nie zu einem geschichtspolitisch heiklen Thema. "Wir sind selbst gespannt, auf welche Zahlen wir kommen", sagte Rüdiger Lohse vom Wahlamt. Er organisiert die kleine Wahl, bie der entschieden wird, ob die Von-Seeckt- und die Von-Einem-Straße in Ortrud- bzw. Irmgardstraße umgetauft werden.

Die entscheidende Frage ist: Wird es mindestens einer der beiden gegnerischen Initiativen gelingen, die Hürde von 6860 Stimmen zu nehmen? 15 Prozent aller Stimmberechtigten muss hinter sich versammeln, wer in diesem Bürgerentscheid siegen will, in Rüttenscheid, Rellinghausen, Stadtwald und Bergerhausen sind 46 000 Bürger wahlberechtigt. Einen Anhaltspunkt liefert die Zahl der Briefwahlanträge, die sich laut Wahlamt auf etwa 3800 einpendeln dürfte. Beim Bürgerbegehren gegen den Masterplan Sport 2007 betrug der Anteil der Briefwähler 31 Prozent. Ist dies bei den Straßen ähnlich, dann würden hochgerechnet rund 12 000 Essener zur Abstimmung gehen. Falls nicht eine Seite weit davon zieht, könnte es knapp werden.

Vielleicht lassen sich aber auch mehr Wähler als gedacht von der Leidenschaft anstecken, die die Kontrahenten beseelt und die in den letzten Wochen zu einem hitzigen Wahlkampf geführt hat - wechselseitige Verletzungen inklusive. Deutsche Geschichte ist hoch emotional, zumal wenn - wie hier - die NS-Zeit mitschwingt. Zahlreiche bundesweite Debatten zeigten, dass viele Deutsche diese Thema aufwühlt, und von dieser Stimmung hofft vor allem das Netzwerk Ortrud und Irmgard zu profilieren. Die eindrucksvolle Präsenz auf Straßen und bei Info-Veranstaltungen bewies: Wenn's drauf ankommt, verstehen sich Grüne und Linke aufs Mobilisieren. Die SPD als dritte Partei im Bunde hat sich hingegen auffallend zurückgehalten, sieht man ab von Aktivisten aus dem Rüttenscheider Umfeld und einigen Mandatsträgern aus Bund, Land und EU. Umstritten in seiner Wirkung blieb das Hitler-Plakat, von dem sich gestern der SPD-Ortsverein Bergerhausen distanzierte: "Es schadet unserem Anliegen", so Vorsitzender Lutz Coenen.

Den Anfangsvorteil hatte zunächst die ProVon-Initiative. Ihr flogen die Sympathien vieler Bürger zu, sie erhielt dann die mehr oder weniger engagierte Hilfe von CDU, FDP und Essener Bürgerbündnis (EBB), die ihre logistischen Möglichkeiten in die Waagschale warfen. Hauptantrieb blieb das Fremdeln mit den geplanten alt-neuen Straßennamen und die Empörung über die als rüde empfundene Art, wie Stadtteilpolitiker die Umbenennung durchsetzen wollten. Der schwierigen inhaltlich-historischen Auseinandersetzung um Hans von Seeckt und Karl von Einem wich ProVon meist lieber aus. "Hat die Stadt nichts Wichtigeres zu tun als Straßen umzubenennen", blieb eines der populärsten Argumente.

Welche Seite auch taktisch klüger

agierte, wird der Sonntag zeigen.
Bildunterschrift:
 
  • Die Befürworter der alten Straßennamen argumentieren stark mit dem Respekt vor dem - vermuteten - Bürgerwillen
  • ... und die Gegner letztlich auch. Sie hoffen aber, dass dieser Wille bei ihnen ist. Auf dem Plakat sind die neu-alten Straßennamen schon mal verzeichnet

01.02.2013, WAZ: 17 Wahllokale, die Briefwahl oder heute ins Wahlamt

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WAZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

17 Wahllokale, die Briefwahl oder heute ins Wahlamt


"Wir Bürger werden so selten um unsere Meinung gefragt - da werde ich auf jeden Fall von meinem Stimmrecht Gebrauch machen." So hatte sich vor Wochen sinngemäß eine WAZ-Leserin in einem Leserbrief geäußert, eine gute Einstellung.

Das Wahlamt hat in den vier Stadtteilen, deren Bürger wahlberechtigt sind, 17 Wahllokale eingerichtet, Name und Adresse des jeweils zuständigen findet sich in in der Wahlbenachrichtigung. Wer am kommenden Sonntag, 3. Februar, keine Zeit hat, um die zwischen 8 und 18 Uhr geöffneten Wahllokale zu besuchen, der kann noch am heutigen Freitag auch direkt im Wahlamt am Kopstadtplatz persönlich seine Stimme abgeben. Geöffnet ist von 8:30 bis 18 Uhr. Wer Briefwahl beantragt hat, sollte spätestens heute den Brief einwerfen - sonst wird's zeitlich eng und es bleibt bis Sonntag, 16 Uhr nur der Briefkasten vorm Wahlamt oder vorm Rathaus am Porscheplatz.
Bildunterschrift:
Am Wahltag wird abgestimmt.

01.02.2013, WAZ: Eure Stimme für Ortrud!

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Freitag, 01.02.2013

Eure Stimme für Ortrud


von Christina Wandt
Vor einem halben Jahr warb ich an dieser Stelle dafür, der von-Seeckt und der von-Einem-Straße in Rüttenscheid ihre ursprünglichen Namen Ortrud und Irmgard zurückzugeben. Seither habe ich von den Gegnern dieses Plans nicht ein inhaltliches Argument gehört, was gegen die Umbenennung spricht.


Stetig wiederholt wurde dagegen, dass man sich von der Politik übergangen fühle und miterheblichem Aufwand und Kosten für die Anwohner rechne. Diese Anwohner haben seither die Initiative ProVon gegründet, Woche für Woche Unterschriften gesammelt und den Bürgerentscheid durchgesetzt. Chapeau!

Angesichts dieses bemerkenswerten bürgerschaftlichen Engagements scheint es fast putzig, dass sich dieselben Leute nicht zutrauten, ihre Papiere umschreiben zu lassen. So viel zum unzumutbaren Aufwand. Nun zum Argument des ignorierten Bürgerwillens: Was die Bezirksvertretung im Mai 2012 beschloss, nennt man repräsentative Demokratie. Und anders als von Provon behauptet, hatten sich immer wieder Essener an den Namen der Generäle von Seeckt und von Einem gestoßen: Den ersten Rückbenennungsversuch gab es 1947, und mit der Aufstellung des Gedenksteins vor einigen Jahren war die Debatte noch nicht verstummt.

Die Generäle waren vielleicht keine Nazis, überzeugte Antidemokraten waren sie schon. Im Falle von Seeckts spricht Stadtarchivar Klaus Wisotzky von einem der Totengräber der Weimarer Republik. Die Pro-Von-Aktiven haben also recht, wenn sie sagen, die geplante Rückbenennung der Straßen sei dem Zeitgeist geschuldet — dem des 21. Jahrhunderts. So wie die Benennung nach von Seeckt und von Einem 1937 dem braunen Zeitgeist geschuldet war. Diese historische Wunde endlich zu heilen, sind die Freunde von Ortrud und Irmgard angetreten.

Man kann ja verstehen, wenn Anwohner nicht auf ihre Adresse verzichten mögen - bloß gehören die Straßen nicht ihnen, sondern der Stadtgesellschaft. In deren Sinne meinte die Bezirksvertretung entschieden zu haben. Der enorme Widerstand zeigt, dass sie sich geirrt haben könnte, also folgert ProVon: Wir haben 5500 Unterschriften - zieht Euren Entschluss zurück. Gar so simpel aber ist die Sache nicht: Schon andere mit viel Rückenwind gestartete Entscheide scheiterten (Stuttgart 21). Folglich verursacht die Bezirksvertretung keine „unnötigen" Kosten, wenn sie alle Bürger im Bezirk abstimmen lässt. So geht Demokratie. Wenn nun möglichst viele ihre Stimme abgeben, haben am Ende übrigens alle gewonnen.

01.02.2013, WAZ: Seltsame Doppelmoral

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Freitag, 01.02.2013

Seltsame Doppelmoral


von Frank Stenglein
Moral ist eine feine Sache, vor allem, wenn man sie nach eigenem Ermessen mal gebieterisch einfordert und mal großzügig erlässt. Das blieb bis zuletzt der wunde Punkt in der Argumentation derjenigen, die für die Umbenennung der zwei Rüttenscheider Straßen fechten und zu diesem Zweck aus Hans von Seeckt und Karl von Einem wahre Dämonen machten.

Natürlich ist vieles richtig. Was über die beiden Generäle Kritisches gesagt wird. Beide sind typische Vertreter einer Zeit. in der Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln galt. beide fremdelten stark mit der Demokratie der Weimarer Republik, beide blieben Monarchisten und Anhänger der Vorstellung von deutscher Großmacht. beide zogen falsche Lehren aus dem Ersten Weltkrieg. Sie sind deshalb auch keine „Helden“. aber wer hat das jemals behauptet? Und wie viele andere historische Persönlichkei- ten gibt es auf Straßenschildern, die keine Demokraten waren, Kriege führten, Machtpolitik betrieben, Menschenrechte missachteten oder geistige Wegbereiter für linke oder rechte totalitäre Ideologien waren?

Bei Anlegen ähnlicher Maßstäbe wie bei von Seeckt und von Einem müssten mindestens einige Hundert runter von den Schildern. Das gäbe ein fröhliches Säubern einmal quer durch die lange deutsche Geschichte, in der Licht und Schatten nah beieinander liegen. Eindeutige politische Verbrecher sind unzumutbar. das ist klar. Eei allen anderen sollte man sich der Mühe einer Abwägung unterziehen. Dazu gehört auch der Versuch, sie vor dem Hintergrund ihrer Zeit zu verstehen.

Erstaunlicherweise muss man übrigens gar kein Demokrat sein, um bei den Essener Straßenumbenennern Gnade zu finden. Solange sie sich auf der richtigen Seite des politischen Spektrums bewegen, sind „falsche Helden“ nicht nur sicher, nein, sie können sich sogar anno 2012 [!) brandneuer Ehrungen erfreuen. Das Märtyrerschild für den kommunistischen Antidemokraten Philipp Müller an der Rüttenscheider Brücke könnte so auch in Ost-Berlin stehen - vor 1989 allerdings. Das peinliche Machwerk durchgedrückt haben die selben Politiker. die im Handstreich und gegen den Willen der meisten betroffenen Bürger die beiden Von-Straßen umbenennen wollen. Und um ein Haar wäre es gelungen, eine neue (!) Straße im Univiertel nach einem SED-Barden zu benennen.

Demokratie? Nein. hier geht's um Ideologie. Macht und Deutungshoheit - und um sonst gar nichts. Es ist zu begrüßen. wenn Bürger sich gegen solche Anmaßung wehren.

 

Leserbrief: zum Demokratieverständnis

01. Februar 2013

Betr.: Leserbrief zum Kommentar "Seltsame Doppelmoral"
Am 8.2. (also nach dem Volksentscheid) veröffentlichte die WAZ im anderen inhaltlichen Zusammenhang einen Teil des Leserbriefes:

Waz20130201cL.pngDenkmal Phillip Müller. Demokratische Prozeduren haben die Eigenschaft, dass Änderungen im geordneten Rahmen möglich sind. Das kann dann auch bei einem Philipp Müller dazu führen, dass sein Tod als Symbol für Frieden und gegen eine gewalttätige Polizei heute als wichtiger angesehen wird, als sein persönlicher kommunistischer Hintergrund. Vielleicht auch, weil die Ideologie der kalten Krieger heute mehrheitlich nicht mehr so wichtig ist. Herr Stenglein sieht das offensichtlich anders. Darf er. Nein, soll er auch! In der demokratischen Auseinandersetzung ist nämlich jeder Beitrag wichtig.

Rainer Sonntag, Essen

Herr Stenglein hat in einer Beziehung recht: Bei Straßenumbenennungen geht (und ging) es immer um "Ideologie, Macht und Deutungshoheit". Dass er dem aber deshalb die "Demokratie" mit Fragezeichen voranzustellt, will ich nicht hinzunehmen.

Wenn auf demokratische Weise - also entsprechend dem Mehrheitswillen der Bevölkerung - hier Änderungen stattfinden sollen, wie will Herr Stenglein dann die von den Nazis verordneten Umbenennungen der "von"-Straßen allen Ernstes legitimieren?

Demokratische Prozeduren haben die Eigenschaft, dass Änderungen im geordneten Rahmen möglich sind. Das kann dann auch bei einem Philipp Müller dazu führen, dass sein Tod als Symbol für Frieden und gegen eine gewalttätige Polizei heute als wichtiger angesehen wird, als sein persönlicher kommunistischer Hintergrund. Vielleicht auch, weil die Ideologie der kalten Krieger heute mehrheitlich nicht mehr so wichtig ist.

Herr Stenglein sieht das offensichtlich anders. Darf er. Nein, soll er auch! In der demokratischen Auseinandersetzung ist nämlich jeder Beitrag wichtig. Aber in einer demokratischen Entscheidung muss man auch den Mehrheitswillen akzeptieren können. Einfach nur auf die "guten alten Zeiten" zu verweisen reicht nicht mehr.

mit freundlichen Grüßen
Rainer Sonntag


01.02.2013, WAZ: Leserbrief Ortruds Verdienste

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WAZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

Leserbrief: Ortruds Verdienste


Straßenstreit. Die Aktionen der Straßenumbenenner von SPD und Grünen zeigen mangelhafte Geschichtskenntnisse und den Willen, mit Hilfe der eigenen politischen Maßstäbe die Korrektur von mehr als 70 Jahre alten Straßennamen durchzusetzen.

Die beiden Generäle waren keine überzeugten Demokraten, aber auch keine Nazi-Generäle, sondern Monarchisten. Reichspräsident Ebert (SPD) gab General von Seeckt im November 1923 zur Niederschlagung des Hitler-Putsches in München diktatorische Gewalt, die von Seeckt pflichtgemäß ausübte und dann zurückgab. Es ist also eine Geschichtsfälschung, ihn - wie auf dem Plakat - als Hitler-Freund und Nazi-General darzustellen.

Übrigens: Wenn es bei Straßen(um)benennungen nur um die Ehrung für politische Verdienste geht: Welche politischen Verdienste haben eigentlich Ortrud und Irmgard?

Rainer Breitfeld. Essen

01.02.2013, WAZ: Leserbrief Machtausübung

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WAZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

Leserbrief: Machtausübung


Straßenstreit.Ich habe lange in Essen gelebt, bin aber gebürtige Niederländerin und habe wie andere Kinder in Holland schwer unter den Nazis gelitten, genauso wie die Kinder in Deutschland. Es wurde nichts anderes als Macht ausgeübt! Machtausübung sehe ich auch als Motiv bei der Straßenumbenennung gegen den Willen der Anwohner. Wieso fühlen sich Menschen aus anderen Generationen, die - Gott sei Dank - niemals Krieg erlebt haben, befugt, Bewohner in der Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße Adressänderungskosten aufzunötigen? Wie kann man so überschlau sein und Hitlers Portrait den Menschen vor die Nase halten? Die Nazis freuen sich doch!

Was Herr von Seeckt auch geäußert haben soll, er ließ mich 13 Jahre in der Straße wohnen und ‘ kam nachts nicht mal als Spuk zu mir.

Willemina Ebbink, Ottendorf

01.02.2013, NRZ: Leserbrief: Einordnung fehlt

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NRZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

Einordnung fehlt


Straßennamen-Streit. Der Artikel zur Machtergreifung der Nazis mit den erhellenden Erläuterungen des Essener Stadtarchivleiters Wisotzky hat gezeigt, wie wichtig eine wissenschaftliche Expertenmeinung gerade zur Beurteilung historischer Sachverhalte ist. Schade, dass die historische Einordnung des aktuellen Straßenkonflikts um die Generäle von Seeckt und von Einem fehlt, und sie stattdessen häufig von Hörensagen geprägt ist. Wo sind die Anfragen bei den Experten der hiesigen Universität? Wo die Recherchen in der aktuellen Geschichtswissenschat? Die renommierten Professuren Thamer aus Münster oder Frei in Jena würden Antworten geben. So wie Prof. Frank Becker von der Universität Duisburg-Essen, der den Einfluss der beiden Generäle bei der Machtübernahme Hitlers klar benannt und sich öffentlich für die Rückbenennung der Von-Seeckt/Von-Einem-Str. ausgesprochen hat — nicht als Parteigänger. sondern als fachlicher Experte.

Sabine Weiler

01.02.2013, NRZ: Leserbrief: Aufgedrückte Sicht

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NRZ / Essen,Freitag, 01.02.2013

Aufgedrückte Sicht


Straßennamen-Streit. Der informative Artikel zum 80. Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gibt einen guten Einblick in den Tag der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Essen. Einen wichtigen aktuellen Bezug haben Sie leider vergessen: Die Propaganda der Nazis wirkt bis heute nach. Zwei Straßen in Rüttenscheid tragen bis heute Namen, die ihnen die Nazis 1937 gegeben haben. Egal wie man zu von Seeckt und zu von Einem stehen mag - die Nazis haben nicht nur unzählige Familien und einen halben Kontinent zerstört‚ sie schaffen es bis heute, uns ihre Sicht der deutschen Geschichte aufzudrücken.

Zum Glück leben wir heute in einer Demokratie, die es jeden Tag zu verteidigen gilt. Deshalb ist es Pflicht, am Bürgerentscheid am Sonntag zur Straßenrückbenennung teilzunehmen. Das Kreuz gehört hinter Nein, weil wir auf diese Weise einen kleinen Beitrag dazu leisten, Unrecht wieder gut zu machen.

Reinhard Völzke, Von-Einem-Str.

17.01.2013, NRZ: Hitler als plakativer Kronzeuge

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NRZ / Essen,Donnerstag, 17.01.2013

Hitler als plakativer Kronzeuge

Tabubruch oder Faktenlage? Im Rüttenscheider Straßenstreit wird provokativ nachgelegt.


Von Wolfgang Kintscher

Sie haben selbst "stundenlang darüber diskutiert, ob wir das nun machen oder nicht" - Was wohl nichts anderes heißt, als: Ja, man kann trefflich darüber streiten, ob es angezeigt ist, die Stimmung vor dem Bürgerentscheid um zwei Rüttenscheider Straßennamen mit einem Plakat anzuheizen, dass Adolf Hitler 1936 mit einem der beiden Straßennamens-Paten zeigt.

Am Ende haben sich jene, die die Umbenennung der Von-Einem- und der Von-Seeckt-Straße verteidigen, dafür entschieden, das Motiv abzusegnen. Weil es, wie Günter Hinken von der Anwohner-Initiative "Irmgard und Ortrud" gestern betonte, nicht um einen Tabubruch um des Tabubruchs willen ging, sondern darum, die Menschen "zum Nachdenken anzuregen". Darüber, dass die Männer, die da im November 1937 aufs Straßenschild gehoben wurden "Hitler buchstäblich nahe standen": "Für uns ist das keine Polemisierung", so Hinken, "sondern ein Plakat, das auf pointierte Art und Weise historische Fakten wiedergibt".

Geliefert hat sie der Von-Seeckt-Biograf Friedrich von Rabenau, von dem nicht nur das Von Seeckt-Zitat von 1923 über Hitler stammt ("Im Ziele waren wir uns einig, nur der Weg war verschieden"), sondern der auch das 1936 bei einem Herbstmanöver im osthessischen Illnhausen entstandene Foto druckte: Das Zusammentreffen mit dem "Führer" sei für von Seeckt "eine der letzten großen Freuden seines Lebens" gewesen, schreibt er da.

Die Umbenennungs-Befürworter sehen in ihrem Plakat, das seit gestern in 250-facher Auflage in Rüttenscheid hängt, zweifellos einen Coup, wollen aber auch Missverständnisse von vornherein vermeiden: Hitler-nah seien nur die Generäle gewesen, nicht etwa jene, die heute die 1937 eingeführten Straßennamen zu Ehren von Einems und von Seeckts verteidigen, hieß es gestern vorbeugend.


"Das ist ein Plakat,
dass auf pointierter
Art und Weise historische
Fakten wiedergibt."
Günter Hinken von der Anwohner-
Initiative "Irmgard und Ortrud"

Diese Unterscheidung sei man auch den Vertretern des Bürgerbegehrens schuldig, die vorab über das Plakat informiert wurden. "Das war uns sehr wichtig."

Dass man in der Debatte an tatsächlichen oder vermeintlichen Tabubrüchen kaum vorbeikommt, finden die Umbenennungs-Befürworter schon mit Blick auf die jüngste Straßennamen-Debatte in Münster bestätigt: Dort hatte man ein Plakat zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in Schlossplatz mit der berühmten Hitlerverbeugung für den Reichspräsidenten bebildert: "Nein zu Hindenburg", hieß es da.

Und dass sie es ernst meinen mit der ernsthaften Faktensuche, wollen die Gegner der alten Straßennamen auch mit einer öffentlichen Infoveranstaltung am Dienstag, 22. Januar, um 19 Uhr in der Aula des Maria-Wächtler-Gymnasiums an der Rosastraßen 75 unter Beweis stellen. Ein wenig Geschichtswissenchaftliches zu denn beiden Straßenpaten wird es dort geben, dazu Stehtischgespräche mit Schülern, dem SPD-Landtagsabgeordneten Peter Weckmann und Nazi-Verfolgten aus den beiden Straßen.

"Wenn wir schon in die Debatte einsteigen", sagt Günter Hinken, "dann wollen wir auch die ganze Geschichte erzählen."
Bildunterschrift:

Plakativer Protest gegen die Beibehaltung der alten Straßennamen: Das Plakat mit dem Hitler-Konterfei.

17.01.2013, WAZ: Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf

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WAZ / Essen,Donnerstag, 17.01.2013

Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf

Im Rüttenscheider Straßenstreit machen die Anhänger einer Umbenennung jetzt sehr zugespitzt auf ihr Anliegen aufmerksam. Keinesfalls wolle man die Gegenseite in die rechte Ecke stellen.


Von Christina Wandt

Im Straßen-Wahlkampf von Rüttenscheid gibt es eine neue Eskalationsstufe: Am Montag hat die Initiative ProVon angekündigt, mit einem Flugzeug für ihr Anliegen zu werben, die Straßennamen Von-Seeckt und Von-Einem beizubehalten. Am Mittwoch nun begann die Initiative Irmgard und Ortrud, 250 Hitler-Plakate im Bezirk aufzuhängen - aus rein aufklärerischen Gründen.

So will es jedenfalls Günter Hinken verstanden wissen, der tatsächlich nicht im Ruf eines Populisten steht. Als Anwohner und Historiker gehe es ihm vielmehr darum, die Frage zu beantworten, ob die beiden auf den Straßenschildern verewigten Generäle nur harmlose Monarchisten waren, wie es die Gegenseite glauben machen will. Die plakative Antwort auf diese Frage lautet: "Von Seeckt stand - im wahrsten Sinne des Wortes - Hitler persönlich sehr nahe. Er war Vordenker der neuen Angriffsarmee und ist dafür von den Nazis gefeiert worden."

Als Belege dienen ein Bild und ein Zitat, die beide der Hans von Seeckt-Biographie von Friedrich von Rabenau entnommen sind: Das Foto zeigt Seeckt und Hitler 1936 beim Herbstmanöver bei Illnhausen. Das Zitat stammt von 1923, damals äußerte von Seeckt nach einer Begegnung mit Hitler: "Im Ziele waren wir uns einig, nur der Weg war verschieden."

Auf dem Plakat ist freilich nur der erste Teil des Satzes zu lesen, doch Hinken weist den Vorwurf der Verzerrung zurück. "Ein Plakat muss pointiert sein. Es geht uns hier nicht um Polemik; Wir wollen Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und laden die Bürger ein, die zugespitzte Darstellung zu überprüfen." Gelegenheit dazu gebe es bei einer Info-Veranstaltung am Dienstag im Maria-Wächtler-Gymnasium.

Dort werde mehr zu hören sein über die gemeinsamen Ziele von Hitler und Seeckt. Der Bürgerentscheid werde von allen mit viel Aufwand betrieben, sagt Hinken. "Da wollen wir auch die ganze Geschichte erzählen." So hat sich der Historiker Thorsten Noack, der an der Von-Seeckt-Straße lebt, mit dem Schicksal der jüdischen Anwohner der Straße befasst. "Wir finden, es zeugt von wenig Sensibilität gegenüber den Opfern der NS-Zeit, wenn die Straßen weiter nach Menschen heißen, die den Weg der Mörder an die Macht bereitet haben."

Wichtig ist Noack wie Hinken, dass es keineswegs darum gehe, die Gegenseite in die rechte Ecke zu stellen. Darum habe man die Pro-Von-Initiative vorab über das Plakat informiert. Man habe selbst lang über das Motiv diskutiert, sich aber durch das Beispiel Münster ermutigt gefühlt: Dort hatte ein Bürgerentscheid die Umbenennung des Hindenburgplatzes bestätigt - zuvor hingen in der Stadt Plakate, die Hindenburg und Hitler zeigten.

Trotz der plakativen Provokation glaubt Hinken: "Wenn die Straßen erst wieder ihre ursprünglichen Mädchennamen tragen, werden bald alle zufrieden sein."


Der Bürgerentscheid zu den Straßennamen

  • Der Bürgerentscheid zur Umbenennung der Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße findet am Sonntag, 3. Februar statt.
  • Abstimmberechtigt ist, wer am 3. Februar die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines EU-Mitgliedsstaates besitzt, mindestens 16 Jahre alt ist und seit mindestens 16 Tagen im Stadtbezirk II (Rüttenscheid, Bergerhausen, Rellinghausen, Stadtwaldt) lebt. Die Benachrichtigungskarten wurden versandt.
  • Die Initiative Provon wirbt für die Beibehaltung der Straßennamen Von-Seeckt und Von-Einem, die Initiative Irmgard und Ortrud will die Mädchennamen aus der Zeit vor 1937 zurück. So hatte es auch die Bezirksvertretung im Mai 2012 beschlossen.
 
Bildunterschrift:
Die Initiative "Ortrud und Irmgard" ist sich bewusst, dass dieses Plakat verstören kann. Doch sei es mit einer Einladung verbunden, die zugespitzte Aussage zu überprüfen: Am Dienstag oder unter www.irmgard-und-ortrud.de

08.11.2012, WAZ: Antidemokraten gehören nicht auf Straßenschilder

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WAZ / Essen, Rubrik Gastkommentar,Donnerstag, 08.11.2012

Antidemokraten gehören nicht auf Straßenschilder


Ingo Lingenberg

Die Rückbenennung der von den

Nazis 1937 veranlassten Namensehrungen ist schon lange überfällig. Ins Weltbild der Nazis passte die Geistes- und Wertehaltung der Generäle. Mit der Ehrung über Straßennamen wurde die Ideologie der Nazis propagiert.

Es ist erschreckend, wenn es den Gegnern der Umbenennung schlicht um das Beibehalten der Straßennamen geht. Die „ProVon"-Aktivisten müssten doch wissen, dass die Ideologie dieser Zeit ein Bürgerbegehren nicht zugelassen hätte. Erst mit Beseitigung der Naziherrschaft durch die Alliierten haben wir zur Demokratie gefunden. Die Gestaltung der Zukunft bedarf demnach durchaus des Blickes in die Vergangenheit. Für Demokraten sind die Taten der Generäle nicht vergessen, sie gehören aber nicht geehrt auf Straßennamen. Seit ca. dreißig Jahren setzen sich immer wieder Menschen dafür ein, die Ehrungen rückgängig zu machen. Was für ein Bild wirft es auf unsere Stadt und unseren Stadtteil, sollten wir es mit dem Wissen von heute nicht schaffen, ausgewiesene Antidemokraten, Völkermörder und Schwulenhasser von den Straßenschildern zu entfernen. Das schlichte ideologische Festhalten an den Straßennamen der Generäle ist mit dem heutigen Wissen nicht verstehbar. Ein Vorbild für die Jugend ist die ehrende Beibehaltung der Namen der Generäle wahrlich nicht! Demokratische Grundwerte sind eben nicht beliebig.

Die Rückbenennung der Straßen in Irmgardstraße und Ortrudstraße ist ein demokratischer Vorgang und hat mit Ideologie nichts zu tun. Das Mädchenviertel in Rüttenscheid erhält damit die 1906 vorgenommenen Namensgebungen zurück. Im Wissen um die Realitäten der Vergangenheit befürworten Historiker, viele Essener Bürger und die Anwohnerinitiative lrmgard und Ortrud die Rückbenennung der Straßen.

Ingo Lingenberg ist Vorsitzender der SPD Rüttenscheid. Er antwortet hier auf den gestrigen Gastkommentar von Heidemarie von Münchhausen (CDU)

07.11.2012, WAZ: Sie waren Monarchisten, aber keine Verbrecher

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WAZ / Essen, Rubrik Gastkommentar,Mittwoch, 07.11.2012

Sie waren Monarchisten, aber keine Verbrecher


Heidemarie von Münchhausen

Ein besorgter Rüttenscheider Anwohner hat mir eine Publikation des US-Historikers William S. Lind mit dem Thema: „Auslöschung unserer Erinnerung!“ im Zusammenhang mit den Straßenumbenennungen in Rüttenscheid zugesandt. Immer mehr anscheinend missliebige historische Straßennamen werden getilgt. Jüngste Fälle sind der Hindenburgplatz in Münster und in Essen die Von-Einem-Straße und die Von-Seeckt-Straße.

Solche Umbenennungen sind nicht so harmlos, wie sie zunächst erscheinen, sondern Teil einer schleichenden Ideologisierung. Man sollte sich nicht von seiner Geschichte abkehren. Fast alle großen Kulturen der Weltgeschichte haben sich stets an der Vergangenheit orientiert, haben ihre Vorfahren geehrt und gehasst. Man ist heute nicht klüger als sämtliche Generationen vor uns, das wäre Hochmut.

Ich meine, dass eine Gesellschaft ohne Bezug zur Vergangenheit keine Basis bietet um die Gegenwart beurteilen zu können! Die Menschen damals waren nicht alle Rechtsextreme, sondern sie lebten in einer anderen Zeit und in einer anderen Welt. Sie haben manchmal Großartiges geleistet und schließlich erst die Entwicklung unserer heutigen politischen Bedingungen möglich gemacht. Auch „von Seeckt“ und „von Einem“ waren Männer ihrer Zeit, Monarchisten und damit nicht automatisch Verbrecher.

Mir macht Sorge, dass diese Art von Persönlichkeitsverunglimpfung speziell von den etablierten Grünen ausgeht. Die Grünen werden oft als bürgerlich, gebildet und gut situiert und man höre, als weltoffen dargestellt. Umso mehr enttäuscht dieses engstirnige, ideologische Festhalten in Bezug auf die Umbenennung der Straßennamen. Viele Essener Bürger empfinden es als empörend, dass die Familiennamen von Seeckt und von Einem derart diskreditiert und politisch von den Grünen und der rot-rot-grünen Mehrheit im Bezirk instrumentalisiert werden.

Heidemarie von Münchhausen sitzt für die CDU in der Bezirksvertretung II, in der SPD, Grüne und Linke den Beschluss fassten, die Straßen umzubenennen. In der morgigen WAZ antwortet ihr der Vorsitzende der Rüttenscheider SPD, Ingo Lingenberg, der neue Namen für nötig und richtig hält.

07.11.2012, WAZ: Initiative appelliert an Politik: Bürgerwille Ernst nehmen

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WAZ / Essen, Rubrik Gastkommentar,Mittwoch, 07.11.2012

Initiative appelliert an Politik: Bürgerwille ernst nehmen

Straßen-Streit: Teurer Enscheid sei vermeidbar


Im Rüttenscheider Straßen-Streit appelliert die Bürgerinitiative „Pro Von“ an die Bezirksvertretung II, auf ihrer morgigen Sitzung dem Bürgerbegehren beizutreten und die Umbenennung der Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße rückgängig zu machen. Das „überwältigende Votum von mehreren Tausend Bürgerinnen und Bürgern muss geachtet werden“, heißt es. Von den betroffenen rund 1400 Anwohnern der beiden Straßen hätten sich ca. 95 Prozent gegen die Änderung ausgesprochen. Falls die Stadtteilpolitiker dies ignorieren, seien sie verantwortlich für die bis zu 100 000 Euro, die der dann folgende Bürgerentscheid koste. In Zeiten städtischer Sparpakete sei diese Ausgabe unverantwortlich.

CDU, Januar 2013: Flugblatt: Namen beibehalten!

Eq-CDU20130113_1.jpg BÜGERWILLEN
ERNST NEHMEN

Namen beibehalten!
Umbenennungswahn stoppen!

Bürgerentscheid am 3. Februar
JA

CDU


Eq-CDU20130113_2.jpg WARUM MIT
JA STIMMEN?

Nötig sind ca. 7.000 JA-Stimmen aus dem Stadtbezirk II (Rüttenscheid, Bergerhausen, Rellinghausen und Stadtwald). Es ist deshalb wichtig, dass auch Sie von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.

JA, weil:

UNNÖTIGE KOSTEN VERHINDERN

Wir die nötige Anzahl von JA-Stimmen erreicht, behalten die Von-Seeckt-Straße und die Von-Einem-Straße ihren Namen, Kosten fallen somit nicht an. Auch die Anwohner sparen Zeit, Geld und Nerven.

WEITERE UMBENENNUNGEN STOPPEN

SPD, Grüne und Linke wollen - falls der Bürgerentscheid scheitert - weitere Straßen umbenennen. Auch das verhindern Sie mit ihrer JA-Stimme. Etwa 90 Straßen stehen auf dem Prüfstand. Wir wollen die aktuellen Staßennamen behalten. Das gilt z.B. auch für die Moltkestraße, Richard-Wagner-Straße, Elsa-Brandström-Straße, Hindenburgstraße, Bismarkplatz udn weitere dutzende Straßennamen.


Eq-CDU20130113_3.jpgWELCHE STRASSE
IST DIE NÄCHSTE?

Namen behalten!
Umbenennungswahn stoppen!

Eq-CDU20130113_4.jpgHISTORISCHE WAHRHEITEN
STATT IDEOLOGIE

Karl von Einem, preußischer General und Kriegsminister, und Hans von Seeckt, Generaloberst und Chef der Obersten Heeresleitung während der Weimarer Republik, waren Moarchisten, so wie auch große Teile der Bevölkerung in der damaligen Zeit.

Man muss diese Menschen aus ihrer Zeit betrachten und nicht mit dem moralischen Zeigefinger von heute. Auch Goethe und Schiller, Luther und Shakespeare z.B. waren Monarchisten, weil ihre Zeit ihnen keine Auswahl ließ.

Wer dennoch für eine Umbenennun der Straßen plädiert, stülpt die ethischmoralische Einstellung seiner eigenen Zeit über die Geschichte und verfremdet Geschichte im ideologischen Sinne.

AUCH BRIEFWAHL IST MÖGLICH

Wenn sie am 3. Februar keine Zeit haben oder nicht in Essen sind, können Sie auch per Briefwahl abstimmen.

Informationen dazu finden Sie auf ihrem Wahlschein oder beim Wahlamt der Stadt Essen unter Tel.: 0201 - 88 12345. Dort (Kopstadtplatz10) können Sie auch vorab ihre Stimme abgeben.

Bitte gehen Sie wählen. Stimmen sie mit JA!


Eq-CDU20130113_5.jpg BÜRGERENTSCHEID?

SPD, Grüne und Linke haben sich dem erfolgreichen Bürgerbegehren, das durch die "PROVON"-Initiative eingeleitet und durch die CDU unterstützt wurde, verweigert. Deshalb kommt es nun zum Bürgerentscheid am 3. Februar 2013.

Gegen den von über 6.000 Bürgern per Unterschrift erklärten Willen, gegen den Wunsch von ca. 95% der Anwohner der Von-Einem-Straße und der Von-Seeckt-Straße halten SPD, Grüne und Linke an der Umbenennung der Straßen in "Irmgard" und "Ortrud" fest. Dazu suchen sie sogar den Schulterschluss mit der DKP.

WORUM GEHT ES AM 3. FEBRUAR ?

Alle Bürger in Rüttenscheit, Bergerhausen, Rellinghausen und Stadtwald mǘssen nun entscheiden, ob sie mit der Beibehaltung von zwei Straßennamen einverstanden sind.

Sind Sie dafür, dass die Von-Seeckt-Straße und die Von-Einem-Straße ihre Namen weiterhin behalten sollen?

Diese Frage steht auf dem Stimmzettel.

WARUM IST IHRE STIMME WICHTIG?

Mit ihrer JA-Stimme unterstützen sie die Anwohner der Von-Seeckt- und der Von-Einem-Straße.

Sie setzen ein Zeichen, dass Bürgerwille ernst genommen werden muss und stoppen den Umbenennungswahn!



Eq-CDU20130113_6.jpg BERGERHAUSEN:
MIT JA STIMMEN
Thomas Kufen, Landtagsabgeordneter
"Die Art und Weise, wie diese Umbenennung durchgezogen wurde, ist nicht in Ordnung. Zu Recht widersprechen die Anwohner dieser Umbenennung"
Matthias Hauer, ihr CDU-Bundestagskandidat
"Mit ihrer JA-Stimme verhindern Sie auch weitere Straßenumbenennungen. Das Geld kann sinnvoller als für Umbenennungen eingesetzt werden. Unsere Stadt hat wichtigere Probleme."
Peter Tuppeck, Vorsitzender CDU Bergerhausen
"Wenn sich eine überwältigende Mehrheit der Anwohner für die Beibehaltung der Straßennamen ausspricht, dann sollte Politik diesen klaren Bürgerwillen ernst nehmen.
ViSdP: CDU Essen
Blücherstraße 1, 45141 Essen
Tel.: 0201-247320, Fax 0201-2473299
E-mail info<a>cdu-essen.dePost_icon.png


Grüne, Aug. 2012: Nein zu falschen Helden

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An alle Haushalte in der Von-Seeckt-Str. und in der Von-Einem-Str.:


Rück-Umbenennung der Von-Seeckt-Str. in Irmgardstraße und der Von-Einem-Str. in Ortrudstraße


Die Position von Bündnis 90 / Die Grünen
Die Bezirksvertretung II hat am 24. Mai 2012 beschlossen, die Von-Seeckt-Straße in Irmgardstraße und die Von-Einem-Straße in Ortrudstraße zurück zu benennen. Damit erhalten die Straßen ihre alten Namen zurück, die sie bereits bis 1937 besaßen. Bündnis 90 / Die GRÜNEN unterstützt diesen Beschluss. Wir möchten Sie hier über unsere Entscheidung und die Folgen für Sie als Anwohnerinnen und Anwohner informieren.

Aufwände der Umbenennung
Es ist uns natürlich bewusst, dass Sie als Anwohner von der Umbenennung stark betroffen sind. Allerdings halten wir diesen Aufwand für begrenzt und vertretbar, da die Stadt Essen viele Änderungsleistungen kostenlos übernimmt und es auch eine längere Übergangsfrist geben wird. Die Stadt hat schon signalisiert, dass sich Aufwand und Kosten in Grenzen halten:

  • Die Adressänderung im Personalausweis ist – wie bei einem Umzug – kostenlos, da der Ausweis nicht komplett erneuert werden muss.
  • Die Grundbücher und andere Verzeichnisse werden automatisch aktualisiert.
  • Lediglich Fahrzeugscheine müssen gegen eine Gebühr von 11€ erneuert werden; wir werden uns weiterhin politisch bemühen, diese Gebühr zu vermeiden.
  • Für einen Zeitraum von mindestens einem Jahr werden alte und neue Straßenschilder parallel angebracht, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Dies gibt Ihnen eine zeitliche Flexibilität zur Informierung Ihrer privaten Kontakte.
  • Wir denken nicht, dass durch die Umbenennung eine Angleichung von Hausnummern erforderlich sein wird

Wir möchten Ihnen außerdem versichern, dass wir diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen haben, sondern uns Ihre zu tragenden Aufwände sehr bewusst sind. Dennoch halten wir diese begrenzten Aufwände angesichts der geschichtlichen Einordnungen für vertretbar.

Historisch gerechtfertigte Umbenennung
Denn am 13. November 2012 ist es 75 Jahre her, dass die Nationalsozialisten die Straßen nach Generälen benannten. Ursprünglich waren die beiden Straßen mit Frauennamen bezeichnet, daher spricht man im gesamten Stadtteil auch vom „Mädchenviertel“. Nach dem Krieg wurde diese Umbenennung trotz entsprechender Umbenennungsdirektive des Alliierten Kontrollrates nicht rückgängig gemacht. Vor ca. 20 Jahren machte eine Schüler- und Bürgerinitiative schon einmal auf die geschichtsproblematische Benennung der beiden Straßen aufmerksam. Und vor 5 Jahren gab es eine weitere Rück-Umbenennungsinitiative, auf die mit dem Aufstellen des Mahnsteines an der Kreuzung Von-Seeckt-Str./Von-Einem-Str. reagiert wurde
Insofern sind die Umbenennungsgründe seit vielen Jahren auch in Ihren beiden Straßen weidlich bekannt. Die Wiederherstellung der alten Straßennamen ist uns immer noch ein wichtiges Anliegen, um die ideologischen Markenzeichen der Nationalsozialisten nicht unwidersprochen für alle Zeiten bestehen zu lassen.


Eq-VonGrueFlug2012-2.jpgEhre, wem Ehre gebührt!
Straßenbezeichnungen haben in Deutschland eben auch eine Erinnerungsfunktion. Wenn sie nach Personen benannt sind, sollen diese Personen damit geehrt werden. Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob diese Ehre berechtigt ist? Die Antwort darauf ist nicht für alle Zeiten die Gleiche. Wir sind der Meinung, dass die beiden Herren von Seeckt und von Einem keine Vorbilder für unsere aufgeklärte, freiheitlich-demokratische Gesellschaft sind! Warum nicht?
300px-Eq-VonGrueFlug2012-Gen2.jpgUnser Stadtarchivar, Dr. Wisotzky, hat sich als ausgewiesener Historiker im Jahr 2008 auf dem Mahnstein u.a. so geäußert, dass der ehemalige Chef der Reichswehr, Hans von Seeckt, mit seiner „anti-demokratischen Einstellung zu den Gegnern der Weimarer Republik gehört und mit seiner Politik den Nationalsozialisten in die Hände arbeitete“. Und von Hans von Seeckt selbst ist folgendes Zitat über die Bedeutung der National- sozialisten überliefert: „Im Ziel waren wir uns einig; nur in den Wegen dorthin unterschieden wir uns.“

Zu Karl von Einem informiert der Mahnstein, dass er „zu den entschiedenen Gegnern der Demokratie zählte und damit zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus gehörte“. Die Machtübernahme der Nazis begrüßte Karl von Einem mit folgenden Worte:200px-Eq-VonGrueFlug2012-Gen1.jpg „Dankbar begrüßen wir deshalb das 1933 angebrochene Zeitalter der nationalen Erhebung, das von heroischen Persönlichkeiten und seiner hingebenden Gefolgschaft herbeigeführt wurde.“
Man mag in manchen Details zu unterschiedlichen Bewertungen ihrer Biographien kommen. Aber für uns ist historisch gesichert, dass Hans von Seeckt und Karl von Einem als antidemokratische Gegner der Weimarer Republik keine geeigneten Vorbilder für unser demokratisches Gemeinwesen sein können!
Angesichts der geschichtlichen Belastung dieser Straßennamen halten wir den Umbenennungsaufwand für vertretbar. Wir würden uns freuen, wenn Sie dies ebenso sehen und uns in dieser Haltung unterstützen würden. Aber selbst wenn Sie in dieser Frage anderer Meinung sein sollten, bitten wir Sie, die aufrichtige Haltung unserer Argumentation und der der weiteren Umbenennungsbefürworter zu respektieren. 150px-Eq-GruenBuend90Logo.png

Herzlichen Dank dafür!

www.gruene-essen.de

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Anonym, Sept. 2012: "Deutsche Volksgenossen!"

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Deutsche Volksgenossen für
von Einem und von Seeckt!


Fotounterschriftenzeile:
ProVon ist für mehr von deutschen Generälen für Essener Straßenname - gehören sie dazu? = (v. rechts nach rechts: v. Seeckt, v. Einem und v. Göring)


Deutsche Volksgenossen! Die vaterlandslosen Gesellen des linksradikalen Bündnisses aus SPD, Linken und Grünen wollen das Andenken der berühmten Söhne unserers Volkes von Einem und von Seeckt auslöschen! Das darf nicht sein! Darum erteilt den Linksextremisten eine Abfuhr! Macht mit beim Bürgerbegehren der „ProvonFront“ - denn wir allel lieben die VONs"

Wer waren von Seeckt und von Einem?

Auf jeden Fall zwei ehrenwerte Männer, die in ihrem gesamten Leben bewiesen haben, dass sie von solch neumodischen Schnickschnack wie Demokratie nichts hielten.

Von Seeckt, der den bemerkenswerten Satz geprägt hat: „der Krieg ist die höchste Steigerung menschlicher Leistung", war mit Leib und Seele Soldat und schon im ersten Weltkrieg mit höchsten Auszeichnungen behängt. Die Demokratie war ihm stets ein Greuel, und als erzreaktionäre und demokratiefeindliche Soldaten unter Kapp gegen die junge Weimarer Republik putschten und eine Menge Blut unter Arbeitern und anderen Verteidigern der Republik vergossen, verweigerte er die Hilfe des Militärs mit den Worten „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr“-

Vom Einem war nicht ganz so exponiert, aber er war auch nicht von Pappe:
Als Exponent des deutschen Militarismus veranlasste er die Bestrafung von Karl Liebknecht zu 5 Jahren Festungshaft wegen dessen Antikriegsschriften. 1931 pries er die Nationalsozialisten als Wahrer der Tradition Friedrich des Großen. Und 1933 begrüßte er folgerichtig die Machtübergabe an den Führer. So ganz nebenbei war er auch noch dafür, schwule Offiziere zu erschießen.

Außerdem waren die beiden 1931 mit dem Führer in einer Front. Der Harzburger nämlich. Die schon 1931 für die Abschaffung der Demokratie war. Von Seeckt sagte zu seiner beeindruckenden Begegnung mit Adolf Hitler: „Wir waren uns einig im Ziel“.

Das war wohl der Grund für die Umbenennung der Ortrud- und Irmgardstraße 1935 in Von-einem- und Von-Seeckt-Str. Und das Schöne: Hier wieder ein „VON“: Die Umbenennung war nämlich von den Nazis!

Und solche tollen Männer sollen aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt werden? Nicht mit uns! Wir sind Provon! Aber sowas von! Noch mehr VONs sollten mit Straßennamen geehrt werden! Fangen wir mit den Autobahnen an! Die waren schließlich auch von Hitler!

Aber noch viel mehr Namen fallen uns ein: von Frankenstein, 'von Pappe, von den Socken, von Sinnen, von wegen und nicht zuletzt von Göring. Nach dem hatten ja die Nazis die Rüttenscheider benannt. Nach dem Krieg wurde das rückgängig gemacht. Warum eigentlich?


Diese Organisationen unerstützen „ProVon“, dennoch ist dieses Blatt nicht von

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09.06.2012 WAZ: Kommentar: Säuberungen

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WAZ, Rubrik Kommentar (KOMPAKT: Analyse und Meinung),Samstag, 09.06.2012

Säuberungen


Von Frank Stenglein

Säuberungen

Oft haben Politiker eher das Image, zu zaudern, zu zögern und vor lauter Kompromissen zu wenig zu entscheiden. So gesehen hat die Bezirksvertretung II‚ das Stadtteil-Parlament für Rüttenscheid, Rellinghausen und Stadtwald und Bergerhausen mal einen ganz anderen Akzent gesetzt: Die Entscheidung, einigen hundert Bürgern der Von-Einem-Straße und der Von-Seeckt-Straße den vertrauten Straßennamen zu nehmen, war knallharte Politik nach Gutsherrenart. Zu Recht ist von betroffenen Bürgern eingewendet worden, dass ausgerechnet die Parteien, die sonst die hehren Ideale der Bürgerbeteiligung hochhalten, sich hier einen Dreck darum scheren. Man wird SPD, Grüne und Linke an ihre demonstrative Ignoranz gelegentlich erinnern.

Aber was zählen Grundsätze, wenn es um Ideologie geht. In der BV II wollen Leute, die gerne große Politik spielen, den Bürgern zeigen, wo der Hammer hängt. Ein ähnliches Muster gab es hier schon häufig. Überregional bekannt wurde der „Tische-Krieg“, der gescheiterte Versuch der BV II, mit geradezu irrationaler Energie die positive Gastronomie-Entwicklung in Rüttenscheid zu stoppen. Und jetzt die Straßenumbennung über die Köpfe aller hinweg. Es ist ein Systemfehler. dass einer Bezirksvertretung überhaupt so tiefe, willkürliche Eingriffe in die Lebenswelt der Bürger möglich sind, offenbar ohne dass der Rat die Chance zur Korrektur hat.

Die liberale „Zeit“ sprach jüngst zu Recht von einem „Terror der Tugend“ in diesem Land. Auf vielen Gebieten wollen uns selbst ernannte Tugendwächter das „Gute“ aufzwingen, wobei es in ihrem Ermessen liegen soll, worin dies „Gute“ genau besteht. Auf die Straßennamen bezogen heißt das: Nur Persönlichkeiten, die nach Ansicht der neuen Moral-Junker ohne Fehl und Tadel sind, sollen bleiben dürfen. Das ist vollkommen unhistorisch. Wollte man alle eliminieren, die heutigen (!) Maßstäben von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht genügen, müssten alleine in Essen wohl hunderte Straßennamen geändert und ein Dutzend Denkmäler geschleift werden. Das ist nicht Lernen aus der Geschichte, das ist Säubern. Dass die eifernden Akteure dabei noch oft auf dem linken Auge blind sind, sei nur am Rande vermerkt.

Natürlich darf keine Straße den Namen politischer Verbrecher tragen, egal übrigens ob sie recht

oder links standen. Unterhalb dieser Schwelle aber muss Maß gehalten werden. Wir Heutige können und sollen uns mit Benennungen früherer Generationen kritisch auseinandersetzen. Säuberungsfeldzüge sind der falsche Weg.


Grüne: April 2008, Mahnstein brauner Vergangenheit (aus Rundbrief 99)

Hier ein Artikel aus dem Newsletter "Grüne Zeiten" des Kreisverbandes Essen, April 2008. (Kontakt: Kreisverband@gruene-essen.de)
In der BV II geht ein großer Wunsch der Rüttenscheider GRÜNEN in Erfüllung. An der Straßenkreuzung Von - Einem / Von-Seeckt - Straße wird ein Mahnstein aufgestellt, der die beiden Namensgeber der Straßen in ihr richtiges politisches Bild

rückt, (siehe Texte).

Am SeecktEinemStein.jpg14.03.08 wurde der Mahnstein offiziell vorgestellt. GRÜNE betrachten dies als kleinen Erfolg nach mehr als zehnjähriger gemeinsamer Arbeit mit dem Aktionskreis Rüttenscheid an diesem Thema. Die weitergehenden Vorschläge der GRÜNEN zur Umbennung der Straßen waren nicht durchsetzbar, aber immerhin ist der Mahnstein mit dem folgenden Text ein vertretbarer Kompromiss:

_Von-Seeckt-Straße_

Früher Henriettenstraße, dann Irmgardstraße, von den Nationalsozialisten am 20. November 1937 umbenannt nach Hans von Seeckt (22.4.1866 - 27.12.1936), General- oberst, von 1920 bis 1926 Chef der Heeresleitung. Von Seeckt, ein überzeugter Monarchist und Antirepublikaner, baute die Reichswehr als "Staat im Staate" aus und verhinderte - auch mit der Förderung monarchistisch-nationalistischer Tradition - ihre Integration in die demokratische Ordnung. Er befürwortete die revanchistische Politik gegen Frankreich und Polen und betrieb die illegale Aufrüstung der Reichswehr. Von Seeckt gehörte mit seiner anti- demokratischen Einstellung zu den Gegnern der Weimarer Republik. Mit seiner Politik arbeitete er den Nationalsozialisten in die Hände.

_Von-Einem-Straße_

Früher Ottilienstraße, dann Ortrudstraße, von den Nationalsozialisten am 20. November 1937 umbenannt nach Karl von Einem gen. von Rothmaler (1.1.1853 - 7.4.1934), von 1903 bis 1909 preußischer Kriegsminister, während des Ersten Weltkrieges Befehlshaber der 3. Armee. Der erzkonservative, antidemokratisch eingestellte Generaloberst engagierte sich während der Weimarer Republik im Bund der Aufrechten, einer nationalistischen monarchistischen Vereinigung, deren Vorsitzender er in den 1930er Jahren wurde. Auch von Einem zählte zu den entschiedenen Gegnern der Demokratie und gehörte damit zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus.

Joachim Drell



Die neue "Käthe-Larsch-Straße" im Univiertel

11.01.2012, WAZ: Leserbrief: Endlich ein Kommunist

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WAZ / Essen,Mittwoch, 11.01.2012

Leserbrief: Endlich ein Kommunist


Beschämender hätte der Umgang mit einer Straßenbenennung nach einer kommunistischen Widerstandskämpferin gar nicht stattfinden können. Endlich, nach über 66 ]ahren, wurde in Essen eine Straße nach der mutigen jungen Essener Kommunistin Käthe Larsch benannt. Sie hatte wie viele Kommunisten alles riskiert, sogar ihr Leben. Beschämend, dass die Adressen der GSE-Seniorenwohnungen und des Altenheims auf keinen Fall "Käthe-Larsch-Straße" heißen dürfen. So gibt es das ungewöhnliche Konstrukt: auf der einen Seite der Straße das Schild Käthe-Larsch-Straße und auf der anderen Straßenseite das Schild Friedrich-Ebert-Straße Nr. 63-65.

In allen europäischen Ländern werden kommunistische Widerstandskämpfer für ihre bedeutende Rolle im Widerstand gegen den Faschismus hoch geehrt. Doch in Deutschland wird bis heute kommunistischer Widerstand diskriminiert und ausgegrenzt. Dagegen werden Straße, Krankenhaus, Konzertsaal nach dem in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher Alfried Krupp benannt. Und die FDP, die gegen eine Käthe-Larsch-Straße stimmte, hat die braune Vergangenheit ihres Mitglieds Dr. Ernst Achenbach immer noch nicht aufgearbeitet.   Alice Czyborra, Essen

11.01.2012, WAZ: Leserbrief: Was ist mit Stalin?

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WAZ / Essen,Mittwoch, 11.01.2012

Leserbrief: Was ist mit Stalin?


Wenn sich der Autor des Leserbriefs vom 9. Dezember sachkundig gemacht hätte, dann wüsste er, dass die Kommunistische Partei für Stalin die Plattform für seine mörderische Diktatur war, bei der in der Sowjetunion Millionen Menschen umgebracht wurden. Die SED in der ehemaligen Parteidiktatur der DDR stand Stalin trotzdem immer sehr nahe. Zu Lebzeiten von Frau Larsch war Stalin bereits seit 13 jahren Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Wenn also Frau Larsch, was ich leider nicht weiß, den Massenmörder Stalin ebenso kritisiert hat wie sie es lobenswerter Weise mit dem Massenmörder Hitler getan hat, würde auch ich der Benennung einer Straße nach ihrem Namen nur allzu gern zustimmen.

Was die "demokratischen" Kommunisten betrifft; Leider gab bzw. gibt es keinen Staat auf diesem Globus, welcher den Kommunismus bzw. Sozialismus demokratisch praktiziert hat. Es waren entweder Personendiktaturen (wie Mao, Stalin, Castro, Kim Yong Il etc.) oder Parteidiktaturen (wie in der UDSSR nach Stalin, in der DDR, im Kongo etc.), Solche Staaten tarnen sich gern mit der Bezeichnung Demokratische Volksrepublik.   Udo Derlath, Essen

10.01.2012, WAZ: Leserbrief: Kommunisten die besten Demokraten

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WAZ / Essen,Dienstag, 10.01.2012

Leserbrief: Kommunisten die besten Demokraten


Sie schreiben, dass Widerstand gegen das NS—Regime entweder "demokratischen Zielen" oder dem Aufbau einer "anderen Diktatur" diente und der Widerstand von Kommunisten daher nicht zu ehren sei. Woher nehmen Sie die Auffassung, dass Kommunisten keine Demokratie anstreben würden? Kommunisten streben doch eine Gesellschaft an, die demokratischer nicht gedacht werden kann. Aber selbst wenn Sie das so nicht sehen wollen, müssen Sie doch anerkennen, dass es immer noch verdienstvoll ist, gegen die Barbarei des Faschismus und Rassenwahns vorzugehen.   Olaf Swillus, Essen

09.01.2012, WAZ: Leserbrief: Antikommunismus

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WAZ / Essen,Montag, 09.01.2012

Leserbrief: Antikommunismus


Man kann nur zustimmen, wenn Ratsherr Wandtke die Straßenbenennung der Kommunistin Käthe Larsch verteidigt. Seit Adenauer wurde der Antikommunismus zur Staatsdoktrin und so ist es üblich geworden, den kommunistischen Widerstand gegen Hitler auszublenden. Die WAZ übertrifft das noch, wenn sie schreibt, er habe "der Vorbereitung einer anderen Diktatur“ gedient.   Dietrich Keil, Essen

06.01.2012, WAZ: Grüne verteidigen Ehrung für Käthe Larsch

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WAZ / Essen,Freitag, 06.01.2012

Grüne verteidigen Ehrung für Käthe Larsch


Erneut verteidigt haben die Essener Grünen ihre politisch umstrittene, von SPD und Linken gestützte Initiative, eine Straße im neuen Univiertel nach der Kommunistin und Widerstandskämpferin Käthe Larsch zu benennen. Die Mutter von vier Kindern starb 1935 in Gestapo-Haft, bei der sie Folterungen erlitt- der Historiker Ernst Schmidt hat ihr Schicksal in seinem Standardwerk "Lichter in der Finsternis" beschrieben.

Obwohl Käthe Larsch KPD-Mitglied war, sei ihre Ehrung nicht als Denkmal für KPD-Parteigänger zu verstehen, sagte Grünen—Ratsherr Walter Wandtke. "Als Grüne Mandatsträger sind wir aber selbstverständlich davon überzeugt, dass Lebensleistung wie auch Tragik von Menschen im Widerstand gegen den nationalsozialistischen Unrechtsstaat gleichermaßen etwa für Christen, Kommunisten, Sozialdemokraten oder Juden zu würdigen ist“, so Wandtke in einer Erklärung.

Nach Ansicht der Grünen ist es demnach offenbar ohne Belang, ob der Widerstand gegen das NS-Regime demokratischen Zielen diente oder - wie bei der KPD - dem Aufbau einer anderen Diktatur. Ebendies hatte zu Irritationen bei der CDU geführt, und FDP und EBB bewogen, die Namensgebung abzulehnen.  F.S.

04.01.2012, WAZ: Leserbrief: Würdigung richtig

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WAZ / Essen,Mittwoch, 04.01.2012

Leserbrief: Würdigung für Kommunistin richtig


Respekt für alle, die der antifaschistischen Erinnerung Raum schaffen! Dass die Ehrung einer kommunistischen Widerständlerin von der FDP "nicht nachvollzogen" werden kann und bei der CDU "Bedenken" auslöst, wundert kaum. Wer nach dem Krieg in Serie NS-Täter organisierte, wird dem mutigen Widerstand einer Frau wie Käthe Larsch wenigstens mit Skepsis begegnen.

Braucht Essen Erinnerung auch an die kommunistische Ideologie? Natürlich! Es waren zahllose marxistische Sozialdemokraten unter den Arbeitern, die die Stadt von Kohle und Stahl einst aufbauten.

Die kommunistischen Arbeiter traten schon 1920 mit der Roten Ruhr Armee dem Faschismus entgegen. Und nach dem Desaster des 2. Weltkrieges wurde die Stadt mit dem ersten Nachkriegs—OB, einem KPD-Mann, wieder aufgebaut. "Die kommunistische ldeologie" zu würdigen, ist auch nirgends so angebracht wie im Land von Marx und Engels.   Dirk Willing, Essen


Verbissen

Demokraten und Nazi-Gegner sollten sich über die Würdigung des Widerstandes einer einfachen Arbeiterfrau gegen den Naziterror freuen. Das können verbissene Antikommunisten nicht verstehen.

  Walter Hilbig, Essen

06.01.2012: Leserbrief von W.Wandtke und R.Mielke

zu Artikel vom 3.1.2012 : „Straße für Kommunistin und NS-Opfer“

Ein Leserbrief zur Richtigstellung

Der zunächst von der Bezirksvertretung I auf den Wege gebrachte und Anfang Juli 2011 im Hauptausschuss der Stadt Essen von den Grünen gestellte und mehrheitlich so beschlossene Antrag, eine kleine Straße im Universitätsviertel nach der Widerstandskämpferin Käthe Larsch zu benennen, ist kein Denkmal für KPD-Parteigänger.

Als Grüne Mandatsträger sind wir aber selbstverständlich davon überzeugt, dass Lebensleistung wie auch Tragik von Menschen im Widerstand gegen den nationalsozialistischen Unrechtsstaat gleichermaßen etwa für Christen, Kommunisten, Sozialdemokraten oder Juden zu würdigen ist.

Die Frage wie Stalinismus als Staatsdoktrin in der Sowjetunion oder später in DDR moralisch zu beurteilen oder zu verurteilen ist, bleibt ein anderes Streitfeld.

Die Ehrung von Käthe Larsch, die bereits im Mai 1935 als Folteropfer durch die deutsche Gestapo ermordet wurde, hat sachlich mit Kommunismus wie Antikommunismus nichts zu tun.

Deshalb ist es hier unwichtig, ob die Vorlagen damaliger Flugblätter gegen den NS-Terror, die im Keller ihrer Wohnung gedruckt wurden und von ihr mit verteilt wurden, von der verbotenen KPD oder der damals ebenso illegalen SPD stammten.

Menschen in den Vordergrund zu stellen, die den Mut aufbrachten, gegen einen die Menschenrechte verachtenden, scheinbar übermächtigen Staat vorzugehen, ist auch Aufgabe öffentlicher städtischer Namensgebung.

Leider war Herr Stenglein im Gegensatz zu anderen Journalisten nicht bei der öffentlichen Veranstaltung der Grünen am 30.12.2011 anwesend, die wohl Anlass seines Artikels war. Zu diesem Termin waren sowohl allgemein an der Straßenbenennung interessierte, wie auch insbesondere die Enkel von Käthe Larsch nach Essen gereist.

Dort hätte Herr Stenglein den Vortrag von Klaus Gerstendorff, eines jetzt in Nürnberg lebenden Enkels von Käthe Larsch hören können.

Genauere Details aus dem Leben seiner Großmutter wie auch der Eltern seiner Geschwister zeigen für die Familie demnach ein durchaus gebrochenes Verhältnis zu den Heldenmythen, die später die KPD in West- wie Ostdeutschland pflegten.

Zu Hans Marchwitza

Schade auch, dass im NRZ/WAZ-Artikel die Vorgeschichte der Namensgebung nicht korrekt wiedergegeben ist. Der erste Namensvorschlag der Grünen Fraktion im Stadtbezirk I für den bis 1933 in Essen lebenden Bergarbeiterschriftsteller Hans Marchwitza hatte die mehrheitliche Zustimmung auch der anderen Parteien in der Bezirksvertretung erhalten.

Insbesondere Hans Marchwitza ist aber nach dem durch die Nationalsozialisten erzwungenen Verbot seiner Bücher und rettendem Exil eine „Persönlichkeit von überörtlicher Bedeutung“. Tatsächlich siedelte Marchwitza auch bald nach seiner Rückkehr aus dem us-amerikanischem Exil schon 1947 in die DDR über und wurde dort eine Art „Vorzeige-Arbeiterschriftsteller“.

Über solche Namen darf laut Hauptsatzung der Essen auch nur der Hauptausschuss entscheiden. Über die Bestätigung des Beschlussvorschlags der Bezirksvertetung I für „Hans Marchwitza“ wurde im Hauptausschuss allerdings gar nicht abgestimmt.

Sehr überraschend hatte die Stadtverwaltung die entsprechende Vorlage zurückgezogen, da sie wohl eine weitere öffentliche streitbare Debatte über die Namensgebung vermeiden wollte. Ob eine Abstimmung über Hans Marchwitza im Hauptausschuss letztlich gegen den Bergarbeiterschriftsteller ausgegangen wäre, lässt sich nur spekulieren.

Mit bestem Gruß, Walter Wandtke Reinhard Mielke


03.01.2012, WAZ: Straße für Kommunistin und NS-Opfer eingeweiht

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WAZ/NRZ / Essen,Dienstag, 03.01.2012

Straße für Kommunistin und NS-Opfer eingeweiht


Trotz Bedenken in der CDU und gegen den Willen von FDP und Essener Bürgerbündnis haben sich die Grünen im Verein mit SPD und Linken durchgesetzt: Nach der 1935 von der Gestapo ermordeten Altenessener Kommunistin Käthe Larsch ist nun eine Straße im Univiertel benannt. Ihren Mut, mit Flugblättern gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime vorzugehen, bezahlte die damals 33-jährige Mutter von vier Kindern mit dem Leben. Ihr Ehemann Rudolf Larsch, ebenfalls Mitglied der stalinistischen KPD im Untergrund, verbüßte seit 1933 wegen Widerstands gegen den NS-Staat eine Zuchthausstrafe.

Erster Antrag scheiterte

Das Vorschlagsrecht für die Straße hatten die Grünen, die mit ihrem ersten Antrag — es ging um den kommunistischen Schriftsteller und späteren SED-Kulturfunktionär Hans Marchwitza - nicht durchdringen konnten. Auch mit dem zweiten Vorschlag blieben die Grünen ihrem Anliegen treu, im Univiertel einem KPD-Parteigänger ein Denkmal zu setzen. Genau darum drehte sich auch der Konflikt. Die FDP etwa empfand es bei aller persönlichen Tapferkeit von Käthe Larsch als "nicht nachvollziehbar", weshalb die Stadt Essen die kommunistische Ideologie mit

einer Straße ehren solle.   F.S.

27.12.2012 Einladung zur Einweihung der Käthe-Larsch-Strasse

Quelle: via Email von Walter Wandtke, DIE GRÜNEN

Einladung für Prese und Interessierte zu einer öffentlichen politisch-historischen Straßeneröffnung:

Einweihung der Käthe-Larsch-Strasse / Ecke Friedrich Ebert-Str.
am 30.12.2011 um 12.00 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren der örtlichen Medien!

Über mehrere Monate hinweg gab es vergangenen Jahr eine kontroverse Debatte um die Grünen Namensvorschläge und die darauf folgenden Mehrheitsbeschlüsse der BV I für eine kleine Straße im Universitätsviertel. Seit Anfang Dezember ist nun das Straßenschild für Käthe-Larsch auch ordnungsgemäß angebracht.
Leider hatte der erste Grüne Vorschlag, der im Dritten Reich zu den verbotenen Autoren gehörende Bergarbeiterschriftsteller Hans Marchwitza, trotz Mehrheitsvotums in der Bezirksvertretung in Teilen der Politik und Presse immer noch für zu große negative Emotionen gesorgt. Ohne die bisher unbewiesenen Vorbehalte gegen diesen Schriftsteller zu teilen, hatten sich die Grünen deshalb entschlossen, mit Käthe Larsch eine Essener Widerstandskämpferin zu ehren, deren Vorbildfunktion schwerlich in Frage zu stellen ist.

Käthe Larsch hatte bereits am 29. Mai 1935 ihren Mut, gewaltlos mit Flugblättern gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime vorzugehen, mit dem Leben bezahlen müssen. Sie wurde im Zuge brutaler physischer wie psychiatrischer Verhörmethoden der Gestapo ein Opfer des NS-Staats. Nachdem ihr Ehemann Rudolf Larsch schon 2 Jahre lang wegen politischer Widerstandstätigkeit eine Zuchthausstrafe verbüßte, wurden die vier Kinder von Käthe Larsch zudem bis 1945 in ein nationalsozialistisches Kinderheim verbracht.
Mit der Erinnerung an Käthe Larsch kann diese Straßenbenennung also auch vor Augen führen, wie nationalsozialistisches Unrecht nicht nur einzelne Menschenleben zerstört hat, sondern auch Einfluss auf mehrere Generationen von Überlebenden nimmt.

In der Erinnerung daran möchten wir Grünen gemeinschaftlich mit verschiedenen Nachkommen und Verwandten der ermordeten Käthe Larsch am Freitag dem 30 Dezember um 12.00 Uhr die Straßenbeschilderung mit einer Gedenkveranstaltung würdigen, zu der auch Angehörige ( die z.T. Teil aus Berlin und Bielefeld anreisen) einen Redebeitrag vorbereiten werden.

Angesichts der wahrscheinlich kühlen Witterung laden wir Angehörige und Interessierte Pressevertreter im Anschluss daran ab circa 12.30 Uhr zu einen ruhigen Fortführen dieser Gespräche bei Kaffee und Schnittchen in das Büro des Grünen Kreisverbands am Kopstadtplatz 13. ( 3. Etage ein ).

Für den Grünen Kreisverband mit freundlichen Grüßen,
Walter Wandkte


Bericht über die Einweihung

von Walter Wandtke, DIE GRÜNEN

Im Beisein des Bezirksbürgermeisters für den Stadtbezirk I, Peter Valerius versammelten sich gut 20 Personen, darunter die Enkel von Käthe Larsch und deren Angehörige zu einer nicht amtlichen Straßeneröffnung.

Bereits Anfang Dezember ist das Straßenschild zu Ehren von Käthe Larsch an der Einmündung zur Friedrich-Ebert-Str. von der Stadtverwaltung montiert worden. Leider finden sich dort keinerlei Hinweis darauf, warum denn an diese Frau, die bereits vor über 66 Jahren ermordet wurde, heute noch erinnert werden soll.

Das wollte am 30 Dezember 2011 eine von den Essener Grünen organisierte Gedenkveranstaltung nachholen, die vor Ort im sogenannten Universitätsviertel an der neuen Straße begann und mit ausführlichen Gesprächen ihren Abschluss in der nahe gelegenen Geschäftsstelle des Grünen Kreisverbands fand.

Rats- und Bezirksvertretungsmitglieder der Grünen, aktive aus der VVN ( Verband der Verfolgten des NS-Regimes) und weitere Interessierte trotzten am letzten Freitagmittag des alten Jahres dem nasskalten Nieselregen, um die Altenessenerin Käthe Larsch zu ehren.

Bereits am 29. Mai 1935 hatte sie ihren Mut, gewaltlos mit Flugblättern gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime vorzugehen, nach 11 tägiger Gestapofolter mit dem Leben bezahlen müssen. Die NS-Polizeibehörden-, wie auch der Medizinapparat hatte in dieser Zeit erfolglos versucht, ihr wichtige Information über Widerstandsgruppen im Ruhrgebiet abzupressen. Nach der Verhaftung in ihrer Wohnung in der Seumannstraße war Katharina (Käthe) Larsch allerdings im Zuge brutaler physischer wie psychiatrischer Verhörmethoden erst in Polizeigewahrsam, später in den Essener städtischen Krankenanstalten und schließlich in der Düsseldorfer psychiatrischen Klinik Grafenberg unter bis heute nicht geklärten Umständen ein Opfer des NS-Staats geworden und wurde dort auch begraben.

Ihr Ehemann Rudolf Larsch verbüßte bereits seit 1933 wegen politischer Widerstandstätigkeit gegen den NS-Staat eine Zuchthausstrafe. So mussten die vier Kinder nach der Ermordung ihrer Mutter Käthe Larsch die Zeit bis Kriegsende 1945 in einem Kinderheim in Frohnhausen verbringen. Die Leidensgeschichte dort als sogenannte „Kommunistenkinder“ prägte schließlich noch die Erziehung der heutigen Enkelgeneration.

Klaus Gerstendorff, Sohn von Wera Gerstendorff, geborene Larsch, hatte als einer der Enkel von Käthe Larsch für diesen Erinnerungstag einen Vortrag ausgearbeitet, der eindringlich das vom nationalsozialistischen Terror geprägte Leben der Familie über drei Generationen hinweg beschrieb. Herr Gerstendorff stellte auch das hier abgedruckte historische Foto seiner Großmutter mit ihren Kindern zur Verfügung.

Auch seine Idee, künftig im anliegenden Seniorenheim der städtischen GSE diesen Vortrag für dessen BewohnerInnen und die Pflegekräfte zu wiederholen, verdient Unterstützung. Vielleicht würde nach diesen Informationen die Einsicht wchsen, dass eine Adresse nach Käthe Larsch auch nicht weniger ehrenvoll sein muss, als ein künstlicher Seitenzweig der Friedrich Ebert Strasse, der der SPD so wichtig war.

Leider lehnt die Leitung des eigentlich an der Käthe-Larsch-Str. liegenden Altersheims es bisher ab, für einen solchen Vortrag des Enkels einen Raum zur Verfügung zu stellen.

Für die Zukunft ist trotzdem zu hoffen, dass eine lange vorbereitete Ausstellung über Käthe Larsch im „Haus der Essener Geschichte“ in absehbarer Zeit auch wirklich fertig gestellt wird. Dann wäre eine über Monate hinweg kontroverse Debatte über den Namen dieser neuen Straße zu einem guten Abschluss gekommen.

Auch auf der Webseite von www.linksdiagonal.de gibt es einen Bericht über diese Veranstaltung - ebenso als mp3-Audio-Datei den dort gehaltenen Vortrag von Klaus Gerstendorf, einem Enkel von Käthe Larsch.



Juli 2011: Späte Ehrung für Widerstandskämpferin aus Altenessen

aus den Webseiten von Grüner Kreisverband Essen

Wandtke: Späte Ehrung für Widerstandskämpferin aus Altenessen

Straßenbenennung nach Käthe Larsch

Anlässlich der mehrheitlichen Entscheidung des gestrigen Hauptausschusses der Stadt Essen für eine Benennung einer Straße im neuen Universitätsviertel nördlich der Friedrich-Ebert-Straße nach Käthe Larsch, erklärt Walter Wandtke, grüner Ratsherr:

„Wir freuen uns, dass mit Käthe Larsch eine mutige Frau mit einem Straßennamen geehrt wird, die sich aktiv dem nationalsozialistischen Terror entgegenstellte. Unterstrichen wird mit dieser Entscheidung auch, dass jeder Widerstand gegen den Nationalsozialismus einen Anspruch auf Respekt und Erinnerung verdient. Für diese Erinnerung muss das Einzelschicksal gewürdigt werden, gleich ob dieser Mensch seinen Widerstand gegen den NS-Terror kommunistisch, sozialistisch, religiös oder bürgerlich-humanistisch begründet hat. Die Ehrung einer kommunistischen Widerstandskämpferin an diesem Ort weist aber auch auf die Vorgeschichte als 'rotes Viertel' des heutigen Universitätsbezirkes im Essener Segeroth hin. Wer im Universitätsviertel nur Straßennamen mit Wissenschaftsbezug akzeptiert, unterschlägt eine historisch wichtigen Aspekt, der in den siebziger Jahren zur Gründung der Universität gerade an diesem Ort am Nordrand der Stadtmitte geführt hat.“

Die Altenessener Arbeiterfrau und Mutter von vier Kindern wurde im Mai 1935 für das Herstellen von antifaschistischen Flugblättern erst verhaftet, und später, als sie die Namen ihrer Mitbeteiligten nicht preisgab, im Zusammenwirken von Polizei und medizinischen Helfern ermordet.

Vor den Flächenbombardements im 2. Weltkrieg waren im Segeroth-Viertel billige Wohnquartiere zu finden, in denen Zehntausende von Arbeiterfamilien unter den miserabelsten Bedingungen leben mussten. Hier fanden bis zu den Deportationen durch den NS-Staat auch andernorts ausgegrenzte Sinti und Roma ihre Existenznischen.


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